Mic Irmer / Moogulator im Interview
Peter:
Erzähl unseren Lesern zunächst doch einmal etwas über Dich.
Moogulator:
Gibt es da was zu erzählen? Naja, versuchen wir es mal so: Es fing mit Klavier, Böhm-Orgel (leider hat die Firma diesen Monat Insolvenz angemeldet) und ZX81 an, danach weiter mit Synthesizern und diversen Projekten: einige feierten vor einiger Zeit ihr 20stes Jubiläum, andere sind neu (dAdA-iNN, im Wesentlichen ein improvisatorisches Liveprojekt und Vertonungsteam für Filme von Jan Bitzer und Team, wie zB 458nm.de). Es wird also immer noch gern Musik gemacht. Ansonsten versuche ich weiterzuleben und strebe erstmal die handelsübliche Weltherrschaft™ an. Ansonsten diverse Jobs in Sachen Synthesizer, Sounds, Workshops (ich gebe hier in Köln Workshops zu vorher ausgemachten Terminen – einfach anrufen! Alles rund um Synthesizer, Synthese, Livesound bis zur Website).
Peter:
Verdienst Du mit Deiner Musik schon Geld, oder finanzierst Du damit vielleicht schon Deinen Lebensunterhalt?
Moogulator:
Insgesamt schon, ich muss sogar davon leben, sofern man das auf das Thema Instrumente erweitert. Reich wird man aber nicht, ich empfehle also der von der Politik geforderten hohen Kinderschar eher was anderes, wenn man Euros super findet ;-)
Peter:
Wie bist Du zur Musik gekommen?
Moogulator:
Faszination! Ich wollte es so und Instrumente gab es einfach immer irgendwo. Auf meinem Grabstein wird sicher mal stehen „Synthesizer waren sein Leben“, o.ä. Das meine ich auf ganzer Linie. Die Musik ist die Droge selbst. Und meine Familie ist auch generell musiksüchtig (nicht im Sinne von Konsum, mehr im Sinne von Wert von Kültür™).
Peter:
Welche Art von Musik hat Dich am meisten begleitet, inspiriert und letztendlich beeinflusst?
Moogulator:
Ich schreibe mal den Algorithmus dazu auf, wie ich Musik aussuche: Hauptsächlich Elektronisches! Dabei ist das Genre als solches egal, solang es anspricht, es gab am Anfang nicht so eine allgemeine Verbreitung von Musik, und schon gar nicht so inflationär und allgegenwärtig. Dennoch gibt es aus allen Zeiten und Richtungen verdammt gute Sachen und 90% „Schrott“. Dabei müsste man sicher noch trennen zwischen Geschmack, Zielvorstellungen, hoffentlich wenig „Erwartungen“ und Dogmen. Ich kenne auch Musik, die mir fast „körperlich“ unangenehm ist oder langweilig, aber ich stürze mich lieber auf die Millionen von wirklich spannenden oder „anmachenden“ Sachen. Da gibt’s von ansprechend über nicht Nachdenken bis Hirnmusik alles. Der Mensch™ ist eben auch nicht auf nur ein Ding fixiert. Wenn Musik die visionäre Zukunft transportiert, spricht mich das sicher mehr an als irgendwelche lang tradierten Wege. Dennoch ist mir die Einteilung „kommerziell vs. Indie/wenig Hörer“ aber auch zu klein. Kurzum: Jede spannende Musikrichtung hat mich geprägt, und dabei leider erstmal nur die, von denen ich was mitbekommen habe. Als Kind der Spät70er, wurde ich sicherlich deutlich durch diese Zeit geprägt. Zwischen 8 und 16 (beides natürlich durch 8 teilbar, wie das so in der Computerwelt ist) hat man sicher die meisten Eindrücke. Während die ältere Generation mit ihren scheintoten Helden winken, werden neue Sockel aufgestellt für neue Helden, die heute wieder umgeschubst werden. Einige bleiben stehen andere fallen irgendwann. Das ist auch o.k. so. Auch ich habe natürlich Vorlieben, das ist aber sicher schon am Text abzulesen, wo es hingeht.
Peter:
Was war Dein erster Klangerzeuger und wie hast Du ihn erworben?
