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Test: Beetronics Swarm Fuzz Harmonizer, Fuzz Pedal

6. August 2019

Fuzz-Pedal des Jahres? Beetronics greifen an!

Fuzz Pedal 2019

Beetronics FX ist eine kalifornische Firma, eine kleine, recht leidenschaftlich vorgehende Schmiede, die sich ganz familiär aus einem Gitarristen, einem Schlagzeuger, einem Journalisten und einem Architekten zusammengesetzt hat und ein paar Tüftler um sich versammelt hat, um ganz spezielle und ungemein starke Overdrive- und Fuzz-Pedale zu bauen. Davon gibt’s bekanntlich nicht wenige – kleine Schmieden mit individueller Vision. Weshalb die Verzerrer-Pedale von Beetronics aus der Masse hervorstechen? Nun, uns hier von der Gitarrenredaktion haben das Overhive und Whoctahell ein bisschen umgehauen – das sind universell einsetzbare Stampfer mit individuellem Charakter und tollem Sound und stehen für einen gewissen frischen Wind in der Welt der Distortion- und Fuzz-Pedale. Entsprechend wurde im Vorfeld gemunkelt, dass mit dem Beetronics Swarm Fuzz Harmonizer ein echtes Fuzz-Juwel auf dem Weg ist. Nun ist das gute Stück eingetroffen. Getting beezy – wir testen den Swarm Fuzz Harmonizer auf Herz und Nieren und finden heraus, ob es sich wirklich um das beste neue Fuzz-Pedal des bisherigen Jahres 2019 handelt!

Beetronics Swarm Distortion Fuzz Pedal – Facts and Features

Was genau ist das Swarm? Ein analoges Fuzz-Pedal und ein Harmonizer, vereinfacht ausgedrückt, das euer Signal nimmt, es in eine Rechteckschwingung verwandelt und harmonisiert. Distortion-Pedal ist es auch, wenn man weiß, wie es einzusetzen ist. Das Besondere hierbei: Das Signal wird quasi in drei verschiedene Signale aufgeteilt:

  • das grundlegende, nicht harmonisierte Signal
  • die hohe Harmonie
  • die untere Harmonie

Dadurch entsteht ein dreistimmiges, bissiges und vielseitig einsetzbares Distortion-Monster, dessen drei Stimmen allesamt in ein gewisses Verhältnis zueinander gesetzt werden – doch später dazu mehr. Die technischen Details des Beetronics Swarm Fuzz-Pedals auf einem Blick: Selbstredend ist für einen derartigen analogen Fuzz True Bypass am Start. Die Größe des Pedals beläuft sich auf 5,5″ x 4″ x 2,75″, wobei das frontale Panel leicht schräg aufliegt und dadurch besser aus einer Stehposition erreichbar ist. Das gute Stück wiegt nicht viel, da ist man von ZVex ganz andere Dimensionen gewöhnt, wenn es um Fuzz-Pedale geht: 0,5 kg bringt das Beetronics Swarm Fuzz-Pedal auf die Waage. Eine eigene Energieversorgung ist im Lieferumfang nicht mit inbegriffen, doch das Fuzz-Pedal gibt sich mit dem herkömmlichen 9 Volt Netzteil zufrieden.

Fuzz Pedal 2019

Grundlegend muss man sich neben den Klang-Features vor Augen führen, wo die Inspiration für das Beetronics Swarm Fuzz Pedal liegt. Das und viele andere Synthesizer- und Fuzz-Pedale sind inspiriert worden durch ein kleines Meisterstück aus dem Jahre 2003, dem Original Schumann PPL – das erste seiner Art, ein harmonisierendes Fuzz-Synthesizer-Pedal, mit dem sich die Frequenzen des Eingangssignals harmonisieren und übersteuern ließen. Das führte zu irrem Sustain und den entsprechenden Drone-Assoziationen, die viele moderne Fuzz-Pedale auszeichnet. Dieses ursprüngliche Design des Schumann PPL ist vielfach kopiert worden und dieser charakteristische, heulende, rauschende Fuzz-Sound mit oszillierenden, harmonisierten Übertönen in „locked phase“ ist gewissermaßen seine eigene Rubrik. Und das Beetronics Swarm Fuzz ist in der Hinsicht das vielleicht kompakteste Gerät, das vom Schumann PPL inspiriert worden ist. Allein deshalb beschleicht mich der Verdacht, dass unter Kennern des Sounds das Beetronics Swarm Fuzz-Pedal Kultcharakter erreichen wird.

