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Test: Warwick Gnome i Pro, Bassverstärker

Warwick Gnome - Bass-Allrounder der super leichten Gewichtsklasse

28. Dezember 2021

Dem Volksmund nach sind Gnome kleinwüchsige und menschenähnliche Fabelwesen, elementare Naturgeister die in Bergen, Wäldern und Gewässern leben. Sie gelten als Schatzhüter und werden gerne mit Zwergen und Kobolden in Verbindung gebracht. Manche davon sind guter, andere bösartiger Natur. Um welche Art von Geist handelt es sich hierbei?

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Unser Fabelwesen hier kommt aus der modernen digitalen Zeit und ist somit ja eigentlich gar keines mehr. Seitdem Markbass vor vielen Jahren mit den Class D Endstufen auf dem Markt kam, hat sich die Technik rasant weiter entwickelt und gehört zum Portfolio eines jeden Herstellers. Während es am Anfang lediglich darum ging möglichst klein und leicht zu sein um den Transport zu erleichtern, finden wir heute digitale Endstufen in allen Größen, Maßen und Gewichtsklassen. Noch haben sie Transistoren und Röhren nicht komplett verdrängt – ob sie das je tun werden wage ich auch mal zu bezweifeln – trotzdem ist es gar nicht mehr so leicht komplett analoge Amps zu bekommen.

Über die Unterschiede im Klang herrscht in der Bassistenzunft nach wie vor große Uneinigkeit. Manche hören keine Veränderung des Tons, andere wiederum behaupten, dass es den digitalen Amps an Fundament, Vehemenz, Substanz und Headroom fehlt. Persönlich gehöre ich zur Gruppe 2, man fühlt einfach wie der Sound erzeugt wurde und auf einer großen, lauten Bühne hat mich Class D noch nicht überzeugen können. Trotzdem haben die kleinen Kisten auch ihre Berechtigung, besonders wenn es um Transport und Praktikabilität geht. Ich bin noch in einer Zeit aufgewachsen, in der ein Satz wie „Ich packe den Amp schnell ins Gigbag“ große Verwunderung hervorgerufen hätte. Als dies dann endlich möglich war, gehörte ich zu den Ersten, die trotz geringer Auswahl diesen neuen Luxus für sich in Anspruch genommen haben.

Heute ist das anders, es gibt eine Vielzahl von super kleiner und leistungsstarker Amps, zu denen auch unser Gnome aus dem Hause Warwick gehört. Das traditionsreiche deutsche Unternehmen als Markneukierchen genießt spätestens seit ihre Serie mit Weltklassebassist Jonas Hellborg einen guten Ruf, wenn es um Amps und Boxen geht. Mit ihrem neusten Sprössling versucht man dem ambitionierten Bassisten einen leichten und kompakten Amp an die Hand zu geben, ausgestattet mit den nötigsten Features und ausreichend Power für die Bühne. Mal schauen, ob das gelungen ist…

Test: Warwick Gnome i Pro, BassverstärkerDurchdacht!

Unser Fabelwesen ist in 3 Versionen erhältlich, die sich lediglich in folgenden Ausstattungsmerkmalen unterscheiden:

  • Warwick Gnome – 200 Watt, 0,96 kg
  • Warwick Gnome i – 200 Watt + integriertes Audio Interface, 0,98 kg
  • Warwick Gnome i Pro – 280 Watt + integriertes Audio Interface, 1,35 kg

Zum Test liegt mir die größte Version vor, welche bereits beim Auspacken einen hochwertigen Eindruck macht. Mit seinen Maßen von 200x137x49 mm (LxWxW) hat er in etwa die Größe eine A5 Blatt, nur der ELF von Trace Elliot (anscheinend gehören diese Art der Namen dazu) ist noch etwas handlicher. Die paar cm Unterschied sind am Ende aber nicht wirklich entscheidend, dazu macht er Gnome in puncto Verarbeitung einen extrem guten Eindruck, das Gehäuse aus Stahl wirkt stabil und alle Regler und Schalter sitzen passgenau und lassen sich angenehm bedienen.

