Test: API Audio 2500, Bus Kompressor

7. Januar 2019

Nadeln küssen und experimentieren

api 2500

API 2500

Automated Processes Incorporated (kurz: API) ist eine 1968 von Saul Walker und Lou Lindauer gegründete Traditionsmanufaktur, die seither für ihre High-End Preamps, Equalizer und Konsolen bekannt ist. Deren meistverkauftes Outboard-Produkt stellt jedoch mit Abstand der API 2500 Bus Kompressor dar.

Damals machte man sich auf die Suche nach Wegen, die Audioqualität zu verbessern und die jeweiligen Aufnahme- und Abspielmedien haltbarer und gehaltvoller zu machen. So entstand bereits in dieser Zeit das System der austauschbaren Module für deren Mischpulte. Heute wird unter neuer Federführung von der Marke ATI (Audio Toys Incorporated) vor allen Dingen neben genereller Zeitlosigkeit in Design und Klang Wert auf die Fertigungsqualität und Qualitätskontrolle gelegt. Fünf Jahre Garantie preist der Hersteller auf sämtliche vertriebene Produkte an, dies entspricht in dessen Verkaufsfeld keiner Selbstverständlichkeit.

Neben den Modulklassikern 550a und 550b sowie dem 560er Equalizer und den 525 und 527 Preamps (die heute noch beinahe exakt so gebaut werden wie vor 50 Jahren), gilt der Hersteller als der Erfinder des 500er Serien Lunchbox-Racks, welches seit 2006 auch von Drittanbieten zu bestücken ist. Zwar produziert API auch eine kleine Auswahl an Rackmount-Preamps, Equalizern oder Channelstrips, hier sticht jedoch ein Gerät durch seine allgemeine Präsenz besonders hervor: der API Audio 2500 Bus Kompressor, der sich bedingt durch sein versatiles Design und die API-typischen diskreten Übertrager- und Signalwege bereits heute als Klassiker der Neuzeit schimpfen darf. Mit seinem 18. Produktionsjahr und der fünften Revision des Gerätes erfreut sich die handliche, 1 HE große 19 Zoll Rack-Unit in diesem Jahr, wie auch bereits in jedem zuvor, der klanglichen Volljährigkeit.

Wird der Kompressor zwar von zahlreichen renommierten Produzenten unter verschiedenen Anwendungszwecken regelrecht in den Himmel gelobt, gibt es auch andere, welche nicht viel mit dem Gerät anfangen können. Es folgt eine Erklärung des Aufbaus des Gerätes sowie der Versuch, in der Praxis zu ergründen, warum er von den meisten gefeiert, aber von manchen nicht gemocht wird.

API Audio 2500 – Die Fakten

Dass man für den zu zahlenden Preis von momentan 3.299,- Euro auch einiges an Eingriffsmöglichkeiten geboten bekommt, wird bei einem ersten Blick auf das Gerät nicht sofort klar. Diese sind durch eine variable Schaltung der verbauten Komponenten versatiler als bei den meisten anderen Buskompressoren umgesetzt. Öffnet man das Gerät einmal, so offenbart sich, dass hier einerseits, wie in jedem anderen API Gerät auch, der hochgeschätzte API 2520 Operationsverstärker verbaut ist, andererseits finden sich hier neben den hochwertigen API-eigenen Übertragern vier VCAs der Marke THAT (früher: DBX) parallel geschaltet, pro Kanal.

Das ähnelt etwas den VCAs des SSL, ansonsten findet man so etwas seltener in dieser Preiskategorie. Ansonsten haben die beiden Klassiker trotz des ähnlichen Anwendungszweckes nicht viel gemeinsam, verfolgte SSL mit deren modernem Schaltungsdesign und übertragerloser Elektronik, aber dafür nicht so exquisiten Komponenten, eine ganz andere Bauphilosophie.

API Audio 2500 – Blick auf die Frontplatte

API 2500

Die Kopfplatte des API Audio 2500

Bei Betrachtung der Kopfplatte des API Audio 2500 finden sich einige Parameter, die nicht sofort selbsterklärend sind. Beschäftigen wir uns zunächst mit der „Tone“-Sektion am Gerät: Allen voran der Tone-Type-Druckschalter, mit dem sich zwischen „old“ und „new“ wählen lässt: Hier bekommt man zwei Kompressor-Designs in einem Gerät. Ist „old“ aktiviert, verhält sich das Gerät wie ein Rotationspunkt „feed-back“ Kompressor à la LA-2A oder 1176 und man kann zusätzlich mit dem Gain-Regler den Wirkungsgrad der Kompression bestimmen und schaltet so den Steuerweg vor die Kompressionsstufe an sich, also quasi klassisches Peak-Limiting.