Zu der Verarbeitung des Distortion- und Fuzz-Pedals gibt es bisweilen nur Gutes zu sagen: Das Design, so geht es zumindest mir, ist wahnsinnig ansprechend. Zeitgemäß und retro zugleich, elegant, überschaubar und trotz der Tradition der händischen Verdrahtung ohne hervorstehende Ecken, Kanten oder unliebsamen Design-Macken. Auch farblich scheint hier alles abgestimmt, das matte Schwarz harmoniert prächtig mit dem Dunkelrot und Gold des Panels.

Beetronics Swarm Distortion Fuzz Pedal – das Bedienpanel

Beetronics Swarm Fuzz

Jetzt ist es natürlich wichtig, uneingeschränkt Kontrolle über dieses oszillierende Ungetüm, die Distortion und den Fuzz zu haben. Die drei Stimmen werden jeweils von drei Potis in ihrer Lautstärke kontrolliert. Doch der Reihe nach. Insgesamt besitzt das Beetronics Swarm Fuzz-Pedal sieben Regler:

  • Master Volume: Dieser Regler befindet sich rechts am Gehäuse, was auch so ziemlich als das größte Manko am Design gelten dürfte. Nicht dass da per se etwas daran auszusetzen wäre, aber das kann auf einer Pedaltrain im Gesamtbild durchaus stören.
  • Queen: ist das Volume der oberen Harmonie-Stimme, die in Verhältnis zu den anderen zwei Stimmen gesetzt werden kann
  • Drone: ist das Volume der unteren Harmonie-Stimme
  • Worker: ist das Volume des nicht harmonisierten Signals, das, was ihr auf eurer Gitarre spielt
  • Species: Dieser Regler lässt euch zwischen insgesamt neun Intervallen wählen, die zwischen der oberen und der unteren Harmoniestimme liegen sollen. Dadurch lassen sich Octaver-typische Sounds genauso wie beißende Disharmonien erzeugen.
  • Flight: neben dem Sting-Regler verantwortlich für die Modulation des Signals. Auch hier wurde das Prinzip dem Schumann PPL nachgemacht: Dreht man Flight ganz nach links, entsteht ein unruhiges, brutzelndes Signal – das Signal springt unruhig zwischen den Endpunkten der Intervalle hin und her, während der Regler rechts im Anschlag einen Glide-Effekt erzeugt, der dazu führt, dass der Ton gehalten wird.
  • Sting: Wie schnell die Harmonien von Queen und Drone sich im Signal bemerkbar machen, lässt sich mit Sting einstellen. Ganz links sind die Harmonien sofort hörbar, ganz rechts machen sich die Harmonie per Glide erst bemerkbar.

Flight und Sting sind beides extrem reaktive Regler, die auch hochgradig miteinander interagieren. Wer sein Spiel möglichst präzise und sauber halten will (wobei das bei Schumann PPL-inspirierten Harmonizer Fuzz-Pedalen wohl kaum ein Kaufgrund sein dürfte), ist gut beraten, Sting konstant so links wie möglich zu halten. Wer ein bisschen Chaos nicht fürchtet, hält Flight und Sting im Anschlag und erhält dadurch jaulende Gliding-Fuzz-Übertöne, die über die grundlegende Idee eines Distortion-Pedals hinausschießen. Doch das ist alles schön und gut. Was die Praxis hergibt, ist der entscheidende Punkt bei einem Effektpedal. Also ohne weitere Umschweife auf zu den Klangbeispielen.

