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Test: Aguilar DB 599, Kompressorpedal für Bass

Alles richtig gemacht!

14. August 2022

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Effekte und Bassisten, ein kontroverses Thema! Immer wenn mir ein neues Gerät zum Testen vorliegt, kommen mir dieselben Gedanken in den Sinn: Braucht man diese denn überhaupt? Wenn ja, welche sollte man benutzen? Und wie stark dürfen sie den Sound entfremden? Ohne praktischen Bezug aus der Blaupause heraus sind diese Fragen eigentlich auch nicht zu beantworten, zu unterschiedlich sind die Anforderungen in den verschiedenen Stilen. Was in einem bestimmten Bereich erwünscht und gewollt ist, kann in einem anderen schnell als no-go gelten, egal ob man über eine bestimmte Art von Bass spricht, den Amp, die Box oder eben verschiedene Effekte.

Wenn es jedoch ein Pedal, einen Klangverbesserer gibt, den man universal und immer als Bassist einsetzen kann, dann ist es der Kompressor. In diesem Workshop habe ich  bereits ein wenig darüber geschrieben, warum und wie man ihn einsetzen sollte. Der Kompressor ist uns Tieftöner ein wirklich nützliches Tool, das hilft, den Bass im Mix richtig zu positionieren. Einfach beschrieben, schiebt er das Signal zusammen (komprimiert eben) und sorgt so für mehr Druck und Durchsetzung, gleichzeitig schafft er Platz für die Frequenzen der Mitmusiker und räumt damit den Sound auf. Der Kompressor ist für mich weniger ein Effekt, sondern ein Klangverbesserer der in keiner Signalkette fehlen sollte.

Aguilar – wie immer durchdacht!

Das mir hier zum Test vorliegende vorliegende Gerät stammt aus dem renommierten Hause Aguilar in New York. Die Firma hat sich über die Jahrzehnte zum absoluten Global Player in Sachen Bass-Equipment gemausert und genießt höchsten Ansehen bei Profis und Amateuren. In ihrem Portfolio finden sich Amps wie der Tonehammer 700, Boxen, Pickups und eben auch Effektgeräte. Während es schon seit vielen Jahren diverse Bodentreter im klassischen Format gibt, hat sich Aguilar im letzten Jahr dazu entschlossen, etwas kleiner zu werden – Minimalismus und Verzicht sind ja in Mode… Mit dem DB 925 ging es los, ein 2-Band-All-FET-Preamp im super kompakten Format, angelehnt an einen legendären Amp aus gleichem Haus. Nur kurze Zeit später sollte der passende Kompressor dazu folgen, der auf den in die Serie passenden Namen  DB 599 hört.

Das Format des Pedals ist wirklich winzig! Mit einer Länge von 930 mm, einer Breite von 370 mm und einer Höhe von 310 mm gehört der DB 599 zu den kleinsten Geräten, die ich für den E-Bass kenne. Entsprechend ist das Gewicht auch kein Thema, obwohl man hier dicken Stahl als Gehäuse verwendet hat. Ganz klar, hier wurde etwas für „on the road“ gebaut! Auf der rechten und linken Seite befinden sich die gewohnten Klinkeneingänge und am Kopf der Anschluss für ein 9 V Netzteil. Natürlich funktioniert der Aguilar DB 599 auch mit Batterie, hierfür müssen jedoch 4 Schrauben gelöst werden, um diese zu wechseln.

Auch die Oberseite des Pedals ist übersichtlich gehalten. Die schwarzen Schriftzüge setzen sich wunderbar von dem dominierendem Gelb ab, alles ist einfach und schnell zu lesen. Neben einem Fußschalter für on/off befinden sich zwei schwarze Drehregler, die mit COMP und GAIN beschriftet sind sowie eine kleine LED, die den Betriebsstatus anzeigt. Das Pedal ist solide und robust verarbeitet, ohne nötigen Schnickschnack oder Designelemente, einfach auf das Wesentliche reduziert.

Bei der Entwicklung des DB 599 hatten die Entwickler vor Augen, einen Kompressor auf die besonderen Wünsche der Bassisten abzustimmen. Die Idee muss wohl eine schnelle und unkomplizierte Bedienung gewesen sein, denn viele Einstellmöglichkeiten gibt es hier nicht. Die üblichen Parameter wie Gain, Ratio, Attack und Release wurde hier auf nur einem Regler zusammengefasst, der mit COMP beschriftet ist. Dreht man diese im Uhrzeigersinn, erhöht man alle diese Parameter (in welchem Verhältnis ist nicht bekannt, darüber schweifen die Amerikaner) und erhöht den Grad an Kompression. GAIN regelt dann lediglich die Lautstärke und hat ansonsten keinen Einfluss auf den Sound, was die Bezeichnung etwas irreführend macht. Hier wäre VOLUME wohl passender gewesen.

