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23. März 2015

Korg ARP Odyssey – das Remake des Jahres 2015!

Eines vorneweg, ich bin begeistert!
Duophonie erweitert einen Synth um ein Vielfaches gegenüber klassischen Monosynths , aber der Reihe nach.

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Einen originalen Odyssey hatte ich noch nicht unter meinen Fingern, weswegen ich keine exakte Auskunft über Authentizität des „Originalsounds“ geben kann, aber anhand guten Vergleichsvideos im Web kann man sich selbst überzeugen, dass auch ARP drinsteckt, wo auch ARP draufsteht. Vergleichen kann ich ihn jedoch mit meinem vertrauten MS-20 mini, Juno 60, Waldorf Puls und anderen Synths.

Die Kiste rockt im wahrsten Sinne des Wortes und ist optisch wie haptisch ebenfalls ein Genuss! Auch wenn viele die 86% Tastatur bemängeln, ich mag diesen Kompromiss wie beim MS-20 mini.. Durch die etwas kleiner Bauweise wirkt das Gerät nicht so wuchtig und findet auch gut Platz in Projektstudios. Alternativ kann man ihn per MIDI mit Wunschtastatur oder Sequencer spielen.

Aus Kunststoff ist auch die Gehäusewanne. Die Vorderseite mit der Metallplatte wirkt stabil, aufgeräumt und dank zahlreicher Fader auch übersichtlich. Der große Vorteil gegenüber Drehreglern ist zum einen, dass man den Sound anhand der Faderstellung sieht und zum andern kann man mit 4 Fingern bis zu 4 Fader gleichzeitig bedienen während man mit der anderen Hand auf der Tastatur spielt.

Die generelle Verarbeitungsqualität dürfte dem des MS-20 mini entsprechen, also aktueller Mittelklassestandard. Schön, dass am rückseitigen Audioausgang neben Klinke auch XLR zur Verfügung steht. Ebenfalls in Klinke ausgeführt ist sind die Eingänge „Pedal“ und „Portamento-Footswitch“. Die rückseitigen Trigger und CV Eingänge/Ausgänge habe ich bisher – mangels analoger Sequenzer- noch nicht genutzt.

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Der mitgelieferte Koffer ist praktisch für den sicheren Transport, dünstet jedoch anfangs unangenehm stark nach Gummi.

Die 2 Oszillationen, jeweils Sägezahn und Rechteck (beide mit variabler Pulsweite) klingen wundervoll organisch, selbst bei komplett geöffnetem Filter. Wesentlich „edler“ als die des MS-20 mini und weniger statisch als z.B. die DCOs meines Juno 60. Noise gibts gefiltert und ungefiltert. Und um den Output etwas anzurauen bzw. den Pegel anzuheben steht ein Drive-Schalter zur Verfügung.
Einziges Manko der Oszillatoren, wie beim Original gibt es keine Rasterung für die genaue Tonhöhe, lediglich jeweils einem Fader für grobes und einen für feines Tuning sowie einen Zwei-Oktaven-Schalter. Aus diesem Grunde ist bei mir mein alter Gitarrentuner standardmäßig am Odyssey angeschlossen.

Obwohl schaltungstechnisch mehr oder weniger auf dem Stand der Siebzigerjahre, gibt es unendlich viele Möglichkeiten unterschiedlichste Sounds zu kreieren und zu modulieren wie FM, Ring oder Sample&Hold. Etwas ungewöhnlich ist für mich nur, dass die Modulationsquellen am Modulationsziel eingestellt werden.
Ganz besonders gefallen mir die Syncsounds, die wesentlich geschmeidiger erklingen als die meines Waldorf Puls.

Die ADSR Hüllkurve ist für die meisten Anwendungen ausreichend schnell, die abgespeckte AR etwas lahmer. Der LFO könnte, wie beim Original, einen etwas größeren Bereich aufweisen ist. Alternativ kann Oszillation 1 ebenfalls als LFO genutzt werden. Da es leider keine Möglichkeit gibt den LFO extern zum Tempo zu synchronisieren ist Feingefühl und Ausdauer gefragt bei tempobasierten Einstellungen. Ich gehe davon aus, dass dies mit einem originalen Odyssey mit etwas größerem Regelweg einfacher zu bewerkstelligen ist.

Hervorragend gefallen mir die LP-Filter. Es wurden alle 3 Filter der unterschiedlichen Originalversionen implementiert, wobei mir persönlich das 12dB aus Rev1 am besten gefällt. Es klingt warm, fett und dünnt am wenigsten aus. Das HP-Filter ist bei mir eher selter im Einsatz, jedoch praktisch für bassloses wie z.B. HiHats.

Die PPC (Proportional Pitch Controll) sind zu Beginn etwas ungewöhnlich. Mit etwas Übung lassen sie sich jedoch wunderbar für ausdrucksstarkes Spiel nutzen. Vibrato und Bendigs bis zu einem Ganzton hoch oder runter funktionieren einwandfrei. Alles was darüber hinausgeht erfordert wohl noch mehr intensive Übung. Aber es macht Spass und ist eine willkommene Abwechslung zum gängigen Pitchwheel.

