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Test: Native Instruments Kore 1

18. Juni 2006

Kore

Test zum Native Instruments Kore / Version 1.01

 

Damals, als es noch keine PlugIns gab, hatte jeder Klangerzeuger und jedes Effekt-PlugIn seine eigene Hardware-Bedienoberfläche, die meistens auch recht einfach zu bedienen war. Ginge es nach den großen Sequenzer-Herstellern, so würde man auch heute noch jeden PlugIn-Parameter mit der Maus bedienen müssen, denn die Unterstützung von Hardware-Controllern wird bei Cubase, Sonar, ProTools und Logic immer noch stiefmütterlich behandelt. Einzig Ableton Live bietet da ein progressiveres Modell an.Ein zweiter Aspekt bei der aktuellen „Totalen Integration“ eines Tonstudios in einem Computer ist die Möglichkeit der Verwaltung von tausenden Klängen. Wenn man zur Zeit auf der Suche nach dem richtigen Bläser-Klang ist, muss man erst diverse PlugIns laden und diese dann nach eben den gewünschten Klängen durchforsten, da auch hier die Host-Hersteller noch immer kein System entwickelt haben welches Klänge PlugIn-Übergreifend organisiert. Wie dies im kommenden Cubase4 gelöst ist, werden wir sehen.
Bei Native Instruments in Berlin versuchte man nun diese beiden Aspekte zu erörtern und in einem Produkt zu vereinen. Das Resultat ist eine Host-Software, die mit einem Hardware-Controller fest verzahnt ist. So funktioniert die Software nicht ohne Hardware und vice versa. KORE bietet als Host aber auch weitergehende Features wie, Stacking und Layering von PlugIns an. Zudem gibt es einen Live-Modus, in dem komplette Settings abgespeichert und während des Gigs mit dem Controller aufgerufen werden können.

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BÜROKRAT
Die KORE Software ist ein PlugIn-Host für Effekt- und Instrumenten-PlugIns samt Mischpult. Ein Sequenzer ist jedoch nicht integriert. KORE ist dazu gedacht, es in bestehenden Sequenzer-Umgebungen oder Stand-Alone einzusetzen. Somit kann KORE selber als PlugIn aufgerufen werden, und beherbergt dabei dann wiederum ein oder mehrere PlugIns.
Praktisch ist dabei, dass man in KORE eine Verschaltung von Instrumenten- und Effekt-PlugIns vornehmen kann und diese dann als Ganzes speichert. Als Beispiel nimmt man einen NI Pro53 Bass-Klang und schickt diesen durch das NI Spektral-Delay. Der entstehende Klang könnte dann kreativerweise „DelayBass“ benannt werden. Zusätzlich lässt sich der Klang kategorisieren, und zwar nach Klangart (Bass), Musikgenre (z.B. Techno) und anderen Attributen.
Der Sinn dahinter ist es, bei der Produktion einfach Kategorien aufrufen zu müssen, wenn man einen bestimmten Klang sucht.

HARDKORE
Die KORE-Hardware bietet acht hochauflösende Endlos-Drehregler und acht Tasten an, um einen KORE-Klang zu steuern. Beim Erstellen eines Klanges muss man diese Bedienelemente also zuweisen. Ruft man einen der Werksklänge des NI Komplete Paketes auf, so sind schon alle Presets vorbelegt und man hat pro Klang direkt acht Parameter im Zugriff. Der Clou dabei ist, dass NI versucht hat nach Möglichkeit die Zuordnung der Drehregler immer gleich zu halten. So ist zum Beispiel der Cutoff-Parameter immer unten links.
Um den Überblick der Parameter-Zuordnungen zu gewährleisten hat NI versucht die Belegung der Bedienelemente auf dem Display darzustellen. Man kann also mit einem Blick nach rechts erkennen, welcher Parameter welchem Bedienelement zugeordnet ist.
Wer nun seine Klänge gar nicht mehr mit der Maus aufrufen möchte, der kann über das Display und die Übrigen Tasten des KORE-Controllers sogar durch die Soundbänke navigieren.

Die KORE Hardware beinhaltet ein USB 2.0 Audio Interface, das maximal zwei Kanäle mit bis zu 96 kHz gleichzeitig Aufnehmen und wiedergeben kann. Ein Kopfhörer-Ausgang kann dabei zwei weitere Kanäle (z.B. zu Monitorzwecken) wiedergeben.

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Praxis
Mit KORE werden vor allem pragmatische Produzenten angesprochen, die nicht viel auf z.B. einen eigenständigen Klang eines bestimmten Klangerzeugers geben. Synthesizer-Enthusiasten und „echte Musiker“ werden aufgrund des großen Bürokratischen Aufwandes der Einbindung und Erstellung von Klängen mit KORE ihre Schwierigkeiten haben.

