Test: Catalinbread SFT, Bass Overdrive Pedal

20. September 2016

Stones or Stoner? Ampeg aus dem Bodentreter

„The Catalinbread SFT is an AMPEG® voiced foundation overdrive that bridges the “Get Yer Ya-Ya’s Out!” (Stones) and the Desert Sound (Stoner) eras.“

„Vintage Ampeg-Knurren für Bass und Gitarre“

Aha, interessant. Was haben wir denn hier? Anscheinend geistert das Catalinbread SFT der US-Firma Catalinbread – Mechanisms of Music in Portland, Oregon schon seit einigen Jahren durch die Welt der Bassisten und Gitarristen … so wie es scheint, hauptsächlich der Bassisten, obwohl es tatsächlich für beide Zielgruppen angepriesen wird. Das ergibt zumindest theoretisch auch Sinn, soll das Pedal doch den Sound alter Ampeg-Vollröhren emulieren, und diese konnte man ja spätestens mit der ersten Stonerrock-Welle Anfang der 90er auch hin und wieder an der Gitarre hören.

Catalinbread SFT Bass Overdrive Pedal

Entsprechend gibt es bei der inzwischen dritten Version (nach offizieller Lesart „SFT II Revision A“) des SFT auch neben der üblichen Klangregelung einen Schalter, der zwischen den beiden Modi „Stones“ und „Stoner“ umschalter. Bereits ohne weitere Recherche sollte klar sein, dass es sich hier um verschiedene Gainstufen handelt. Tatsächlich sollen sich laut Werksbeschreibung zwei völlig verschiedene Effekte in einem Gehäuse verbergen, die Emulation einer alten SVT-Vorstufe im „Stones“-Modus sowie ein JFET-Fuzz im „Stoner“-Modus. Dem werden wir doch mal auf den Zahn fühlen! Da der Rezensent hauptamtlicher Bassist ist, wird sich dieser Testbericht allerdings ausschließlich um den Einsatz des SFT am Bass drehen.

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— Catalinbread SFT —

Facts & Features

Beim Catalinbread SFT handelt es sich um ein relativ kompakt gebautes Pedal, das mit einem Gehäuse von 112 x 60 x 31 mm auch in der letzten Ecke des Pedalboards noch irgendwo Platz finden sollte. Ein wunderschön gestyltes Boutiquepedal ist das SFT nicht unbedingt, wie bei allen Catalinbread Pedalen handelt es sich um ein einfaches, viereckiges Metallkästchen mit ein paar Reglern obendrauf. Aber was braucht man auch mehr – es ist ein Effektpedal, das mit Füßen getreten wird, und gut. Ein wenig Fantasie ist allerdings in das Design des Paintjobs geflossen. Dieser unterstreicht zwar hier den schlichten Eindruck, ist aber passenderweise sehr stark an die Ampeg-CI angelehnt, samt einem Ampeg-Logo, das lediglich statt eines „A“ ein „C“ zeigt. Humor scheint man zu haben.

Prinzipiell macht das Catalinbread SFT eine soliden und gut verarbeiteten Eindruck. Obwohl es relativ leicht ist, der Metallkasten ist unkaputtbar, die Platine sieht sauber gearbeitet aus, die Potis laufen leicht, aber satt und machen nicht den Eindruck, als ob ihnen grobe Behandlung irgend etwas anhaben könnte. Einziger kleiner Wermutstropfen ist der Anschluss für die Stromversorgung – prinzipiell wirkt auch das Ding solide, aber ich würde bei einem Pedal für über 200,- erwarten, dass zumindest ein mit dem Gehäuse bündiger Anschluss im Budget drin gewesen wäre.

So sitzt die viereckig behauste Buchse wie bestellt und nicht abgeholt ein wenig zu weit nach innen versetzt hinter einem runden Loch im Gehäuse. Nicht tragisch, aber auch nicht wirklich schön, so was kann man eleganter lösen. Genauso hätte man In- und Output-Buchse auch beschriften können, aber natürlich funktioniert das Gerät wie üblich „von rechts nach links.“

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— Etwas unelegante Konstruktion der Stromversorgungsbuchse, keine Beschriftung an In- und Output —

Auf dem Gehäuse befinden sich neben dem Fußschalter und der obligatorischen LED vier Regler für Treble, Bass, Volume und Gain sowie ein – leider nur per Hand zu bedienender – Schalter zum Umschalten zwischen den beiden Modi „Stones“ (Ampeg-Emulation) und „Stoner“ (High Gain-Fuzz). Auf den ersten Blick mag es also so scheinen, als ob man hier eben eine nicht übermäßig flexible Zerre mit lediglich den Standardoptionen vor sich hätte. Der Eindruck täuscht allerdings, da hier erstens quasi zwei verschiedene Effekte in einem Pedal verbaut sein sollen und die Regler sich darüber hinaus wie an einem Röhrenamp, den das Teil ja am Ende zumindest im „Stones“-Modus emulieren soll, gegenseitig beeinflussen. Das macht das Finden des geeigneten Sounds nicht gerade einfacher, sorgt aber dafür, dass die Einstellmöglichkeiten am Ende doch vielfältiger sind, als sie zunächst scheinen. Doch dazu später mehr.

