Test: AKAI EWI Solo Blaswandler, Soundmodul

4. November 2020

Noch mehr Freiheiten beim Spiel mit dem EWI

AKAI EWI Solo Blaswandler, Wind-Controller

AKAI EWI Solo Blaswandler, Wind-Controller

Etwas im Schatten der berühmten Sampler und Grooveboxen gilt AKAI seit Jahrzehnten als ein führender Hersteller von Electronic Windcontrollern. Oder auf gut Deutsch: Synthesizer für Bläser. Vor mir liegt das neueste Modell namens AKAI EWI Solo. Was ist davon zu halten und für wen ist es das passende Instrument?

Ein erster Blick auf das AKAI EWI Solo

Äußerlich erinnert das AKAI EWI Solo an die anderen EWI-Instrumente, es ist aber merklich länger (76 statt 67 cm) und dicker (76 statt 65 mm) geworden, was in erster Linie mit dem verbauten Lautsprecher zusammenhängen wird. Das Gewicht ist mit 800 g gleich geblieben. Am unteren Ende befindet sich eine Art Schalltrichter mit eingebautem Lautsprecher. Das EWI Solo kann komplett unabhängig gespielt werden und muss nicht weiter verkabelt werden. Die Stromversorgung erfolgt über Lithium-Ionen Akkus, die laut Hersteller für mindestens zwölf Stunden Betrieb reichen. Auch wenn diese Angaben geschönt sein könnten, für einen normalen Gig wird’s auf jeden Fall passen.

Auf der Rückseite befinden sich die Bedienelemente. Wer bereits Erfahrungen mit anderen AKAI EWI Modellen gesammelt hat, wird sich gleich zurechtfinden. Eine willkommene Neuerung ist das monochrome OLED-Display. Bei den Vorgängern musste man sich mit kryptischen Abkürzungen auf einer zweistelligen Digitalanzeige begnügen.

Direkt unterhalb des Displays befinden sich zwei Reihen à fünf Knöpfen zur direkten Anwahl unterschiedlicher Parametergruppen und globalen Einstellungen. Sie sind – kein Witz – mit schwarzer Schrift auf schwarzem Hintergrund beschriftet. Für den Live-Betrieb ist dies gelinde gesagt keine besonders weise Entscheidung. Darunter folgen sieben sogenannte Oktavrollen zur Transposition des Instrumentes. Dazu genügt es, wenn der linke Daumen die Rollen lediglich berührt. Zwei geriffelte Rollen markieren die Normalposition. Rutscht der Daumen ein bisschen weiter nach rechts, lassen sich mit dem Daumen Glissandi über den gesamten Tonumfang spielen.

AKAI EWI Solo Blaswandler, Wind-Controller

Die Verbindung zur Außenwelt erfolgt via große und kleine Klinke für Audio-Out und Kopfhörer. Außerdem befindet sich hier ein AUX-Input für externe Klangquellen. MIDI wird über USB ausgegeben.

Die Vorderseite besteht das AKAI EWI Solo aus silbernen Klappen, die starr mit dem Instrument verbunden sind und lediglich auf Berührungen reagieren. Die länglichen Klappen für den kleinen Finger der rechten Hand lassen sich in ihrer Position leicht verstellen.

AKAI EWI Solo Blaswandler, Wind-Controller

Bedienung des AKAI EWI Solo

Die Bedienung am Instrument verläuft ziemlich einfach und intuitiv. Das Display erweist sich in der Praxis als großer Vorteil gegenüber den anderen EWI Modellen. Über die Buttons und das Drehrad navigiert man ziemlich direkt und intuitiv zu den wichtigsten Parametern wie den Effekten, Filter und LFO. Auch die Fingersätze und Transponierung lassen sich direkt am EWI Solo einstellen. Über vier „Favorite-Buttons“ können eigene Einstellungen direkt aufgerufen werden.