Hier ein Video mit meinen Klangbeispielen:

Das schöne an einem duophonen Synth wie dem Odyssey, es kommt meiner Spielweise als Gitarrist sehr entgegen. Akkordmelodien mit Intervallen, aber auch sehr „E-Gitarren-ähnliche“-Sounds wie Sync lassen sich wunderbar umsetzen. Überhaupt ist Dank der Mouluations-Möglichkeiten und Duophonie eine enorme Platte an unterschiedlichsten Sounds möglich. Ich nutze den Odyssey für Strings und Pads ebenso gerne wie für Perkussives, FX, kranke Orgelsounds oder einfach nur wuchtig fette Bässe und schöne singende Leads.

Fazit
Schöne neue analoge Synthiewelt, Wer hätte das vor 10 Jahren gedacht. Wir haben die Qual der Wahl zwischen neuen MS-20, Prophets, Moogs und Oberheims und eben diesem wundervollen ARP Odyssey.

In jedem Fall ist der Korg ARP Odyssey ein unglaublich vielseitiger und spielerisch einzigartiger duophoner Synth, der nun in einer Neuauflage - minimal kleiner aber mit einfachem Midi und allen 3 Filterrevisionen ausgestattet -auferstanden ist. Hat man sich für ihn entschieden, hat man nur noch die Wahl zwischen drei verschiedenen Designmodellen.


Forum
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    AMAZONA Archiv

    Schöne praxisorientierte Zusammenfassung Rob! Du hast den Kleinen ja in den letzten Wochen ordentlich zur Brust genommen. Weiter so!

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      volcarock  

      Herzlichen Dank, Marko. ich bin so begeistert von dem Synth, dass ich es nun alle Welt wissen lassen muss.
      Am Wochenende gibt es ein neues Stück, bei dem ich wirklich alles, inklusive Drums mit dem ARP gemacht habe.

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        Tyrell  RED 2

        Schon sehr beeindruckend was Du aus dem ARP rausgeholt hast – vor allem auch aus musikalischer Sicht!!!

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          volcarock  

          Lieben Dank, Peter! Ich hatte den Track schon komplett fertig bevor der ARP da war. So konnte ich mich 3 Tage gezielt auf ihn fokussieren und herausfinden wie ich ihn am besten für mich einsetze.
          Letztlich habe ich mehr oder weniger versucht meine Originalspuren (Microwave und Juno 60) mit dem Odyssey zu reproduzieren.

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    TobyB  RED

    Hallo Volcarock,

    (Y) (Y) (Y) , 3 Daumen hoch.
    Was du mal machen solltest wenn du einen Analogen Sequenzer zu packen bekommst, den 8 Step Program oder den SQ1 anschliessen, ich denke mit denen kann man dann die KARP Odyssey noch mal kicken. Wenn meiner kommt werde ich das definitiv mal probieren. Und danke für dem Tipp mit dem Gitarrentuner.

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      volcarock  

      Vielen Dank, Toby. Das sehe ich wie du, weswegen ich mir auf jeden Fall noch etwas etwas wie den 8-Step, Dark Time oder SQ1 zulegen werde. Ich konnte mich bisher nur noch nicht entscheiden.
      Schon verrückt, ein brandneuer analoger Synth veranlasst mich in meiner Restekiste meinen 10 Jahre alten ausgelutschten Gitarrentuner aufzufinden ;-)

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        TobyB  RED

        Hallo Volcarock,

        ich hab ja nun den Hang trotz Vorliebe für Synths nun bei den Gitarren FX und insbesondere EHX rumzuwildern. Mich hat seinerzeit ziemlich beeindruckt, das man die Monotribe mit ein bischen Voodoo optimal für FX Shots oder Blubber/Bleeps einsetzen kann und irgendwie muss das ja gesynct werden. Und das geht wieder erwarten mit CV/GATE echt gut. Der SQ1 ist nicht so dumm wie einige schreiben und der 8 Step Program ist selbsterklärend effektiv. Der Dark Time ist auch so. Ich freue mich schon auf die Odysseey. Ich denke das ich da nochmal so ein Aha-Erlebnis habe, wie seinerzeit als ich die Monotribe via CV an den King Korg angeschlossen habe und dann einfach nur noch breitgrinsend da stand und dachte „Jo, so muss der Funk abgehen“ .

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          volcarock  

          Hallo Toby, auf jeden Fall, ich mag die Kisten von EHX, außerdem ein sehr sympathisches Unternehmen, auf deren Marketing ich auch regelmäßig reinfalle ;-)
          Dank für Rückinfo zu den Sequenzen.

          Auf den Odyssey mit den wie für Dich geschaffenen Modulationseingängen kannst du Dich wirklich freuen!
          Und ich kann mir sehr gut vorstellen, das der CV-modulierte abgehende Funk dann nochmals getoppt wird:-)

          • Profilbild
            TobyB  RED

            Hallo Volcarock,

            ich bin ein schlechter Kunde, da zu 90 Prozent marketingresistent ;-) Der Ausschlag EHX zu präferieren ist der Klang und die Möglichkeit das ich fast alle FX mit Pedal und oder CV steuern kann. Und der Oddy wird erstmal schön angetestet. Solo und oder im Verbund mit 8 Step und SQ1. Und es geht nicht über gediegenen Filterfunk :-)

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