Optische Kontrolle
Mein heutiger Testbericht des ART Pro VLA II ist etwas speziell, denn als wir Autoren von unserem Redakteur angeschrieben wurden, wer dieses Gerät denn testen wolle, schrie ich gleich „HIER“! Denn das Gerät ziert seit einiger Zeit mein Rack und so kann man diesmal schon eher von einem Erfahrungsbericht sprechen.
Was bin ich
Der in den USA entwickelte ART Pro VLA II ist ein Stereokompressor mit einer Röhre in der Ausgangsstufe, dessen Besonderheit die Steuerung der Kompressorschaltung darstellt. Diese wird nicht wie meist üblich über einen VCA gesteuert bzw. geregelt, sondern über eine opto-elektronische Einheit. Der Vorteil dieser Steuerung ist eine gewisse Trägheit des Fotowiderstandes, der den Regelvorgang deutlich weicher angehen lässt als die VCA-Variante. Das prädestiniert einen solchen Kompressortypen für eher unmerkliche und sanfte Regelvorgänge bei Gesang, Saiten- und Blasinstrumenten aller Coleur im Einzel- wie Subgruppenkanal, evtl. sogar für das Summensignal beim Mastering.
Weshalb kauft sich Onkel Sigi den ART Pro VLA II
Nachdem ich schon einige VCA-Kompressoren mein Eigen nenne, wollte ich auch einmal gerne einen optisch gesteuerten besitzen. Von der amerikanischen Firma ART habe ich etliche kleine Helferlein im Studio, die durch die Bank weg eher praktischer denn esoterischer Natur sind, sprich: Sie funktionieren einfach gut.
Zum ersten Mal „live“ gesehen habe ich den ART Pro VLA II beim Sommerfest des Musikhauses Thomann, an dem ja auch das Ladengeschäft begehbar ist. Dort war er neben vielem anderen und auch wesentlich teurerem Studio-Equipment ins Rack geschraubt und hat mir sofort sehr gut gefallen: Richtig große, schön illuminierte VU-Meter, gerasterte Potis mit einer sehr guten Haptik, großzügige Schalter. Dazu alles übersichtlich und ohne unnützes „Bling Bling“. Einfach ein optisch schönes und grundsolides Gerät.
Gewundert habe ich mich lediglich über den doch sehr günstigen Preis, der mich ein wenig skeptisch machte, ob denn hier vielleicht mehr Show als Inhalt sei. Was nun Märchen und Wahrheit ist, erzählt euch dieser Bericht.
Die technischen Werte auf der Website von ART sprechen von einem soliden und absolut studiotauglichen Werkzeug, die Bedienungsanleitung ist sehr schön geschrieben und erklärt alles Wesentliche gut verständlich, aber leider nur auf Englisch.
Als Anschlüsse dienen XLR- wie symmetrische Klinkenanschlüsse, der Arbeitspegel ist von Studio (+4 dBU) auf Consumer (-10 dBV) umschaltbar. Was es nicht gibt, ist ein Sidechain-Eingang, den ich aber bei diesem Gerät für meine Zwecke nicht vermisse.
Wie ist der ART Pro VLA II zu bedienen
Kinderleicht! Zumindest für die Leute, die Erfahrung mit Kompressoren haben. Und selbst ein „Küken“ im Bereich Audiotechnik kommt hier schnell klar.
Kanal 1 und 2 besitzen jeweils die identischen Bedienelemente. Threshold, Ratio, Attack und Release sowie einen Output-Regler.
Die großen VU-Meter können von Input- auf Output-Anzeige umgeschaltet werden, es gibt einen Bypass-Schalter sowie die Stereoverkopplung. Hierbei werden beide Kanäle mit den linken Bedienelementen eingestellt, der Output-Regler von Kanal 2 verändert sich dann zum Balance-Regler. Es gibt separate Anzeigen für die Gain-Reduktion und der Output hat nochmals eine eigene LED-Kette. Sehr übersichtlich, alles hat man gut im Blick.
Irgendwie ist dieses Gerät dann doch nur Esoterik… Da jedes Standardkompressor-Plugin einer DAW genau den gleichen Klang- und Funktionsumfang mit dem zusätzlichen Vorteil eines total recall bietet, kauft man mit dem VLAII am Ende doch nur das Gefühl sich wichtiges Blink Bling ins Rack geschraubt zu haben… Naja und man kann es halt anfassen.
Im Jahr 2018 sollte Hardware mehr können… Aber da muss man dann halt auch ein paar Euros drauf legen.
Ich hab einen seit 6 jahren. Ich weiß nicht wie es heute ist, aber bei meinem gerät war von anfang an bei einem vu meter die beleuchtung defekt. Aber dem preis kommt das wohl vor.
