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Test: Electro Harmonix Spruce Goose, Overdrive Pedal

Who wants to be a Bluesbreaker?

27. Februar 2024

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Distortion, Overdrive, Fuzz – so langsam könnte man natürlich denken, das Ende der Fahnenstange sei langsam erreicht. Aber irgendjemand schafft es immer, das Thema noch mal neu anzugehen und ein Gerät in den Raum zu werfen, das uns Gitarristen glücklicher, unser Portemonnaie leerer und unser Board voller machen soll. Electro Harmonix ist so ein Jemand, der das Rad immer wieder neu erfindet. Und jetzt hauen sie mal eben einen Bluesbreaker-Schaltkreis raus, der uns den beliebten Trademark-Sound zur Verfügung stellt. Das Electro Harmonix Spruce Goose Overdrive Pedal stellt sich vor.

Spruce Goose Overdrive Pedal – Facts & FeaturesEHX Spruce Goose Top

Die Spruce Goose hält mehrere Rekorde und ist, das ist so ein bisschen Allgemeinbildung, das größte Wasserflugzeug aus Holz, das jemals gebaut wurde. Es ist sage und schreibe ein einziges Mal geflogen, danach war Schluss. „Das Projekt war so wahnsinnig wie sein Erfinder Howard Hughes. Der paranoide Milliardär verbrachte sein halbes Leben mit dem Riesenflieger – doch nur wenige Sekunden in der Luft.“ So beschreibt der Spiegel passend den Irrsinn aus Birkensperrholz, dessen Flügelspannweite knapp 100 Meter betrug und eigentlich 750 GIs oder zwei Sherman-Panzer befördern sollte. Was genau haben jetzt eine Fichtengans, ein Bluesbreaker und Electro Harmonix gemeinsam? Ich weiß es nicht.

Das Spruce Goose Overdrive Pedal ist mit seinen äußeren Dimensionen deutlich weniger verschwenderisch als das Lattenflugzeug, gerade einmal 114 × 70 × 53 mm Platz benötigt das mattgraue Metallkistchen auf dem Effekt-Board. Angetrieben von wahlweise einer Batterie oder einem herkömmlichen, 9 V liefernden Netzteil, verfügt das Spruce Goose Overdrive Pedal über vier Regler, die sich um Volume, Gain, Bass und Treble kümmern. Eine Besonderheit stellt der kleine Minischalter dar, dessen Bezeichnung „Lift“ nun doch etwas Verwandtschaft zum Flugbetrieb heuchelt. Mittels dieses kleinen Schalters kann das Pedal nämlich abheben. Wenigstens akustisch. Drei unterschiedliche Gain-Stufen werden hier voreingestellt, während in der unteren Stellung kein zusätzlicher Drive erzeugt wird, sind die mittlere und die obere Stellung jeweils mit etwas mehr Gain gesegnet.

EHX Spruce Goose Left

Input- und Output-Buchsen befinden sich rechts und links an der Gehäuseseite, der Netzteilanschluss darf an der Stirnseite Platz nehmen. Wer den Spruce Goose Overdrive mit Batterie betreiben oder die mitgelieferte Batterie ausbauen möchte, muss mittels eines Schraubendrehers erst einmal die Bodenplatte entfernen. Das halte ich ja immer für extrem problematisch. Die meisten von uns ersetzen aber wahrscheinlich dann doch die vier Gummifüße durch Klettband, um das Pedal auf dem Board zu sichern. Dann ist ein Netzteil ohnehin Pflicht und es ist auch deutlich umweltfreundlicher.

EHX Spruce Goose Front

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Der Fußtaster kann, je nach Bedarf, vom normalen On/Off-Betrieb auf „Momentary“ umgeschaltet werden, sodass der Effekt nur so lange erklingt, wie der Schalter gedrückt wird. Das ergibt durchaus Sinn. Wenn man mal schnell einen Einwurf spielen möchte oder mit Looper arbeitet, wird man dieses Feature schnell schätzen lernen. Fans von Tastern mit deutlichem Schaltwiderstand gucken aber in die Röhre, da muss man sich dann schon auf die orangefarbene LED verlassen, was je nach Bühnenlicht oder Sonneneinstrahlung schon mal zum Problem werden kann.

So klingt das Spruce Goose Overdrive Pedal

Hören wir rein, was das Spruce Goose Overdrive so drauf hat. Wenn man vom „Bluesbreaker Sound“ spricht, hat man einen warmen, natürlichen Overdrive im Kopf, der nicht schrillt wie die Türklingel in der Lieblingsmetzgerei, der aber durchaus auch mal anständigen Wumms verteilen kann, wenn man es von ihm verlangt. Um die Soundqualität des Spruce Goose zu demonstrieren, wähle ich einen Sound, der sowohl komplett clean, als auch im Breakup zu Hause ist. Meine Wahl fällt auf das Kemper Profile eines 3rd Power Dream Weaver Amps von Michael Britt. Dieses Profile zeichnet sich durch einen warmen, satten Grundsound aus, der bei höherem Input gerne schon mal in leichtes Zerren übergeht.

EHX Spruce Goose Coloured

An Effekten sind ein dezentes Delay und ein Hall aus dem Kemper zu hören, die Aufnahme erfolgt direkt per USB in Logic. Das Spruce Goose Overdrive Pedal ist im Distortion-Loop des Kempers direkt vor dem Amp platziert. Ihr hört im ersten Beispiel den Referenz-.Sound mit Hals- und Steg-Pickup meiner Charvel Marco Sfogli Signature-Gitarre. In den nächsten drei Klangbeispielen stehen alle Regler des Pedals auf 12 Uhr, ich demonstriere die Wirkungsweise des Lift-Schalters. Die Verzerrung klingt immer harmonisch, nie ätzend spitz und ist auch im Bass noch konturiert.

