Test: Mackie Thump 12A und 15A, Aktivlautsprecher

8. Dezember 2017

Jetzt noch lauter!

Never change a running system oder anders formuliert, niemals einen Kassenschlager verändern, höchstens modifizieren. Ähnliche Gedankengänge dürften auch den Ingenieuren von Mackie durch den Kopf gegangen sein, als sie mit dem Mackie Thump 12A und 15A den aktuellen Nachfolger der Erfolgsserie auf den Markt brachten. Was also soll man an einem gut laufenden Produkt ändern, um es dem User noch etwas einfacher, leichter oder vielleicht einfach nur hübscher zu machen? Schauen wir uns die beiden Protagonisten doch einmal etwas näher im Detail an.

Konstruktion und Aufbau

OK, ich gebe zu, ich musste schmunzeln ob des ersten Gedankens, welcher mir während des Auspackens der Komponenten durch den Kopf schoss. Kampfstern Galactica? Die Zylonen greifen an? Nein, die Aussage ist natürlich komplett überzogen, aber den abgerundeten Formen seiner Vorgänger folgen nunmehr bei der aktuellen Serie harte Kanten, die mich insbesondere von der Rückansicht her an die silberne Kasperletruppe aus den Siebzigern erinnert. Im Gegenzug nimmt die Stapelbarkeit signifikant zu und auch beim Daisy Chain Betrieb können mehrere Gehäuse besser zu einem Fächer zusammengesetzt werden.

Mackie Thump 15A - Seitenansicht

Mackie Thump 15A – Seitenansicht

Das Konzept der Fullrange Boxen ist gleich geblieben. Je nach Ausführung übernimmt ein 12, respektive 15 Zoll Lautsprecher den Bassbereich, während ein 1,4 Zoll Hochtöner mit Titan-Kompressionstreiberkalotte den Hochtonbereich abdeckt. Getrennt wir bei 2 kHz. Der Frequenzgang wird mit 50 Hz – 23 kHz (12A) und 32 Hz – 23 kHz (15A) angegeben, wobei wir ja alle aus der Praxis wissen, dass alle Produkte dieser Bauart die Linearität unterhalb von 100 Hz längst verlassen haben und selbst ein Neugeborenes über 20 kHz Hörleistung nicht hinauskommt. Aber Konsumenten lieben nun mal Zahlen und es liest sich halt immer so schön.

Mackie Thump 15A - Rückseite

Mackie Thump 15A – Rückseite

Womit wir auch gleich zum nächsten Potenzpunkt kommen. Gemäß des frontseitig aufgebrachten Aufklebers liefern beide Systeme 1300 Watt Peak, wobei 1000 Watt über eine Class-D Endstufe an den Tieftöner, 300 Watt über eine Class-A/B Endstufe an den Hochtöner abgegeben werden. Hier darf man getrost ein zweites Mal schmunzeln, wenn man die passenden, aber nicht angegebenen RMS oder gar Sinus-Werte als Referenz nimmt, aber siehe den letzten Absatz.

Mackie Thump 15A - Tragegriffe

Mackie Thump 15A – Tragegriffe

Aufgrund des stabilen, aber vergleichsweise leichten Gehäuses aus Kunststoff bringen es die Boxen bei den Abmessungen 615 x 358 x 356 mm auf ein Gewicht von nur 15,4 kg (12A), bzw. 686 x 442 x 356 mm und 18,3 kg (15A). Geblieben ist auch die flexible Ausrichtung was die Betriebsmodi angeht, so können die Boxen im Standardbetrieb über den intern verbauten handelsüblichen 35 mm Flansch im Hochständer-Modus oder aber aufgrund der Trapezform auch als Floormonitor betrieben werden. Flugbetrieb ist mit den Mackie Thump 12A und 15A trotz der angedeuteten Bohrungen nicht möglich, sondern bleibt der nächst höheren Variante, den Mackie Thump 12BST und 15BST, vorbehalten.

Mackie Thump 12A - Seitenansicht

Mackie Thump 12A – Seitenansicht

Anschlüsse und Konzept

Selten ist meines Wissens nach bei einem Produkt aus der Beschallungsbranche das Plug-And-Play-Konzept so konsequent durchgezogen worden wie bei den Mackie Thump 12A und 15A. Angefangen bei einem Handbuch, welches inklusive Abdruck von Kontaktadressen und allen Rechtsverbindlichkeiten in 4 Sprachen mit nur 12 Seiten DIN-A4 hin kommt bis hin zur Tatsache, dass die Produkte über keinerlei Klangregelung verfügen. Stattdessen verfügen die Mackie Thump 12A und 15A über vier fest konfigurierte Modi, welche sich mit den Namen Music, Live, Monitor und Subwoofer bezeichnet werden. Im Bereich Music wird ein leichter Scoop gefahren, der Bereich Live ist vergleichsweise linear, Monitor beschneidet zwecks Feedbackschleifen die Bässe nebst Hochmitten und bei Subwoofer haut Mackie einen sehr steilen Hochpass bei ca. 120 Hz in den Frequenzgang. Die Betriebsarten können über einen Druckschalter nacheinander abgerufen werden. Neben dem Druckschalter ermöglicht ein weiterer Schalter die Deaktivierung der Betriebs-LED, um bei Präsentationen, welche großen Wert auf Optik legen, nicht zu stören.