Einfach und genial!

Das erste Anschließen und Testen ließ mich gleich aufhorchen – denn es war nichts zu hören?! Keine Nebengeräusche, kein Rauschen, egal ob an oder aus, Totenstille! Das gefällt mir doch gleich mal richtig gut, so etwas ist für mich ein extrem wichtiges Qualitätsmerkmal. Ein sauberer Sound sollte stets die Grundlage für jeden Instrumentalisten sein, alle Nebengeräusche wie Brummen, Rauschen und was es noch so gibt sind am Ende störend und potenzieren sich in einer Band schnell. Auch beim Ein- und Ausschalten konnte ich auch kein Knacken oder Ähnliches vernehmen, hier wurde also sehr gute Arbeit geleistet. Nach ein wenig Drehen an den Reglern wird auch schnell klar, dass Aguilar den Anspruch „keep it simple“ wirklich ernst gemeint hat. Alles funktioniert genau so wie beschrieben, hier kann jeder sofort mit den Ohren seinen Sound einstellen und ohne große Vorbereitung loslegen. Die Dynamik der Kompression ist schön gewählt, von ganz leicht bis zu sehr intensiv ist alles möglich, was den DB 599 zu einem sehr vielseitigen Pedal macht. Dank des unabhängigen Lautstärkereglers eröffnen sich viele Möglichkeiten der Anwendung: Entweder als always-on Lösung, in der unser Kompressor auch als Preamp funktioniert (denn genug Power hat er) oder als Booster/Effekt für bestimmte Passagen/Songs. Gerade die Kombination mit dem Premap DB 925 aus gleichem Haus und einer DI-Box nach Wahl bekommt man so eine extrem kleine, handliche und super gut klingende Lösung für eine guten Ton zu Hause oder unterwegs – Klasse!

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Details!

Um den Sound des Aguilar DB 599 zu verdeutlichen, habe ich den GAIN so eingestellt, dass es zwischen on und off des Compressor keinen Unterschied in der Lautstärke gibt. Das bekommt man bei einem Gain von ca. 14 Uhr, also knapp über der Hälfte des Regelwegs. Dies zeigt gut, wie viel Power in dem kleinen Kästchen steckt, Reserven sind also mehr als genug vorhanden. Zuerst hört man das cleane Signal meines Sadowsky NYC (wenn ein Gerät aus New York, dann braucht es auch einen Bass aus der Stadt), dann das mit dem Aguilar. Der COMP ist ganz schwach eingestellt bei 9 Uhr, so das er gerade in den Sound eingreift, jedoch nicht die Dynamik kaputtmacht. Man hört eine leichte Kompression, alles wird griffiger und gleichzeitig unten herum auch etwas fetter, genau richtig für den Bass. Leider geht beim Rendern auf MP3 (das Format, das wir hier aus Platzgründen verwenden müssen) jedoch einiges der Details verloren, weswegen der Unterschied nicht so groß ausfällt wie er eigentlich nicht. Trotzdem sollte der Eindruck hörbar sein, benutzt unbedingt gute Kopfhörer!

 

 

Nun fahren wir mal etwas fettere Kompression und drehen den Regler um ein Viertel weiter auf 12 Uhr. Hier hört man nun schon deutlich, wie der Sound angedickt und fett wird und Dynamik verloren geht, dafür man aber auch richtig schön in die Saiten langen kann. Der Effekt ist ein aufgeräumterer Sound, die ideale Einstellung für Rock-Musik! Auch hier wieder erst clean, dann das bearbeitete Signal.

 

 

Natürlich darf die Slaplinie nicht fehlen, hier ist ein Kompressor ja schon quasi Pflicht! Der COMP bei soliden 14 Uhr, der Gain entsprechend hoch auf 18 Uhr um die fehlende Lautstärke wieder reinzuholen und heraus kommt ein komprimiertes, aber immer noch dreidimensionales Signal – sehr geil!

 

 

Das letzte Beispiel ist mal in absoluter Extremstellung aufgenommen. Das heißt COMP und GAIN bis nahezu Anschlag, mehr geht nicht! Erstaunlicherweise klingt es trotzdem noch, kenne ich so von keinem anderen Gerät auf dem Markt. Natürlich hört man jetzt alle Nebengeräusche, da unser Kompressor versucht, alle Töne gleich laut zu machen, trotzdem ist das Signal irgendwie brauchbar. Der Sound extremer Kompression ist in den letzten Jahren vor allem durch den Bassisten Joe Dart von Vulfpeck wieder in Mode gekommen, entsprechend gibt es hier eine Fingerfunk-Linie mit extrem hartem Anschlag!

