Guitar Vintage: Gibson L-7 E-Gitarre von 1947

3. September 2019

Gibson L-7: Vintage Schätzchen von 1947!

 

Heute wollen wir euch eine ausgesprochen betagte und schöne Gitarre vorstellen, eine Gibson L-7, die mir freundlicherweise von einem Freund für diesen Bericht aus der AMAZONA.de-Rubrik „Zeitmaschine“ zur Verfügung gestellt wurde. Der Besitzer erwarb diese Gitarre im Jahr 2009 von einem Vorbesitzer, der die Gitarre wiederum aus den Vereinigten Staaten von Amerika importiert hatte. Die Gitarre wurde ohne Originalkoffer verkauft, im obigen Bild sieht man sie im (deutlich neueren) Koffer einer Vintage Gibson L-5 liegen, der optimal passt.

Der aktuelle Besitzer ließ anschließend einige Reparaturen vornehmen, da der Gesamtzustand dies erforderte. Einige Dinge mussten korrigiert bzw. verbessert werden. Der Halswinkel stimmte nicht, einige Teile (Original-Saitenhalter etc.) fehlten, auch die Bundierung musste erneuert werden. Des Weiteren wurde die Vintage Gitarre Gibson L-7 mit einem neuen Schlagbrett, neuen Mechaniken, einer neuen Brücke und einem Saitenhalter ausgestattet (im Originalzustand besaß diese L-7 vernickelte Hardware, diese wurde durch vergoldete Hardware ersetzt). Zur Korrektur des Halswinkels wurde der Hals mithilfe von Dampf vom Korpus entfernt und neu im korrekten Winkel verleimt. Diese anspruchsvolle Arbeit nahm der renommierte Frankfurter Gitarrenbauer Mathias Schindehütte mit großer Sorgfalt vor. Die Gitarre wies auch einige Risse in der Decke und Zarge auf, die fachgerecht repariert wurden.

Damit die Gitarre auch elektrifiziert gespielt werden kann, wurde vor ca. zwei Jahren ein Tonabnehmer (Häussel-Mini-Humbucker) am Ende des Griffbretts montiert. Zum Tonabnehmersystem zählen auch jeweils ein Volume- und ein Tone-Regler. Diese befinden sich dezent versteckt unterhalb des Schlagbretts und sind quasi unsichtbar. Die „Knöpfe“ der Potentiometer sind flache Kunststoffscheiben, um überhaupt dem Platz unter dem Schlagbrett zu genügen. Das Instrumentenkabel wird über eine Miniklinkenbuchse unterhalb des Schlagbretts herausgeführt.

Parallelogramm Griffbretteinlagen, nachträglich installierter Häussel-Mini-Humbucker

Vintage Gitarre Gibson L-7 – Facts & Features

Die Vintage Gitarre Gibson L-7 ist eine sogenannte “ Acoustic Archtop“ und besitzt eine Fichtendecke. Die Zarge und der Boden (beide massiv) wurden aus Ahorn gefertigt. Die Lackierung (Nitrolack) ist noch weitestgehend original, einige Stellen wurden jedoch partiell nachlackiert. Diese Arbeit wurde gleichfalls von Gitarrenbauer Mathias Schindehütte erledigt.

Vintage Gitarre Gibson L-7

Traumhafter Rücken

Auf diesem Bild sind die Risse in der Zarge deutlich zu erkennen.

Vintage Gitarre Gibson L-7

Stark vergilbtes Binding

L-7 Varianten

Die Gibson L-7 wurde in diversen Varianten gefertigt. Im Jahr 1932 war die Größe des Korpus noch 16″, ab 1934 wurde der Korpus dann geringfügig auf 17″ vergrößert. Von 1934-1940 war die L-7 auch als Tenorgitarre (viersaitig) erhältlich, zeitweise auch mit einer X-Deckenbeleistung. Unsere L-7 besitzt eine Parallelbeleistung. Auch mit Cutaway war sie (1948-1972) erhältlich und sogar eine elektrifizierte Version dieses Modells gab es zeitweise zu erwerben.

