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Test: Rainger FX Snare Trap Beatbox

15. Mai 2022

Floorboard Groove

Es gibt für uns Gitarristen exakt drei Arten von Effektpedalen: „Muss ich haben“, „brauch ich nicht, jedenfalls im Moment noch nicht“ und drittens: „Was soll das denn?“ Zu letzterer Kategorie gehört die Rainger FX Snare Trap Beatbox. In der freudigen Erwartung, jetzt wieder ein spaciges Effektgerät testen zu dürfen, öffne ich den Karton und erwarte mindestens ein doppelt verphasertes Choruspedal mit modulativem Hyper-Delay auf einer dezenten Reverb-Wolke. Aber nix da, ich staune nicht schlecht, denn vor mir liegt eine waschechte Beatbox. Ein kleiner Helfer für Gitarristen und auch Keyboarder, die ohne Drummer auftreten wollen oder müssen. Wir müssen alle sparen, da kommt uns so eine Blechbox doch ganz gelegen.

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Rainger FX Snare Trap – was ist das?

Die „Eins“ ist die Basis der Grundlage des Fundaments

Die Rainger FX Snare Trap Beatbox ist mittelgroßes, pultförmiges Pedal, das sowohl auf dem Effektboard als auch auf dem Schreibtisch für Groove sorgen soll. Ganz neu ist das Konzept des Rhythmusknechts auf dem Effektboard natürlich nicht, der Mooer Micro Drummer zum Beispiel bringt eine ganze Reihe fertiger Grooves mit, die einfach per Fußklick gestartet werden können. Das Ganze für einen Bruchteil des Preises der Snare Trap, deshalb muss es da ja einen Unterschied geben. Und richtig, das Konzept in ein ganz anderes. Sind beim oben erwähnten Mooer Micro Drummer lediglich fertige Grooves abrufbar, kann der Groove der Snare Trap individuell und on-the-fly zusammengebastelt werden. Dazu bedient sich das Gerät einer zunächst starren Bassdrum auf den Zählzeiten 1 und 3. Das Tempo des Songs wird per Finger- oder Fuß-Tap auf einem großen Gummi-Pad festgelegt und die Machine startet sofort mit dem Groove. Dieser besteht übrigens nicht aus gesampelten Sounds, sondern werden im Gerät selbst erzeugt. Das Tempo kann jederzeit über erneutes Tappen verändert werden. Hält man das Pad länger als eine Sekunde gedrückt, stoppt der Beat. Leider lässt er sich nicht im vorherigen Tempo wieder starten. Die Bassdrum auf der ersten Zählzeit ist fix. Zitat Hersteller: „the most important accent – as Bootsy says!“. Mit Hilfe eines kleinen Reglers mit der Bezeichnung „BD2“ kann nun der zweite Schlag der Bassdrum frei positioniert werden. Somit kann man schon eine recht flexible Grundlage für einen Beat bilden.

Rainger FX Snare Trap – HiHat und Snare

Eine HiHat tickert natürlich auch mit. Bei dieser hat man zwei Optionen. Zum einen können straighte Achtel gewählt werden, zum anderen kann die HiHat auf Viertel reduziert werden, die dann im Offbeat klopfen. Simpel, aber wirkungsvoll. Fehlt nur noch die Snare zur Abrundung des Grooves. Die Snare bedient zuverlässig die Zählzeiten zwei und vier. Dabei kann der Klang der Snaredrum über den Shape-Regler beeinflusst werden. Vom kräftigen „chhhrrrrrp“ bis zum ultrakurzen „Blöpp“ ist alles machbar. Ein Dry-Schalter nimmt der Snare bei Bedarf den Raumklang. Der Clou steckt jetzt in der Möglichkeit, die Snare auf ein Delay zu routen. Der Send-Regler kümmert sich um den Effektanteil, der Rate-Regler übernimmt die Regelung der Delay-Zeit. Feedback regelt dann die Anzahl der Wiederholungen. Mit Hilfe dieses Delays und etwas Feingefühl in den Fingern lassen sich somit Ghostnotes erzeugen, die dem Groove eine individuelle Lebendigkeit verleihen. Das Delay kümmert sich übrigens nicht um das eingetappte Tempo, das muss jedesmal neu eingestellt werden.