 

Wie lange dauert ein Soundcheck?

Zum Abschluss eine kleine Geschichte aus dem Alltag: Ich versuche natürlich immer, alle meine Testgeräte auch im Live-Einsatz zu probieren. So natürlich auch den DB 599, den ich zu einem klassischen Rock/Pop-Gig auf die Insel Juist mitnahm. Da die Anreise dort nur über die Fähre ohne Auto möglich ist und Backline gestellt wurde, musste ich die Basstasche klug packen. Neben meinem Sadowksy und meiner Gnome DI-Box, welches ich für eines der besten Produkte auf den Markt für Bassisten überhaupt halte, ging auf der kleine Kompressor ins Gigbag. Zu Hause hatte ich bereits mit der Kombination aus beiden Geräte experimentiert und eine wunderbare Einstellung gefunden. Beim Soundcheck kam der FoH zu mir und zeigte mir den Markbass Amp vor Ort – ein solides Gerät, das für die Bühne völlig ausreicht. Als ich ihm sagte, dass ich meine DI verwenden wollte, schaute er mich etwas verwundert an und merkte sofort an, dass der Markbass doch eigentlich gut klänge. Ich lächelte nur freundlich (ganz wichtig in den Situation) und versprach ihm, dass er von meinem Signal auch begeistert sein werde.

Schnell war alles aufgebaut und verkabelt. Sadowsky Bass aktiv in den Aguilar DB 599, der in einer Einstellung etwa bei 12 Uhr im COMP und 13 Uhr im GAIN lag, also mit hörbarer Kompression, aber ohne Boost im Volume. Den Gnome stellte ich mit einem hohen Widerstand ein, so dass die Röhre nicht zu stark angefahren wird und es nur zu einer kleinen Sättigung kommt. Den Sound würde ich als direkt und warm bezeichnen mit genug Punch, Attack und Höhen, um sich im Mix durchzusetzen, aber auch mit Tiefe und Fläche unten herum, um die Band zu tragen. Als ich mit dem Soundcheck dran war, fing ich an, eine kleine Line um den 5. Bund herum zu spielen und hörte nach wenigen Sekunden ein „Geil“ aus der Monitorbox. Ich hörte auf, frage ob alles ok sei und bekam die Anweisung, doch bitte kurz was ganz Tiefes (Low B) und etwas ganz Hohes (12. Bund aufwärts) zu spielen. Das tat ich dann auch und nach ein paar weiteren Noten kam das „Dankeschön, Gitarre bitte“… Dauer des Soundcheck für den Bass: keine 10 Sekunden! Die Band, bei der ich als Sub engagiert war, schaute nur ganz verwirrt, wie das denn so schnell gehen konnte, der Gitarrist hatte noch nicht mal die Klampfe angeschlossen, da er dachte er hätte noch etwas Zeit.

In der Pause zwischen den Sets rief mich der FoH zu sich ans Pult und deute auf das Display mit der Ansage „Schau mal!“ Ich konnte nichts erkennen und merkte das auch an, worauf er grinsend zu mir meinte: „Eben genau das ist es! Der Bass sitzt so perfekt im Mix, ich musste nichts nachstellen oder mit dem EQ bearbeiten, das ist ein extrem gutes Signal, so was hatte ich in der Form auch noch nicht!“ Nach der Show notierte sich dann die genauen Bezeichnungen der beiden Geräte die ich verwendet hatte, um sich diese für sein Studio zu Hause anzuschaffen… ;-)))

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Fazit

Klein, aber fein, so könnte man den DB 599 beschreiben. Aguilar hat hier alles richtig gemacht, der Sound stimmt einfach in jeder Einstellung und bereichert das Bass-Signal, egal ob always-on oder als Booster. Selten beeindruckt mich ein Gerät auf diese unaufgeregte Art und Weise, hier wurde einfach mitgedacht und etwas extrem Praktikables für den Alltag der Bassisten gebaut.

Plus

  • kleines Format
  • cooles Design
  • einfache Bedienung
  • keine Nebengeräusche
  • toller Sound

Minus

  • Batteriefach nicht ohne Schraubenzieher zu öffnen

Preis

  • 215,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Joste

    Danke, Naris, für diesen interessanten und sehr informativen Bericht! Welchen Sadowsky hast Du dafür im Einsatz gehabt?

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