16. September 2017

KORG DDD-1 & DSB-1 Sampling-Workshop

Ich dachte, ich betätige mich heute mal als Leserautor, denn als ich kürzlich einen Korg DDD-1 erstanden habe – und zwar mit der wirklich seltenen Sampling-Option Korg DSB-1 – hatte ich Startprobleme, die Sampling-Funktion zum Laufen zu bekommen.

Originaldokumente zur Sampling-Karte sind kaum zu bekommen – und erst im Sequencer.de Forum erhielt ich dank User „sbur“ kompetente Hilfe. Dickes Dankeschön nochmals an dieser Stelle.

Die Samplingplatine des DDD-1 hat einen eigenen Prozessor

Die Sampling-Platine des DDD-1 hat einen eigenen Prozessor

Also legen wir los:

Auflösung und Sampling-Zeit

Gleich mal vorab, der Korg DDD-1 mit Sampling-Karte DSB-1 zeichnet in 12 Bit auf, bei einer variablen Samplingclock, die sich im Bereich zwischen 1 und 128 festlegen lässt. Entsprechend länger oder kürzer fällt die maximale Sampling-Zeit aus. (Zum Begriff Samplingclock kann evtl. ein versierter Leser etwas beisteuern).

Fakt ist, bei niedrigster Qualität stehen einem maximale 3,2 Sekunden Sampling-Zeit zur Verfügung. Bei höchster Qualität reduziert sich das auf 0,8 Sekunden.

Batteriepuffer für Sampling-Speicher

Ja, die Samples (maximal 2 – dazu später mehr) bleiben tatsächlich im Speicher erhalten und sind durch eine Batterie gepuffert. Diese Batterie ist allerdings NICHT dieselbe, die für den restlichen Speicher der Korg DDD-1 verantwortlich ist und die auf der Hauptplatine mit zwei Lötfahnen platziert wurde (schlimm genug). Auch sitzt diese Batterie NICHT auf der Sampling-Batterie, sondern in einem extra Fach am Gehäuseboden.

Nur leider handelt es sich um einen Akku im (ich würde heute mal sagen) Sonderformat, mit einem mir vollkommen unbekannten Stecker. In meinem DDD-1 fehlte dieser Sonderling übrigens, weshalb sich vor mir leider nur ein leeres Loch auftat.

Aber auch hier half mir „sbur“, womit ich zumindest schon mal die technischen Details für diesen Akku bereitstellen kann: 4,8 V mit 270 mAh. Fündig geworden bin ich aber bislang leider nicht. (Wenn jemand einen Tipp hat – bitte her damit!!!)

So müsste der Akku aussehen (Foto: sbur)

Jetzt die gute Nachricht: Das Sampling funktioniert auch ohne dieser Batterie, nur wird dann eben der Sampling-Speicherinhalt nach dem Ausschalten gelöscht und leider gibt es auch kein Möglichkeit, die Sampling-Sounds zuvor zu sichern.

Sampling-Blöcke

Der Korg DDD-1 unterscheidet zwischen drei Sampling-Blöcken, nämlich Null, Ein und Zwei.

Entscheidet man sich im Sampling-Menü für NULL, kann man nur EIN Sample erstellen, erhält aber bis zu maximal 3,6 Sekunden Sampling-Zeit. Entscheidet man sich für EINS oder ZWEI, wird der Speicherplatz geteilt und man kann maximal zwei Samples mit jeweils bis zu 1,6 Sekunden Sampling-Länge erstellen. (Für Drumsounds sicher die bessere Wahl).

POLYPHONIE

Durch die Sampling-Karte erhält man zusätzlich EINE Stimme. Nutzt man dennoch die Sampling-Zeit für ZWEI Samples, können diese nie gleichzeitig erklingen.

Sampling Step bei Step

1.
Zunächst Audioquelle auf der Rückseite am Audio-Input anschließen. Nun Signalquelle aussteuern. Dies geschieht mit dem Schieberegler links oben und mit den beiden LEDS für Trigger und Peak.

Leuchtet PEAK rot auf, wird übersteuert und leuchtet TRIGGER grün auf, wird damit signalisiert, dass mit der Funktion Auto-Trigger der Sampling-Vorgang gestartet würde. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass beide LEDs relativ schnell aufleuchten. In der Praxis ist die Übersteuerung aber erst unangenehm zu hören, wenn PEAK durchgehend aufleuchtet.

