Home-Studio Ralf Weiden

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Keyboards: Kawai K5000, Ensoniqu KS32,ganz links Oberheim Matrix 6

Amazona: 
Mir fällt auf, dass darunter kein einziger analoger oder virtuell analoger Synthesizer ist. Wie kommt das?
Ralf:
Nicht ganz: Einen Oberheim Matrix 6 habe ich mir inzwischen gegönnt.
Trotzdem: Die klassische subtraktive Struktur Oszillator->Filter->Verstärker bieten auch nahezu alle anderen Synths. Da muß schon noch mehr möglich sein, damit die Synthese für mich interessant ist.
Außerdem bin ich mit meiner Musik eher in der ‘symphonischen’ Ecke angesiedelt, daher brauche ich nicht unbedingt die brachialsten Filter und blitzschnellsten Hüllkurven, stattdessen eher einen möglichst vielseitigen, natürlich spielbaren Sound. Hat schon mal jemand versucht, einen Nordlead zum hauchen zu bringen oder mit einem simplen Tiefpass mehrere Tage zu verbringen? Eben…
Ganz abgesehen davon, daß ich als gelernter Nachrichtentechniker auch von technischer Seite her an möglichst komplexen Synthesen interessiert bin und mich analoge Synths der simpleren Art eher nicht herausfordern.

Amazona:  Wie gehst Du bei der Komposition eines neuen Stückes vor?

Ralf:
Meist fängt’s mit Klimpern zum Entspannen nach Feierabend an. Um die Zeit, wenn ich eigentlich ins Bett will, habe ich dann plötzlich was Gutes in den Fingern, und dann wird der Abend doch noch lang…
Es ist also eher nicht so wie bei vielen anderen, daß eine Schlagzeug- oder Bassspur den Anfang macht. Oft habe ich den Sequencer sogar aus und dilettiere mit meinen 10 Fingern vor mich hin, bis eine aufnahmewürdige Melodie entsteht. Die weitere Ausschmückung habe ich dann ‘im Ohr’ oder entsteht durch Zufall – das kommt auch oft genug vor. Festzuhalten ist, daß meine Songs meist mit einer Melodie beginnen, um die herum dann im Sequencer das Arrangement entsteht. Auch Drums und Rhythmus-Spuren fallen mir meist erst passend zur schon bestehenden Melodie ein. Hauptsache ist bei meiner Musik eben nicht ‘der Groove’, sondern möglichst viel für’s Ohr bieten zu können.

Amazona: 
In welchen Sequenzer wird dann aufgenommen?

Ralf:
Cubase VST. Da ist jener Bekannte mit dem SY-22 dran schuld, der hatte damals Cubase auf seinem Atari. Da ich nichts anderes kannte, fing ich damit auch an und blieb dabei. Bis heute…

Amazona:  Ist Harddikrecording bei Dir ein Thema, wenn ja – mit welchen Geräten zeichnest Du auf (nicht nur HD, sondern auch Mikros, Effekte, Kompressoren etc.)

Ralf:
Da ich meist nur mit Midi-Klangerzeugern arbeite, spielt HD-Recording eine untergeordnete Rolle. Bloß erreiche ich bei komplexen Arrangements schon mal die Stimm- oder RAM-Grenze von Synths und Samplern, oder ich habe keine Effektgeräte mehr frei. In einem solchen Fall werden einzelne Spuren als Audiospur in Cubase VST aufgenommen und entlasten somit meinen Gerätepark. PlugIns oder VST-Effekte benutze ich allerdings (bislang) keine. Dafür habe ich eine Anzahl (aber eigentlich immer zu wenig…) Hardware-Effekte, Kompressoren und Dynamics, die ich bei Bedarf in bestimmte Spuren einschleife.

Amazona: Mit welcher Peripherie wird letztendlich Dein Song abgemischt, gemastert und auf CD gebrannt?