Aktiviert man „new“, fungiert der Kompressor wie ein moderner „feed forward“-„VCA style“ Kompressor, man regelt das Kompressionsverhältnis über das Threshold-Potentiometer, der Gain-Regler fungiert nur noch als Make-up-Gain und man hat so den Steuerweg hinter die Kompression geschaltet. Diese beiden Kompressionsarten unterscheiden sich in ihrer klanglichen Attitüde, so empfinde ich „old“ als etwas luftiger und langsamer, „new“ kann schneller, aggressiver und präziser eingreifen.

API 2500

Die Tone-Sektion am API 2500

Linksseitig neben dem grauen Tone-Type-Knopf befindet sich der gelbe Detective-Thrust-Knopf, eine weitere API-eigene Besonderheit: Hier kommt deren patentierte „Thrust“-Funktion zum Tragen, mit welcher sich ein Filterrelais Sidechain-artig vor den RMS-Detektor des Kompressors schalten lässt, das in zwei Stufen das Energieverhältnis von Bässen zu Höhen anpassen und ausgleichen kann, sodass die Summenbearbeitung bestmöglich im vollen Frequenzspektrum operieren kann.

Diese Schaltung ist maßgeblich für die natürliche Wirkungsart der Komprimierung verantwortlich, die in allgemeinen Produzentenkreisen als der „API Punch“ bekannt ist und gelobt wird. Ist „loud“ gewählt, dämpft das Filter, basierend auf der pinken Rauschkurve, von oben nach unten 10 dB per Dekade ab, wählt man „medium“, wird die Kurve etwas moderater. Entscheidet man sich für „norm“, funktioniert das Gerät wie ein normaler Kompressor und das Relais ist inaktiv. Die letzte Option zum Formen des Klangs stellt eine etwas herkömmlichere dar: Mit dem Knee der Kompressionskurve lässt sich in drei Stufen von „soft“ über „med“ bis „hard“ regeln, wie direkt der Übergang von unbehandeltem Signal zur Kompression sein soll.

Rechts neben diesen drei Reglern befindet sich, abgegrenzt in einer neuen Oberkategorie, der Link-Regler, ein weiteres Kuriosum des API 2500, mit dem sich viele Eigner des Gerätes nicht mal vollständig auseinandersetzen, aber das auch und gerade auf der Summe mehr als nur nützlich sein kann.

Der Regler beeinflusst das prozentuale Link-Verhältnis des Ansprechverhaltens von linken zu rechtem Kanal, die meisten Kompressoren kennen hier lediglich einen link-on oder -off. Steht der Regler in der ganz linken Position, arbeiten beide Kanäle komplett unabhängig voneinander, dreht man diesen ganz nach rechts, komprimieren beide Kanäle auf exakt die gleiche Art und Weise, was gerade, wenn viele subfrequente Anteile im Mix vertreten sind, extrem sinnvoll ist, damit nicht zu viel Instabilität entsteht.

Doch damit nicht genug: Durch ein weiteres Sidechain-Filter lässt sich das Signal frequenzabhängig linken, so hat man hier die Wahl, ein Hi-, Lo- oder Bandpass-Signal zu linken, während der Rest des Signals entsprechend den am Drehregler getroffenen Einstellungen bearbeitet wird. Absolut genial, wenn auf einer Seite des Summensignals beispielsweise die Gitarren deutlich lauter sind als auf der anderen, man aber in den Rest des Signals eher subtil und phasenstarr eingreifen möchte.

API 2500

Die Link-Einstellungen des API 2500

Hiermit genug über die besonderen Merkmale des Kompressors, nun ist der API Audio 2500 aber im Grunde genommen eben auch nur ein Gerät für die Dynamikbearbeitung, wie seine Mitstreiter auch. Welche grundlegenden Möglichkeiten zur Beeinflussung seines Wirkungsgrades bestehen, zeigt sich im Folgenden.

