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Workshop: Bass Kompressor für Bassisten & Einsteiger

21. Dezember 2021

Kompression für den Bass - ein Workshop für Einsteiger

Workshop Bass Gitarre und Bass Kompressor

Bassisten, Effekte und die Grundsatzfrage

Bassisten und Effekte, eigentlich kein großes Thema – oder? Der größte Teil der Tieftöner mag seinen Sound pur und unverfälscht, etwas Overdrive und Zerre ist für die meisten schon das Maximum der Gefühle. Vielleicht kommt noch der EQ am Amp zum Einsatz, aber spätestens dann ist Schluss. Ein Bass muss pur klingen und wer den Sound nicht in den Finger hat, der muss eben noch üben. Punkt.

Wie immer ist die Welt jedoch nicht schwarz und weiß, sondern grau schattiert, entsprechend liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Natürlich sollte man seinen Grundsound aus den Fingern holen, genau wissen, wie man die Saiten an welcher Kontaktstelle anspielt und verschiedene Techniken wie Finger, Plektrum und Slap für einen abwechslungsreichen Sound benutzen. Und dafür muss man üben! Sich deswegen aber ganz von Effekten fernzuhalten, ist unnötig. Es gibt einige kleine Helferlein, die nicht schwer zu beherrschen sind und entsprechend auch in keinem Setup fehlen sollten. Eines davon möchte ich euch in diesem Workshop vorstellen: Der Kompressor!

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Bevor wir tiefer in die Materie der Kompression einsteigen, sollten wir noch etwas ausführlicher über ein paar grundlegenden Gedanken zu dem Thema sprechen. Heutzutage ist die Liste der Möglichkeiten lang. Es gibt eine nahezu unzählige Anzahl an Pedalen von den unterschiedlichsten Herstellern, viele davon sogar speziell auf den Bass zugeschnitten. Generell tut man als Bassist gut, zwischen Helfern, Klangveredlern und richtigen Effekte zu unterscheiden. Zu Letzteren gehören Sounds wie z.B. Wah-Wah, Envelope-Filter, Flanger, Phaser, Hall, Echo, Chorus, Oktaver oder Distortion/Fuzz. Diese Effekte greifen stark in den Sound ein und ändern damit auch das gesamte Spiel. Sie sind eher selten auf den Bühnen zu finden und wenn, dann meist in recht speziellen musikalischen Situationen. Weitaus wichtiger und deswegen auch häufiger vertreten sind Pedale, die den Sound verbessern, ohne dass sie bewusst wahrgenommen werden. In diese Kategorie gehören Röhren-Preamps, Overdrive, Equalizer, DI-Boxen und eben auch der Kompressor, um den es in diesem Workshop geht.

Was macht ein Bass-Kompressor nun genau?

Kurz und bündig: Er verringert den Dynamikbereich des Instruments, indem er den Unterschied zwischen lauten und leisen Tönen angleicht, also die Pegelspitzen glättet. Dadurch wird das Frequenzspektrum des Signals komprimiert,  was es leichter macht, dieses in den Mix zu integrieren. Ein angenehmer Nebeneffekt kann das subjektive Gefühl sein, mehr Sustain zu haben, da durch das Anheben der leisen Noten die Phase des Ausklingens lauter wird. Der Bass klingt so druckvoller und dicker.

Wie stark und intensiv ein Kompressor an welcher Stelle des Signals eingreift, wird durch verschiedene Parameter geregelt. Dies wird in der Regel durch folgende Regler gemacht:

Workshop Bass Gitarre und Bass Kompressor

Threshold oder Sensitivity
Hier regelt man die Lautstärke, ab welcher der Kompressor anfängt zu arbeiten, also das Signal zu komprimieren. Je höher der Threshold, umso geringer die Dynamik.

Ratio oder Compression
Regelt das Verhältnis der Absenkung der Lautstärke zum originalen Signal. Je höher der Wert, umso stärker nähert sich das Signal der Threshold-Wert an.

Gain
Dient zu Reglung der Eingangsempfindlichkeit.

Attack
Hier wird die Länge der Einschwingzeit geregelt, also ab wann die Kompression greift. Je höher der Wert, umso schneller greift der Kompressor ins Klanggeschehen ein.

