Test: JoeMeek TwinQ 2 und SixQ 2, Channel Strip & Opto Kompressor

19. März 2018

Stereokanalzug für Studiorecording

Kurzes Intro

Dieser Test entstand aus einer Anforderung heraus. Ich suchte zwischen meinen geliebten Analogsynthesizern und der Wandlung mit einem Audiointerface in ein Digitalsignal einen Channel-Strip, der mindestens folgende Eigenschaften mit sich bringen sollte:

  • Er sollte Stereo ausgelegt sein, denn nicht alle Vintage-Synths sind Mono
  • Er sollte einen Kompressor beherbergen, der nicht nur subtil zur Sache geht
  • Er sollte einen Dreiband-EQ beherbergen
  • Er sollte einen Vorverstärker enthalten
  • … und wenn möglich, sollte auch noch die Wandlung in ein Digitalsignal im selben Gerät geschehen
  • Ach… und das ganze Paket sollte auch noch bezahlbar sein und selbstverständlich gut klingen

Und um dem Ergebnis diese Tests ein wenig vorzugreifen, ja, mit dem JoeMeek twinQ2 bin ich tatsächlich fündig geworden.

Joe Meek – Who is it?

Wir haben mal bei JoeMeek gebohrt und im Internet recherchiert. Zusammengefasst kam dabei Folgendes heraus:

JoeMeek wurde Mitte der 90er Jahre von Fletcher ElectroAcoustics (FEA) gegründet. Die Hauptverantwortlichen waren damals Ted Fletcher und Malcolm Jackson. Der britische Sänger, Songwriter, Sound-Engineer und Produzent Joe Meek selbst (1929-1967) hatte mit dieser Firma nichts zu tun, abgesehen davon, dass es Modelle gab, die nach Joe Meeks Sound klingen sollten. Die PMI Gruppe wurde 1996 zum Hauptvertriebspartner für JoeMeek in Nord-, Süd- und Zentralamerika ernannt und war für 80% des weltweiten Geschäfts von FEA verantwortlich.

JoeMeek ist eine Linie im Bereich der Signalverarbeitung, die sich auf photooptische Audiokompressoren, Mikrofonverstärker, EQs und Enhancer spezialisiert hat. Dabei konzentriert man sich auf den professionellen Recording- sowie Heimstudiomarkt. 2003 begann die PMI Gruppe mit der Übernahme von JoeMeek und schloss den Kauf im August 2003 ab. JoeMeek Produkte werden seitdem von Alan Hyatt und Alan Bradford in Großbritannien entworfen und in China unter strengen Auflagen montiert.

JoeMeek twinQ 2 – What is it?

Tatsächlich ist das so ein 3 in 1 Ding, was aber tatsächlich auch noch ein paar Gimmicks bereits hält, mit denen man den Zähler gerne auch auf 4 oder 5 hochschrauben darf.

Grundsätzlich aber ist der JoeMeek TwinQ 2 ein Vorverstärker, ein Equalizer und ein Kompressor – und das alles in Stereo. Selbstverständlich gibt es diesen Kanalzug auch in Mono. In diesem Fall trägt er die Bezeichnung JoeMeek SixQ 2. Da beide, bis auf die Stereo-Features identisch im Aufbau und den verwendeten Bauteilen sind, darf dieser Test getrost auch als Referenz für die Monoversion zu Rate gezogen werden.

JoeMeek SixQ2

Mono-Version JoeMeek SixQ2

Wer übrigens nachrechnet, wird feststellen, dass zwei JoeMeek SixQ 2 günstiger sind als ein JoeMeek TwinQ 2. Die Rechnung geht trotzdem nicht auf, denn zwei nicht gekoppelte Kompressoren reagieren selbst bei identischen Einstellungen unterschiedlich, was wiederum zu unschönen Effekten im Stereo-Klangbild führt. Wer also Stereo will, muss dann auch zum JoeMeek TwinQ 2 greifen.

JoeMeek TwinQ2

MANUELL GEGEN PRESET / VCA plus Röhre gegen OPTO

In der Regel wird mit sogenannten Channel-Strips in anspruchsvollen Home-Studios der Kanalzug eines wirklich hochwertigen Mischpults ersetzt, den man sich entweder in Größe und Umfang nicht ins heimische Studio stellen möchte oder schlechtweg nicht leisten kann. Im Prinzip reicht das in der Regel akustische Instrumente wie Gitarre oder vor allem auch Gesang, eines nach dem anderen aufzunehmen und durch einen einzelnen Kanalzug zu schicken, der zwar ebenfalls über die klassischen Elemente eines Mischpult-Kanals verfügt, dann aber eben hochwertiger. Fertig ist der Channel-Strip.

In meinem Fall trifft gleich beides zu. Ich habe weder den Platz noch die Finanzen, um mir ein Monster-Neve-Pult in den heimischen Keller zu stellen. Nun nehme ich aber in der Regel keine Gitarren auf – und eher selten Gesang. Bei mir sind es analoge Vollblutsynthesizer, die gezähmt werden wollen  ohne aber durch die Wandlung an Kraft und Volumen zu verlieren.