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Rainger FX Snare Trap Back

Auf der Rückseite der Rainger FX Snare Trap Beatbox klebt dankenswerterweise eine kurze Bedienungsanleitung

Snare Trap Beatbox – die weiteren Funktionen

Sowohl Bassdrum als auch Snare und HiHat können von externen Geräten getriggert werden. Dazu stehen drei individuelle Miniklinkenbuchsen zur Verfügung. Für uns Gitarristen sicherlich nur sinnvoll, wenn wir uns auch mit anderen technischen Geräten auskennen als mit Zerrern und WahWahs. Ein Schalter für die Eingangsimpedanz macht das Gerät flexibler, je nachdem, mit welcher Art von Instrument es beschickt wird. Sinnvoll für uns Gitarristen scheint der Einsatz am Ende der Effektkette zu sein, das eingespeiste und durch vorgeschaltete Effekte bearbeitete Signal kann somit durch die Snare Trap geschickt werden. Ein Mix-Regler übernimmt die Balance zwischen Beat und Instrumentensignal. Ein Cutoff-Regler steuert ein HiCut-Filter, das bei zunehmender Linksdrehung des Potis immer weniger Höhen durchlässt und bei dezentem Einsatz ein gewisses LoFi-Feeling erzeugen kann. Dieses HiCut ist neben der manuellen Steuerung auch durch den eingebauten LFO steuerbar. Eine Side-Chain-Funktion für den Instrumenteneingang erlaubt die Modulation des Instrumentensignals synchron zum eingetappten Tempo des Beats. Mittels eines kleinen Schalters kann die Pad-Funktion noch von der Tap-Tempo-Funktion auf eine Fill-in-Funktion umgeschaltet werden. Hier steht ein sogenanntes „weißes Rauschen“ zur Verfügung, dessen Sinn sich mir zunächst nicht erschlossen hat, da das erst einmal wie ein Störgeräusch wirkt. Nutzt man diese Funktion jedoch für kurze Akzente und aktiviert gleichzeitig den LFO, kann man interessante Fills erzeugen. Die Stromversorgung erfolgt übrigens unkompliziert über einen 9 V Anschluss, ein Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.

So klingt die Rainger FX Snare Trap Beatbox

Zur Demonstration der Möglichkeiten der Rainger FX Snare Tap Beatbox hört ihr zunächst ein paar Audiofiles, die direkt in die Soundkarte des Rechners gespielt wurden. Die Namen der Audiofiles geben jeweils Auskunft über den Parameter, den ich live verändere. Zunächst hört ihr das Verschieben des zweiten Bassdrum-Schlags. Danach spiele ich mit dem Snare-Delay. Im dritten Beispiel kommt das HiCut zum Einsatz sowie die Fill-in-Funktion mittels des weißen Rauschens und unter Einsatz des LFOs. Da alle Tracks live eingespielt sind, hört man natürlich auch gelegentlich die Suche nach den richtigen Einstellungen. Der Sound der Snare Trap Beatbox ist modern und definitiv nichts für alte Rocker!

Was kann das Ding denn nun im Zusammenhang mit der Gitarre? Klingen die Beats allein zunächst recht langweilig, beginnen sie mit etwas Gitarre und Effekten zu leben. Für die Soundfiles ist die Snare Trap im Effekt-Loop meines Kempers untergebracht, dieser wird ans Ende der Effektkette verschoben. Die Effekte kommen alle aus dem Kemper, die Audios wurden nicht gesondert eingeübt, sondern von der Beatbox inspiriert und direkt aufgenommen.

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Fazit

Die Rainger FX Snare Trap Beatbox erzeugt schnell, unkompliziert und bei Bedarf on-the-fly interessante elektronische Beats, die vor allem im Ambient-Bereich Gefallen finden werden. Ein sehr spezielles Gerät, das mir persönlich viele schöne Stunden beschert hat, jedoch Schwächen im Live-Betrieb hat. So wäre, zur besseren Reproduktion im Live-Betrieb, zum Beispiel ein Abspeichern erstellter Beats wünschenswert. Volle Empfehlung jedoch für experimentelle Songschreiber, Freaks und Instagram-Gitarristen, die gern mit ungewöhnlichen Sounds experimentieren.

Plus

  • Konzept
  • Spielspaß
  • kreative Möglichkeiten

Minus

  • Live-Betrieb nur eingeschränkt möglich
  • Beats nicht speicherbar und somit nicht bei Bedarf abrufbar

Preis

  • 349,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Örli

    Sachen gibt’s… Um diese Aussage zu unterstreichen, möchte ich eine Frage aus dem Artikel zitieren, die für mich des Pudels Kern zu 100% trifft: „Was soll das denn?“ :-))

  2. Profilbild
    OSCGitarrist

    „Beats nicht speicherbar und somit nicht bei Bedarf abrufbar“

    Da müssen die Rainger wohl nochmal ran. Also erst Hausaufgaben erledigen und dann spielen … :-)

  3. Profilbild
    Trichter

    Klingt in den Beispielen auch nicht so abwechslungsreich. Ein Style Regler wie zB beim Digitech Bandcreator würde sicherlich hilfreich sein.

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