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Tourbericht: The New Roses 2023, Interviews, Musik, Equipment

Botschafter des Rock'n'Roll

30. November 2023
Tourbericht: The New Roses 2023, Interviews, Musik, Equipment

The New Roses auf der Bühne der Frankfurter Batschkapp

Wie nicht anders zu erwarten, geht natürlich die Post ab, wenn diese Powerband auf der Bühne steht. Die Rede ist von The New Roses. Auf ihrer „The New Roses Sweet Poison Tour 2023“, die sie neben Deutschland auch in die Niederlande, nach Norwegen und in das Vereinigte Königreich führt, machen die fünf Musiker in der Frankfurter Batschkapp Halt und verwanden den Rockclub im Nullkommanix in einen Hexenkessel. Als Support sorgt die finnische Band Moon Shoot (Helsinki) für ein krachendes Entrée mit „true 21st century rock’n’roll“.

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Die Redaktion Stage hat für den Gig in Frankfurt wieder viel Zeit mitgebracht und ist schon beim Soundcheck vor Ort. Also gibt es genügend Reserven, um vor der mitreißenden Show das Equipment der Band unter die Lupe zu nehmen und ausführliche Interviews mit den Musikern und der Technik Crew zu führen.

Für die Band ist das Konzert an diesem Abend in der Batschkapp der vorerst letzte Gig auf dem Festland. Bereits wenige Tage später geht es nach Großbritannien, um dort teils solo aber auch als Special Guest von Massive Waggons in zahlreichen Orten wie beispielsweise Norwich, Plymouth, Liverpool, Newcastle oder London als deutsche Botschafter des Rock’n’Roll die Fans zu begeistern. Abschluss der diesjährigen Tour findet dann wieder in Good old Germany statt.

Ein Gitarrist

Norman Bites zeigt einmal mehr was er kann

The New Roses sind Timmy Rough (Vocals / Guitar), Norman Bites (Leadguitar), Dizzy (Guitar / Vocals), Hardy (Bass / Vocals) und Urban (Drums / Vocals). Musikalisch sind The New Roses ein explosiver Sprengstoff, der sich an Vorbildern wie Guns N´Roses, AC/DC, Kid Rock, Aerosmith, Metallica, The Black Crowes oder Bon Jovi orientiert – aber in einer ganz eigenen Machart.

Biografie der Band

Die Geschichte von The New Roses begann 2013 im Rheingau. Mit ihrem Song „Without A Trace“ landeten Timmy Rough und seine Mitstreiter auf der Compilation der US Kult Biker TV Serie „Sons Of Anarchy“ und lieferten damit auch den Song für die „Sons Of Anarchy“ DVD Trailer-Kampagne in Deutschland.

In den folgenden Jahren tourte die Band in Deutschland, sowie in der Schweiz, Frankreich und Spanien. Highlights waren eine Show im Rahmen des UEFA Champions League Finales am Brandenburger Tor (Berlin), sowie ihre Auftritte bei den Hamburg Harley Days, dem Schweizer Megaevent Swiss Harley Days und beim Love Ride Festival Schweiz.

Februar 2016 erschien das Album „DEAD MAN`S VOICE“, das auf #36 der Deutschen Album Charts einstieg und hervorragende Kritiken der Fachpresse erntete.

Gibson 58 Korina Flying V BG VOS
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The New Roses spielten 2016 über 90 Clubshows und Festivals in Europa und waren unter anderem mit TREMONTI, THE DEAD DAISIES, SAXON, Y&T und ACCEPT auf Tour. Mittlerweile sind die fünf Musiker auf großen Festivals wie dem HELLFEST in Frankreich oder HARD ROCK HELL in UK gebucht.

2017 wurde das neue Album „ONE MORE FOR THE ROAD“ veröffentlicht und stieg Top 20 (#20) in die Deutschen Album Charts ein. Seit dem Release wurden die Singles „Every Wild Heart“ und „Life Ain´t Easy (For A Boy With Long Hair)“ über 2000 mal im deutschen Radio gespielt.

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Auf einem Kurztrip in Afghanistan performte die Band für das internationale Kontingent der NATO Mission „Resolute Support“ in „Camp Marmal“ / Masar-e Scharif. Die darauffolgende Deutschland-Tournee „ONE MORE FOR THE ROAD“ war die bisher erfolgreichste Tournee von The New Roses.

