Test: Lehle Mono Volume 90, Volumepedal

26. September 2017

Schwellen in höchsten Gefilden!

Es gibt Produkte, die haben es in ihrer Außendarstellung doppelt schwer. Zum einen regeln sie einen Effekt, der von den meisten zumeist als recht unspektakulär eingestuft wird und zum anderen folgt, zumeist aus Unwissenheit, in sehr kurzem Abstand gerne die Aussage „das kann ich doch auch anders machen“. Eines dieser bemitleidenswerten Spezies ist das Volume-Pedal, das zwar schon seit dem Anbeginn er Elektrogitarre in mannigfaltigen Variationen auf dem Markt erhältlich ist, es aber nach wie vor nicht über einen dezenten Insiderstatus hinaus gebracht hat. Zitat: „Ich habe an meiner Gitarre einen Lautstärkeregler, ich habe an meinem Verstärker einen Lautstärkeregler, was soll ich da mit einem Volume-Pedal?“ Dem Mann kann geholfen werden!

— Lehle Mono Volume 90 —

Facts & Features

Wenngleich der Name Lehle im Profibereich es in die höchsten Gefilde, wie zum Beispiel auf das Pedalboard von Jeff Beck geschafft hat, wird der Name dem einen oder anderen Musiker, der wenig mit parallel zu verwaltenden Verstärkern im Studio oder auf der Bühne zu tun hat, eher eine unbekannte Größe darstellen. Die von Burkhard Lehle im Jahr 1999 gegründete Firma hat sich darauf spezialisiert, Signale bei höchster Klangtreue zu schalten, splitten oder routen, eine aktive Signalbearbeitung im Sinne eines Effektgerätes findet meines Wissens nach nicht statt.

Zudem werden die Produkte in Deutschland konstruiert, hergestellt und montiert, sodass man von einem echten „Made in Germany“ sprechen kann und nicht wie bei einigen amerikanische Firmen, die ihre Produkte in Mexiko bauen lassen, es in die USA zurück importieren, da noch ein paar Einzelteile zusammenschrauben, um es dann als „Made in USA“ mit entsprechendem Preisaufschlag verkaufen zu können. Lehle steht seit Beginn der Firma für deutsche Ingenieurskultur, will heißen, massivste Bauweise mit besten Einzelteilen, für höchste Langlebigkeit gebaut mit einem entsprechenden Abgabepreis. Günstig heißt anders, klingt aber auch anders! Nun denn, warum sollte man knapp 240 Euro für einen scheinbaren Lautstärkeregler auf den Tisch legen?

— Lehle Mono Volume 90, Seitenansicht 2 —

Konstruktion

Als ich die Verpackung des Lehle Mono Volume 90 das erste Mal in die Hand nahm, lag die Vermutung nah, Lehle hätte zum Auspolstern des Verpackungskartons Bleiakkus von Autobatterien verwendet. Das äußerst massiv aus Stahlblech gebaute Pedal bringt es auf nicht ganz zwei Kilogramm, einen Wert, den man nur sehr selten bei Pedalen dieser Größenordnung (26 cm x 10 cm x 6,6 cm) findet. Wer jetzt in Sachen Innenleben auf ein lustlos platziertes Potentiometer tippt, könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein. Selbige Problematik kennen wir ja noch aus den ersten CryBaby-Generationen, die parallel zur Höhenabnahme bei Rücknahme der Lautstärke, aufgrund der Nähe zum zumeist dreckigen Bühnenboden auch immer wieder gerne mit Verschmutzen der Leiterbahnen und einem damit einhergehend Kratzen auf sich aufmerksam machten.

Auch wurde nicht die berühmte Morley Lösung in Form einer Lichtschranke verwendet, vielmehr betritt der Hersteller hier Neuland und verbaut bei dem Lehle Mono Volume 90 einen Magnetsensor, der sich den nach Edwin Hall benannten Hall-Effekt zunutze macht und die Stärke eines Magnetfeldes misst. Die Regelung erfolgt völlig verschleiß- und rauschfrei, zudem ermöglicht sie ein extrem präzises Arbeiten. Das Pedal ist im Regelweg justierbar und ermöglicht eine Regelung von -92 dB bis 0 dB. Man kann allerdings auch eine Mindestlautstärke von -10 dB unter Unity-Gain eingeben und über einen Gain-Regler einen Booster von +10 dB einstellen. Ein schönes Feature für leistungsschwache Vintage-Pickups.