API Audio 2500 – Kompressor Basics

Widmet man sich den Einstellungen von Attack, Release und Ratio des Kompressors, so fällt auf, dass diese gerastert sind. Zunächst befindet sich links das Threshold-Potentiometer, mit dem sich auf einer Skala von +10 bis -20 dBu die Schwelle des Wirkungsgrades des Kompressors einstellen lässt.

Dieses kleinere Poti ist, neben dem für die variable Release-Zeit (hierzu später mehr), nicht gerastert. Dieses kommuniziert, hat man das ebenfalls implementierte Automatic-Make-up-Gain aktiviert, mit der Ausgangslautstärke und hebt diese mehr an, je höher der Threshold eingestellt ist. So erübrigt sich manuelles Gainstaging nach der Bearbeitung und man hat immer den bestmöglichen A/B-Vergleich zwischen verschiedenen Bearbeitungsstufen. Über dem Threshold-Potentiometer befindet sich noch eine kleine rote LED, welche angeht, sobald man diesen überschreitet.

API 2500

Die Kompressor-Sektion des API Audio 2500

Eine Attack-Zeit für den Kompressor lässt sich in gerasterten Schritten zwischen 0,3 ms, 0,1 ms, 1 ms, 3 ms, 10 ms und 30 ms festlegen, etwas mehr Vielseitigkeit bieten die Einstellungen, die man für die Release-Zeit vornehmen kann. So hat man hier einerseits in ebenso gerasterten Schritten die Möglichkeit, in Millisekunden-Schritten zwischen 0,05 s, 0,1 s, 0,2 s, 0,5 s, 1 s und 2 s eine feste Zeit auszuwählen, andererseits lässt sich, dreht man dieses Poti ganz nach rechts, eine state-variable Release-Zeit aktivieren. Von hier an lässt sich mit einem rechts daneben befindlichen kleineren und ungerasterten Poti eine Release-Zeit von 500 ms bis 3 s festlegen. Die Ratio lässt sich in einer ebenfalls weiten Bandbreite von 1,5:1 über 2:1, 3:1, 4:1, 6:1, 10:1 bis zu unendlich zu eins bestimmen.

Die Output-Sektion beinhaltet das erwähnte rote Gain-Potentiometer, mit dem sich manuell der Kompressor mit bis zu 24 dBu Lautstärke-Boost entweder anfahren oder aussteuern lässt. Links daneben findet sich der ebenfalls rote Schalter, mit dem sich die Automatic-Make-up-Gain aktivieren lässt. Toll ist, dass es hier auch noch zwei verschiedene Bypass-Optionen gibt. Zum einen hat man die Möglichkeit, einen Hard-Bypass durchzuführen und das Gerät so bis auf Eingangs- zu Ausgangsweg komplett aus dem Signalweg zu entfernen, zum anderen kann man mit dem „in“-Schalter auch lediglich die Funktion des Kompressors deaktivieren, das Signal aber noch durch Transformtoren und 2520 OP-Amps laufen lassen, um sich einfach der Färbung des Gerätes bedienen zu können. Rechts neben den Multi-VU-Metern lässt sich noch einstellen, was diese abbilden sollen. Hier sind entweder Eingangs- oder Ausgangslautstärke sowie die Gain-Reduction auswählbar.

Mit einem kleinen Schraubendreher hat man rechts auf der Frontplatte noch die Möglichkeit, das Gerät bei einem kleineren Lautstärkeversatz, sei es durch das eigene Gerät oder die Signalkette bedingt, um maximal +/-2 dB Unterschied pro Seite nachzukalibrieren, dies stellte beim Testgerät ein leichtes Unterfangen dar, musste aber gemacht werden. Neben den zahlreichen, verschiedenfarbigen LEDs und den beleuchteten Metern gibt zusätzlich noch eine blaue LED, die über dem ganz rechts angebrachten Ein-/Ausschalter platziert ist und Aufschluss über den Betriebsstatus des API Audio 2500 gibt.

API 2500

Die Meter und Uutput-Sektion des API 2500

Die Rückseite des Gerätes gestaltet sich übersichtlich. Hier finden sich neben XLR-Balanced-Ein- und Ausgängen noch zwei 6,3 mm Klinkeneingänge als Sidechain-Eingang. Außerdem befindet sich hier der Eingang für das Kaltgerätekabel und eine Einstellungsmöglichkeit für die ortsabhängige Stromspannung. Auch die Sicherung des Gerätes lässt sich zwischen 120 und 230 Volt per Kippschalter einstellen und bei Bedarf per herausziehbarer Schraubenzieher-Mulde wechseln.

