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Test: Revv Generator 100R MK3, Gitarren-Topteil

7. September 2021

The Amp to end all amps? Das Magnum Opus von REVV

Es gibt sie noch, die Vollröhren-Heads, welche bereits während des Auspackens klarstellen, für welchen Kundenkreis sie konzipiert wurden. Knapp 21 kg wollen erst einmal aus einer sehr umfangreichen Verpackung von 2 Kartons, einer Schutzhülle und 2 riesigen „Kunststoffwurstkantenschonern“ heraus gepult werden. Ein Gewicht für echte Männer, was zwar bei einem Ampeg Classic Bassisten nur ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubert, einen Kemper User jedoch schreiend aus dem Raum treibt. Inwieweit Boliden wie der zum Test vorliegende Revv Generator 100R MK3 in Zeiten des „Profilierens“ und „Emulierens“ bei minimalem Gewicht und Abmessungen nicht wie der pure Anachronismus erscheinen, soll dieser Test zeigen.

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Revv Generator 100R MK3 Test

Revv Generator 100R MK3 Profil

Der Aufbau des Revv Generator 100R MK3

Zunächst einmal ein ehrlich gemeintes großes Lob an die kanadische Firma, welcher es nicht nur gelungen ist, den Blick des Röhrenfreundes auf ein sonst geografisch eher jungfräuliches Gebiet des Verstärkerbaus zu richten, vielmehr ist es dem Unternehmen gelungen, sich in der übermächtigen Konkurrenz zahlloser kleiner und großer Konkurrenten im Bereich der High-Gain-Topteile in den letzten Jahren einen Namen zu machen. Allein die Entwicklung und der professionelle Vertrieb eines Vollröhren-Head verlangt sehr viel Hingabe und Durchhaltevermögen, weshalb bereits unzählige Hersteller wieder aufgegeben haben oder die Absatzzahlen im einstelligen Jahresbereich stagnieren.

Eins vorneweg, ein Ladenpreis von knapp 3.000,- Euro erscheint bei dem Gebotenen und Fertigung in Kanada wahrlich angemessen, warum der amerikanische Vertrieb den Amp allerdings knapp 25%, also über 700,- Euro günstiger anbietet, erschließt sich mir nicht wirklich. Gewiss, viele amerikanische Firmen wie z. B. auch Apple und Konsorten machen eine 1:1 Umrechnung von Dollar zu Euro, aber das hier ist noch mal ein anderes Kaliber. Wer jetzt allerdings freudig im USA-Store bestellt, der sei gewarnt, ihr würdet nur eine 120 V Version des Heads bekommen, was euch den Betrieb in ganz Europa und mehr verhageln würde.

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Wer sich jedoch für das Topteil erwärmen kann, bekommt so einiges für sein Geld geboten. Einmal mehr setzt ein Hersteller auf einen typischen Dreikanaler, dessen einzelne Kanäle nochmals in ihrem Voicing flexibel zu handhaben sind. Die Bezeichnung MK3 lässt erkennen, dass es sich um die zweite Weiterentwicklung des Amps handelt. Der Hauptunterschied bezieht sich meines Wissens nach auf die Einführung eines Digitalhalls und eines Noise-Gates Ob sich die klangliche Ausrichtung des Revv Generator 100R MK3 gegenüber seinen Vorgängern entscheidend geändert hat, kann ich leider nicht beurteilen, da ich die beiden ersten Versionen nicht im Test hatte.