Bisher sind in KORE nur die NI-eigenen PlugIns vollständig integriert und nur wenige PlugIns von Drittherstellern sind bereits angepasst, es sollen aber laut NI weitere Hersteller folgen. KORE lädt keine Host spezifischen PlugIns (Cubase, Logic) und kann auch nicht etwa als VST-RTAS Bridge dienen.
Die Umschaltung von Presets die Sample-Basierende Klänge enthalten, ist mit den Controller nicht möglich. Ebenso können manche PlugIns mit spezieller Soundverwaltung nicht über den Controller umgeschaltet werden. Unter anderem sind dies folgende PlugIns: Vokator, Spektral Delay, Guitar Rig 2, Absynth 3, Arturia und GMedia PlugIns. Mit der Hardware können nur PlugIns bedient werden, die Ihre Parameter über die VST-Automation ordnungsgemäß anbieten. Das sind aber heutzutage mehr als 90% aller PlugIns.

Während die Hardware einen optisch und haptisch guten Eindruck macht, gibt es aber noch zwei Kritikpunkte. Durch den nötigen Blick nach rechts auf das Display wird der Workflow leider etwas behindert und die Tasten um den großen Drehgeber sind etwas schwergängig. Acht Regler und acht Tasten sind nicht viel, es können aber für jeden Klang mehrere Seiten angelegt werden, und durch die konsequente Belegung der Parameter fällt die Bedienung nach einer gewissen Einarbeitungszeit einfach.

Das Audio-Interface funktioniert an Centrino-Notebooks sehr gut. An unserem ICH4 Chipsatz haben wir es leidern nicht zum laufen bekommen. Die Latenzzeiten sind praxisgerecht unter 10 ms einzusetzen und die Rechnerbelastung hält sich in Grenzen. Die Treiber lassen sich aber nicht mit den guten Motu-Treibern vergleichen. Auch ziehen sie auf unseren Systemen mehr Performance als PCI oder gute FireWire Treiber.

Die wohl beste Idee an KORE ist die Soundverwaltung und die Sound-Finder Funktion. Diese macht aber nur Sinn, wenn sich alle Hersteller auf dieses Format einigen, was höchstwahrscheinlich aber nicht passieren wird, solange NI das Format nicht offen gelegt hat. Ansonsten ist man gezwungen selbst Hand anzulegen, oder vielleicht bildet sich eine Community. Dies kann man jedoch nicht forcieren, zumal man ein KORE System besitzen muss um daran teilzunehmen.
Kore steht im Moment am Anfang der Entwicklung und man darf gespannt sein, wie sich das System behaupten wird. Momentan erwirbt man eine Insellösung.

Schon jetzt sind folgende PlugIns mit den Controller-Belegungen versehen, andere sollen im laufe der Zeit folgen:

AAS™ Lounge Lizard 3™
Arturia™ ARP 2600 V™ + FX Version
Arturia™ Minimoog V™ + FX Version
GMedia™ / OhmForce™ impOSCar™
GMedia™ M-Tron™
GMedia™ / OhmForce MiniMonsta™ + FX Version
GMedia™ / OhmForce Oddity™
GMedia™ / OhmForce™ Ohmboys™
Korg™ Legacy Cell™
Korg™ MS-20™ + FX version
Korg™ Polysix™
Korg™ Wavestation™
Native Instruments™ PlugIns (nahezu alle)
Novation™ Bass-Station™
Novation™ V-Station™
reFX™ Vanguard™
rgc audi™o Z3TA+™ + FX Version
Rob Papen™ Albino 2™
Rob Papen™ Blue™
Spectrasonics™ Stylus RMX™
Timewarp™ ARP2600™ + FX Version

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Mitbewerber
Als einziges Gerät könnte die Novation Remote SL an KORE herankommen, wenn es nur um die Fernsteuerung von PlugIns geht. Mit der Klangkategorisierung kann die SL aber nicht mithalten.

Fazit
Für den gestressten Producer, der wöchentlich mehrere Produktionen abliefern muss, oder für den ambitionierten Musikalisten bietet KORE eine echte Bereicherung an. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass mit KORE gleichzeitig ein großes Stück Bürokratie Einzug ins Studio erhält, was für den kreativen Flow nicht immer von Vorteil sein kann. Schwierig gestaltet sich auch die Integration von manchen PlugIns und deren Soundbänken.

PLUS
+++++ Gutes Grundkonzept
++++ Hochauflösende Regler
+++ Audiointerface Integriert
++ Live-Betriebsmodus
+ Sound-Navigator

MINUS
— Aufwendige Verwaltung von Drittanbieter-PlugIns
— Unterstützt nicht alle PlugIns
– Klang-Kategorisierung kann nur von NI vorgenommen werden
— Hardware ist an KORE Software gebunden und vice versa

Preise
UVP: 499 Euro
Straßenpreis: 460 Euro

Zusammen mit KOMPLETE 3
UVP: 1498 Euro
Straßenpreis: 1400 Euro

Hersteller / Vertrieb
www.native-instruments.de

 

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