Mit dem Rad unter dem Display scrollt man durch eine Liste von 200 internen Sounds, die nicht weiter in Gruppen geordnet sind. So etwas wie „brouse by category“ bietet das EWI Solo nicht. Die ersten 100 Klänge sind akustische Instrumente: verschiedene Saxophone, Trompeten, Flöten, aber auch – kein Witz – Pianos, Gitarren, Geigen, Vibraphone und Hammond B3 Sounds.
Die Presets 107 bis 200 sind allesamt synthetischen Klängen vorbehalten mit klassischen Leads, Bässen, sphärischen Klängen und FX-Sounds.

Der Editor, der nur auf der englischen Website von Akai zum Download bereitsteht, läuft standalone auf Mac und PC und bietet einen übersichtlichen Zugang zur Klangsynthese, Effektparametern, globalen Einstellungen und den 200 Speicherplätzen des EWI Solos.

AKAI EWI Software-Editor

Vom integrierten Lautsprecher sollte man sich keine klangtechnischen Höhenflüge erhoffen. Die Klangqualität ist vergleichbar mit einfachen, externen Computerlautsprechern. Die maximale Lautstärke entspricht etwa einer Querflöte, ein akustisches Saxophon wäre merklich lauter. Zum Üben ganz praktisch, könnte es für Straßenmusik schon knapp werden. Für den Einsatz auf der Bühne wird man auf eine externe Verstärkung zurückgreifen.

AKAI EWI Solo Blaswandler, Wind-Controller

Beurteilung der integrierten Klänge

Die Klangqualität bewegt sich auf hohem Niveau, wie man es von den EWI Instrumenten gewohnt ist. Einige Blogger vertreten zwar die Meinung, dass die Sounds des EWI 5000 besser seien, was ich mangels direkten Vergleichs nicht kommentieren kann. In meiner Erinnerung fielen mir keine wesentlichen Unterschiede auf. Die akustischen Instrumente sind akkurat gesampelt. Beispielsweise die Bassklarinette, die in den unteren Lagen angenehm voll und in den mittleren ziemlich natürlich klingt. Hohe Lagen sind wiederum etwas dünn, was auch damit zusammenhängt, dass dies kein gewöhnliches Register der Bassklarinette ist. Ähnlich verhält es sich mit den verschiedenen Flöten, wobei auch einige exotische Modelle, wie die Shakuhachi („Sledgehammer!“), vorhanden sind. Die Saxophone und Trompeten wiederum überzeugen mich weniger. Hier vermisse ich die zahlreichen Modulationsmöglichkeiten der akustischen Vorbilder. Ein etwas geübter Saxophonist kann eine große Bandbreite unterschiedlicher Sounds erzeugen: weich, voll, luftig, kernig, aber auch aggressiv, spitz und grell. Auf dem EWI ist man merklich eingeschränkter. Das gesampelte Saxophon ist sozusagen ein Standard-Klang, der nicht stark moduliert werden kann. Das Mundstück des EWI Solos hat seine Limitierungen, allen verbauten Sensoren zum Trotz.

Hier rücke ich dem EWI persönlich zu Leibe

Am interessantesten sind aus meiner Sicht die synthetischen Klänge der virtuell analogen Klangerzeugung, basierend auf Samples, klassischen Schwingungsformen und einem Tiefpass-Filter, das angenehm transparent und zuweilen analytisch klingt. Zur Modulation stehen je zwei LFOs und Hüllkurven zur Verfügung. Letztere sind optional, da man den Lautstärkeverlauf (und nach Wunsch auch die Cutoff-Frequenz) normalerweise direkt über den Luftstrom steuert. Die VA-Engine macht klanglich einiges her mit satten Bässen, schneidenden Leads und sphärischen Pads.

Die integrierten Effekte beschränken sich auf Chorus, Reverb und Delay, allesamt in guter, wenn auch nicht überragender Qualität. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es eine Tap-Funktion fürs Delay. Dies wäre gerade im Live-Betrieb sehr praktisch.