Frontman Timmy Rough

2018 waren The New Roses erneut in ganz Europa auf Tournee. Neben Headliner Shows in Deutschland, Frankreich und UK, tourten sie im Package mit THE DEAD DAISIES (USA) im April/Mai durch Europa, bevor es im Sommer auf über 30 nationale und internationale Festivals wie SWEDEN ROCK, OPEN ROAD FEST (HU), MASTERS OF ROCK (CZ), MATAPALOZ, ROCK OF AGES, ROCK HARD FESTIVAL, WERNER DAS RENNEN, etc. ging.

Im November hatte die Gruppe die große Ehre, als allererste deutsche Band bei der KISS Kruise in Miami eingeladen zu sein, einer 5-tägigen Festival-Schiffstour zu den Bahamas. 2019 folgten Shows im Vorprogramm der Scorpions und KISS sowie die Veröffentlichung des 4. Albums „Nothing But Wild“ (#10 in den Deutschen Albumcharts), dessen erste Singleauskopplung „Down By The River“ sich zu einem Dauerbrenner bei den deutschen Rockradiostationen entwickelte und der Band ausverkaufte Konzerte bescherte.

Zwei Musiker

Während der laufenden Tour flogen The New Roses erneut für fünf Tage nach Miami zur KISS KRUISE IV, die die Band diesmal nach Jamaica führte.

Nach dem Weggang von Leadgitarrist Norman Bites während der Corona Pandemie und der Rückkehr von Gründungsmitglied Dizzy spielte die Band 2022 neben nachgeholten Tourshows und internationalen Festivals in UK, Austria und Spanien (u.a. Rockfest Barcelona, mit KISS, Megadeth und Judas Priest) wieder mehrere Shows im Vorprogramm von KISS in Deutschland und Belgien sowie mit Foreigner.

Seit einiger Zeit ist Norman Bites, der ursprünglich Dizzy ersetzt hatte und anschließend gut drei Jahre wegen Krankheit nicht dabei sein konnte, als fünftes Bandmitglied und Leadgitarrist wieder dabei und unterstützt die New Roses mit kraftvollen Gitarrenriffs und knalligen Soli.

Soundcheck und Infos vom FoH

Zu Beginn des Soundchecks geht es zunächst um den Klang der Instrumente. Von Leadsänger Jimmy also noch keine Spur auf der Bühne. Nachdem das Schlagzeug saftig und knackig mit ordentlichem Punch über die PA der noch leeren Batschkapp donnert, stehen Tontechniker Holly (Holger Brümmer) und Drummer Urban gemeinsam am FoH Platz. Urban ist übrigens bei der Band in einer Doppelrolle, denn neben seiner eigentlichen Aufgabe als Trommler hat er gleichzeitig die Funktion des Tourmanagers an der Backe. Zusammen arbeiten die beiden am Sound der zwei E-Gitarren und am Klang des Bass. Dazu verlassen sie häufiger den FoH und halten sich am Bühnenrand auf. Schließlich sollen im Publikum keine klanglichen Dead Spots entstehen.

Tontechniker am Mischpult

Holly (links) und Urban sind erst dann zufrieden, wenn der Sound in der noch leeren Halle stimmig ist

Nach einiger Zeit steht der Sound, Timmy ist inzwischen eingetroffen und die Band spielt unterschiedliche Songs an. Weil der Leadsänger gelegentlich auch mit der Akustikgitarre auf der Bühne steht, sorgt Holly nun mit klanglicher Detailarbeit für einen stimmigen Rock’n’Roll Gesamtsound.

Im Verhältnis zur Band kann der Tontechniker den Frontman jederzeit laut genug präsentieren. Denn alle Signale liegen auf dem Pult generell in DCAs und Gruppen an. Das schafft genügend Möglichkeiten, schnell und flexibel zu reagieren.

Digizalmischpult

Am FoH steht das SQ-6

Holly: „Wir haben ein Allen & Heath SQ-6 für den FoH und ein Allen & Heath SQ-5 für den In-Ear Mix. Das alles in einem recht schlanken Setup. Im Monitorrack ist das SQ-5 als 19-Zoll Einbau und wir nutzen auch lediglich die internen Preamps aus dem SQ-5 plus eine kleine Stagebox mit acht weiteren Inputs, bei der wir die Outputs nicht mehr belegt haben.“ Die Preamps des SQ-5 und der Stagebox liefern also die Signale für Monitoring und den FoH Mix.