Moogulator:
Oh, ich habe mir sehr lange die Nase an Nachbars Musikladen platt gedrückt, ich habe im Nachhinein da bestimmt einige Monate die Leute genervt – durch Anwesenheit – bis ich endlich die pekuniäre Hardware für was Richtiges hatte. Gelernt habe ich faktisch am lebenden Objekt, was eine Hüllkurve ist oder ein MG nichts zum Killen für Religionsfreunde ist. Klangerzeuger: Das war wohl das Klavier und später die Böhmorgel Top Sound DS – dann eine Soundbox für den Sinclair ZX81 mit AY8910-Soundchip und erst dann einen richtigen Synthesizer unter Zusammenfassung aller Festivitäten und Einholung von genug gültigen Zahlungsmitteln. Die übliche Kette begann natürlich mit so Teilen, wie dem MS20 und dem DX21. Das war wirklich irre teuer für einen 14-15jährigen. Heute gibt es diese Hardware (bis auf den MS20) für weniger als Softwarepreise nachgeworfen. Man lernt aber auch viel.
Peter:
Hast Du den MS20 noch?
Moogulator:
Ja, krankstens modifiziert. Den DX21 habe ich nicht mehr, aber kürzlich erschoss ich einen TG77 und zerrte ihn für einen grade mal eben noch dreistelligen Betrag in meine Jagdhütte. Schmeckt immer noch!
Peter:
Welche Synthesizer verwendest Du denn heute am liebsten, oder besitzt auch Gitarren?
Moogulator:
Wenn Winter ist, eigenen sich Katzendärme™ evtl. bestens für das Kaminfeuer. Habe aber keinen Kamin, die Wahl hängt mehr von der gemachten Musik ab. Live schleppt man beispielsweise ungern mehr als 3 Oktaven umher und spart sich viele Maschinen mangels maximal erlaubter Anzahl von Händen bei Menschen. Alles andere folgt streng dem Gesetz des „für den Song das Beste“.
Peter:
Mit welchem Klangerzeuger oder Effekt hast Du denn richtig schlechte Erfahrungen gemacht und würdest den AMAZONA Lesern eher vom Kauf abraten?
Moogulator:
Willst du das wirklich wissen? Es gibt doch gar keinen „schlechten“ Klangerzeuger, jedenfalls kann man durchaus mit fast allem irgendwie was basteln. Es ist also eine Frage der Zweck-/Entfremdungsdienlichkeit..
Nunja, es gibt natürlich starke und schwache Klangwerke – diese sind aber allgemein bekannt. Ich mag gerne, wenn sie gut klingen und man alles damit machen kann. Ich muss keine speziellen „LoFi“-Synthesizer haben. Ein guter Synthesizer kann das auf Knopfdruck.
Peter:
Wie dürfen wir uns Dein „Studio“ vorstellen?
Moogulator:
Unaufgeräumt und mein Studiostuhl ist grade kaputt gegangen.
Peter:
Wie genau nimmst Du auf?
Moogulator:
Alles ganz modern mit Computern, um genau zu sein mit Macs und wenigstens mittelguten Wandlern via Feuerdraht. Was nicht von da kommt, kommt direkt aus dem Rechner.
Equipmentliste:
Siehe sequencer.de und Live-Aktionen.. Gearporno ist fein, sagt aber nicht viel. Spare mir mal ne Liste.
Veröffentlichungen: Cds und Vinyl – Ausschnitt: Consequence – regression Consequence – volition Consequence – real?OR.noT ConseQuence / Moogulator -. Gedankenrauschen White Line Compilation 12” (Moogulator) div. Vinyl unter div. Namen Volition / Consequence / etc. div. Compilations – zB die Compilations via Monte Christo / Dr.Walkers Labels unter dem Moogulator-Projektnamen.




























Er spricht in Zeichen und Bildern. :-D … Sehr erheiternd; macht wirklich Spaß, das Interview zu lesen.
Moin,
wirklich Persönliches erfährt man hier leider nicht – nur das übliche „Musiker-Geschwafel“.
Was wirklich Persönliches wäre z.B. Wann geboren? Verheiratet? Kinder? Berufsmusiker oder wie verdient er sein Geld etc …