Mit Strom kann das Catalinbread SFT einmal durch eine 9-Volt-Batterie versorgt werden, für deren Wechsel allerdings die mit vier Schrauben befestigte Bodenplatte abgebaut werden muss. Da das Gerät mit einer Stromaufnahme von gerade mal 4 mA sehr sparsam arbeitet und somit Wechsel selten sein dürften, ist das völlig akzeptabel. Die komfortablere Option stellt aber die Versorgung mittels Netzteil dar, das wie üblich natürlich nicht mitgeliefert ist. Interessant ist hier, dass das SFT mit Spannungen zwischen 9 und 18 Volt betrieben werden kann.

Zwischenzeugnis

Das Catalinbread SFT ist nicht unbedingt ein Schmuckstück, sondern vor allem ein Gebrauchsgerät – und so sieht es auch aus: Nicht hässlich, aber schlicht, solide und gut verarbeitet. Mit dem an Ampeg angelehnten Design beweist man einerseits Humor, bringt aber auch gleich einen optischen Hinweis unter, wohin die klangliche Reise gehen soll. Kleine Kritikpunkte sind die etwas unkreative Konstruktion der Stromversorgungsbuchse sowie die Tatsache, dass das Umschalten zwischen den beiden Zerrmodi nur per Hand erfolgen kann. Ein zweiter Fußschalter hätte sich hier lohnen können, um das Gerät in einen zweikanaligen „Amp-in-a-Box“ zu verwandeln und damit die Einsatzmöglichkeiten zu erweitern.

Sound und Bedienung des Catalinbread SFT

Nun aber zum Wichtigsten: Wie klingt der Kasten denn eigentlich? Also den „Stones“-Modus aktiviert, alle Regler auf 12 Uhr und los. Wow, laut! Also den Volumeregler etwas zurücknehmen, der scheint bereits in der Mittelstellung ordentlich zu boosten. Nachdem das korrigiert ist, dringt ein leicht angezerrter, unverkennbar Ampeg-gefärbter Sound ans Ohr – das, was das SFT verspricht, hält es zumindest im „Stones“-Modus auch. Das typische, etwas grobkörnige, aber trotzdem sahnige und nicht übermäßig aggressive Übersteuern besonders in den Bässen klingt auf Zimmerlautstärke fast schon seltsam, weil man diesen Sound vor allem von in die Sättigung getriebenen großen Vollröhren-Tops kennt, die an diesem Betriebspunkt bereits so laut sind, dass eine spontane Selbstentzündung beim Zuhören im Bereich des Möglichen scheint. Sehr schön, damit erfüllt das Pedal schon mal seinen Hauptzweck, nämlich den Sound eines anzerrenden SVT auch bei niedrigeren Lautstärken bereitzustellen.

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Im „Stones“-Modus ist von ganz leicht angezerrten Sounds bis zum vollen Motörhead-Brett alles drin, wobei der Zerrgrad auch mit allen Reglern voll aufgedreht nicht übertrieben ist und nie aggressiv oder kratzig wirkt. Auch verbiegt der Effekt den Klang des angeschlossenen Instruments nicht völlig, sondern lässt den Grundcharakter unverändert – genau so, wie das soll. Immerhin wollen wir hier keine radikal neuen Sounds erzeugen, sondern lediglich das Verhalten eines alten Röhrenamps simulieren.

Und das ist Catalinbread hier gelungen: Das SFT reagiert wunderbar auf die Anschlagdynamik und die Einstellung des Volumepotis am Instrument, ob mit Fingern oder mit Pick. Der Sound scheint lebendig und analog, mit leichter Kompression in den Mitten, ohne aber wie manche extremere Zerrpedale alles glatt zu bügeln. Mittels Gain-, Treble- und Bassregler kann der Klang sehr effektiv beeinflusst werden, bereits kleine Veränderungen zeigen eine deutliche Wirkung. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber vor dem Hintergrund der Emulation eines Röhrenamps völlig authentisch, ist das Maß, in dem sich die Reglereinstellungen gegenseitig beeinflussen. Dreht man die Bässe oder Höhen weiter auf, muss man in der Regel auch den Gain nochmals anpassen, da das Mehr an bestimmten Frequenzen die „Röhren“ weiter übersteuern lässt.

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— Innenleben: Hier wird mit der Hand nummeriert und Herzchen reingemalt. aber der eigentliche Unfug wird maschinell aufgedruckt —

Grundsätzlich gibt ein Aufdrehen des Treble-Reglers dem Sound einen mehr in Richtung Distortion gehenden Charakter mit hervorgehobenen Anschlag, während der Bassregler voll aufgedreht weichere, aber grober verzerrte Sounds produziert. Durch die Kombination der beiden Regler mit dem Gain lassen sich hier eine Vielzahl von interessanten, organischen Zerrsounds erzeugen, man kommt aber nicht darum herum, etwas Zeit ins Ausprobieren zu investieren. Einzig die brachiale Höhenresponse eines clean gefahrenen Ampeg SVT bringt das Catalinbread SFT auch mit komplett heruntergeregeltem Gain nicht zustande.

