Test: Shure PGX14E/BETA98H R1 Powerpack

1. November 2008

UHF-Funksystem

Blasinstrumente werden bei Live-Auftritten heutzutage meist ebenso verstärkt wie andere Instrumente, damit ihr Sound beim Publikum optimal ankommt und sie sich harmonisch im Mix integrieren lassen. Nur die Abnahme mit einem Kondensatormikrofon, das einerseits den hohen Schalldruck von Saxofon, Trompete, Posaune und Co. verarbeiten kann, andererseits möglichst linear in der Wiedergabe ist, bringt über die PA feinste Details in der Spielweise des Interpreten an das Ohr des Zuhörers. Wenn der Musiker bei seiner Bühnenperformance ständig am Mikrofon kleben muss, um den optimalen Abstand und Winkel zum Tonübertrager einzuhalten, kann es schon mal vorkommen, dass der Auftritt verkrampft wirkt und jede Emotionaliät flöten geht. Wer möchte sich da nicht viel lieber frei und unabhängig auf der Bühne bewegen und sich auf das Wichtigste konzentrieren, seine Musik?

Der renommierte Hersteller Shure bietet ein perfekt aufeinander abgestimmtes Package für den anspruchsvollen Einstieg in die Welt der Drahtlos-Technologie. Das SHURE PGX14E/BETA98H-R1 ist ein UHF-Funksystem, das sich in erster Linie an Blasmusiker richtet. In erster Linie deshalb, weil sich das mitgelieferte Schwanenhalsmikrofon problemlos auch am Rand einer Trommel anklemmen lässt, doch dazu später mehr.

Powerpack

Ein großzügig dimensionierter und robuster Tragekoffer aus Kunststoff mit passender Schaumstoffeinlage bietet den einzelnen Systemkomponenten ausreichend Platz sowie Schutz beim Transport. Schön sauber angeordnet warten darin ein PGX4 Diversity Empfänger samt Netzteil, der passende PGX1 Taschensender und ein anklemmbares Beta 98H/C Kondensatormikrofon auf den Einsatz. Für das Mikrofon liegt noch ein zusätzlicher Windschutz bei. Eine kleine Kabel-Haltevorrichtung zur Befestigung an der Sendeeinheit vervollständigt das Powerpack. Damit es direkt losgehen kann, hat Shure noch zwei Batterien im Format AA spendiert, die Sender und Mikro mit Energie versorgen. Bedienungsanleitungen für alle Komponenten und weitere Unterlagen laden zur Lektüre ein.

Schön verpackt in einem stabilen Koffer

Schön verpackt in einem stabilen Koffer

Technik

Das PGX Drahtlos-System arbeitet im UHF-Band und bietet bis zu 96 vorprogrammierte Frequenzen mit 8 kompatiblen Kanälen. Automatische Frequenzwahl ermöglicht die schnelle Identifizierung eines freien Kanals. Automatische Frequenzsynchronisation über Infrarot-Link gleicht Sender und Empfänger ab. Nur wenige Bedienelemente an den Geräten sorgen dafür, dass PGX Systeme auf Knopfdruck eingesetzt werden können. Hier spricht Shure Musiker an, die ausgereifte, professionelle Technik nutzen wollen, ohne vorher stundenlang in der Bedienungsanleitung blättern zu müssen. Für kristallklare Tonqualität in jeder Situation sorgt die patentierte Shure-Technologie „Audio Reference Companding“, mit der alle PGX Drahtlos-Systeme ausgestattet sind. Microprozessor-gesteuerte Predictive Diversity Technologie sorgt unter normalen Bedingungen für störungsfreien Empfang bei einer Reichweite von bis zu 100 Metern.

Schauen wir uns die einzelnen Komponenten einmal genauer an.

Empfänger PGX4

Das kompakte Gehäuse des nur 327 Gramm schweren Empfängers ist aus schwarzem ABS Kunststoff und präsentiert sich in einem ansprechenden Design mit abgerundeten Ecken. Die Seitenteile sind mit grauem Gummi bezogen, was einmal rein optisch schick aussieht und sich obendrein durch das andersartige Material auch irgendwie griffiger anfühlt. Augenfälligstes Merkmal sind die beiden Antennen, die bereits signalisieren: hier handelt es sich um ein True Diversity Funksystem. Das bedeutet, dass hier zwei unabhängige Empfänger arbeiten. So wird eine Verringerung von Übertragungsfehlern und eine deutlich höhere Signalsicherheit erreicht. Damit erhält man auch in ungünstigen Situationen beste Klangqualität ohne gefürchtete Dropouts.

