Test: Audio Ease Altiverb XL 6.3.5

27. November 2010

Altiverb XL

In Japan wird seit der Muromachi Zeit (1333–1568) Papier gefaltet, was das Zeug hält. Für Tonschaffende begann die Liebe zum Falten von Audiosamples erst in dieser Dekade. Zu den Anführern der „Ohrigami“ Gemeinde gehörte damals schon die kleine niederländische Firma Audio Ease, die mit ihrem Altiverb Impulsantwort Hall Qualitätsmaßstäbe für Hall-Plugins setzte und das Absamplen von guten Hallräumen und Geräten erstmals preisgünstig möglich machte. Mittlerweile sind IR Hall-Plugins in viele DAW Hosts integriert oder lassen sich als Free- bzw. Sharewarevariante sehr preisgünstig nachrüsten. Ob Altiverb auch heute noch eine sinnvolle Investition für Musiker und Toningenieure darstellt und was es für Musiker und Toningenieure nicht zuletzt im Vergleich zur Konkurrenz aus dem Billiglager zu bieten hat, soll dieser Test klären.

Installation

Die Installation der hier getesteten Windows VST Variante teilt sich in 3 Teile: Installation des Plugins, Autorisation der Festplatte oder eines iLok Dongles per challenge/response sowie die Installation der Samples. Alle drei Schritte verliefen auf dem Testsystem ohne weitere Probleme. Ebenso anstandslos verlief die Installation der AU Variante für Apple-Logic.

Das Plugin Fenster

Das Plugin Fenster

Library

Eines der auffälligsten und wichtigsten Merkmale von Altiverb ist die umfangreiche Library. Die lange Zeit seit Version 1.0 haben Audio Ease und die vielen User vor allem zum Aufbau einer wirklich beeindruckenden Samplesammlung genutzt. Auf den Audio Ease IR Seiten im Internet werden ständig neue und gut gemachte Samples im Altiverb eigenen Format zum kostenlosen Download angeboten. Dabei sind fast alle abgesampleten Räume mit mehreren Mikropositionen und sowohl als mono, mono to stereo, stereo und in Altiverb XL auch als Surround Versionen enthalten. Dazu gibt es in den meisten Fällen noch aussagekräftige Fotos oder gar Quicktime VRs von den Räumen. Wie auch beim Schwesterplugin Speakerphone ist die Einbindung der Library einzigartig gut gelöst.

Schon beim Berühren der gut kategorisierten Samples gibt es ein Vorschaubild, anhand dessen man sich entscheiden kann, ob man es mit einfachem Mausklick laden will. Hier zeigt sich, wie viel Liebe zum sinnvollen Detail man bei den niederländischen Programmierern in das Plugin gesteckt hat. Im Gegensatz zu anderen Convolution Plugins sind die überwiegende Anzahl an Samples übrigens hier echte Räume, nicht “nur” altes Equipment. Zwar finden sich auch die Schätzchen wie etwa das legendäre 480L wieder, aber Altiverb kann mit einer Reihe echter Konzertsäle, Opernhäuser, Theater, Studios, Gängen, Küchen und Wohnzimmer aufwarten. Die Erstellung dieser wirklichen Räume für ein IR-Plugin ist natürlich viel aufwendiger und daher auch seltener anzutreffen. Versuchen Sie mal eine solche Library aus den kostenlosen Sampleseiten im Internet aufzubauen – es wird Ihnen, auch nach tagelangem Suchen und Herunterladen, nicht gelingen.
Die Library ist also das ganz große Alleinstellungsmerkmal von Altiverb, hier zahlt sich die lange Tradition des Herstellers aus.

Wenn Ihre Sounds hier nicht gut klingen, liegt es nicht an Altiverb...

Wenn Ihre Sounds hier nicht gut klingen, liegt es nicht an Altiverb…

Ein besonderes Schmankerl der Library sind die “next door” Samples, bei denen die Hersteller die Mikropositionen bei der Gewinnung der Impulsantwort innerhalb einer Wohnung schrittweise immer weiter von der Schallquelle entfernt haben. Als Resultat bekommt man den Klang von nebenan authentisch nachgebildet: per Plugin. Dabei sind alle erdenklichen Kombinationen aus offenen Türen und Fenstern berücksichtigt.
Ins Schwärmen geraten kann man auch bei den wirklich tollen Samples des Halls von Gol Gumbaz, eines indischen Mausoleums.
Einzige Kritikpunkte: Es wird wenig gut klingendes Vintage Gear in der Library abgebildet. Da ist wiederum das Internet eine willkommene Quelle für den Sound guter Schaltungen.
Außerdem erscheinen einige der Räume für meinen Höreindruck etwas tiefmittig, boxig. Nicht zuletzt durch die Gewöhnung an den oft in dieser Beziehung geschönten Sound von digitalem Hall vergisst man selbst als Tonschaffender mitunter, dass hier in vielen echten Räumen und damit auch in den gesampleten Pendants von Altiverb meist die Probleme liegen. Da Altiverb aber einen EQ schon im Plugin anbietet oder dieser natürlich auch in den Hall Return im Sequenzer eingebunden werden kann, ist das kein unlösbares Problem.
Überhaupt gibt es nicht nur viele Samples, sondern auch wirklich weitreichende Möglichkeiten diese zu bearbeiten und so den gewünschten Sound anzupassen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Hallo,
    schöner Testbericht. Die soundbeispiele hätten ruhig etwas umfangreicher ausfallen können. Wenn der Autor schon vom Gol Gumbaz, indischen Mausoleum schwärmt, hätte ich es auch gern mal gehört :)

  2. Profilbild
    red captain

    Ich nutze Altiverb täglich, und zwar für alles mögliche. Von Samples, die erst zu leben beginnen, wenn sie in einem glaubwürdigen Raum platziert werden bis hin zu echten Orchesteraufnahmen, bei denen wir den Aufnahmesaal nachbilden mussten, um später aufgenommene Overdubs mit dem Orchester zusammenzubringen – Altiverb ist die Lösung.

    Warum dieses bahnbrechende Tool kein „Best Buy“ erhalten hat, ist mir schleierhaft.

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