Allen & Heath SQ6
Allen & Heath SQ6
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Beide Gitarristen setzen bei der aktuellen Tour jeweils einen Kemper Profiler im Bodenformat ein. Daraus geht ein Mono-Signal direkt zum Mischpult. Zusätzlich stehen auf der Bühne klassische Röhrenamps und Cabinets, die ebenfalls mit den Signalen der Profiler gefüttert werden. Und klassischer geht es kaum, zur Abnahme sehe ich jeweils ein Shure SM57 an den Speakern. Holly mixt dann aus beiden Signalen, also Kemper und Abnahmemikro, den satten Gitarrensound, der gerade in der Batschkapp zu hören ist.

Kemper Profiler

Der Kemper Profiler liefert das Direktsignal und heizt zusätzlich die entsprechenden Endstufen der Amps an

Holly: „Das Mikrofonsignal der Box ist für mich spritziger als das reine Kemper Signal, denn das klingt für mich zu analytisch. Durch entsprechendes Panning habe ich im Saal dann keine Phasing Probleme.“

Und Holly weiter: „Bei dieser Band sind alle Signale sehr präsent. Die alle in einen Guss zu bringen ohne dass jemand zu sehr heraussticht und daraus eine stimmige Rock n‘ Roll Show zu formen ist durchaus eine kleine Herausforderung. Gleichzeitig muss ich immer die Einschränkungen verschiedener Clubs in punkto Lautstärke beachten.“

Equipment Dizzy

Gitarrist Dizzy

Gitarrist Dizzy mit seiner Gibson Goldtop

„Meine Hautpgitarre ist eine Gibson Les Paul Goldtop. Die liegt gut in meiner Hand und hat einen super Sound“, meint Dizzy. Als Zweitgitarre spielt er eine Paul Reed Smith Core 2 Mccarty 594, die er ebenfalls wegen des Sounds und des einfachen Handlings schätzt. Als Besonderheit ist diese Gitarre einen ganzen Ton höher gestimmt. Dann gibt es noch einen weitere Paul Reed Smith als Spare. Dizzy schätzt bei all seinen Gitarren Saitensätze von Ernie Ball, und zwar Hybrid .009 – .046.

Sein Amp ist ein Friedman Brown Eye BE-50 Deluxe Topteil, das vom Kemper Profiler Stage befeuert wird.

Gitarrenverstärker

Klassische Abnahme mit dem Shure SM57

Die Brown Eye Serie ist ja mittlerweile ein Synonym für fetten Rocksound mit unschlagbarer Dynamik geworden. Mit dem Kemper spart er sich das üppige Effektboard und kann ruck-zuck abgespeicherte Sounds abrufen. Das auf der Bühne aufgebaute Marshall 4×12 Vintage Cabinet wird mit einem SM57 abgenommen und für den Gesang von Dizzy kommt ebenfalls Shure zum Einsatz, ein weiterer Klassiker, das dynamische SM58.

Equipment Norman

Ein Gitarrist

Norman Bites mit seiner Gibson Flying V

Bites ist riesiger AC/DC Fan und hat früher ausschließlich Gibson SG gespielt. „Bei den New Roses klang ich am Anfang zu sehr nach Angus Young und musste mich daher nach einem anderen Gitarrensound umsehen“, schmunzelt der Leadgitarrist. Entdeckt hat er für sich und die Band die Gibson Flying V (Baujahr 2016) in einer ganz besonderen Ausführung. Der Korpus dieser Gitarre ist 10% kleiner, was optisch nicht sichtbar ist. Dementsprechend sind die Hörner etwas kürzer. Zusammen mit dem Slim Taper Profil am Hals lässt sich dieses Gitarre von Norman Bites super bespielen. Als Saiten steht Bites ebenfalls auf Ernie Ball Hybrid .009 – .046. Übrigens sind die Gitarren bei den New Roses generell einen halben Ton tiefer gestimmt.