Wem bei diesen Sounds die Höhen etwas gefehlt haben, dem ziehe ich jetzt die Wolldecke vom Speaker. Ich spiele mit Lift-Schalter in Position 0 (ganz unten) und drehe den Treble-Regler auf 4 Uhr. Der aktive Bassregler sorgt für etwas Schub im unteren Bereich und steht auf 3 Uhr. Für den Gain-Regler ist es etwa halb zwei. Das ist ein amtlicher Crunchsound mit leichtem Biss und breitem Hintern. Das mag ich.

Den Lift-Schalter in Mittelstellung gebracht, Bass und Treble auf 3 Uhr, Gain bleibt, wo er ist. Das entpuppt sich als schöner, weicher Fusion-Sound.

Jetzt hören wir mal, ob der Fichtenvogel auch schreien kann. Lift auf 2, Gain auf und Treble auf 4 Uhr und Bass zurück auf 12 Uhr. Die Nebengeräusche rufen jetzt nach einem Noise-Gate. Das sollen sie haben, dafür wird man aber mit einem durchsetzungsfähigen, dicken Leadsound belohnt, der das Anschlagschmatzen schön betont. Klasse!

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Electro Harmonix Spruce Goose Overdrive
Electro Harmonix Spruce Goose Overdrive
Kundenbewertung:
(3)

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Fazit

Wer auf der Suche nach einem aggressiven Schwedenmetal-Pedal ist, hat diesen Test wahrscheinlich gar nicht gelesen und wäre mit der Auswahl des Electro Harmonix Spruce Goose Overdrive-Pedals auch schlecht beraten. Ganz im Gegenteil, wer sich dieses Pedal mal zur Brust nimmt, bekommt bluesige, soulige und durchsetzungsfähige Rocksounds geboten, wobei ich die Stärken der Gans eher im angezerrten Bereich sehe, dort kommt die feine Note des Overdrives perfekt zur Geltung. Unbedingt ausprobieren, das Preis-Leistungs-Verhältnis ist großartig! Könnte man jetzt die drei Gain-Stufen noch per Fußschalter abrufen, hätte ich das perfekte Pedal für mich gefunden.

Plus

  • Sound
  • Taster Latch und Momentary nutzbar
  • Preis

Minus

  • Batterie nur schwer zugänglich

Preis

  • 139,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Tai AHU

    „ Who wants to be a Bluesbreaker?“
    Hättest du mich mal vor 60 Jahren fragen sollen 😜

  2. Profilbild
    RainerJTM

    … das folgende bitte nicht als Arroganz auslegen …

    Du schaltest das Pedal vor einen Kemper-Algorithmer … der nunmal KEIN Amp ist.
    Dafür ist es doch mitnichten gedacht.

    Ich glaube nicht das es viele Kemper User geben wird, die sich dieses Teil vor die Simulation eines „Non-Bluesbreaker“-Amps schnallen werden, um einen Bluesbreaker-Sound zu kreieren
    ….wenn es doch unzählige kostelose oder bezahlbare Marshall-Bluesbreaker Profiles gibt.

    Zielgruppe eindeutig verfehlt …. würde ich meinen.

    Es sei denn, es geht hier um Sekundärwerbung für den Profiler.

    • Profilbild
      Eibensang

      @RainerJTM Verstehe im Prinzip, was Du meinst. Zwar habe ich keinen Kemper, aber hätte ich einen und würde Pedale testen, müsste ich die Dinger doch dann auch vor den Kemper bzw. ein passendes neutrales Profil hängen, wenn ich nicht nur die Glanzbeschichtung überm Schriftzug bewerten wollte, oder?

      Natürlich braucht, wer einen Kemper hat, wah’scheinlich kein Extrapedal, sondern kann sich einfach eins kempern. Oder so ähnlich. Aber es sollte ja oben um das Blueskracherl gehen! 😀

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      @RainerJTM Guter Einwand. Aber letztlich ist es völlig egal, vor welchem Setup das Pedal schlussendlich hängt. Ob Kemper, Amp oder sogar ein Plug-in – wenn ich weiß, wie meine Referenz klingt, kann ich das Pedal beurteilen. Letztendlich ist es ja sowieso immer persönlicher Geschmack, der entscheidet. Alles in der Signalkette färbt. Angefangen bei den EMGs der Charvel, über das Kabel, das Interface, bis hin zu den Studiomonitoren. Die Klangbeispiele geben immer nur das wieder, was ich höre und sollten niemals alleiniges Entscheidungskriterium sein.

    • Profilbild
      Slehmi1

      @RainerJTM Naja
      Josh Scott führt nun schon seit zwei Jahren seine Pedale am Kemper vor. Wenn der das kann….
      Außerdem sind die Profile vom Michael Britt mit die besten.
      Eine gute Kombi, um Pedale zu demonstrieren.

  3. Profilbild
    Eibensang

    Klingt tatsächlich überzeugend und wäre auch sehr nach meinem Geschmack. Wenn ich noch irgendwie ein Pedal bräuchte. Ich setz‘ es mir mal auf die „Wenn-mein-Lieblingsdings-ausfällt“-Liste!

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