Das EWI Solo in der Praxis

Der größte Unterschied zu einem akustischen Blasinstrument sind die berührungsempfindlichen Klappen, mit denen ich ehrlich gesagt nicht so richtig klarkomme. Sie gehören seit Beginn zum Konzept der EWI Instrumente und es steht mir gewiss nicht zu, sie infrage zu stellen. Doch sei mir der Hinweis erlaubt, dass mir, der ich seit dreißig Jahren Saxophon und Bassklarinette spiele, die Umstellung ausgesprochen schwerfällt. Was vor allem damit zusammenhängt, dass man als Saxophonist versucht, die Finger stets auf den Klappen liegen zu lassen, um die Finger so sparsam wie möglich zu bewegen. Das EWI Solo erfordert da eine andere Spieltechnik, was zu Beginn eher frustrierend ist.

Die Fingersätze lassen sich in den globalen Einstellungen am Instrument zwischen den gängigsten Systemen umschalten, wobei auch ein Trompeten-ähnlicher Fingersatz angeboten wird.

Nebst den Klappen ist natürlich das Mundstück das wichtigste Element eines Blasinstrumentes, finden doch hier alle möglichen Modulationen ihren Anfang. Und wenn man davon spricht, dass ein gewisser Saxophonist einen besonderen, eigenen Klang hat, dann hängt dies in erster Linie mit dem Mundstück und seiner Spielweise zusammen. Ein komplexes Zusammenspiel von Mundstück, Blättchen, Atmung, Druck und Mundstellung. Auf dem EWI ist alles etwas einfacher: Mit dem Luftdruck steuert man die Lautstärke, während der Lippendruck genau einen weiteren Parameter steuern kann. Mehr ist nicht möglich, auch keine Slap-Töne, die mit der Zunge am Blättchen angestoßen werden. Saxophonisten und Klarinettisten wissen, was ich meine.

Erstaunlicherweise braucht man ziemlich viel Luft, um das EWI zu spielen. Im Gegensatz zu einem akustischen Blasinstrument bläst man nicht durch das EWI, sondern gegen eine Membran, deren Auslenkung gemessen wird zur Steuerung der Lautstärke und anderer Parameter. Das Spiel auf dem EWI kommt mir anstrengender vor als auf der Bassklarinette, die auch nicht gerade als Anfängerinstrument gilt. Mag sein, dass alles nur eine Frage der Gewöhnung ist.

Fazit

Im Vergleich zu anderen EWI Modellen unterscheidet sich das AKAI EWI Solo in erster Linie durch den integrierten Lautsprecher und das OLED-Display. Letzteres erwies sich in der Praxis als sehr praktisch: Die Bedienung ist wesentlich einfacher als am Vorgänger EWI 5000 mit dem kryptischen Zwei-Zeichen-Display. Der Lautsprecher des EWI Solos reicht zum Üben zu Hause; für alle anderen Zwecke ist eine externe Verstärkung über Kabel unabdingbar. Die praktische WLAN-Option des Vorgängermodells ist wieder weggefallen.

Allen äußerlichen Ähnlichkeiten zum Trotz spielt sich das EWI Solo gänzlich anders als eine Klarinette oder ein Saxophon. Die berühungsempfindlichen Klappen sind eine Sache für sich und erfordern ein Engagement des Spielers. Wer die steile Lernkurve nicht scheut, wird mit einem ausdrucksstarken Instrument belohnt, dessen Stärken vor allem bei synthetischen Klängen liegen. Denn bei allem Respekt, als Ersatz für akustische Blasinstrumente ist das AKAI EWI Solo nur bedingt geeignet.

Plus

  • eigenständiges Konzept
  • interessante Sounds
  • OLED-Display
  • lange Batterielaufzeit

Minus

  • steile Lernkurve (auch für geübte Bläser)
  • Beschriftung der Knöpfe kaum lesbar
  • kein Tap-Tempo des Delays

Preis

  • 489,- Euro
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