Gitarrenamp

Nicht so oft zu sehen: ein Schröter Top

Der Bühnenamp ist ein Schröter mit EL 34 Tubes. Das ist ein High-End Amp mit lebenslanger Garantie aus einer kleinen bayerischen Manufaktur. Dieses Point-to-Point verdrahtete Topteil wurde individuell nach den Wünschen von Bites gefertigt, bis hin zur Auswahl des Tolex.

Mit dem Kemper Profiler geht Bites wie Dizzy seriell in den FX Loop des Amps. „Das klingt für uns am besten und wir haben diese Art der Verkabelung irgendwann Mal ausgetüftelt.“ Abgenommen wird das 4x 12 Marshall Cabinet auch hier mit einem Shure SM57.

Equipment Hardy

Bassist Hardy

Bassist Hardy mit einem seiner Bässe

Bassist Hardy spielt Fender Precision Bässe. Und zwar Mischungen aus Preci und Telecaster Bass. Für die Art der Musik, die er damit spielt, gefällt ihm dabei vor allem der Single Coil Sound. Als Saiten bevorzugt er Warwick Red Label in den Stärken .045 – .105. Der größte Teil seines Signals in Richtung Mischpult kommt aus der MXR M80 Bass DI Plus, die mit Vorverstärker, speziellem EQ und schaltbarer Distortion recht üppig ausgestattet ist. Zusätzlich spielt Hardy ein Ampeg Micro VR Top mit 200 Watt, das an eine 8x 10 Ampeg Box angeschlossen ist. Abgenommen wird hier über das Sennheiser E 906. Ähnlich wie bei den Gitarrensignalen mischt Tontechniker Holly beide Quellen zu einem stimmigen Sound. Für den Gesang ist auch bei Hardy wieder das Shure SM58 am Start.

Equipment Urban

Schlagzeug

Drummer Urban spielt ein Ludwig American Classic Maple Set. Auf der Bassdrum sitzt ein Remo Powerstroke 3 Schlagfell, Toms und Snare haben jeweils Remo Coated Ambassador Coated Felle, das sind einseitige, aufgeraute Felle. Becken spielt Urban Zildjian, hier ist er Endorser.

Urban: „Als Crash nutze ich vier identische 19“ Avedis, damit ich die überall habe und von jedem Punkt gut erreichen kann. Zusätzlich schont das die einzelnen Crash-Becken.“ Für die HiHat kommt die 14“ A-Serie zum Einsatz. Außerdem gibt es noch ein Zildjian 22″ A-Custom Ping Ride und ein 19“ Chinabecken.

Eine Besonderheit ist seine Ludwig 6,5“ Black Beauty Snare. Sie ist mit einem Guss-Spannreifen gepimpt und knallt dehalb besonders gut. Das DW Double Pedal für die Kick hift ihm bei kleinen Triplet Figuren und Dopplern.

Ein Schlagzeug

In der BD ist das Grenzflächenmikro bei genauem Hinsehen gut zu erkennen

Zur Overhead Abnahme des Drumsets kommen Mikrofone von Electro-Voice zum Einsatz. Interessant ist die Mikrofonierung seiner Bassdrum. Urban: „Ich mag die Shure SM 91 Beta Grenzfläche auf dem Kissen im Gehäuse in Kombination mit dem Shure Beta 52 außen. Diese Kombi sieht man häufig und mir gefällt das.“

Die Snare wird oben mit einem Shure SM57 abgenommen, für den Teppich und die Toms gibt es Sennheiser 604 Klemmen. Gesungen wird über das kurze Shure Beta 56 und von ICE Stix hat Urban eigene Signature Stöcke.

Zwei Musiker

The New Roses mit In-Ear-Monitoring

Dizzy erzählt mir, dass die Band erst seit der KISS Support Tour komplett auf In-Ear-Monioring umgestiegen ist. Weil dabei wenig Zeit für Umbauten war, habe man das ausprobiert und sei dabei geblieben. Dizzy war schon immer ein Freund von In-Ear-Monitoring doch das sei längst nicht bei den anderen so gewesen. Mittlerweile freut sich die ganze Band über den konstanten Monitorsound mit In-Ear-Systemen, der bei Bedarf noch mit dem Handy individuell eingestellt werden könnte. Hardy: „Als wir noch Wedges für das Monitoring benutzt haben, ist es auf der Bühne immer lauter geworden weil sich der Sond auf den Monitoren aufgeschaukelt hat, das gehört jetzt der Vergangenheit an.“