Wenige Bedienelemente an der Front des Empfängers

Wenige Bedienelemente an der Front des Empfängers

Auf der Frontseite gibt es nur wenige Elemente. Eine zweistellige Ziffernanzeige informiert über den gewählten Kanal, zwei LEDs zeigen Audiopegel und Betriebsbereitschaft, eine Channel-Taste und eine Sync-Taste zur Abstimmung, das war’s dann auch schon. Auf der Rückseite der kleinen Kiste kann das Signal auf zwei verschiedene Arten abgenommen werden. Über eine symmetrische XLR-Mikrofonausgangsbuchse oder über eine unsymmetrische ¼-Zoll-Ausgangsbuchse, je nachdem wie die Weiterverarbeitung des Signals geplant ist. Eine Buchse für das Kabel des Netzteils mit dazugehörigem Adapterkabel-Abbinder zur Zugentlastung ist ebenfalls vorhanden.

Zwei Ausgangsbuchsen für unterschiedliche Signale

Zwei Ausgangsbuchsen für unterschiedliche Signale

Am Netzadapter finde ich erwähnenswert, dass es kein Steckernetzteil ist. Zwei ausreichend lange Kabel, einmal zum Stromumwandler und einmal als Gleichstromkabel weiterführend zum Empfänger, überbrücken mit der Länge von insgesamt fast 4 Metern eine größere Entfernung bis zur nächsten Steckdose. Was ich vermisst habe war ein Einschalter. Sobald das Empfangsteil über das mitgelieferte Netzteil mit Strom versorgt wird, erweckt es dieses direkt zum Leben. Hier wäre ein Schalter von Vorteil. Falls man das Gerät einmal zwischendurch ausschalten möchte, könnte es sein, dass man auf der Bühne erst dem langen Anschlusskabel bis zur Steckdose folgen müsste, die vielleicht irgendwo im Gewühl auf der Erde versteckt liegt – nicht gerade sehr bequem.

Sender PGX1

Der schwarze Taschensender aus Kunststoff ist ein echtes Leichtgewicht. Ohne Batterien bringt das flache Teil gerade mal 81 Gramm auf die Briefwaage. Von den Ausmaßen ist er etwas größer als eine Zigarettenschachtel, dabei aber wesentlich dünner.

Der Sender ist flach und handlich

Der Sender ist flach und handlich

Der Sender kann einfach in die Tasche gesteckt werden oder mit einem großzügig dimensionierten Stahlclip bombenfest am Gürtel oder der Hosentasche befestigt werden. Falls der Haltemechanismus in der Tasche stören sollte, ist er mit zwei Handgriffen leicht entfernt. Auf der oberen, grauen Schmalseite gibt es eine vierpolige TA4F-Buchse, in die der passende Stecker vom Mikrokabel fest einrastet. Diese Buchse stellt auch die für das Kondensatormikrofon benötigte Betriebsspannung bereit. Über einen An/Aus/Mute-Schalter mit Power-Lock Funktion wird der Sender eingeschaltet. Ist dies geschehen, zeigt eine kleine LED den Betriebszustand an. Leuchtet sie grün, liegt es auf der Hand, was das bedeutet. Blinkt die Anzeige grün, sind die Bedienelemente gesperrt. Orange zeigt an, dass der Sender stumm geschaltet ist und bei rot sind entweder die Batterien leer oder es ist ein Fehler aufgetreten. Auch das Sperren der Bedienelemente (Power-Lock) ist mit dieser Taste möglich. So wird ein unbeabsichtigtes Verändern der Einstellungen während der Performance verhindert.

Auf der Längsseite gibt es einen Schiebeschalter mit drei Einstellungen zur Anpassung der Verstärkung: mic (Mikrofon), 0 (Gitarre), -10 (zu verwenden, wenn das Audiosignal aufgrund hoher Einganspegel verzerrt ist). Verbindet man das Mikrofon mit dem Sender, wird einmal die Empfindlichkeit entsprechend eingestellt, anschließend kann man den den Schalter getrost vergessen. Interessant ist aber dennoch die Anpassung an Gitarrensignale. Mit einem speziellen Kabel (nicht enthalten) ist das PGX Drahtlos-System nämlich auch für Saiteninstrumente zu nutzen. Musiker aus beiden Welten können das System dann wahlweise einsetzen. Die rund 10 cm lange Antenne verläuft nicht gerade sondern macht einen Bogen im Winkel von etwa 90 Grad. Das kommt schon daher, weil die Schaumstoffeinlage im Transportkoffer den flexiblen Draht in diese Form zwingt. Am Ende der Antenne sitzt ein dunkelblaues Endstück. Warum dies gerade blau ist, ist nicht wirklich nachvollziehbar, denn alle anderen Komponenten des Systems sind überwiegend schwarz und haben allenfalls noch graue Elemente. Aber schließlich betrifft dieser Hinweis lediglich die Gesamtoptik und ist auch reine Geschmacksache.