Die L-7 war zeitweise auch elektrifiziert erhältlich (Quelle des Fotos: Gruhn’s Guide to Vintage Guitars)

Vintage Gitarre Gibson L-7 Hals

Der recht fette Ahornhals hat sicherlich schon einiges erlebt bzw. zu erzählen. Auf diesen wurde ein Griffbrett aus Rio-Palisander aufgeleimt, das wiederum mit sogenannten „Parallelogramm-Einlagen“ bestückt wurde. Die Griffbrettkanten des Halses wurden mit einem Binding ausgestattet. Dieses kann sein Alter natürlich nicht verbergen und ist aufgrund dessen selbstverständlich bereits stark vergilbt. Nach über 70 Jahren hat der Lack des Halses natürlich auch bereits an Hochglanz verloren, was dieses Instrument umso attraktiver macht.

Vintage Gitarre Gibson L-7

Die Kopfplatte erhielt vergoldete Mechaniken

Die Kopfplatte ziert das damals aktuelle Firmenlogo und besitzt natürlich die sogenannte „Open-Book“-Form, die man seit langer Zeit von Gibson kennt.

Vintage Gitarre Gibson L-7 – Sound

Klanglich besticht diese Gibson L-7 durch einen exzellenten Ton mit knackiger Ansprache und einem warmen, äußerst voluminösen Ton. Beim Spielen dieser Gitarre kommt enorme Freude auf, da die sieben Jahrzehnte, die sie auf dem Buckel hat, deutlich spürbar sind. Die Testkandidatin war mit geschliffenen Saiten 12er Saiten (flat wound) der Marke Thomastik bespannt, die der Gitarre einen fetten, jazzigen Ton bescheren. Der recht große Korpus erzeugt einen wahrhaft majestätischen Sound, der nur schwer zu toppen ist.

Hören wir einige „bluesige“ Passagen:

Diese L-7 weist keinerlei tote Punkte auf und klingt in jeder Lage vollständig ausgewogen. Das könnte auch damit zu tun haben, dass sie viele Jahre in allen Lagen gespielt wurde. Sie ist also keine „Tanzmucker-Gitarre“, deren Ton sich nur in den ersten fünf Bünden entwickeln konnte.

Vintage Gitarre Gibson L-7

„Perfekter Körper“

Da diese Gitarre natürlich auch für Jazz prädestiniert ist, hören wir einige jazzige Linien und Akkorde:

Das letzte Hörbeispiel hat einen leicht „spanischen Charakter“:

Leider sind solche alten Schätzchen wie die Vintage Gitarre Gibson L-7 meist nicht besonders günstig zu erstehen, sofern man überhaupt ein Instrument bekommt, das in gutem Zustand ist. Man muss gleichfalls damit rechnen, noch in Reparaturen und Instandsetzung (z. B. Bundierung etc.) zu investieren, damit man schließlich ein hervorragend zu spielendes und gleichfalls perfekt klingendes Instrument in den Händen halten kann. Man darf davon ausgehen, dass die Gebrauchtpreise für eine solche Gitarre stabil bleiben bzw. auch steigen könnten. Wenn man keinen Fachmann für solch betagte Instrumente sein sollte, ist es sicher ratsam, vor einem Kauf, den Rat eines qualifizierten Experten einzuholen, der die Kosten einer Instandsetzung realistisch einzuschätzen vermag. Dieser würde ggf. auch versteckte Mängel schnell erkennen.

Die Aufnahme der Klangbeispiele erfolgte denkbar einfach: Das Mikrofon ca. in Höhe des 12. Bundes platziert, Signal in den Wandler, fertig. Außer dem Aktivieren eines Low-Cut-Filters bei ca. 90 Hz wurde keine Veränderung am Equalizer vorgenommen, der Frequenzgang ist linear.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Gibson L-7 – Rode NTK Röhrenmikrofon – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall hinzugefügt).

Klangbeispiele
Forum
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    Llisa  

    Auch wenn die Art wie sie aufgenommen ist nicht ganz mein Ding ist (denn das hört man trotzdem)… was für eine Gitarre ! Und ein schöner Artikel.

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