Rack für IEM

Das Rack für IEM steht bei Urban, der die Kontrolle hat

Bis auf Bites, der Hörer von Hörluchs auf der Bühne benutzt, tragen alle anderen Systeme von Ultimate Ears, und zwar die identischen Modelle UE-5. Hier bestätigt Dizzy das, was ich selber in meinen Testberichten zu In-Ear Hörern immer wieder feststellen kann. Nicht die teuersten Modelle sind immer die besten, es kommt stets auf den Einsatzzweck und die klanglichen Vorlieben des Benutzers an. Die Band hatte beim Umsteig auf In-Ear-Monitoring viele unterschiedliche Modelle an Ohrhörern getestet, bis hin zu Preisen jenseits von 2.000 Euro pro System, doch die Ultimate Ears UE-5 klingen für alle am optimalsten.

Die Mischung für das Monitoring liegt bei Drummer Urban, der am Allen & Heath SQ-5 nichts mehr einstellen muss. Urban: „Wir haben das mal so ausgetüftelt und seitdem fassen wir die Einstellungen nicht mehr großartig an, denn die Mixe stehen. Gelegentlich wird mal eine Strecke etwas lauter gemacht, das war es dann auch. Ich war ja früher immer ein Fan von Bodenmonitoren bei einer Rock’n‘ Roll Band und das ist auch klasse, wenn es gut eingestellt ist, aber wir haben immer ewig viel Zeit beim Soundcheck für das Monitoring benötigt. Jetzt brauchen wir uns um das Monitoring überhaupt nicht mehr zu kümmern und nutzen die Zeit um Songs zu spielen und den FoH-Sound zu optimieren.“

Ein Rack mit Sennheiser

Alle Funkstrecken für die Mikrofone und Instrumente sind aus der Sennheiser Evolution G4 Serie.

Für die Lichtsteuerung der Show sitzt an diesem Abend Svent Plügge von der Baschkapp an der Road Hog 4 (High End Systems) mit Fader Wing.

Lichtsteuerpult

Sven Plügge an der Road Hog 4

Interview Timmy und sein Equipment

Peter Ludl: Seit wann gibt es die Band, wie ist sie entstanden und welche Musik macht ihr?

Timmy: Wir kommen aus dem Rheingau, das ist eine weltberühmte Weinregion, aber keine berühmte Rock’n’Roll-Region. Von daher war die Rock-Szene sehr klein, als ich anfing Rockmusik zu machen, denn ursprünglich komme ich aus dem Jazz. Zu der Zeit war gerade der Kollege Punk voll im kommen: Blink 182, Sum 41, alle haben das gespielt, alle Teenies haben genau diese Musik gemacht. Aber das war nicht mein Ding. Ich fand Muddy Waters geil und B. B. King. Am Anfang denkst du noch, du musst dich dafür schämen weil das niemand auf dem Schirm hatte. Also hab ich angefangen, mit viel älteren Menschen Musik zu machen, die schon über 50 (!) waren – und das war für mich die geilste Schule.

Sänger Timmy Rough

Dann habe ich eine Rockband gegründet und Urban kennengelernt. Zusammen haben wir Coversongs gespielt und damit versucht, Geld zu verdienen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ging auch gut los und wir haben Titel von Elvis, ZZ Top, Guns ’n Roses, Beatles, Lynyrd Skynyrd usw. gespielt. Das war auch ’ne geile Schule denn so konnten wir verschiedene Styles kennenlernen. Die Songs haben wir auswendig gelernt und dann die typischen fünf Stunden Party Gigs gespielt.

Irgendwann hab ich dann gesagt, ich möchte eigene Songs machen, aber Urban wollte das erst nicht. Dann bekamen wir zufällig einen Vorgruppen Slot bei der Band Black Stone Cherry, Bedingung war, eigene Songs zu spielen. Nur dafür haben wir dann drei, vier Songs eingeübt, die ich bis dahin geschrieben hatte. Die Leute sind beim Gig ausgerastet und fanden uns teilweise besser als den Hauptact. Das Gefühl war für mich so toll, Applaus für eigene Songs zu bekommen, denn das war plötzlich ein ganz anderes Lebensgefühl, als zum Beispiel für Highway to Hell Applaus zu bekommen. Dieser Erfolg konnte am Ende auch Urban überzeugen. 2012 folgte die Entscheidung: neuer Name und nur noch eigene Sachen.