Das schlichte Design in silber und schwarz wirkt unauffällig und edel zugleich und macht auf jeder Bühne was her. Auf der Vorderseite finden sich ein Input für das Instrument, der dazu gehörige Gain-Regler sowie ein 3-Band EQ mit Bässe/Mitten/Höhen und natürlich der Master. Zwei kleine LEDs zeigen an ob der Gnome an oder aus ist und wie stark das Signal ist. Auf unnötige Beschriftungen und Spielereien wurde verzichtet, was die Bedienung einfach und intuitiv macht. Auch die Rückseite bleibt übersichtlich und ist nur mit dem nötigstem ausgestattet. Dazu gehören der Ein/Aus-Schalter, der Eingang für das Stromkabel, ein Anschluss für die Box in Klinke, ein DI Out mit Ground Lift sowie der USB Anschluss. Lüftungsschlitze auf der Oberseite und stabile Gummifüße auf der anderen runden den Gnome ab zeigen mir sofort, dass hier im Vorfeld gut nachgedacht wurde. Warwick hat sich auf das Wesentliche reduziert, gut designed und diesbezüglich schon mal alles richtig gemacht. Wenn man einen Kritikpunkt suchen möchte, dann hätte man vielleicht etwas mehr Platz zwischen den 5 Regler auf der Vorderseite lassen können. So kann es beim Drehen schon mal vorkommen, dass man unabsichtlich einen Anderen mit verstellt, besonders auf einer Bühne mit wenig Licht. Das es bei solch einem Miniamp aber um Gewicht- und Platzersparnis geht, finde ich dies absolut verkraftbar.

 

Neutralität ist Trumpf

Zu Beginn teste ich den Amp zu Hause mit einem guten Studiokopfhörer. Bereits beim Einpegeln des Basses merkt man, dass wir uns hier beim Thema Leistung nicht im hohen Segment bewegen. Bis ich die Vorstufe und damit auch die LED zum clippen bringe, habe ich diese lockere 3/4 des Regelwegs genutzt. Dafür werde ich dann aber mit einem sehr klaren, sauberen und neutralen Sound belohnt, welcher keine nennenswerte Färbung aufweist. Natürlich hört man ein wenig die typischen Mitten der Class D Technik, jedoch bleiben diese in vertretbaren Maß und fallen damit nicht unangenehm auf.  Hier wird der Bass wird mit all seinen Stärken und Schwächen wiedergeben wie er ist und man bekommt sogar ein wenig das Gefühl von einem räumlichen Signal, wie man es sonst nur bei Amps mit deutlich mehr Leistung und Headromm kommt. Die Regelwege von Gain und Master laufen über den größten Teil des Weges linear, was es sehr leicht macht seine individuelle Einstellung zu finden. Hier gibt es meines Erachtens aber nicht wahnsinnig viele Möglichkeiten, da die Endstufe ein optimal ausgesteuertes Signal braucht um nicht matt und flach zu klingen. Das ist bei den Wattzahlen aber völlig normal und für mich in Ordnung. Hier geht es nicht darum besonders flexibel zu sein sondern das Signal möglichst unverfälscht zu verstärken.

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Trotzdem gibt es mit dem 3-Band Eq die Möglichkeit den Sound weiter zu bearbeiten. Leider macht Warwick keine Angaben über die gewählten Frequenzen sondern lediglich über den Grad der An- oder Absenkung, welche bei +/- 15 dB liegt. Wo auch immer diese genau liegen, sie wurden gut gewählt und greifen hörbar in den Sound ein, ohne dieses komplett zu verfremden. Ich würde die Intensität im mittleren Bereich einordnen, man darf also schon zupacken und drehen, sollte aber nicht in die extremen Stellungen gehen, wenn der Sound noch brauchbar bleiben soll. Insgesamt macht mit der Amp am Kopfhörer viel Spaß, er tut genau das was ich erwarte und klingt größer, als er eigentlich ist.

Die Bühne bebt

Nach dem positiven Eindruck bin ich gespannt, wie sich der Gnome an einer Box verhält. Dafür nutze ich meine 2×10 Peavey, welche mit 300W auf 4 Ohm belastbar ist und damit ganz gut passt. Auch hier bleibt es neutral. Man hört den Bass mit seinen Nuancen und den Eigenklang der Box (den ich nach vielen Jahren gut kenne), jedoch keine nennenswerte Färbung des Amps. Die Lautstärke ist mehr als beachtlich und sollte für mittelgroße Bühnen in geschlossenen Räumen ausreichen. Erst ab dem letzten Drittel bis Viertel des Master hört man den Klang dann eng werden, eine Eigenschaft welche man aber von allen Class D Endstufen kennt. Für mich passt das aber, für Lautstärken dieser Größenordnung ist der Gnome einfach nicht gebaut.

