27. April 2015

Kompaktmixer Yamaha MG10 XU

Da Sigi das grössere Geschwisterchen prima besprochen hat und die Signalverarbeitung grundsätzlich identisch sind, beschränke ich mich hier auf die Darstellung der Unterschiede zum Yamaha MG10 XU und meine persönlichen Eindrücke zu diesem Gerät.

Yamaha-MG-10-XU

Augenfällig ist zunächst trotz der mit einem Stereoeingang weniger nicht so wesentlich unterschiedlichen Anschlussausstattung erheblich geringeren Geräteabmessungen. Einerseits spart die Verwendung von Potis statt Fadern zur Pegeleinstellung Platz, vor allem jedoch die Auslagerung des Netzteils. Ich bin wie Sigi ein grosser Freund eingebauter Netzteile, in diesem Fall finde ich dessen Auslagerung jedoch tatsächlich vernünftig. Das Netzteil misst 8 X 6,5 X 5,5 Zentimeter, mit dessen Einbau hätte sich das angenehm flache kompakte Gerätedesign erledigt. Dafür ist das Netzteil vertrauenerweckend schwer und recht gut verarbeitet. Das Gehäuse hängt zwischen kräftig ummantelten, ausreichend langen und am Gehäuse mit effektivem Knickschutz geschützten Leitungen. Der Anschluss ans Gerät erfolgt per dreipoligem Vollmetallstecker mit Überwurfmutter – besser habe ich das in dieser Geräteklasse und leider auch „darüber“ noch nicht gesehen, verglichen mit DSIs Billigramschlösung am Mopho ist das Gold! Naja, und ganz nebenbei hat die Auslagerung den simplen Vorteil, dass so Einstreuungen in die Signalverarbeitung ausgeschlossen sind.

Auf Mute- und PFL-Taster muss man hier verzichten, ebenso auf die Einknopfkompressoren in zwei der vier Mikroeingängen. Mich stört das nicht, zumal diese bei Anschluss meiner E-Bässe für meine Klangvorstellung eher eher schadeten als nutzten.

Die Seitenteile bestehen aus beim Anklopfen mit Fingernagel klanglich an einen leeren Kefirbecher erinnerndes Plastik. Nach Entfernen des Bodenblechs stellte sich heraus, dass auch deren Materialstärke vergleichbar ist. Es stellte sich ebenfalls heraus, dass die Entfernung des Blechs nur den Blick auf ein weiteres Blech eröffnete. Unterhalb der das Gerät ausfüllenden Platine mit den Bedienelementen sitzt im hinteren Bereich die kleine Platine mit der Signalverarbeitung. Ein vielfach gefalztes, geschlitztes und gebohrtes kräftiges weiteres Blech formt einen Käfig um die Platinen, welche darin absolut fest eingeklemmt sind. Ich muss gestehen, ich bin positiv überrascht, mal abgesehen davon, dass ich mir einen Blick auf die Platinen erhofft hatte. Das ist eher Kür denn Pflicht. Jetzt stört mich auch die Beschaffenheit der Seitenteile nicht mehr so sehr…

Zu den Buchsen hat Sigi fast alles gesagt, ergänzend vielleicht noch, dass selbst die USB-Buchse mit dem Gehäuse verschraubt ist. Eigentlich mag ich staubdichte Klinkenbuchsen, hier ergibt die offene Variante jedoch Sinn. Das Gerät wird im hinteren Bereich, ausgehend von der kleinen Signalverarbeitungsplatine, ordentlich warm und die offenen Klinkenbuchsen dienen als Kamine. Die Hauptplatine ist hierzu unterhalb der Buchsen mit Bohrungen versehen. Das ist durchdacht.

Die Bedienelemente.

Hier wird meine persönliche Begeisterung eingebremst. Die Schalter fühlen sich soweit okay an, rasten recht präzise. Die Potis haben einen angenehmen, versehentlicher Verstellung entgegenwirkenden Drehwiderstand. Der jedoch ist nicht sehr gleichmässig, weder über den Stellbereich des einzelnen Potis noch im Vergleich untereinander. Und deren „Flexibilität“ resultiert leider nicht aus einem „federnden Sockel“ sondern der Kombination mangelnder Stärke (4 mm), materialsparender Geometrie (D-Shape) mit erbärmlichem Werkstoff (biegefreudiges Billigplastik). Eine Verschraubung mit dem Gehäuse wäre hier zweifellos nett, wenn auch der Bauteilequalität unangemessen. Hier liegt zweifellos die qualitative Achillesferse: Bei den Potis. Ich behaupte jedoch, dass ein Verbleiben beim bisher eingelösten Qualitätsanspruch das Gerät absolut gerechtfertigt merklich teurer gemacht hätte. Ordentliche Potis, zumal in dieser Anzahl, sowie deren Verschraubung gehen ins Geld. Nicht zuletzt hat Yamaha auch diesen Punkt zu Ende gedacht, denn statt offensichtliche Schwachstellen über die gesamte Konstruktion zu verteilen (Die Seitenteile haben wir längst vergessen), verdichten sie diese auf einer austauschbaren Einheit. Mir wäre eine „HQ-Variante“ allerdings einen adäquaten dreistelligen Aufpreis wert.