Unser Genre ist melodischer Hardrock oder Stadium-Rock. Über den Bandnamen waren wir uns überhaupt nicht einig und die Idee kam von unserem damaligen Manager. Das Wortspiel im Hintergrund zu New Roses hat bis heute keiner kapiert. Es klingt ja wie das englische Wort neurosis für Neurose und war vielleicht zu viel um die Ecke gedacht. Wir fanden das klasse, aber die Fans dachten am Anfang wir sind eine Guns ‚N Roses Coverband und fragten uns sogar nach deren Songs. Der Name war also nicht unser größter Geniestreich.

Peter Ludl: Welche Erwartungen habt ihr an die Europatour?

Timmy: Wir hoffen natürlich das Einzugsgebiet zu erweitern und wollen darauf aufmerksam machen, dass der Stadion-Rock nicht tot ist. In England sind wir mit Massive Wagons unterwegs. Die sind in UK in etwa auf dem Status, den wir hier in Deutschland haben. Wir nehmen uns gerne gegenseitig mit und so kann jeder sein eigenes Publikum erreichen.

Peter Ludl: Wie sind die Vorbereiten für die Tour und wie hälst du deine Stimme fit?

Timmy: Ein paar Wochen vor der Tour fange ich intensiv an, meine Stimme mit Übungen zu kräftigen. Das hat viel mit Atmung zu tun, aber auch mit Kräftigung der Bauchmuskeln. Während der Tour gibt es dann überwiegend Pflege der Stimme, zum Beispiel mit LAX VOX. Jahrelang habe ich das immer verlacht, aber das ist voll geil und hat mein Leben verändert. Ich konnte es mir von einer Logopädin erklären lassen. Man kann nicht irgendeinen Strohhalm nehmen, der Silikonschlauch hat genau abgestimmte Abmessungen, wie Länge und Durchmesser. Wenn man stimmlich etwas angeschlagen ist und nutzt das Verfahren zehn bis fünfzehn Minuten, merkst du deutlich, dass du weniger heiser bist.

Es hat auch noch andere Benefits, du musst Backstage nicht mehr rumschreien um deine Stimme aufzuwärmen – ich singe mich überhaupt nicht mehr warm. Ich mache meine Übungen und die sind auch gut für das Bandklima weil es vollkommen geräuschneutral ist.

Peter Ludl: Nach welchen Kriterien habt ihr die Setliste für heute zusammengestellt?

Timmy: Wir haben uns erstmalig bei Spotify angeschaut, was unsere Hörer am meisten konsumieren. Das war sehr überraschend, denn ein Titel wie Live Ain’t Easy, der ja eigentlich ein Country-Song ist und den wir lange nicht gespielt haben, wird sehr oft gehört. Also ist er wieder ins Programm gekommen und siehe da, viele Leute freuen sich darüber. Zudem wollen wir auch immer das neue Album in den Fokus der Show stellen und das soll natürlich immer den Hauptanteil ausmachen.

Peter Ludl: Was zeichnet für dich eine gute Show aus?

Timmy: Ich war ja viele Jahre auf der anderen Seite der Wellenbrecher und auf allen Konzerten, die ich besuchen konnte. Was mich dort immer enttäuscht hatte, waren vollgedröhnte Bands. Das fand ich immer total respektlos. Vor allem als Jugendlicher hat man sich die Kohle für das Ticket oft vom Mund abgespart, ist mit dem Zug vielleicht zwei Tage vorher angereist oder hat auf dem Parkplatz im Auto geschlafen. Natürlich ist das alles Party, aber im Zentrum steht das Konzert.

Für mich waren die Bands damals wie meine Freunde, ich kannte jeden Song, habe jeden Bericht gelesen und war mit der Band verbunden. Und dann bist du endlich da, hast vielleicht vier Stunden im Regen angestanden, freust dich auf den Auftritt deiner Helden und dann kommt da eine völlig desinteressierte Truppe raus und liefert einfach nur Dreck ab. Es gab Konzerte, wo ich echt den Tränen nahe war. Zu dieser Zeit habe ich mir gedacht, wenn du mal eine Band hast, geht das gar nicht. Du willst dein Bestes geben und hoffen, dass es reicht. Ich will keine Enttäuschung in den Augen unserer Fans sehen.

