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Test: Behringer, Vintage Time Machine VM1, Gitarren-Effektgerät

5. Januar 2010

Behringer VM 1

Der Name Behringer dürfte heute jedem, der sich mit Audioequipment beschäftigt, sicher ein Begriff sein. Nehmen wir doch das 20jährige Firmenjubiläum mal zum Anlass, einen kleinen Auszug aus der Entwicklung und dem Werdegang der Firma zu betrachten. Denn was einst am Küchentisch entstand, wurde in der Zwischenzeit zu einem erfolgreichen internationalen Unternehmen mit beachtlichen 3500 Mitarbeitern. Obwohl in Deutschland gegründet, wurde die Produktion aus bekannten wirtschaftlichen Gründen nach China verlegt.

Uli Behringer, Gründer und Vorsitzender des Unternehmens, kam 1982 aus der Schweiz nach Düsseldorf, um dort Musik und Tontechnik zu studieren. Doch ein einschlägiges negatives Erlebnis als Barpianist veranlasste ihn, die Musikerkarriere, der er sich bis dato intensiv widmete, hinter sich zu lassen und seinen Fokus zu verschieben. Dass zu dieser Zeit noch sehr teure Studioequipment, das er und seine Kommilitonen sich nicht leisten konnten, brachte ihn darauf, Produkte zu fairen Preisen zu entwickeln und fertigen. „Jeder sollte sich seinen Traum Musik zu machen ohne viel Geld zu investieren erfüllen können!“ Ein Konzept, das (mit vereinzelten qualitativen Abstrichen) bis heute aufgeht.

Behringer VINTAGE TIME MACHINE VM1

Die Behringer VINTAGE TIME MACHINE VM1 ist ein „klassisches“ Effektpedal, laut Beschreibung ein echtes Analog-Delay mit einem organischen Echo bis zu 450 ms, mit integrierten Chorus– und Vibratoeffekten. Der seit Jahren anhaltende Retro-Trend bietet uns immer mal wieder mehr oder weniger gelungene Remakes der damaligen Zeit. Bei dem hier vorliegendem Produkt sollte ich erwähnen, dass es sich bei der VM1 um einen nahezu 1:1-Klon des DELUXE MEMORY MAN von Electro-Harmonix handelt. So sind wir also gespannt darauf, was die VINTAGE TIME MACHINE auf unserer kleinen Reise in die Vergangenheit zu bieten hat!

1_VTM.jpg

Konstruktion

Ausgepackt liegt vor mir ein grosses Metallgehäuse, welches vom Aufbau und der Verarbeitung her erst einmal positiv auffällt. Die Vintage Time Machine ist stabil gefertigt, die Kanten sind sauber verarbeitet, mit einem Deckel (unten) verschraubt, und die Box verfügt über vier robuste Gummifüße mit fünf nicht zu leicht und somit angenehm gängigen Potis (Potentiometer/Drehregler), welche da im einzelnen wären:

LEVEL: um den Ein- bzw. Ausgangspegel zu regeln

MIX:
justiert das Verhältnis zwischen dem Direktsignal und dem Effektsignal

FEEDBACK: dieser Regler dient zur Einstellung der Signalwiederholungszahl. Laut Beschreibung wird das Ausgangssignal zum Eingang der Delay Line zurückgeführt, was bei hoher Reglung zur Selbstoszillation führt. Dies werde ich in der Praxis noch mal näher beleuchten. Für Ungeduldige steht bei den Soundbeispielen ein kleines „Hörspiel“ parat.

DELAY: justiert die Zeit zwischen Direktsignal und den Signalwiederholungen (Delay-Zeit). Bei höchster Einstellung liegt der Wert bei 450 ms, was ca. einem viertel Delay bei 133 BPM (Beats Per Minute) entspricht.

Der fünfte Regler CHORUS/VIBRATO ermöglicht die Einstellung der Geschwindigkeit des jeweiligen Modulationseffekts, der dem Delay hinzugefügt wird. Langsame Einstellungen ergeben einen Choruseffekt, schnelle einen Vibratoeffekt.

Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Mal davon abgesehen, dass es ja nett ist, dass Behringer Gerätschaften erschwinglich macht, ist es auf der anderen Seite aber umso erschreckender, wie sehr Uli Behringer immer noch etablierte Projekte (ergo Geräte) kopieren lässt.

    Klar, erspart man sich damit eine kostenintensive R&D (Research & Development) Abteilung, bescheisst aber den „Erfinder“ im gleichen Atemzug um diese Kosten.

    Dass er mittlerweile in China wohnt, wo das Kopieren als eine Art Anerkennung gilt, scheint da nur konsequent…

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Naja, diese Kopierei finde ich auch nicht besonders ehrenhaft, aber von „bescheissen“ kann da wohl keine Rede sein. Wer etwas Neues erfindet/entwickelt, bemüht sich um einen Patentschutz und legt gleichzeitig das Geheimnis seines Produkts offen. Und wenn dann nach 20 Jahren der Schutz ausläuft, darf jeder Hinz & Kunz eben nachbauen, so auch der Uli. Die R&D-Kosten sollten dann eigentlich schon lange wieder drin sein, so auch beim Memory-Man.

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    AMAZONA Archiv

    Was solls…
    Wer den legendären „echten“ EHX Sound will, der holt sich sowieso das Original.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Naja, Kenny: Uli hat schon beim Eurodesk sich nicht an eine Schutzfrist des damals von Mackie geschützten Designs nicht eingehalten. Es heisst sogar, dass die ersten Prototypen auch noch den Aufdruck des Mackie Logos auf dem Platinen gehabt hätte. Jedenfalls hat Mackie Behringer damals sehr wohl verklagt. Allerdings in den USA. Genauso Aphex, als sie ihren Exciter kopiert sahen. Selbst der Kabeltester ist ein Design einer kleinen Firma, die – nach eigener Aussage – einfach nicht die finanziellen Mittel für einen langedauernden Rechtstreit haben…

  4. Profilbild
    masterdiverssi

    Ich habe mir das VM1 gegönnt, für 39 ,.Euro kann man nichts verkehrt machen.
    Zunächst, ich spiele alte Instrumental-Tracks a la Shadows, Spotniks usw. und einem Fender Champion 100.
    Zuzüglich noch eingeschleift 2 Behringer FX 600.
    Ich komme dem alten Sound der Shadows sehr nahe ohne die alten Meazzi-Tape Echomaschinen
    die selbst gebraucht heute noch sauteuer sind und wenn einmal kaputt kaum reparabel sind.
    Ich bin also mit dem VM1 bestens zufrieden und v#bin sogar davon überzeugt daß das
    Original von Memory Man für meine Bedürfnisse auch nicht besser wäre, dafür aber fast 9 x so teuer ist.
    Nicht alles was teuer ist muss auch besser sein, diese Erfahrung habe ich in meinem 70 jährigen Leben gemacht.

    • Profilbild
      iggy_pop  AHU

      Und so vergeht die Zeit: Das VM-1 ist mittlerweile aus dem Sortiment der einschlägigen Musikaliengroßhändler in Franken und am Rhein verschwunden und auf dem Gebrauchtmarkt ziehen die Preise an.
      Eigentlich klingt das VM-1 nicht schlecht, auch wenn die Echoresonanz sehr brutal daherkommt (gezähmt erinnert sie an das alte Echocord Mini von Dynacord) und im hochfrequenten Bereich einiges an Gebritzel anfällt, was so manchem Klang eine ungewollt „knusprige, 8-bittige“ Qualität verleiht.

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