Hinter einer Klappe ist der Platz für zwei AA-Batterien (ein Satz neuer Alkalibatterien soll laut Shure für mindestens 8 Stunden reichen). Außerdem verbirgt sich dahinter ein kleines Feld mit der Bezeichnung „sync“. Dieses empfängt den Infrarotstrahl, der den Sender mit dem Empfänger abgleicht. Dass die Abdeckung des Batteriefachs aus einer fest angebrachten Klappe besteht, ist für mich ein echter Vorteil. Wie schnell hat man beim Batteriewechsel auf der dunklen Bühne eine lose Abdeckung verloren oder weiß einfach nicht mehr, wo man sie hingelegt hat.

Praktische Klappe für das Batteriefach

Praktische Klappe für das Batteriefach

Mikrofon BETA 98H/C

Das mitgelieferte Clip-Mikro stammt aus Shure’s Beta-Serie, die von Profis auf der ganzen Welt geschätzt wird. Das Nieren-Kondensatormikrofon WB98H/C mit fest einrastendem Windschutz lässt sich mit einem Clip einfach am Schalltrichter von Blasinstrumenten oder am Rand von Trommeln und Percussion-Instrumenten anbringen. Über den flexiblen Schwanenhals in Verbindung mit der schwenkbaren Knarrenverbindung kann das Mikrofon optimal ausgerichtet werden. Eine stramme Klemme, die an den Spitzen mit Gummi überzogen ist, gibt sicheren Halt auf glatten Untergründen.

Das Kondensatormikro aus der Beta-Serie

Das Kondensatormikro aus der Beta-Serie

Durch einen isolierenden Erschütterungsabsorber wird die Übertragung von Klappen- und anderen mechanischen Geräuschen verringert. Die angewinkelte Schwanenhals-Fixierung hält das Mikrofon auch bei starken Bewegungen in der optimalen Position. Der Frequenzgang von 20 bis 20.000 Hz ermöglicht eine offene, natürliche Klangwiedergabe. Die Nierencharakteristik bietet ausgezeichnete Unterdrückung von Störgeräuschen, und der hohe maximale Schalldruckpegel des Mikrofons ermöglicht die Bewältigung der extremen Anforderungen von Blech-, Holzblas- und Schlaginstrumenten. Die Verbindung zum Sender wird über ein 1,6 Meter langes, flexibles Kabel hergestellt wodurch auch die benötigte Phantomspeisung erfolgt. Am Ende sitzt ein vierpoliger Miniatur-Steckverbinder (TA4F), der im Sender einrastet.

Ein sehr praktisches Detail ist die kleine mitgelieferte Kabel-Haltevorrichtung aus weichem Kunststoff. Mit Klettband auf dem Sender befestigt, kann das lange Anschlusskabel des Mikrofons hier leicht aufgewickelt werden und wird beim Auftritt nicht zur Stolperfalle. Obendrein ist die kleine „Kabeltrommel“ auch noch zu verschließen, damit sich das Kabel nicht verselbständigen kann. Ein Reserve-Windschutz liegt ebenfalls bei. Mit einem Gewicht von 65 Gramm ist das Mikrofon praktisch am Instrument nicht spürbar. Was mich gefreut hat, ist neben der Verwendung an Blasinstrumenten die Flexibilität der Einsatzmöglichkeiten nicht nur für Bläser. Mal eben schnell am Rand einer Trommel angeklemmt, fix ausgerichtet und schon kann’s losgehen. Ein passender Platz für den Sender lässt sich am Drumset dann auch noch finden.

Praxistest

So einfach geht’s.

Mit einem Griff zum beigelegten Quick Start Guide gilt es jetzt zu prüfen, wie einfach das Setup des PGX Drahtlos-Systems ist.