Der Stoner Modus des Catalinbread SFT

Tatsächlich bleibt die Ampeg Grundcharakteristik auch erhalten, wenn man in den „Stoner“-Modus switcht. Die Behauptung von Catalinbread, dass sich hier völlig neue Welten auftäten, würde ich so nicht unterschreiben, allerdings wird die Beschreibung „dasselbe, nur mit mehr Gain“ der Sache auch nicht ganz gerecht. Mit dem EQ in Neutralstellung entspricht der „Stoner“-Modus mit fast komplett heruntergeregeltem Gain in etwas dem „Stones“-Modus in voll aufgedreht, allerdings mit einem Quäntchen mehr „fuzzigen“ Höhen.

Der Sound erinnert so etwas an einen SVT mit davorgehängtem Fuzz – und damit trägt der „Stoner“-Modus seinen Namen auch mit Recht. Das SFT bewegt sich hier bei weiter aufgedrehtem Gain durchweg im Bereich des warmen, bassbetonten Fuzzsounds, reagiert nach wie vor aber sehr dynamisch auf Anschlag und Lautstärke, solange man den Bassregler nicht weiter als auf 12 Uhr dreht. Danach wird es definitiv extrem, die Sounds eignen sich hier für heftigeren, lärmigen Sludge oder Stoner Doom à la Khanate oder Weedeater. Zum Einsatz für schnellere Solopassagen fehlt generell ein wenig die Definition, notfalls lässt sich hier unter Einsatz des Treblepotis aber auch ein halbwegs brauchbarer, fast Distortion ähnlicher Sound erzeugen, der auch in Kombination mit einem Wah-Pedal gut funktioniert.

Auch das auf Anschlag gedrehte Treblepoti liefert noch brauchbare Klänge und gleitet nicht, wie beispielsweise ein Big Muff, in völlig ungenießbare Zischelgefilde ab. Die eigentliche Stärke des SFT im „Stoner“-Modus liegt aber im Bereitstellen fetter, bassiger und fuzziger Sounds, die eben – nomen est omen – vor allem im Umfeld schweren, nicht zu schnellen Wüstenrocks sinnvoll einsetzbar sind.

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— Catalinbread SFT —

Fazit

Mit dem Catalinbread SFT in der dritten Ausbaustufe legt die Effektschmiede aus Portland hier ein definitiv für fast jeden Rockbassisten brauchbares Overdrive-Pedal vor. Gerade im „Stones“-Modus wird der Sound eines langsam in die Sättigung gehenden Vintage-Ampegs überzeugend nachgebildet. Mittels der simplen, aber sehr effektiven Kombination aus Treble-, Bass- und Gainregler lässt sich eine Vielzahl an verschiedenen recht authentischen Röhrenampsounds kreieren. Ob nur ein leichtes Anfetten mit etwas Grit, tiefe, grummelige, grobkörnige Overdrivesounds oder die volle „Motörhead“ Breitseite, hier ist alles drin, was man braucht.

Als Add-On gegenüber älteren SFT-Versionen gibt es den „Stoner“-Modus, der mit einer zusätzlichen Gainstufe fette, warme Fuzzsounds bereitstellt. Diese sind aufgrund ihrer ausgeprägten Fuzz Charakteristik etwas weniger flexibel einsetzbar als die reine Röhrenampemulation des „Stones“ Modus, der je nach Einstellung wirklich in fast jeder Form der Rockmusik eine Daseinsberechtigung hat. Für schwere, bluesige Rockmusik oder aber „vintagemäßig trompetende Fuzzsounds“ ist auch der „Stoner“-Modus mehr als nur brauchbar.

Konzept gut, Sound gut, Verarbeitung gut – für ein im Prinzip relativ simples Zerrpedal scheint der Straßenpreis von 219,- Euro in Deutschland recht hoch angesetzt, geht aber aufgrund der Qualität des Gebotenen gerade noch in Ordnung. Da Klangbeispiele gerade bei Zerrpedalen wegen der Interaktion mit der Amp-Charakteristik nur bedingt aussagekräftig ist, lautet die klare Empfehlung für jeden, der nach vintagelastigen Ampeg Röhrensounds und schwerem Fuzz für den Einsatz im Rockbereich sucht, das Catalinbread SFT mal anzutesten.

Klangbeispiele: Epiphone Flying V + Delano Soapbar + Glockenklang 3-Band (neutral) – Catalinbread SFT – Line 6 UX1

Plus

  • Sound
  • Flexibilität im Stones-Modus
  • Verarbeitung

Minus

  • Buchsenkonstruktion
  • kein Fußschalter zum Umschalten der Modi

Preis

  • Ladenpreis: 219,- Euro
Klangbeispiele
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