Um diese aktive Elektronik zu betreiben, benötigt das Lehle Mono Volume 90 eine interne Betriebsspannung von 18 Volt, die es sich, und das ist das Besondere, aus nahezu jedem Spannungslieferanten von 9 – 15 Volt DC oder 7 – 12 Volt AC durch Gleichrichten, Filtern und Stabilisieren zusammenbaut. Ein Traum wird wahr, verglichen mit dem Netzteil Drama, was einige Hersteller ihren Kunden zumuten. Allein dafür müsste man sich das Lehle Mono Volume 90 kaufen, um es den anderen Herstellern um die Ohren zu hauen, wenn sie wieder mit ihren proprietären Insellösungen ankommen, um einen Kunden in die Abhängigkeit zu ihren Netzteilen zu bringen. Ein Eingang, zwei Ausgänge (Dry und FX), fertig! Ach ja, zwei Bohrlöcher in Kombination mit zwei Bohrschlitzen zwecks Reinschiebens des Pedals auf einem Floorboard ist wieder mal eine dieser kleinen, aber exzellenten Detaillösungen, an denen man echte Ingenieurskunst erkennt.

— Lehle Mono Volume 90 Stirnseite —

Das Lehle Mono Volume 90 in der Praxis

Ganz einfach, ganz kurz, schlicht und ergreifend perfekt! Alles funktioniert, die persönlichen Einstellmöglichkeiten suchen ihresgleichen, der Sound wird zu keiner Zeit verändert oder gefärbt. Ob als Booster für einen weiteren Kanal vor dem Vintage Amp, als Volume-Regler für den „Geigeneffekt“ an der Gitarre oder als Mastervolume-Regler im seriellen FX-Loop für das kurzzeitige Anheben der Lautstärke während des Solos (der FOH hat wieder gepennt …), alles bestens, alles perfekt! Besser geht nicht.

Fazit

Mit dem Lehle Mono Volume 90 hat Burkhard Lehle wahrscheinlich das aktuell beste Volume-Pedal dieser Kategorie auf dem Markt. Verschleißfrei, nebengeräuschfrei, ausgerüstet mit innovativen und hervorragenden Detaillösungen, zudem eine komplette Fertigung als örtlichen Steuerzahler, was bitte soll man hier noch besser machen? OK, die Farbe der Jack-Wolfskin-Kreppsohle-für-Fußgänger ist vielleicht nicht jedermanns Sache!

Plus

  • Verarbeitung
  • Detaillösungen
  • Handmade

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 239,- Euro
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Warum erinnert mich das Pedal an Birkenstock…

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      Wellenstrom  AHU

      LOL… stimmt, sieht wirklich so aus, als sei das Dingen nur im gut sortierten orthopädischen Fachgeschäft erhältlich.

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    AMAZONA Archiv

    Also auf diese Sohle kann man auch mal mit Strümpfen drauf. Diese Volumen Pedale sind äußerst nützliche Teile!

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    AMAZONA Archiv

    Übrigens mein uraltes Morley aus den 80zigern kann Wahnsinn effects und ein Volumen Pedal in einem einzigen Gerät. War mal teuer aber ist noch wie neu!

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    psv-ddv  AHU

    Interessant wäre ja mal die Regelkurve von dem Teil.
    Der Kurvenverlauf trennt bei Pedalen die Spreu vom Weizen und ist ein wesentlicher Vorteil der alten Morley opto-Pedale gegenüber Poti basierten Modellen, da hier ähnlich einem optischen Kompressor mit einem quasi Vactrol gearbeitet wird. Dadurch entsteht eine super musikalische und kontrollierbare Regelkurve. Ein weiterer Unterschied ist, das der Signalweg der Morleys komplett passiv war. Da hängt nur ein einziger Fotowiederstand drin. Sonst nix.
    Beim Lehle scheint eher ein, durch den Hallefektsensor gesteuerter und aktiv gepufferter VCA die Lautstärke zu regeln. Vielleicht weiss ja jemand Genaueres.
    Klanglich auf jeden Fall eine ganz andere Herangehensweise. Auf jeden Fall ein spannendes Produkt. Richtig gute Lautstärkepedale gibt es leider nur sehr, sehr selten.

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