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Release
Ist das Gegenteil vom Attack und bestimmt die Ausschwingest. Je höher der Wert, umso länger klingt der Ton. Theoretisch kann das Sustain damit verlängert werden.

Frequenz
Wenn ein Kompressor über mehrere Bänder verfügt, kann hiermit eingestellt werden, in welchen Frequenzen die Kompression arbeitet. Gerade beim Bass kann es interessant sein, die tiefen Töne zu komprimieren, die hohen jedoch unbearbeitet zu lassen.

Je nach Hersteller und Bauart gibt es nun verschiedene Möglichkeiten, seine Einstellung vorzunehmen. Einige Modelle wie der Empress Effect Bass Compressor lassen dem Spieler alle Freiheiten und sind entsprechend mit vielen Reglern ausgestattet. Andere wiederum arbeiten mit Voreinstellungen und kommen so mit weniger aus, der Spieler bestimmt lediglich die Intensität der Kompression, so wie z. B. beim MXR Dynacomp. Ein Besser oder Schlechter gibt es dabei nicht, manch ein Spieler hat es gerne einfach und intuitiv, ein anderer möchte alles genau regeln und unter Kontrolle haben.

Workshop Bass Gitarre und Bass Kompressor

Workshop: Wie klingt ein Kompressor?

Hören wir dazu am besten mal in ein paar coole Beispiel in diesem Video von Thomann mit Russel rein:

Top 5 | Bass Compressors | Demo | Thomann – YouTube

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Ein berühmtes Bespiel für einen Sound mit viel Kompression ist Joe Dart von Vulfpeck:

VULFPECK /// Dean Town – YouTube

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Fragen? Das Q&A

Ich habe noch keine klare Vorstellung ,wie ich den Kompressor einsetzen soll. Wie fange ich an?
Auch wenn es hierfür keine Patentlösung gibt, empfiehlt sich folgendes Vorgehen. Zu Beginn würde ich den Gain so einstellen, dass beim Ein- und Ausschalten die gleiche Lautstärke vorhanden ist. So lässt es sich besser vergleichen. Der Threshold/Sensivitity sollte dann auf ca. -20 dB eingestellt werden, für Bässe mit einem hohem Pegel auch gerne bis -10 dB, bei niedrigen dann entsprechend Richtung -30 dB. Wichtig ist eine Einstellung zu finden, in der bereits etwas hörbar passiert, der natürliche Klang des Basses aber nicht komplett verfälscht wird. Eine Ratio von 4:1 gilt als guter Mittelwert, wer es weniger mag geht auf 2:1, für mehr dann ruhig hoch auf bis zu 8:1. Mit diesen Grundwerten bekommt man eine mittelstarke Kompression des Signals, von der man in alle Richtungen experimentieren kann.

An welcher Stelle der Signalkette auf dem Board positioniere ich den Kompressor? Am Anfang oder doch besser am Ende?
Hier scheiden sie die Geister, letzten Endes ist beides möglich. Wer seinen Kompressor als erstes Pedal auf dem Board hat, bearbeitet den Sound zu Beginn der Kette und schickt immer das gleiche Signal durch die weiteren Effekte. Das ist natürlich von Vorteil, wenn es um ein konstant abrufbare Ergebnisse geht. Nachteil dieser Variante ist, dass man für manche Effekte (wie z. B. einen Overdrive) durchaus einen Kompressor gebrauchen kann. Mein Tipp dazu ist pragmatischer Natur: Wer während eines Sets verschiedene Effekte einsetzt, um den Sound zu wechseln, der sollte seinen Kompressor an den Anfang der Signalkette setzen, einen guten Grundklang einstellen und alle anderen Effekte darauf abstimmen. Wer seine Pedale immer eingeschaltet hat, der kann mit einem Kompressor am Ende den Klang formen.

Für welche Art von Musik ist der Einsatz eines Kompressors zu empfehlen?
Grundsätzlich kann dieser in jeder Art von Musik eingesetzt werden, tendenziell wird mit zunehmender Lautstärke wichtiger. In einer Jazzband wird er also weniger von Nöten sein als in einer knackigen Rockband!