API 2500

Die Rückseite des API 2500

Verarbeitung des API Audio 2500

Die Fertigungsqualität des Geräts ist wirklich überzeugend. Das Gehäuse ist extrem wertig konstruiert und zugeschnitten sowie auch gut verschraubt. API-typisch sind die Seitenteile im satten Blau gehalten, die Frontplatte ist in Schwarz, vielleicht mit einem kleinen Tupfer Mitternachtsblau darin lackiert.

Kopf-, Boden- und Rückplatte sind in grob gebürstetem halbglänzendem Aluminium realisiert, die ober- und unterseitigen Lufteinlässe wirken messerscharf ausgeschnitten, als ob man sich daran schneiden könnte. Die hauseigenen, von der Marke selbst eingetragenen und geschützten Potentiometer fühlen sich allesamt fantastisch an, auch die Rasterungen bringen einen angenehmen Widerstand mit sich. Sie sitzen bombenfest im Gehäuse. Die Plastik-Drucktaster fühlen sich an, wie sich solche eben anfühlen, völlig in Ordnung.

API 2500

Inspektion erfolgt

API Audio 2500 – Versuch einer Klangcharakterisierung

Der API Audio 2500 hat zunächst einmal extrem viele Gesichter, was seine klanglichen Bearbeitungsmöglichkeiten anbelangt, jedoch lässt sich dem Gerät eine gewisse Grund-DNA nicht absprechen.

Ein ganz bestimmter strukturgebender, plastischer und manchmal fast etwas „pappig“ klingender Grundsound wird auch ohne Eingriff beim Durchschleifen erzeugt. Färbung ist hier eigentlich das falsche Wort, aber die verbauten Komponenten fügen dem Eingangssignal eine gewisse Maskierung hinzu, ohne etwa „gritty“ oder zu musikalisch dabei zu klingen, hier kommt APIs Transistor-DNA zum Tragen. Sämtliche Geräte der Marke, sowie natürlich in erster Linie deren Mischpulte, besitzen einfach einen extrem großen klanglichen Wiedererkennungswert, welcher vor allen Dingen durch die in jedem Gerät verbauten Transformatoren und 2520er OP-Amps bedingt ist. Gerade auf akustischem Schlagzeug bewirkt genau das wahre Wunder, dieses komplexe und transientenreiche Material scheint das Gerät bereits ohne Eingriff überschaubarer und bündiger sowie einfach irgendwie „zähmbarer“ zu machen.

Möchte man an dieser Stelle etwas komprimieren, liegt mit dem Bus-Kompressor eine „kiss the needle“ Einstellung nahe, mit dem Automatic-Make-Up-Gain hat man hier schnell seinen persönlichen Sweetspot gefunden. Natürlich hat man hier auch ansonsten noch die volle Kontrolle: Möchte man die Transienten etwas „glattbügeln“, entscheidet man sich für die „neue“ VCA-Schaltung und aktiviert das Sidechain-Filter vor dem RMS-Detektor. So wurstet man nicht nur die Kick-Drum an, sondern packt auch zu genüge Becken und HiHats an. Möchte man lieber die klassische Bus-Kompression, von der man etwas mehr Lebendigkeit und Spitzen erwartet, wählt man die Opto-Schaltung und fährt das Gerät stilecht mit der Eingangslautstärke an. Mit der breit gefächerten, aber gerasterten Auswahl an Attack- und Release-Zeiten experimentiert man sich im Handumdrehen ans Ziel.

Im Grunde arbeitet die Kompression, wahrscheinlich nicht zuletzt aufgrund der 4 VCAs pro Kanal, ganz im SSL-Stil extrem subtil. Letztlich erwähnter „Old“-Modus in Kombination mit der sehr neutral arbeitenden Kompression bewirkt auf Vocals wahre Wunder, hier macht es auch besonders viel Spaß, mit der variablen Release-Zeit zu arbeiten. Ruhig mal 12 dB Dynamik wegreduzieren und dafür eine omnipräsente, aber trotzdem natürlich klingende Gesangs- oder Sprachspur bekommen? Gar kein Problem.