Nun wollte ich es mir natürlich nicht entgehen lassen das Setup mal live auszuprobieren. Also ging der Gnome mit Box zum Musical, obwohl ich dort ein eigentlich ein anderes Setup spiele. Das Ergebnis war mehr als zufriedenstellend: Unaufgeregt und neutral verrichtet der Amp seine Arbeit, sorgt für ein stabiles Signal, welches sich mit dem EQ entsprechend bearbeiten und an die Bühne (in den Fall der Graben) anpassen lässt. Mir persönlich fehlt an dieser Stelle ein Pre/Post EQ Schalter, da viele FoH sich ein unbearbeitetes Signal wünschen. Das liefert der Gnome leider nicht, der EQ ist immer on. Eigentlich schade denn diese Feature sollte bei jedem Amp zur Standardausstattung gehören (eine Vollröhre mal ausgenommen). Umgehen kann man Problem z.B. mit einer vorgeschalteten DI-Box. So bekommt der FoH das cleane, unbearbeitete Signal des Basses welches er entsprechend an dem Saal anpassen kann, der EQ des Gnome sorgt dann für einen guten Bühnensound.

Flexibel dank integriertem Interface

Zu guter Letzt habe ich natürlich noch den DI Ausgang mit dem Signal des Interface verglichen. Das in dieser Preisklasse nicht alles auf höchstem Niveau arbeiten kann, versteht sich eigentlich von selbst. Im direkten Vergleich klingt das Interface etwas kraftloser und matter als das Signal aus dem DI. Dies ist aber total vertretbar, ich denke nicht das Warwick den Anspruch verfolgt hat hier ein professionelles Interface mitzugeben. Ich sehe den USB Anschluss eher als Ersatz für den fehlenden Line In, um zu Musik vom PC/Tablet/Smartphone zu spielen. Natürlich kann man so auch unkompliziert und schnell eine Idee recorden oder seine Basslinien bei der Probe oder Gig mitzuschneiden um sie abzuhören. Das macht den Amp universell einsetzbar und zu einem guten Begleiter in den verschiedensten Situationen.

Wie klingt es?

Für die Soundbeispiele habe ich mir überlegt, den Amp mit verschiedenen Bässen zu spielen, um den neutralen Klang zu demonstrieren. Alle Instrumente wurden passiv eingespielt und ein wenig mit dem EQ angepasst. Man kann die Unterschiede gut hören, jeder Bass klingt so wie er ist und der EQ tut das was er soll.

Lakeland 55-94 Deluxe, Bridge Pickup in MuMa Konfiguration
EQ: Bass 14 Uhr, Middle 9 Uhr, Treble 13 Uhr

Sadowsky NYC Modern, Both Pickups
EQ: Bass 15 Uhr, Middle 11 Uhr, Treble 15 Uhr

Oliver Lang Fretless Cadiz, Bridge Pickup
EQ: Bass 12 Uhr, Middle 14 Uhr, Treble 10 Uhr

Fender Precision Bass 1965
EQ: Bass 12, Middle 11, Treble 12

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Fazit

Mit dem Gnome i Pro ist der Firma  Warwick ein Erfolg gelungen. Der kleine Amp besticht durch einen neutralen Klang, ordentlich Power, sehr guter Verarbeitung und zweckmäßigem Design. Die Features sind sinnvoll ausgewählt und in sich stimmig, ohne den Anspruch zu haben alles können zu müssen. Wer solch ein Leichtgewicht sucht, man mit diesem Fabelwesen alles richtig! Der Preis von 219 Euro für die große Version ist mehr als fair, zumal die beiden Varianten mit weniger Watt noch günstiger sind.

Plus

  • Gute Verarbeitung
  • Schickes Design
  • Kompakt & Leicht
  • Neutraler Klang
  • Gute Abstimmung des EQ
  • Sehr ordentliche Lautstärke
  • Kopfhörer Betrieb ohne Box
  • Integriertes Interface #
  • Fairer Preis

Minus

  • Anordnung der Regler etwas eng
  • DI Ausgang lässt sich nicht pre EQ schalten

Preis

  • 219 Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    susuexp

    „trotzdem ist es gar nicht mehr so leicht komplett analoge Amps zu bekommen“.
    Class D ist analog. Und genau wie man Class A, b, AB und C sowohl mit Röhren als auch Transistoren bauen kann, ginge das mit Class D theoretisch auch, nur das es hier keinen Vorteil brächte. Class D arbeitet mit Pulsweitenmodulation eines Rechteckoszillators, bzw. technisch addiert man ein Dreieckssignal zum Originalsignal und fährt dann Transistoren damit in die Sättigung. Dahinter schaltet man einen Tiefpassfilter. Dieses Schaltprinzip kann man an analogen Synths leicht nachbauen, nur das hier der Oszillator in der Regel nicht bei 60kHz laufen kann und der Filter auch bei spätestens 20kHz Schluss macht. Aber wenn das Eingangssignal oberhalb von 5kHz keine Frequenzanteile hat, dann taugt auch ein Modularsystem oder (vermutlich am günstigsten) der Behringer Neutron.

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