2.
Weisen Sie zwei Triggertasten (z.B. G TAMBOURINE und N CABASA) (siehe Instrument Setting) die beiden Sample-Speicherplätze zu. (Bis zum Ende der Instrumentenliste scrollen, da kommen schließlich nach den Card-Sounds die Einträge „S-1“ und „S-2“ für Sample 1 und Sample 2.)

3.
Auf der Bedienmatrix des Korg DDD-1 nun bitte „SYSTEM SETTING“ und danch „f•6“ drücken.

In der nun folgenden Displayansicht kann man mit Hilfe des Cursors die Parameter anwählen:

BLOCK – wie zuvor erwähnt, Block 0, 1 oder 2. „A“ oder „M“ für automatisches oder manuelles Sampling sowie T für die Auflösung der Samplingclock (bestimmt Qualität in Abhängigkeit zur Samplingzeit). Treffen Sie hier ihre Wahl.

4.
Drücken Sie erneut die Funktionstaste „f•6“. Sobald im Display das Wort „READY“ auftaucht, ist ihre Sampling-Funktion scharfgeschaltet.

Hatten Sie im Menü zuvor A für automatisch gewählt, startet der Aufnahmevorgang, sobald der Trigger-Level (EIngangslautstärke) ihrer Signalquelle die grüne Leuchtdiode zum leuchten bringt. Habens Sie aber M für manuell gewählt, startet der Aufnahmevorgang mit dem Betätigen Ihrer in Schritt 2 ausgewählten Triggertaste – vollkommen unabhängig davon, ob nun eine Klangquelle anliegt oder nicht.
Nach dem Aufnahmevorgang springt das Menü zurück auf das Displaybild aus Schritt 3. Hören Sie sich Ihr Sampe nun über die zugewiesene Triggertaste an.

Danach haben Sie die Wahl, den Aufnahmevorgang zu wiederholen oder den Block zu wechseln, um z.B. das zweite Sample aufzunehmen.

Die vier Slots für die Soundkartenerweiterungen, rechts der Steckplatz für das RAM

5.
Das nun im Speicher befindliche Sample verhält sich von nun ab wie ein ROM-Sound. Sie können das Tuning verändern, die Abklingzeit verkürzen oder verlängern, das Panorama festlegen oder den Einzelausgang „SAMPLED OUT“ zuweisen.

Sie können allerdings NICHT: … das Sample Beschneiden, loopen oder sonst in irgendeiner Weise anpassen. Weil zumindest eine Truncate-Funktion enorm wichtig gewesen wäre, um den Startpunkt von Drumsounds zu justieren, ist die manuelle Trigger-Funktion nur eingeschränkt zu empfehlen. Die automatische Trigger-Funktion bietet sich hingegen sehr effizient an und schneidet wirklich nur sehr wenig vom Attack eines Sounds ab. Negativ bemerkbar macht sich das vor allem bei Kick-Sounds wie einer TR-808 Kick.

Sampling DDD in der Praxis

Ich habe einen Arturia MatrixBrute über eine Patchbay mit einem Kanal mit dem Sample-Input verbunden. Sampling geht damit vollkommen unkompliziert und enorm schnell. Beats und Effekte lassen sich damit unkompliziert realisieren und dank der 12 Bit Auflösung auch richtig oldschool soundtechnisch umsetzen.

Ich habe mal einen kleinen Demotrack produziert. Als Klangerzeuger diente ausschließlich die DDD-1. Gesampelt wurde nur der roughe Bass-Sound und das leicht gepitchte Pad am Ende (Vom MatrixBrute). Alle anderen Sounds stammen aus der DDD-1 bzw. von Erweiterungskarten. Die einzelnen Sequenzerspuren habe ich dann als Audiotracks in Logic aufgenommen und dort mit Hall und Delays versehen und am Ende die Summe komprimiert. Das Gated-Reverb auf der Kick-Drum kommt allerdings von der DDD-Erweiterungskarte „GATE REVERB4 DDC-A11“.  ( Sicher kommt man auch zu einem ähnlichen Ergebnis ohne Korg DDD-1, aber ob der gleiche Spaß aufkommt, wage ich zu bezweifeln ;-)

Fazit
Die Korg DDD-1 ist quasi eine E-MU SP-12 für Low Budget. 2 Samples, 12 Bit, 3,5 sek. Sampling-Zeit, enorm unkompliziert und purer Fun. Klar kann man mit einer E-Mu SP-12 deutlich mehr anfangen, aber obowohl ich auch eine SP-12 besitze, macht mir der Sound und das Performen auf der DDD-1 einen Monster-Spaß. Erkenntnis: Manchmal ist weniger eben doch mehr :-)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    4finger  

    Schöner Artikel.
    Ich habe so einen Korg mal auf dem Flohmarkt günstig erstanden, allerdings hatte der als Speichermedium ein Tapedeck auf der Gehäuseoberseite. Das Tape fehlte allerdings, und selbst in den Untiefen des www war hierzu nichts zu finden. Deshalb musste das Gerät leider wieder gehen..