Bislang diente mir hierzu der preisgünstige VCA-Kompressor mit Röhre TL-Audio Ivory 5060, den ich einst für 550,- Euro erworben habe. Das Schöne an diesem Teil – (ihr werdet mich steinigen) – der Kompressor verfügt über 15 Presets. In Stellung 16 kann man dann auch nach Belieben den Kompressor selbst einstellen. Komisch nur, dass Stellung 16 eine dicke Staubschicht ansetzte. Vorverstärker war auch vorhanden, dafür EQ nur rudimentär als Schaltknopf, mit dem man Low End und High End automatisch anhob und bei 720 Hz leicht senkte. Tatsächlich hat das dem ein oder anderen Sound zu mehr Transparenz und Bass-Präsenz verholfen, kann aber dem Vergleich mit einem durchstimmbaren 3-Band-EQ in keiner Weise standhalten.

Trotzdem, der TL-Audio Ivory 5060 leistete mir einige Jahre treue Dienste, war extrem unkompliziert und wertete meine Synthesizer-Aufnahmen auf jeden Fall auf.

JoeMeek gegen TL-Audio

JoeMeek gegen TL-Audio

Ungeachtet der Tatsache, dass TL-Audio den Audiomarkt wohl verlassen hat (?!), musste der JoeMeek TwinQ 2 trotzdem den Vergleich antreten und sich dem Vorgänger stellen. Die Ausgabe von 1.200,- Euro will wohl überlegt sein.

Der JoeMeek twinQ2 gehört in die Kategorie der Opto-Kompressoren. Wie der Name schon andeutet, regelt hier ein optisches System die Stärke der Kompression. Je lauter eine Signalquelle, umso heller erstrahlt im Inneren des Geräts eine Leuchtdiode, die wiederum einen sogenannten Fototransistor aktiviert, der den Grad der Kompression auslöst.

Opto-Kompressoren reagieren etwas langsamer als VCA-Kompressoren, werden aber in der Regel als musikalischer eingeschätzt. In der Praxis nutzt man ihren weichen und verzerrungsarmer Klang vor allem bei Vocals und Bässen. Ich persönlich liebe den Sound, aber vor allem auch bei klassischen Analogsequenzen und soften Lead-Sounds (vorzugsweise vom ARP ;-)

Drums wird der Profi damit wohl weniger bearbeiten, gut dass ich kein Profi bin. Mir persönlich gefallen nämlich die Resultate, die ich mit einer Roland TR-808 erzielt habe, extrem gut.

VERARBEITUNG

Die dunkelgrüne, edel glänzende Frontplatte ist aus einer dicken Metallplatte und vertikal leicht gewölbt (sieht man wahrscheinlich auf den Fotos nicht). Knöpfe und Buttons haben einen ordentlichen Widerstand – sind aber aus Kunststoff. Das tut meines Erachtens dem wertigen Gesamteindruck aber keinen Abbruch. Auch sonst hat man den Eindruck, dass bei dieser Unit in Sachen Verarbeitung nicht gespart wurde.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Hi Peter,

    Singer und Songwriter wird dem guten Joe, wie ich finde, nicht ganz gerecht. Aus WIKI: 
     
    Robert George „Joe“ Meek (5 April 1929 – 3 February 1967[5]) was an English record producer, –>sound engineer< -- and songwriter who pioneered space age and -->experimental< -- pop music. He also assisted the -->development<-- of recording practices like overdubbing, sampling and reverb.

  2. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Hallo Peter, ich freue mich über diesen Test. Mehrfach hatte ich schon für mein Projekt-Studio nach einem JoeMeek Ausschau gehalten, weniger aufgrund des EQs, primär wegen des optischen Kompressors, der möglichen Lautstärkeanpassung und der möglichen Integration eines weiteren EFx. Das Audio, das die Arbeit des Kompressor beinhaltet, hat mich zwar nicht überzeugt, für mich klang das Original bereits genügend komprimiert, aber das EQ-Beispiel klang dafür richtig gut. Ich werde mir etwas überlegen müssen, ich weiß zwar noch nicht was, aber der JoeMeek TwinQ2 wird in der Auswahl dabeisein.

  3. Profilbild
    costello  RED

    Feiner Test und feines Gerät. Bin auch gerade schwer am überlegen, in ein neues Pult zu investieren. Der JoeMeek wäre eine echte Alternative, da ich ja auch in aller Regel Synthesizerstimmen nacheinander aufnehme. Und das tannengrün finde ich très chic :-)

    • Profilbild
      Tyrell  RED 111

      Ging mir genau so. Aber auf der einen Seite fehlt mir der Platz, auf der anderen Seite sehe ich inzwischen keinen Sinn mehr darin ein hochwertiges Pult zu betreiben (auch wenn es das Ego streichelen würde, wenn da ein schönes Pult im Studio steht). Der Joe meek steht aber genau neben der DAW auf Augenhöhe – und da freut sich das Ego auch, wenn die leuchtenden VU-Meter entzückt tanzen.

  4. Profilbild
    malekmusic  

    Der Joemeek Kompressor ist eine Studio Legende, allerdings muss man sagen, dass das mit der aktuellen Geräten von Joemeek nichts mehr zu tun hat. Ted Fletcher hat seine eigene Firma TF Pro die tatsächlich noch die original Geräte nachbauen und weiterentwickelt.

    Der eq in dem neuen joemeek heisst übrigens meeqlizer weil sie an die alten eqs von joemeek erinnern sollen. Haben aber auch damit nichts mehr zu tun.

  5. Profilbild
    falconi  RED

    Mir fällt zu Joe Meek immer ein, dass er seine Vermieterin und dann sich selbst mit einer Schrotflinte erschossen hat. Das ist nicht vorbildlich, und war sicher kein schöner Anblick, aber mancher wird es insgeheim nachfühlen können:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Joe_Meek

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