An meinem Hobbyplatz „arbeite“ ich mit einem Paar modifizierter KRK Rokit 6 in Zusammenarbeit mit einem RCF Sub. Hören (und auch „mastern“) jedoch erledige ich mit meiner Stereoanlage, denn zur verlässlichen Beurteilung von Klangunterschieden finde ich die KRK vor allem wegen ihres mangelnden Auflösungs- und dynamischen Differenzierungsvermögens eher weniger geeignet. Kurz: Verglichen mit meiner Stereoanlage hört man über die Dinger nichts. Eines hörte ich beim Probebetrieb des 10XU als Audiointerface über die KRK schon: Es tönte, auch für meine spinnerkritische untechnische bessere Hälfte – ein untrügliches Indiz -, verglichen mit dem sonst verwendeten NI Komplete Audio 6, deutlich nüchterner, kälter, geradezu physisch unangenehmer. Soweit der Kurzeindruck. Das wollte ich genauer wissen, also stöpselte ich die beiden in die Monitorwege meines Vorverstärkers. Beide neigen zum Verschlucken von Information, das ist soweit erwartungsgemäss, ebenso das Einebnen von Rauminformation. Die virtuelle Bühne, die in sonst ein gutes Stück über die Lautsprecher hinaus reicht, spielt sich nun dazwischen ab, Auch sitzen Musiker nun fast aufeinander statt hintereinander. Beim NI ist dieser Effekt etwas weniger ausgeprägt. Beide beschneiden Transienten und Dynamik etwa in vergleichbarem Masse, gut zu hören beim prima aufgenommenen expressiven Schlagzeugspiel bei Totem Trio – un matin d´hiver. Als Audiointerface gefiel meiner besseren Hälfte und mir das NI besser, zumal uns dessen Wiedergabe angenehmer schien und es dieselben Einbussen nachvollziehbar weniger stark verursachte. Dabei spielte es tendenziell keine Rolle, ob sie mit CD-Kost, Mophos Audioausgang oder 24 Bit/96 K-Stoff aus der DAW versorgt wurden.

Fazit
Ich finde den kleinen Yamaha preisbezogen klanglich tadellos und kann mich mit dem Wechselbad zwischen geradezu überraschend hochwertigen Detaillösungen und durchdachtem technischen Konzept einerseits und den enttäuschenden Potis andererseits arrangieren, da ich nicht sehr intensiv an ihm herumschraube. Da ich solche Bedienelemente nun mal nicht gut finde und die Tatsache, dass sie nicht mit dem Gehäuse verschraubt sind, ebenfalls nicht, ist bei mir "nur" ein "befriedigend" drin - allerdings mit dem Hinweis, dass mir in diesem Preissegment kein vergleichbares Gerät bekannt ist (Nein, auch der Allan&Heath nicht, der wäre schon wandlerseitig kein fairer Vergleich), das von mir ein "gut" erhielte.
Forum
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    Besten Dank für deinen neuen Erfahrungsbericht, den ich (wie auch den des Mopho) erfrischend subjektiv finde, insbesondere, da du den Fokus deutlich zu den üblichen Tests verschiebst.
    Eine Frage hab ich jedoch. Da du den KRKs ja so nebenbei ordentlich einen mitgibst (und ihnen mangelnde Auflösung attestierst, was im Übrigen diametral meiner Meinung zu den Boxen gegenübersteht): Aus welchem Verstärker, bzw. Vorverstärker/Endstufe und Lautsprechern besteht denn deine Stereoanlage?

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      fno  

      Danke für die freundlichen Worte. Audio Physic Avanti Lautsprecher, modifiziert, Cambridge Audio Verstärker, Teac VRDS 25 CD-Player, modifiziert, NF-Kabel von Straight Wire, Mogami, Oehlbach, Monster, LS-Kabel DIY (2 kreuzverschaltete Monitor Koaxkabel á 2 x 4), DIY-Stromversorgung (Trenntrafos, Netzfilter). Klingt für meine Ohren deutlich besser als meine KRK.

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        Ich geh mal davon aus, dass wenn du dir schon die Avantis hinstellst, du nicht unbedingt den Azur 351 oder was ähnlich kleines hinstellst :)
        Dass diese Kombi „besser“ klingt, glaub ich dir gerne, aber zu beachten ist, dass a) Studiomonitore nicht „gut“, sondern „ehrlich“ klingen sollen, damit eben Auffälligkeiten im Klangspektrum nicht glattgebügelt sondern so objektiv wie möglich dargestellt werden, und b) die Rokits einen ziemlich kleinen „true spot“ haben, d.h. du deinen Kopf wirklich exakt in diesem Spot platzieren musst, weil sie sonst schnell verfälscht klingen. Darauf hatte Axel auch so in seinem Test der RP8 völlig zu recht drauf hingewiesen
        https://www.amazona.de/test-krk-rokit-8-nahfeldmonitor/4/
        Aber ansonsten gilt: Wenns hinter gut klingt wurde einiges richtig gemacht. Ich ich persönlich checke meinen final mix selbstverständlich auch direkt über die Stereoanlage, und die ist mit Cantons Fonum 401 deutlich kleiner als deine bestückt…. :)

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          fno  

          Azur 740 – leider kann ich hier keine Konzertlautstärken fahren und bin auf lebendige Wiedergabe bei moderaten Pegeln angewiesen. Und die Avanti – lieber gut gebraucht als mittelprächtig neu finde ich. Wenn ich die KRK für den Preis nicht i. O. fände hätte ich sie nicht, doch verglichen mit der Avanti…ich bin sicher, das weisst du selbst, ebenso, dass mich die korrekte Aufstellung von Lautsprechern mutmasslich nicht überfordert.:-)

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