Der eingangs erwähnte Grundcharakter verpasst dieser zusätzlich noch einen seidig-matten Glanz. Mit meiner Bassgitarre allerdings versteht er sich nicht ganz so gut, hier fehlt es mir etwas an Struktur und „Druck“, hierfür ist das Gerät einfach zu sehr für den Bus gedacht, es arbeitet zu subtil. Auch das ist aber lediglich Geschmackssache und basiert auf meinem Anwendungsbereich, ich bin mir sicher, dass er auch schon fantastische Bässe komprimiert hat. Der Gitarrenbus nimmt den API Audio freudig an, die umfangreichen Link-Features machen es möglich, auch auf weit im Stereofeld verteilte Signale optimalen Zugang haben zu können.

API 2500

Meter und Siegel des API Audio 2500

Der API kann schnell und langsam, subtil und stark komprimieren. Im „new“-Modus kann man ihn sogar richtig pumpen lassen, im „old“-Modus hingegen ist er in starken Bearbeitungsmodi weniger hörbar. Nicht umsonst steht der API Audio 2500 mittlerweile bei vielen Produzenten als einziger Outboard „Go to“ Kompressor im Projektstudio, können tut er irgendwie einfach alles auf irgendeine Art und Weise. Ob es gefällt, wie er es kann, bleibt jedem selbst überlassen. Nach der erneuten Nutzung während der Testperiode (so ein API 2500 läuft einem ja glücklicherweise auch sonst häufiger mal über den Weg), drängte sich mir zum wiederholten Male das Bild eines „amerikanischen“ Grundsounds auf. In aktuellen Rock-, Pop- oder gar Trap- oder Hip-Hop-Produktionen ist der API 2500 meiner Ansicht nach fantastisch aufgehoben, gerade auf dem Mixbus und das nicht immer nur, wenn’s mal etwas lauter sein muss. Hier kann man einerseits einfach super subtil und bündig 4-5 dB an Dynamik „klauen“ – und das dem gesamten Spektrum und nicht nur dem Bass, der dann alles andere „wegdrückt“, gerade bei Musik mit beispielsweise saftigen 808-Kicks ist das Gold wert. Andererseits reicht es meist, auf der Summe 1-2 dB mit längerer Attack und kurzer Release einzufahren, das macht einerseits etwas ganz Spezielles mit den Höhen, andererseits klingt es einfach mehr verdichtend und strukturgebend als dynamikraubend.

Beim Mischen von elektronischer Tanzmusik mit recht statischen Transienten hingegen habe ich das Gerät häufiger einmal nicht wirklich „gefühlt“, hier hat mir dessen Klangcharakter einfach nicht zugesagt. Im Gegenzug dazu wiederum hatte ich ebenfalls den Eindruck, dass der Kompressor beim Arbeiten mit manchen auch spektral gesehen sehr dynamischen Signalen einfach etwas zu berechenbar klingt, ganz abgesehen von den getroffenen Einstellungen – Geschmackssache und natürlich von „Nummer zu Nummer“ unterschiedlich, das Gerät hat eben doch einen besonderen Charakter, vor allem wenn es das einzige Gerät der Marke im Studio ist. Diesen klanglichen Alleinstellungswert kann man sich auch auf Einzelspuren im Mix zunutze machen, um diese etwas vom Rest zu differenzieren.

In seiner Funktion als „Needle Kisser“ mit einer leichten Gain-Reduktion auf Drum-Bussen oder Summenspuren sagte mir das Gerät mit Abstand am meisten zu, aber halt vor allem bei Material, das lebendig ist und das volle Frequenzspektrum nutzt. Der API 2500 kann natürlich in erster Linie Mixe wahnsinnig gut zusammenkleben, meiner Ansicht nach besonders Rock und Pop mit einem klaren Beat sowie auch elektronische Pop-Musik und generell „volles“ Material kann man aufgrund des Sidechain-Filters vor dem Kompressor fantastisch „printen“. Seine Qualitäten als Allrounder sind ebenfalls umfassend und absolut nicht zu leugnen, hier bekommt man zahlreiche Möglichkeiten für sein Geld.