    • Profilbild
      microbug  

      Das war aber dann nicht der Drumcomputer, sondern der Sequenzer SQD-1, das Speichermedium heißt Quickdisk und Infos darüber sind eigentlich überall zu finden, manchnal auch Medien. Wurde auch in den ersten Akai-Samplern benutzt, verschwand aber schnell wieder in der Versenkung.

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    TobyB  RED

    Morsche Peter,

    sehr schön. BTW, den von dir gesuchten Akku müsste es noch geben, soweit ich weiss wird diese Bauform, mit dem Steckverbinder, nach wie vor in Datenloggern zur Temperatur und Luftfeuchte Überwachung eingesetzt. Ich frag mal nach.

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      TobyB  RED

      Hallo Peter,

      den Sanyo Akku gibts so nicht mehr zu kaufen, statt dessen kannst du dir 2 Einzelakkus kaufen in der entsprechenden Bauform und den Lötkolben in die Hand nehmen. Oder du gehts ins nächstgelegene Modellbaugeschäft. Die sollten sowas passendes auf Lager haben. Bitte auf die Spannung achten. Lithium Akkus und Batterien haben andere Spannungen und Ströme. :-)

  3. Profilbild
    microbug  

    Hallo Peter,

    zuerst einmal ein paar Ergänzungen. Die Samplingkarte hat KEINEN eigenen Prozessor. Die beiden großen Chips sind ein uPD65010 Gate Array (Kundenchip mt fester Maske) und ein 82C55, ein Portbaustein.
    Das Gate Array dient angeblich zur Erzeugung eines Delays.
    Man hat hier offenbar aus Kostengründen kein statisches, sondern dynamisches RAM genommen, nur muß das regelmäßig ausgelesen werden (Refresh). Will man sowas batteriepuffern, muß man auch die Refreshlogik mit Spannung versorgen, und genau das wird mit dem optionalem Akku hier auch gemacht.
    Daher ist das auch ein deutlich dickerer Akku.

    • Profilbild
      microbug  

      Fortsetzung:

      Die verwendete Steckerleiste ist im Modellbau durchaus gägig, nennt sich B3B-EH von JST und gibts sogar bei Conrad. Der passende Stecker nennt sich EHR-3, ist aber nur das Buchsengehäuse, braucht noch die passenden Kontaktstifte. Wenn Du bei Conrad B3B-EH in der Suche eingibst, bekommst Du die passenden Stecker und Stifte ebenfalls genannt.
      Was den Akku betrifft, so darf man an dieser Stelle KEINE Li-Batterie einbauen, da es einen Ladewiderstand gibt (oder muß diesen durch eine Diode ersetzen). Der Akku darf auch 5V haben, da er direkt an die Chips geht, aber nicht mehr. Passende Akkus gibts im Modellbauhandel oder evtl. bei Balzer in der Schillerstr. 24. Die meisten der 4,8V-Akkus sind allerdings aus 4 Zellen aufgebaut, wäre halt die Frage, wieviel Platz da noch nach hinten existiert.
      Der Akkuanschluß sitzt übrigens auch nicht auf der Hauptplatine, sondern auf dem Board für die Speicherkarten.
      Der Stecker hat den Pluspol auf dem mittleren Pin, die beiden Äußeren sind parallel auf Minus geklemmt, wobei der Akku nur an Pins 2 und 3 hängt. Kann ich auf dem Bild oben leider nicht überprüfen. Vielleicht kann Florian Dir da helfen, ansonsten weißt Du ja, wo ich zu erreichen bin :)
      Hoffe, die Informationen haben geholfen.

  4. Profilbild
    Round Robin  

    Der DDD-1 war meine erste Drummachine. Leider hatte sie kein Samplingboard, jedoch machte die Kiste auch so Spaß. Besonders gut gefallen hat mir die Möglichkeit, dass man die Parameter (Pitch, Level, Decay etc) aufnehmen konnte. Durch wurde die DDD-1 unnatürlicher und elektronischer. Ich hab sehr sehr lange nach dem Samplingboard gesucht. Keine Chance.

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