Mackie Thump 12A - Rückseite

Mackie Thump 12A – Rückseite

Als Anschlüsse verfügen die Mackie Thump 12A und 15A über zwei Kombibuchsen, die jeweils über einen eigenen Gain-Regler verfügen. Als grobe Orientierung wurden die Bezeichnungen Line, U (0 dB) und Mic aufgedruckt, eine genaue Bezeichnung oder aber eine Übersteuerungsanzeige in der Vorstufe gibt es nicht. Die Ohren müssen es richten. Ein gemeinsamer Mastervolume-Regler regelt die Endlautstärke, selbiger besitzt eine Clip-LED. Rechts neben den Kombibuchsen gibt es noch einen XLR-Out für den Daisy-Chain-Betrieb, Netzschalter, Kaltgerätestecker mit integriertem Universalnetzteil (100-240V AC), fertig.

Mackie Thump 12A - Frontansicht

Mackie Thump 12A – Frontansicht

Praxis

Fangen wir doch einmal mit dem Grundklang des Produktes an. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger betont Mackie, dass sie mehr Leistung und eine prägnantere Basswiedergabe in ihre Thump Produkte verbaut hätten. Dies ist richtig. Den früheren 200 Watt Sinus stehen nun 500 Watt RMS (Bass) und 150 Watt RMS (Hochtöner) zur Verfügung, die in der Tat einen größeren Headroom insbesondere im Bassbereich ermöglichen. Bis kurz vor den Clipping-Bereich bleibt die Basswiedergabe prägnant bis knackig und erlaubt einen für diese Boxengröße voluminösen Sound.

Der Hochtonbereich kommt ein wenig härter und schärfer daher, was allerdings auch dem Einsatzgebiet geschuldet ist. Die Thump Serie ist nun mal kein Studiomonitor, dessen möglichst feine Auflösung und Tiefenstaffelung ein Muss ist. Vielmehr geht es um die akustische Ausleuchtung möglichst vieler Quadratmeter, was eine völlig andere Prämisse darstellt. Dies gelingt Mackie sehr gut, wenngleich alles, was außerhalb von ca. 60 Grad im Hochtonbereich liegt, faktisch nicht mehr erfasst wird. Hier würde man sehr wahrscheinlich zu je 2 Boxen pro Seite greifen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Mackie Thump 12A - Flansch

Mackie Thump 12A – Flansch

Erwartungsgemäß verfügt die 15A Variante über einen etwas höheren Bassanteil, während der etwas schnellere 12 Zoll Basslautsprecher das Mittenloch bei ca. 2 kHz etwas besser erfasst als der schwerere 15 Zoll Lautsprecher. Einen Gewinner gibt es nicht, es empfiehlt sich, beide Varianten zu checken und seinen persönlichen Favorit zu wählen.

Mackie wirbt mit dem Verkaufsargument, alle Signale innerhalb der Thump Familie ohne jeglichen Aufwand verarbeiten zu können, sei es nun ein direkt angeschlossenes Mikrofon, ein Line-Signal wie zum Beispiel ein Keyboard, ein Saiteninstrument beispielsweise ein Bass oder aber ein MP3-Player. Dies ist generell erst einmal mit „ja“ zu beantworten, jedoch gefolgt von einem fetten „aber“. Was jedem erfahrenen Tonmenschen ohnehin bekannt ist, wird den einen oder anderen Einsteiger eventuell in seiner Budgetplanung etwas nach hinten werfen.

Die Mackie Thump 12A und 15A machen im Prinzip „nur laut“ und das machen sie gut. Wenn es allerdings um Klangformung geht, ist es faktisch nicht möglich, mit einem XLR-Eingang und einem Gain-Regler nebst Volume-Regler ein Mikrofon angemessen zu verstärken. Um auf die Schnelle ein laute Ansage zu machen oder in Wochenmarktmanier den Kunden seine Waren akustisch um die Ohren zu hauen, mag das Prinzip noch greifen, innerhalb eines Bandkontextes mit Gesang jedoch kommt dieser Minimalismus an seine Grenzen.

Mackie Thump 12A - Betriebs-LED

Mackie Thump 12A – Betriebs-LED

Das Fehlen selbst rudimentärer Filter kann weder auf das anliegende Signal in Sachen Mikrofonfärbung, noch auf den gesanglichen Kontext klanglich Einfluss nehmen, von weitergehenden dynamischer Signalbearbeitung wie zum Beispiel Kompressoren ganz abgesehen. Es ist daher dringend geraten, einen passenden mehrkanaligen Mischer nebst passender Peripherie in die finanzielle Planung mit einzubeziehen, nur so können die Boxen ihre Stärken ausspielen. Das werksseitig nahezu linear eingestellte „Live“-Preset, in Zusammenarbeit mit der „U“-Stellung, spricht eine eindeutige Sprache.

Überlässt man der Thump Serie letztendlich nur die Lautstärke und begreift die restlichen Presets als guten Bonus für den schnellen Einsatz, können die Boxen, zumal für diesen Preis, wirklich überzeugen.

Fazit

Mit der Mackie Thump 12A und 15A Serie überzeugt Amerikas bekanntester Mischerhersteller in vielerlei Hinsicht. Konzeptionell konsequent auf Plug-and-Play getrimmt, lassen sich nahezu alle Klangquellen binnen Sekunden anschließen und verstärken, wobei ein verbessertes Bassmanagement und eine höhere Leistungsabgabe den Vorgänger verblassen lassen.

Nimmt man sich nun noch die Zeit, mittels externer Mixer und Signalmanagement die anliegenden Signale zu optimieren, kann die Thump Serie ihrer eigentlicher Funktion, dem „laut machen“, in bester Art und Weise nachkommen.

Plus

  • Klang
  • Gewicht
  • Flexibilität
  • Verarbeitung

Preis

  • Ladenpreis Thump 12A: 339,- Euro
  • Ladenpreis Thump 15A: 369,- Euro
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