In fünf Schritten wird mit deutlichen Abbildungen gezeigt, was zu tun ist:

  1. Empfänger über Netzteil mit Strom versorgen

  2. Ausgang des Empfängers (XLR oder Klinke) mit Mixer oder Amp verbinden

  3. Batterien in den Sender einlegen

  4. Channel-Taste am Empfänger drücken damit ein ungestörter Kanal gesucht wird und Sender einschalten

  5. Sync-Taste am Empfänger drücken und per Infrarot mit Sender abgleichen

Also Mikro ans Saxofon geklemmt und Schritte 1 bis 5 befolgt – fertig. Das war schon alles. Die grüne Ready-LED am Empfänger leuchtet. Innerhalb kürzester Zeit sind Sender und Empfänger als Einzelsystem einsatzbereit. Ein Blick in die Bedienungsanleitung verrät, was bei der Verwendung von mehreren PGX Systemen zu beachten ist.

Die stabile Klemme hält das Mikrofon sicher und fest am Saxofon. Schnell ist auch der optimale Winkel der Mikrofonkapsel zum Schallbecher gefunden. Wenig später tönt aus den Lautsprecherboxen der mit leichtem Hall veredelte Sound des Instruments. Wie bei Mikrofonierung im allgemeinen üblich entscheiden über die Platzierung des kleinen Kondensatormikros einzig und allein die Ohren. Hier gilt: ausprobieren und seinen eigenen Klangvorstellungen folgen.

Fester Halt am Instrument

Fester Halt am Instrument

Selbst ruckartiges Bewegen des Instrumentes zum Takt der Musik verändert nicht den vorher ausgerichteten Sitz des Beta 98H/C. Hier spielt auch die Schwanenhals-Fixierung ihre Stärke aus und hält die Mikrofonkapsel in der gewünschten Position. Wie zu erwarten wird der Natursound des Instruments glasklar und unverfälscht übertragen. Tiefe Töne klingen ebenso impulsstark und satt aus den Lautsprecherboxen, wie die Dynamik höchster Tonfolgen. Die Klappengeräusche des Instruments sind reduziert und nicht vordergründig aus den Boxen hörbar, aber je nach Einstellung der Klangregler am Mischpult durchaus wahrnehmbar. Schließlich nimmt das Kondensatormikrofon auch feinste Geräusche die von vorne auf die Kapsel treffen präzise auf.

Die Stärke des eingehenden Audiosignals wird vom Empfänger mittels einer LED signalisiert. Grün bedeutet normales und orange deutet auf ein starkes Signal hin. Bei Signalspitzen leuchtet die LED rot. Nicht selten kommt es vor, dass die LED rot flackert. Allerdings bleibt der Sound dabei jederzeit klar und deutlich, Verzerrungen gibt es keine. Eine Anpassung der Signalstärke ist am Sender, wie erwähnt, ledigich in drei festen Stufen möglich. Der Vorteil ist in diesem Fall die einfache Bedienbarkeit. Die Reichweite von Sender und Empfänger ist als sehr gut zu bezeichnen. Selbst über verschiedene Etagen mit dazwischenliegenden Betondecken gibt es keine Probleme. Weder Dropouts noch Störgeräusche schmälerten den Hörgenuss. Da scheint es sinnvoll, nach dem nächsten Gig nicht zu vergessen, die Aus-Taste am Sender zu drücken, damit keine privaten Gespräche aus der Garderobe über die PA schallen.

Fazit

„I’m free to do what I want“ sangen schon die Stones. Und tatsächlich – dieses Gefühl von Bewegungsfreiheit macht es auch für Blasmusiker entspannend, über ein Drahtlos-System zu spielen. Hier bietet das Shure PGX14E/BETA98H-R1 Package den Einstieg in die professionelle Drahtlos-Technologie als Komplettlösung in einem stabilen Transportkoffer. Bekannte Shure Mikrofone der Beta-Serie und patentierte Technologien garantieren perfekten Sound in allen erdenklichen Situationen. Das automatische Setup und die einfache Bedienung sorgen für schnellen und problemlosen Einsatz. Durch die Abnahmemöglichkeit von Trommeln und eine optionale Umrüstmöglichkeit auf Saiteninstrumente wird das Anwendungsgebiet des Systems noch erheblich erweitert. Nicht nur für Musiker, die neben einem Blasinstrument auch noch andere Instrumente spielen ein richtig heißer Tipp.

Plus

  • einfache Bedienung
  • flexible Einsatzmöglichkeiten
  • feste Klappe für Batteriefach am Sender
  • Kabelwickelvorrichtung
  • Mikrofonkapseln mit unterschiedlichen Charakteristiken erhältlich
  • bewährte Shure Mikrofone

Minus

  • kein Ein/Aus-Schalter am Empfänger

Preis

  • Straßenpreis: 549 Euro
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