Zu guter Letzt anbei noch ein paar Audiobeispiele, leider aufgrund stressgebundener To-Tape-Nutzung dieses Mal leider ohne A/B-Vergleich. Ich weiß, wenig aussagekräftig – SORRY! Allerdings möchte ich an dieser Stelle auf die Videos von Doctor Mix verweisen, bei seiner Bearbeitung des Drum-Busses wird der Charakter des Gerätes meiner Meinung nach recht deutlich.

Fazit

Der API Audio 2500 hat, genauso wie die anderen Produkte der Marke, seinen Platz bei den Klassikern mehr als redlich verdient und glänzt vor allen Dingen durch seine innovativen Eingriffsmöglichkeiten, gepaart mit dem schlichten und zugänglichen Aussehen. Das Gerät ist in jeder Hinsicht authentisch und hat großen Alleinstellungswert.

Aufgrund seiner Flexibilität und Funktionalität muss man aber gut wissen, wohin man klanglich möchte und wie er funktioniert, wenn man mit ihm arbeitet. Die DNA des Gerätes verursachen die markeneigenen Operationsverstärker und Transformatoren, ob und wie man deren klanglichen Eigencharakter für sich gewinnen kann, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden. Die umfangreichen Möglichkeiten und besonderen Funktionen, die das Gerät zum Eingreifen in das Signal mit sich bringt, machen es zum universalen Werkzeug. Alles also letztlich wie immer eine Frage des Charakters.

Plus

  • umfangreiche Möglichkeiten der klanglichen Manipulation
  • Klang
  • Fertigungsqualität

Preis

  • Ladenpreis: 3.299,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Schöner Hintergrund in Deinem Titelbild.
    Danke an: Diller & Scofidio + Renfro Architekten

    Die Klangbeispiele gefallen mir übrigens sehr gut.
    Dein Testbericht auch.

    Der API sound polarisiert, da er, obwohl modernisiert, irgendwie doch noch die Erbinformationen der 60ger Jahre Transistorklangs in sich trägt. Mir persönlich ist dieser Klang nicht lebensecht genug. Aber wenn man seine Produktion soweit möglich ausschliesslich mit API Geräten erstellt klingt das schon sehr ästhetisch. Auch bei rein elektronischer Musik.

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      Vincent  RED

      Hey!
      Das Titelbild stammt (ein Glück) nicht aus meiner Feder. :) Ich stimme dir 100% zu, genau das ist ein wenig seine Attitüde. Ich bin allerdings eher der Meinung, dass man mit dem api Sachen prima kontrastieren kann. Gerade drumbusse bei kommerziellerer Musik kann man prima „zähmen“ und in den Hintergrund packen, trotzdem bleiben Sie innerhalb des mixes „am Start“. Für solche tricksereien ist die Kiste super. Auch für vocals natürlich. Und warscheinlich auch alles andere, ist halt einfach Geschmacksache. ;)
      Greetz,
      Vince

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        Vincent  RED

        PS: Klangbeispiele sind in einem Albumteaser, nur dann mit weniger API in der Endfassung. 😜

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          psv-ddv  AHU

          Klingt hier schonmal sehr geil!
          …und ja, genau, top Gerät, der Einsatz ist letztendlich Geschmackssache. Das ist ja das Schöne, wenn es langsam Richtung High-End geht. :)

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              psv-ddv  AHU

              Das Ist leider nicht meine Erfahrung. Es gibt durchaus Equipment das einem den Sound grundsätzlich kaputt macht. …und sogar wenn man genau das will gibt es da immer Qualitätsunterschiede. Zerre ist ja nicht gleich Zerre. Klangqualität ist nicht beliebig, auch wenn die Kultur der Post-Postmoderne uns das glauben machen will.

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                Vincent  RED

                Generell gebe ich dir recht, gerade bei Equalizern macht häufig die weiche das Produkt. Je günstiger, desto weniger phasenstarre. Häufig gibt es aber auch „bangs 4 the bucks“, die sind dann zwar öfters mal nicht „universalgeil“, mit ein bisschen Kreativität lassen sich aber auch diese oft super nutzen. Ich bin nicht der Meinung, dass es hier ein gut oder schlecht wirklich gibt, ohne „schlecht“ gäb es schließlich auch kein gut und manchmal ist es einfach toll, viel „gut“ mit etwas „schlecht“ zu kontrastieren. ;)

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                  psv-ddv  AHU

                  Kein Licht ohne Schatten, klar, soweit so gut. Mit den falschen Geräten werden genau diese tollen Kontraste aber zu einem grauen Brei, der die Kreativität verdeckt. EQs sind da ein gutes Beispiel.