Die Endstufenwahl in Form von 4 Stück 6L6, welche bei Bedarf bis auf 120 Watt Ausgangsleistung hoch gehen (nebst einer fetten Watschen vom FOH) gibt vom Grundklang eher den „amerikanischen“ Sound in Form von mehr Bass, mehr Höhen, weniger Mitten und stärkerer Kompression vor, was natürlich individuell angeglichen werden kann. Alternativ kann der Amp aber auch auf 10 Watt Ausgangsleistung gedrosselt werden. Jeder der drei Kanäle verfügt über eine eigene 3-Band-Klangregelung zzgl. eines Bright-Schalters zwecks Höhenanhebung, zudem ermöglichen ein Cut- und ein Fat-Switch bei den Kanälen 2 und 3 eine Mittenbearbeitung in 2 Richtungen. Im Endstufenbereich befindet sich noch eine Presence-Regelung für die Höhen und ein Depth-Regler für die Bässe. Der Amp verfügt über 2 Mastervolume-Regler, perfekt für die kurzfristige Anhebung eines Solospots, ohne dass der FOH entsprechend nachregeln muss. Übrigens, beim Soundcheck dem FOH immer den maximalen Pegel anbieten, niemand bekommt gerne während der Show den Pre-Gain überfahren!

Revv Generator 100R MK3 Test

Revv Generator 100R MK3 Back

Die Rückseite

Wenngleich der Revv Generator 100R MK3 auf der Vorderseite bereits mit allerlei Regelmöglichkeiten beeindruckt, die eigentlichen Besonderheiten befinden sich auf der Rückseite des Verstärkers und erklären auch einige ungewöhnliche Schalter und Regler auf der Vorderseite des Heads. Zunächst einmal fällt einem die hohe Anzahl von DIN-Buchsen auf, welche sie auf insgesamt vier Stück bemisst. Neben einem MIDI In, MIDI Thru und einem Footswitch-Eingang (der sechsfach Footswitch ist im Lieferumfang mit enthalten!) umfasst das Angebot auch noch einen sehr ungewöhnlich „Cab Lighting“-Output, welcher es erlaubt, den Schriftzug eines passendes Revv Cabinets im Stil des Heads ebenfalls zum Leuchten zu bringen. Netter Eyecatcher und doppelte Werbung für den Hersteller auf der Bühne.

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Revv verzichtet bzgl. der Impedanzwahl auf die Dreh- und Schiebeschalter einiger Konkurrenten und stellt 5 unterschiedliche Ausgänge in Form von 1x 16 Ohm, 2x 8 Ohm und 2x 4 Ohm alles zur Verfügung, was man im normalen Umfeld benötigt. Nebenbei, es ist immer wieder spannend, was einige Bühnenhelfer unter dem ohmschen Gesetz verstehen, insbesondere in Südamerika gelten bzgl. Boxenverkabelungen in jeder Stadt ganz eigene Gesetze, welche absolut nichts mehr mit Physik zu tun haben.

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Sehr schön auch die Sicherungszugänge, welche sich nicht nur auf die Haupt- und die High-Voltage-Sicherung beschränken, sondern die im A/B-Betrieb arbeitende 4 Endröhren in den Bereichen 1/3 und 2/4 separat absichern und über LEDs eventuelle Beschädigungen an den Röhren innerhalb eines der Pärchen melden. So kann man bei Ausfall einer Röhre die Show mit reduzierter Leistung wenigstens noch zu Ende spielen. Ebenso kann an 3 Abgriffpunkten der Ruhestrom der Endröhren abgelesen werden. Auch die Leistungseinstellung zwischen 120 Watt und 10 Watt wird hier mit einem Druckknopf gewählt.

Ungewöhnlich hingegen sind die beiden XLR-Buchsen auf der Rückseite des Gehäuses, welche jedoch den praxisgerechten Ansatz des Revv Generator 100R MK3 offenbaren. Hier kann das Verstärkersignal mittels einer Lautsprechersimulation der Firma Torpedo abgegriffen werden, einer Firma, welche im Homerecording-Bereich einen guten Ruf genießt, sofern man keine Möglichkeit hat, das Gitarrensignal mit hochwertiger Mikrofonierung abzunehmen. Ein USB-Eingang nebst einem Bluetooth-Empfänger ermöglichen die Verwaltung über die entsprechende Torpedo-Software. Über einen weiteren Druckschalter kann dem Amp bei der Lautsprechersimulation ein Lastwiderstand hinzugeschaltet werden, was auch dringend nötig ist, da der Verstärker sonst leer läuft und binnen kürzester Zeit zerstört wird. Auf der Vorderseite des Panels findet man dann noch einen Drehschalter, welcher 5 verschiedene Boxensimulationen auf dem Kopfhörerausgang ermöglicht und mittels eines Level-Reglers über einen Klinkenausgang verwaltet wird.