Das war jetzt eine lange Vorrede. Für mich macht ein gute Show noch aus, dass wir den Leuten Zugang zu ihren Emotionen geben, Gänsehaut bei einer Ballade zu erzeugen oder auszurasten bei einer Power-Nummer. Wir wollen den Leuten das Gefühl geben, dass wir alle zusammengehören und dass es vollkommen in Ordnung ist, Emotionen zu zeigen.

Peter Ludl: Was waren bewegende Momente innerhalb der Band und bei Veranstaltungen?

Timmy: Da gibt es ganz viel. Das erste Mal auf einer großer Tour mit der Rockband Molly Hatchet zu sein, war 2010 eine ganz außergewöhnliche Zeit für mich. Es ist unfassbar, was du dabei lernst, dazu gibt es keine Schule oder Tutorials. Dann wurde unser Song Without A Trace von 20th Century Fox für den Soundtrack einer amerikanischen Biker Mafia Serie ausgewählt. Die Vorgruppen Gigs wurden immer größer, wir waren dann zum Beispiel mit ZZ Top, Bonamassa oder Blackfoot unterwegs. Auch das erste Mal, sich selbst im Radio zu hören, war ein unfassbares Erlebnis. Dann wurde es ganz crazy als Vorgruppe für Scorpions, KISS, Dead Daisies, Aerosmith. Mit den Dead Daisies hatten wir 20 Konzerte in 21 Tagen in 17 Ländern.

Peter Ludl: Welches Equipment benutzt du bei dieser Tour?

Timmy: Ich muss das mal erklären. Früher habe ich zwar mehr E-Gitarre gespielt, aber ich habe mich immer schon eher als gitarrespielender Sänger gesehen. Jetzt sind mit Dizzy und Norman zwei super E-Gitarren in der Band, da kann ich mich voll auf den Gesang konzentrieren. Und das ist sehr gut, denn jetzt kann ich noch mehr Kontakt zu unseren Fans halten. Trotzdem spiele ich bei dieser Tour einige Stücke auf der Akustikgitarre.

Timmy Rough mit der Gitarre

Die Geschichte meiner Gitarre ist total geil. Diese Gitarre habe ich 2013 bei einem Pfandleiher in Amerika gekauft. Ein weiser Gitarrist und einer meiner besten Freunde, der „Gaggy“ Mrozeck (u. a. Grönemeyer, Kin Ping Meh), hat mir mal gesagt: Wenn du eine Akustikgitarre siehst, die von Natur aus einen Riss hat, dann muss du hingucken, weil das Holz noch arbeitet.

Jetzt kam ich bei dem Pfandleiher rein und sah dort die Gibson Songwriter Deluxe. Das Schlagbrett fehlte schon und die Gitarre sah wirklich unscheinbar aus, die Decke hatte einen kleinen Sprung. Diese Gitarre habe ich angetestet und fand sie total geil. Dabei kam mir der Spruch von „Gaggy“ in Erinnerung. Also bin ich zum Verkäufer und meinte, die ist ja schon ganz ok, hat aber einen Sprung. Er fragte mich, was willst du geben und ich spontan, 80 Dollar. Das passte ihm nicht, er wollte 120 Dollar. Mein Vorschlag, ich gebe dir 100 Dollar und bekomme noch einen Koffer – der Deal war perfekt.

In jedes Studio, in das ich komme, auf jeder Bühne, sagen die Leute: Was ist das für ein geiles Teil – und ich antworte, tja 100 Dollar.

Als Saiten spiele ich Ernie Ball Paradigm .010 – .046. Wichtiger für den Sound ist aber die Wahl des Plektrums, da konnte ich schon viel experimentieren. Außerdem arbeite ich häufig mit einem Capo. Am Ende probiere ich mit dieser Gitarre sehr viel aus, auch unterschiedliche Stimmungen.