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Ein schönes Werkzeug.
    .
    Ich werde nur nie verstehen, warum die Preisgestaltung so ist, wie sie ist. Da steckt doch keine Weltraumtechnik drin… oder etwa doch?
    .

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      Marco Korda  

      Da hast Du mit deinem Unverständnis recht, das teile ich. Auch wenn API bestimmt ein tolles Produkt ist, erscheint mir der aufgerufene Preis auch durch den Namen geprägt zu sein. Selbst die hochwertigsten Komponenten machen das wohl eher nicht aus.
      Und: auf dem einen Foto scheinen die Plastik-Knöpfe auch noch schief zu sein. Bei dem Preis???? *räusper….

      Was da an Marge drin ist, sieht man bei diversen Herstellern, z.B. Dave Smith: nach ein bis zwei Jahre reduziert sich der Preis magischerweise dramatisch. Und auch dann wird daran noch verdient. Aber so ist der Markt: so lange der Kunde es mitmacht…

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        Vincent  RED

        Sehe ich genauso. Einen DIY SSL Buscomp kann man sich mittlerweile für rund 200-300 Euro zusammenschustern, klar die 2520er preamps sind schon einfach speziell, mehr aber auch nicht. Von Marke und Alleinstellungswert zehrt der Preis, und Schaltpläne und blaupausen werden unter Verschluss gehalten. Lediglich UAD durfte sich die im letzten Jahr mal ausleihen. ;)

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          Vincent  RED

          So bin ich im Rückschluss allerdings wiederum ebenfalls der Meinung, dass man sich ein gut entwickeltes, eigenständiges schaltungsdesign wie das des 2500, was ja auch so ziemlich highclass ist mit den 4VCAs, auch bezahlen lassen sollte. Die Kiste gibts aber jetzt einfach auch schon ewig und was in den Revisionen die es gab im Endeffekt verbessert wurde, wird auch nicht offen gelegt. Wenn man Bock auf so ein Teil hat, muss man es sich kaufen. Das ist hier die Moral denke ich. ;)

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        psv-ddv  AHU

        Diese Firmen wollen ihre Angestellten, bezahlen, die Vertriebe, die Händler, die Miete, etc. etc. es gibt bestimmt Produkte mit ganz erheblich höheren Gewinnmargen (Nahrungsmittelindustrie, Automobiindustrie, etc. ). In der gehobenen Tonstudiotechnik sind die Absatzzahlen viel zu gering um wirklich abzusahnen. Dahinter steckt viel Idealismus seitens der Hersteller. Aber wenn ihr das alles nicht mitbezahlen wollt, baut euch euren Kompressor einfach selber. Wer das nicht kann lernt es einfach im Netz oder an der Uni. Wenn man die Zeit und Erfahrung die es braucht bis ein Kompressor so gut ist wie z.B. der API2500 mal gegenrechnet ist das Teil auf einmal garnicht mehr so teuer. Wir sind nur alle total verwöhnt.

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          Marco Korda  

          Das stimmt natürlich auch. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.
          Dennoch: Auch ein Behringer bspw. will an seinen Apparaten verdienen. Und da kostet (Klark) ein Kompressor plötzlich 200 Euro. Klar sind die Komponenten hochwertiger bei API und die Entwicklung exquisiter, weil es kein Nachbau ist. Und dennoch ist der Preis beinahe 1/20stel niedriger. Das lässt sich ach nicht mit den tollen VCAs und der hochwertigeren Verarbeitung erklären. Auch Behringer hat Angestellte, Räume und Entwicklungskosten. (Jaja, ich weiß, der ist größer, weniger Marge etc.). Der Preis von API ist eben für die Produzenten gedacht, die damit ihr Geld verdienen oder verdient haben und sich das auch leisten können.
          Was ich aber nicht verstehe ist, dass das Gerät 18 Jahre alt ist. Die Entwicklungskosten sind entsprechend längst eingeholt. Die Verbesserungen sind auch kein Quantensprung und erforderten sicherlich keine umfangreichen Umbauten. Dafür ist das Gerät letztlich sehr teuer. Wer’s bezahlen kann und will: warum denn nicht. Wenn ich ein paar Mios auf dem Konto hätte, würde ich mir auch API statt Behringer leisten.