Revv Generator 100R MK3 Test

Revv Generator 100R MK3 Front

Der Revv Generator 100R MK3 in der Praxis

Zunächst einmal macht der Revv Generator 100R MK3 einen sehr aufgeräumten Eindruck. Trotz der umfangreichen Bedienelemente findet man sich sehr schnell am Amp zurecht, die Verwaltung gestaltet sich intuitiv. Die Klangbeispiele wurden mit einer LP Standard, einem Marshall 412er mit Celestion G75 T und 2 Stck. SM57 aufgenommen, einem handelsüblichen Setup, wobei direkt auffällt, dass der Amp im cleanen Bereich trotz des moderaten Outputs der Burstbucker vergleichsweise schnell in die Sättigung geht. Da im cleanen Kanal der Gain-Regler fehlt, empfehle ich hier bei Bedarf die klassische Gitarren-Volume-Regler-Lösung.

Entsprechend seiner Bauart liegt der Fokus des Amps allerdings im Mid-Gain- und High-Gain-Bereich, was der Head auch mit vielen Variationen abdeckt. Die verschiedenen Voicings ermöglichen eine große Flexibilität und schaffen es je nach Einsatzgebiet nahezu alle Stilrichtung von ganz moderat bis ganz böse abzudecken. Trotz der vielen Möglichkeiten sieht sich der Amp einer großen Zahl von Konkurrenten gegenüber. Engl, Friedman, Soldano, Bogner und nicht zuletzt Diezel spielen in der gleichen preislichen Liga und haben bereits den Großteil des Marktes unter sich aufgeteilt. Im Gegensatz jedoch zu den vorab genannten Konkurrenten fehlt dem Revv Generator 100R MK3 als Alleinstellungsmerkmal der eigenständige Sound, der ihn von der Konkurrenz unterscheidet. Wenngleich die Sounds allesamt von hoher Qualität sind, fehlt mir persönlich etwas die Durchsichtigkeit des Sounds. Insbesondere die High-Gain-Sounds wirken etwas belegt, was aber eine rein subjektive Meinung darstellt und nicht als allgemeingültig zu sehen ist.

Alles in allem handelt es sich bei dem Revv Generator 100R MK3 um einen soliden, hochwertigen Amp, welcher zusätzlich eine gute Homerecording-Lösung anbietet, was die Flexibilität d es Amps ungemein steigert. Ach ja, neben einer Schutzhülle ist es als zusätzliche Besonderheit ein Revv Beanie im Lieferumfang mit enthalten. Nicht unbedingt erwähnenswert, aber witzig!

Revv Generator 100R MK3 Test

Revv Generator 100R MK3 im Studio

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Fazit

Mit dem Revv Generator 100R MK3 führt der kanadische Hersteller einen hochgezüchteten Vollröhren Head in seinen Reihen, welcher mit großer Flexibilität und umfangreichen Bedienungselementen glänzt. Der Amp ist sehr gut verarbeitet und bietet seinem Besitzer einen stattlichen Boliden, welcher aber dennoch dank der Torpedo-Software auch für den Homerecording-Bereich gewappnet ist.

Wer einen hochwertigen Vollröhrenamp sucht, welcher sowohl auf der Bühne als auch im Studio eingesetzt werden kann und als Besitzer über genügend Armkraft verfügt, sollte den Amp einmal antesten.

Plus

  • Verarbeitung
  • Flexibilität
  • Torpedo-Hardware
  • Fußschalter

Preis

  • 2.998,- Euro
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Klangbeispiele
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