@Numitron Hallo Numitron,
das hättest Du aber damals sofort reklamieren können, so etwas muss bei einem Neugerät funktionieren. Eine Reparatur dürfte aber nicht so teuer sein, wahrscheinlich ist nur das Lämpchen kaputt. Frag doch mal bei einer vernünftigen Audio-Werkstatt an. Sieht ja graulich aus, wenn bloß eine Anzeige leuchtet…..
Musikalische Grüße
Onkel Sigi
@Onkel Sigi Ja, hab ich gleich reklamiert. Trotzdem etwas ärgerlich. Aber der Preis ist schon sehr verlockend finde ich.
@Numitron Absolut verlockend, eigentlich schon zu günstig. Verdient da noch einer irgendwas??
fragt sich der Onkel Sigi
@Onkel Sigi Kannst Du uns freundlicherweis einen Blick ins Innere werfen lassen?
Ich meine einen Blick auf die nackte Platine?
Das ist manchmal vielsagend, siehe Test des „Death by Audio“ Reverbs…
https://www.amazona.de/test-death-by-audio-reverberation-machine/2/
Das Teil hier sieht schon verlockend aus.
@Ruhestörung Hallo Ruhestörung,
aufschrauben möchte ich das Gerät nicht, sorry.
Musikalische Grüße
Onkel Sigi
@Onkel Sigi Hallo Onkel Sigi,
ich hatte es bereits befürchtet :)
Ne – ist ok, würd ich während der Garantie auch nicht machen.
Ein Vactrol gesteuerter, mit Röhre versehener Stereo Kompressor für unter 400 Goldtaler – verdammt: eigentlich wollte ich demnächst einen 0-Coast kaufen, wegen diesem Teil komme ich ins Grübeln.
Man kann nur eines haben. Obwohl… argh
@Ruhestörung Hallo. Schau mal hier: https://www.google.com/search?q=Art+pro+vla+2+inside&client=firefox-b&prmd=ivns&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=0ahUKEwjhtsWT-u7bAhVQ3KQKHZHOCQIQ_AUIBigB
@Numitron Hallo Numitron,
danke :)
Sieht doch doch recht solide aus. Und alles schön in THT (kein SMD).
Da kann man nach Ablauf der Garantie zur Not selbst Hand/ Lötkolben anlegen ;)
Bin doch angenehm überrascht.
Ein paar Audio Beispiele im Test wären gut gewesen.
Dass bei den VU Meter die Lampen irgendwann kaputt gehen ist normal. Ich habe die gegen led ausgetauscht, da ich das leid war. Kostet aber fummelige Arbeit und Zeit und wenig Geld. Mut die Kisten zu zerlegen.
Ich habe hier 3 Kisten stehen, alle hatten was an der Lampe, das lohnt sich also.
Hallo Siggi,
du hast auch eine BBE Sonic Maximizer 882 Kiste im Setup :-D Die Kiste ist schon gut, bestimmt eine gute Ergänzung zum ART Pro VLA II. :)
Als Ergänzung zu Siggis schönem Test könnte man noch den schlauen Stereo-Link-Modus erwähnen, der analog wie beim kürzlich getesteten Mic Pre von ART funktioniert. Es gibt auch ein paar Modifikationen für der VLAII, der ihn klanglich (angeblich) um ein paar Preisstufen anhebt. Ich habe bei meinem die Standard-Röhren gegen ein paar Groovetubes ausgetauscht und glaube einen noch etwas seidigeren Sound zu vernehmen. Nicht um Welten besser, einfach ein anderer Charakter. Ein Kanal hat mit der Zeit grössere Probleme bekommen, starkes Kratzen bis Totalausfall. Es ist wahrscheinlich das Output-Poti, ich werde auf alle Fälle versuchen, dieses an sich schöne Gerät zu reparieren.
Hey Sigi,
auch ohne wirklichem Kaufinteresse an dem Gerät, muss ich einfach mal loswerden, dass deine Reviews hier durch die Bank weg einfach klasse sind.
Die werden von mir, stets aufs Neue, liebend gerne und mit großer Freude verschlungen, selbst wenn es batteriebetriebene Plüschhasen wären, die du testen würdest. :D
Immer wieder eine frische und unterhaltsame Abwechslung zwischen dem ganzen trockenen, nerdigen Einheitsbrei, den man sonst so überall liest.
Wir sind zwar hier nicht auf Facebook, aber dennoch gibt’s von mir dafür einen dicken Daumen hoch! ;)
Grüße
Pat
@patcassady Mensch Pat,
da freut sich der Studioonkel schon sehr, wenn das Geschriebene von ihm gerne gelesen wird.
:-)
(Werde übrigens mal mit der Redaktion reden, ob die mir nicht bei Gelegenheit einen plüschbetriebenen Batteriehasen herschicken wollen……)
;-)
Einen dicken Gruß
Onkel Sigi