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            psv-ddv  AHU

            Hey Marco,
            wir versuchen mal, das hier nicht wieder zum Behringer Topic werden zu lassen. Also bleiben wir einfach auf der technischen Ebene. Es gibt bei Klark derzeit kein Gerät das mit dem API2500 wirklich vergleichbar wäre. Weder vom Funktionsumfang noch vom technischen Aufbau her.
            Am ehesten noch der 4 kanalige DN540 quad VCA Kompressor. UVP 1.410€ also ca. 1/3 des API.
            Der API ist komplett handgebaut , hat mechanische VU-Meter, gefräste Alu-Potiknöpfe, 6 VCAs bei 2 Kanälen. Der Klark hat 4 bei 4 Kanälen. Im API sind 2 der VCAs diskret also hochselektiert aufgebaut. Die Bauteile im API sind insgesamt hochwertiger, erheblich teurer, haben geringere Toleranzen (Ausschuss), die Platinen sind „through hole“ bestückt, das Teil ist trafosymmetriert, hat ein lineares Netzteil, Classs-A = mehr Abwärme im Gehäuse = höhere Defektäufigkeit (Kundendienstkosten), der Signalweg ist viel komplexer und muss vermutlich per Hand einjustiert werden. Der pysische Aufbau ist insgesamt also komplizierter.
            Beim Clark werden per Bestückungsmaschine ein paar standard SMD ICs auf eine Platine geknallt, ein standard Schaltnetzteil ohne Netzschalter aus dem Konzernprogramm dazu, das Ganze wird automatisch durchgemessen, ein Mitarbeiter mit 1/100stel Lohnniveau steckt die Gummi Potikappen drauf, schraubt das klapprige Dünnblechgehäuse zu und fertig ist die Chose. Ich finde der Preisunterschied erklärt sich auch ohne Entwicklungskosten.
            …und ja, den Namen lassen die API Jungs sich bezahlen. Warum auch nicht, die haben halt was entwickelt das so geil klingt, dass es ein Studiostandard geworden ist.

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              Marco Korda  

              Danke für die beeindruckende Aufführung zum Produkt. Ich habe das niemals in Frage gestellt und – ja – im vollen Bewusstsein der Fertigungsunterschiede den Preis kritisiert. Ich hätte Behringer einfach weglassen sollen. Mein Punkt ist: API ist MIR (!) zu teuer. Ich hätte ihn gerne, aber halt für weniger Geld.
              So hat man den Eindruck, das Gerät kann nur an einen bestimmten Kreis verkauft werden und ich hatte mich gefragt, ob das wirklich sein kann, dass das Gerät so teuer sein muss. Aber wenn es so ist – dann ist das so! Ich habe selbst noch nie ein Gerät selbst zusammengelötet und die Bauteile selektiert, geschweige denn, selbst eingemessen usf. Daher bin ich ohnehin blind dafür. Danke für die tolle Einsichtnahme in den Fertigungsprozess. :-)

              • Profilbild
                psv-ddv  AHU

                :) Gerne.
                Ich hätte den API ja auch gerne günstiger, hilft nur leider nix.
                Im Netz findest Du Bilder vom Innenleben. sieht schon auch innen ganz nett aus, das Teil.

          • Profilbild
            MichBeck  

            Der API hat sogar mal vor einiger Zeit 2995 € bei diversen Versandhändlern gekostet und ist jetzt 300 teurer. Vermutlich ist der Einkaufspreis durch den ungünstigen Eurokurs dafür zuständig.

  3. Profilbild
    Michael Krusch  RED

    [quote]…„feed-back“ Kompressor …schaltet so den Steuerweg vor die Kompressionsstufe an sich…[/quote]
    Weiß nicht, was damit gemeint sein soll, aber bei einem Feedback-Kompressor wird das Audiosignal nach der Kompressionsstufe analyziert und daraus das Regelsignal erzeugt.
    Beim Feedforward-Kompressor wird es vor der Kompressionsstufe analysiert.

    Der Unterschied ist, dass bei FF der Kompressor nur auf das Eingangssignal reagiert, bei FB reagiert er auf das bereits geregelte Signal, berücksichtigt also den Charakter der Kompressionsstufe.

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