Rezension: John Riley, Bop Drumming 1+2

6. September 2015

Über den Jazz-Horizont hinaus

Rezension: John Riley „The Art of Bop Drumming“ und „Beyond Bop Drumming“

Je länger eine Sache Bestand hat in der Welt, umso mehr Fachliteratur wird man dazu finden.
Das macht es nicht immer zwingend besser, nur eben zunächst mal vielfältiger.
Allerdings gibt es immer mal wieder eine Publikation, die besonders angenehm auffällt. Und die dadurch das Zeug hat, zu einem Standardwerk zu werden.

Man kann geteilter Meinung sein, ob Tradition und das Verstehen von Gestern unbedingt notwendig sind, um das Heute zu leben und das Morgen zu gestalten.
Vielleicht muss man dieses Feld aber auch weiter aufteilen, um einer klaren und brauchbaren Einschätzung nahekommen zu können.
In der Sprache des Jazz habe ich dazu vor allem im Studium in Boston eine eindeutige und für mich auch plausible Antwort bekommen.

Es soll also heute um ein Lehrbuch gehen, das zunächst mal dem Verstehen von diesem Jazz, genauer dem Be-Bop, dienen soll. Dass die Anwendung des gelernten Materials stilistisch selten beschränkt ist, ist einer der Vorzüge unseres Instrumentes!

Die mir bekanntesten Werke dazu sind natürlich Stones “Stick Control” und Reed’s “Syncopation”. Eine Liste zum Thema “Trommelbücher in Sachen Jazz” zu sammeln wäre doch mal eine gute Idee? Kommentarfeld klicken und los!
Was für mich unbedingt dazugehört ist John Rileys vergleichsweise junges “The Art of Bop Drumming” und “Beyond Bop Drumming”, die ich heute kurz vorstellen will.

Was diese Bücher grundsätzlich von den erstgenannten unterscheidet ist, dass man auch ohne zusätzliche Anleitung durch einen Lehrer viel mitnehmen und lernen kann.
Damit stehen sie in meiner Wahrnehmung im deutlichen und positiven Gegensatz.

Es geht nämlich um Sound und “Feel”, und nicht um technische Details. Und das meine ich als Technik-Betonkopf im besten Sinne.
Jede hier vorgestellte Übung klingt in der Praxis gut und ist sofort stilistisch sicher anwendbar.
Die Abteilung mit den Übungen beginnt jeweils leicht und wird praktischerweise beim Weiterblättern anspruchsvoller.
Natürlich sind es im weitesten Sinne technische Übungen zur Unabhängigkeit und auch zum Tempo im 12/8el Feel, aber es werden nicht z.B. alle erdenklichen Möglichkeiten dazu ausnotiert und geübt, sondern eben ausschließlich Kombinationen, die dem Stil sofort schmeicheln und die sozusagen als Vokabel in der Sprache des Stils sofort authentisch einsetzbar sind.

-- Comping exercises, die Vokabeln der Sprache -

— Comping exercises, die Vokabeln der Sprache —

Diese Bücher bieten recht viele dieser Vokabeln an und somit wird auch technisch der Horizont beim Durchspielen stark erweitert. Damit wird die Unabhängigkeit dann aber doch trainiert und die Möglichkeit geschaffen, auch über das Buch hinaus eigene Figuren oder Vokabeln zu entwickeln. Vor allem im zweiten Teil “Beyond Bop Drumming” wird das Tempo stark erhöht und sehr fundiert an das “Up-Time”-Playing herangeführt.
Wer sich hier durchgearbeitet hat, braucht sich von den technischen Möglichkeiten her auch vor beispielsweise Drum&Bass nicht mehr zu verstecken.

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