Beetronics Swarm Distortion Fuzz Pedal in der Praxis

Wir werden uns zunächst der Reihe nach die einzelnen Harmonie-Knöpfe des Beetronics Swarm Fuzz anhören, alles zusammen sowie die Wirkungsweisen der Modulation. Aufgenommen wurden die Klangbeispiele über den Direct-In einer Scarlett von Focusrite. Gleich vorweg: Das Beetronics Swarm Fuzz-Pedal ist laut – für zarte Gemüter passiert hier wenig Brauchbares. Wie bereits eingangs erwähnt, liegt die Inspiration für diesen Fuzz bei den zerstörerischen Klangwelten der PPL – butterweiche Klangtransparenz zu erwarten und dann nicht zu kriegen, wäre dann wohl ein etwas fehlgeleiteter Kritikpunkt. Wer weiß, was er hier kriegt, den dürfe vor allem die Interaktion der einzelnen Regler interessieren.

Ohne Queen und Drone haben wir es mit einem handfesten Mammoth-artigen Distortion-Fuzz zu tun, der, kombiniert mit der Queen und dem Drone, ein oft unberechenbares und einschneidendes Klangbild entfaltet. Speziell über den Direct-In wird der Synthesizer-Charakter des Beetronics Swarm Fuzz-Pedals deutlich. Die Rechteckschwingung ist nicht jedermanns Sache und oft hat man das Gefühl, dass jegliche spielerischen Nuancen erstickt werden – was wiederum genau den Reiz dieser PPL-inspirierten Fuzz-Maschine ausmacht, wenn man den weiß, wie man mit ihr umzugehen hat.

Der Reihe nach lassen sich im folgenden Klangbeispiel nachvollziehen, wie Worker, Worker und Queen sowie Worker mit Queen als auch Drone klanglich interagieren – wenn also alle drei Stimmen zusammenkommen.

Bei allen drei Klangbeispielen sind die Modulationen von Flight und Sting entsprechend eingegrenzt, da es, wie wir gleich merken werden, sofort sehr harsch im Klangbild zugehen kann, wenn der Glide-Effekt bei Flight hoch eingestellt ist. Beim Klangbeispiel Fuzz Pedal_3 merkt man, inwiefern Beetronics ihrem Namen gerecht werden – es zischt und summt, knarzt und fiept an allen Ecken,

Sind alle Heads aktiviert, ist die Interaktion durch die Modulation manchmal schwer einzugrenzen und zu zähmen. Trotzdem offenbart der Beetronics ein klangliches Brett, mit dem sich schleppende und doomige Klangeskapaden problemlos stemmen lassen. Wer es jedoch auf die feinen Nuancen anlegt, dürfte wie gesagt am Beetronics Swarm Fuzz-Pedal verzweifeln. Ganz getreu dem PPL-Ansatz muss man ein wenig Vertrauen in das klangliche Chaos entwickeln, das sich entfaltet, das Pedal ruhig singen lassen und entsprechend reagieren.

 

 

Fazit

Inspiriert durch die Schumann PPL-Geräte aus dem Jahre 2003 haben Beetronics eine kompakte, klanglich starke Kiste mit gehörigem Eigenleben entwickelt. Es ist nicht das typische Fuzz-Pedal – und es ist auch nicht immer leicht, die üblichen Riffs mit messerscharfer Akzentuierung umzusetzen. Denn der Swarm Fuzz ist eine Rechteck-basierte Sägemaschine, die mit viel Liebe gebaut wurde. Es fiept, brutzelt und schreit – und kann zugleich ein unerhörtes Brett entfalten. Für jedermann? Nein. Aber für Fuzz-Connaisseure eine ganz klare Offenbarung.

Plus

  • drei Harmonieköpfe
  • zeitgemäßer Synthesizer-Charakter

Minus

  • sehr eigenwillig

Preis

  • Ladenpreis: 299,- Euro
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