Als Gesangsmikrofon bestehe ich mittlerweile auf das Sennheiser E 935. Das ist ein dynamisches Mikrofon, das aber im Vergleich zum SM58 sehr sensibel in den Höhen ist. Somit bringt es mir noch etwas mehr Glanz in meine Stimme.

Peter Ludl: Wie entstehen eure Songs?

Timmy: Das Songwriting läuft immer gleich. Ich suche nach Ideen, schreibe Songs und die Jungs entscheiden im Kollektiv.

Peter Ludl: Wie bist du zur Musik gekommen?

Timmy: Musik ist das einzige in meinem Leben, was mich immer erreicht hat. Also war mir früh klar, ich muss irgendetwas mit Musik machen. Zuerst habe ich Saxofon gelernt und jahrelang in Jazzbands und Swing Bands gespielt. Danach kam eine Rockband, bei der ich am Saxofon zu hören war. Als unser Sänger damals die Band verließ, konnte ich sozusagen als Fill in bis der neue Sänger kommt, das erste Mal vor dem Mikrofon singen. Da wusste ich, das ist mein Ding – hier direkt meine Seele und da ist die Welt.

Peter Ludl: Last Words?

Timmy: Gebt Rock’n’Roll ’ne Chance, er ist immer noch on fire. Auch wenn die ganz Großen nach und nach Auf Wiedersehen sagen, gibt es viele Mitstreiter, die für die selbe Sache kämpfen und den Rock’n’Roll immer weitertragen.

The New Roses in Concert

zwei gitarristen

Nachdem die finnische Band Moon Shot mit Sänger Ville Malja das Publikum auf Betriebstemperatur gebracht hat, ist die knisternde Stimmung im Saal deutlich zu spüren. Dann, die Bühne ist noch dunkel, tönt der Klassiker Pretty Woman von Roy Orbison aus den Lautsprechern. Langsam kommen die Musiker auf ihre Plätze begleitet von lautem Kreischen aus überwiegend weiblichen Kehlen.

Drei Musiker auf der Bühne

Schon beim Openingsong The Usual Suspects ist die Stimmung auf dem Siedepunkt, die Fans singen im Chorus lautstark mit. Es folgt ein Knaller nach dem anderen in schnellem Tempo. Zwischendurch geht es aber auch ruhiger zu.

Band Auftritt

„Wir sind nicht nur zum Spaß hier“, lässt Frontman Timmy wissen, „wir haben eine Mission, wir wollen die Rockballade zurückbringen.“ Dann kommt seine Akustikgitarre zum Einsatz und der Song All I Ever Needed erklingt. Und das ist genau der Moment, wo unzählige Feuerzeuge und Handy-Leuchten im Publikum zum Einsatz kommen.

Publikum beim Konzert

Dass The New Roses auch alte Hits mit neuem Groove beleben können, erleben die Fans in der sehr eigenständigen Version des Neil Young Klassikers Rockin‘ In The Free World.

Timmy Rough

Insgesamt ist es ein Konzert mit hervorragender Performance auf sehr hohem musikalischen Niveau, bei dem jeder einzelne Musiker durch Virtuosität glänzt. Die Songs der New Roses sind eingängig, was sich nicht zuletzt daran zeigt, dass die Fans die Texte kennen und laut mitsingen.

Zwei Musiker

Ein Gitarrist

Ein rockiger Abend mit guter Laune neigt sich spät in der Nacht langsam dem Ende. Auf die Band wartet nun eine kleine Ruhepause. Doch schon in wenigen Tagen heißt es auf der britischen Insel in Norwich wieder Rock on mit Dauerpower bei einer mitreißenden Show.

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Forum
  1. Profilbild
    Lumm

    Werde ich mir mal anhören. Danke für die Vorstellung.
    Allerdings sind für mich, schon seit einigen Jahren, die niederländische Band DeWolff die Botschafter des good old Rock’n’roll. Ich versuche jedes erreichbare Konzert mitzunehmen. Was die 3 Jungs raushauen, ist schon erste Sahne. Und wenn alle Gastspieler(Bass, Percussion, Bläser und Background-Sängerinnen) dabei sind, ist es phänomenal! Sucht mal in Youtube nach “ dewolff live pinkpop 2023”.
    Aber sorry für meine Begeisterung , jetzt gucke ich nach New Roses 🙂

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