Wie stelle ich den Kompressor für einen guten …
… Slap-Sound ein?
Durch das Klacken der Saiten aufs Griffbrett entstehen hohe Pegelspitzen am Anfang. Diese dürfen mit dem Threshold/Sensitivity durchaus beherzt abgemildert werden. Die perkussiven Elemente kommen mit einer etwas höheren Ratio auch besser zur Geltung. Dazu viel Attack und ein kurzer Release und schon hat man sein Signal weit vorne im Mix und spielt entspannt.

… Plektrum-Sound ein?
Generell gilt hier ähnliches wie beim Slappen, außer dass man weniger starke Pegelspitzen bekommt. Entsprechend muss der Threshold auch nicht ganz so hoch sein. Alle anderen Werte hängen stark vom Bandsound ab und ob ein Overdrive benutzt wurde.  Der Release darf auf jeden Fall lang sein, gerade bei verzerrten Sounds will man ja die Obertöne zur Geltung bringen. Tendenziell würde ich den Kompressor hier mehr in seiner Funktion als Limiter benutzen und unten herum für Druck sorgen, denn Zerren klauen gerne Bässe.

… Fingerstyle-Sound ein?
Hier sind die Geschmäcker extrem unterschiedlich. Grundsätzlich bringt ein punchiger Anschlag automatisch Kompression in den Ton (natürlich sehr abhängig vom Bass). Ich würde grundsätzlich empfehlen, dies vom eigenen Anschlag abhängig zu machen. Je leiser und weicher dieser ist, umso mehr darf ein Kompressor arbeiten, um für etwas Attack zu sorgen. Umgekehrt kann ein zu harter Anschlag damit auch abgemildert werden. Hier gilt es wirklich zu probieren, was im individuellen Setup am besten klingt.

Wie setze ich persönlich den Kompressor ein?
In meinem Setup nutze ich einen dualen Kompressor, da ich tendenziell nur gezielt in den Sound eingreifen möchte. Dies liegt daran, dass ein zentrales Glied meiner Signalkette die Gnome Tube DI Box von WRA ist. Dieser Preamp bringt eine typische Röhrenkompression in den Sound, die vor allem in den hohen Registern zu hören ist und die Obertöne wunderbar zusammenschweißt. Mein Kompressor ist also nur für die tiefen Töne zuständig, um ihnen etwas mehr Definition und Griffigkeit zu geben. Dabei bleibt er auch relativ schwach eingestellt, da ich meinen Sound lieber mit den Fingern kontrolliere. Für den Wechsel aufs Slappen nutze ich einen Boost mit integriertem EQ, um mein Signal zielgerichtet nach vorne zu bringen. Beim Plektrum greift der Kompressor dann entsprechend etwas stärker, die hohen Frequenzen bekomme ich mit der Klangblende am Bass in den Griff. Generell nutze ich den Kompressor vor allem beim 5-Saiter in großen Bands mit mehreren Gitarren und Keys, also dort, wo es klanglich anspruchsvoll wird, den Bass im Mix zu positionieren. Für das Bluesrocktrio reicht mir der dicke Sound meines Preci in Kombination mit dem Goliath von WRA völlig aus, für den Fretless im Jazz bedarf es sowieso nichts Zusätzliches (außer vielleicht den wirklich unglaublich gut klingenden Preamp von Rheingold).

Workshop Bass Kompressor – Probieren geht über studieren!

Wie auch immer man den Kompressor für sich einsetzt, am Ende gilt natürlich die Devise: Erlaubt ist alles, was klingt und gefällt! Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht, man probiert, korrigiert, probiert erneut, verändert … der Weg ist das Ziel! Allgemeingültig lässt sich festhalten, dass der Einsatz eines Kompressors für den Bass extrem sinnvoll ist, sobald dieser in einen lauteren Kontext zur Geltung kommen muss. Auch erleichtert er den Bühnenalltag in seiner Funktion als Limiter, wo man im Eifer des Gefechts doch auch mal gerne etwas beherzter zur Sache geht. Für welchen man sich entscheidet, hängt stark von den eigenen Vorlieben ab. Einfach mal einen besorgen und los geht’s!

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