Ralf:
Steuerzentrale ist mein Allen & Heath GS-3 Pult, dessen 16 Inline-Kanäle allerdings bis zum allerletzten belegt sind. Viele Synthi- und Peripheriegeräte-Kabel liegen daher auf und neben dem Pult und werden nur bei Bedarf eingeklinkt. Meist braucht man ja nicht sämtliche Anschlüsse aller Klangerzeuger…
Eine kommende große Investition wäre sicherlich ein neues Pult, dann aber direkt mit 32 Inline-Kanälen. Da diese aber analog noch immer fast auf dem Preisniveau von 16-kanaligen (bzw. mit 16 Hardware-Kanalfadern ausgestatteten) Digitalpulten liegen, habe ich mich bislang vor einer Neuanschaffung gedrückt. Außerdem mag ich die Mute-Automation des GS-3, da ich ziemlicher HiFi-Freak bin und mich jedes bißchen Rauschen und Brummen stört.
Aus diesem Grund hängt in der Summe meist ein Behringer Denoiser, sofern es das Musikmaterial erlaubt. Auch ein SPL Vitalizer leistet mir gute Dienste, um den Klang dezent in ‘meine’ Richtung zu biegen. Weiteres Mastering findet eigentlich nicht statt, da meine Musik nicht unbedingt ‘laut’ sein muß, sondern im Gegenteil viel Dynamik verträgt. Nach dem Transfer vom DAT per Triple-Dat in den Rechner wird in Cool Edit nur noch geschnitten und normalisiert, dann geht’s auf CD. Abgehört wird momentan noch auf einer HiFi-Anlage mit HECO-Superior-Boxen. Da diese aber in Kürze in mein Wohnzimmer umziehen, steht die Anschaffung einer Monitoranlage unmittelbar bevor.

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Mixer: Allen&Heath GS3

Amazona: 
Nochmals zurück zu Deiner Keyboards-Vorstellung. Albrecht Pilz hat Dich ja mehrmals mit Vangelis verglichen. Versuchst Du bewusst einen Vangelis-artigen Sound zu produzieren, oder kann man eher von einer Art Zufall sprechen?

Ralf:
Hm, knifflig. Ich habe eine Vorliebe für orchestralen Sound und klassische Arrangements, und das verbindet zwangsläufig mit Vangelis. Ich bin einer, der sich auch mal mit geschlossenen Augen ins Sofa setzt und einfach zuhört. Dazu muß die Musik aber eben entsprechend gehaltvoll sein. Albrechts Vergleich bezog sich auch vorwiegend auf mein Titelstück ‘Für den Anfang’. Bei der Entstehung der Melodie dazu hatte ich Vangelis überhaupt nicht im Ohr, sondern spielte in einer eher trüben Stimmung mit einem Sound aus dem Technics WSA. Eigentlich war’s wieder einer jener ‘späten Abende’ als mich die Hauptmelodie durchfuhr. Einmal gefunden, war allerdings klar, in welche Richtung der Song gehen würde.

Amazona: 
Was macht für Dich den VANGELIS Sound aus?

Ralf:
Pompöse, komplexe Arrangements, einprägsame Melodien und immer wieder die typischen Vangelis-Synth-Fanfaren.

Amazona: 
Wie sind Deine weiteren Pläne?

Ralf:
Zunächst einmal einen CD-Vertrieb finden. Außerdem natürlich die weitere Arbeit an meiner Musik. Aber die kann ich nicht planen, die lasse ich auf mich zukommen. Na, und wenn sie denn kommt, gibt’s anschließend immer viel zu tun. Schließlich besteht Musik ja nur zu einem geringen Teil aus einer guten Idee, der Rest ist einfach harte Arbeit…

STUDIO:Ralf Weiden
Klangerzeuger:     Recordingequipment:
Ensoniq KS 32, Yamaha EX 5r, Yamaha TG 77, Korg Wavestation A/D, E-Mu Morpheus, E-Mu UltraProteus, Kawai K4r, Kawai K5000s, Roland JV 1080+“Session“ Card Technics WSA 1, Oberheim Matrix 6, Kurzweil K2000r, Akai S2800, Alesis SR-16 Drumcomputer     Shure SM 58 (2x), AKG C 391 B (2x), Sony DTC 57 ES Dat, Sony TCD-D100 Portable Dat, Pentium 166 (noch immer…)
Effektgeräte / Dynamics:     Software:
Digitech StudioQuad 4 in 4 out Multieffects, Ensoniq DP/Pro Multieffekt, TC M 2000 Multieffekt, Boss VF1 Multieffekt, Lexicon Alex Digital Effects Processor, DBX 266 Compressor/Gate, SPL Stereo Vitalizer Jack, Behringer Ultrafex EX 3000 Multiband Enhancer, Behringer Denoiser SNR 2000 Rauschunterdrückung, Behringer Suppressor DE 2000 De-Esser, Behringer Ultragain MIC 2000 Mic-Preamp, Behringer Ultracurve DSP 8000 Equalizer, Compressor/Gate/LimiterComputer:, Behringer Composer MDX 2100,

Cubase VST PC 3.5, Triple Magic Light, Cool Edit ’96 Sample-Editor
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Peter Grandl/ Oktober 2000

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    Tischhupe

    Also, die Rubrik „Personal Studios“ solltet ihr ruhig mal wieder aufleben lassen. Ich finde das Interessant!

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