Test: EastWest, Hollywood Brass, Soundlibrary

19. Oktober 2011

Hollywood Brass

Wonderbra’ss

EastWest setzt seine neue Serie mit Hollywood Brass fort. Und so viel sei schon vorab verraten: Wieder wird sich die Konkurrenz daran messen lassen müssen! Denn PLAY hat sich zusammen mit dieser neuen Libraryserie in den letzten beiden Jahren (Hollywood Strings 2010) zu einer perfekten Symbiose aus Engine und Soundlibrary entwickelt. Wenn man monumentales Blech sucht, ist diese Library hier in Sachen Spielkomfort und Klang momentan schwer zu toppen.

Hollywood Brass

Hollywood Brass

Hollywood Brass – ich teste hier die Diamond-Edition/24Bit – ist eine 150GB große Brass Library mit fünf Mikrofon-Positionen. Die kleinere Gold Edition (16Bit) wird auf DVDs und nur mit einer Mikrofon-Position (Main), jedoch inklusive aller Artikulationen geliefert. HW-Brass wendet sich – wie schon der erste Release dieser Serie HW Strings – an professionelle Komponisten und Arrangeure. Das soll nicht elitär klingen. Schließlich soll und kann euch nichts davon abhalten, diese Library zu kaufen, was EastWest sicherlich begrüßt. Aber wir befinden uns auf einem Preis- und Qualitätsniveau der Oberklasse für höchste Ansprüche. Für Hobbyzwecke gibt es daher weit günstigere Lösungen.

Charakteristisch spielt es hier keine Rolle, ob man für Film und Fernsehen arbeitet, oder lediglich eine Solo-Posaune für eine Jazzproduktion benötigt. Fakt ist, die Samples klingen – Bugs wurden bereits überarbeitet – mehr als fantastisch und sind vielseitig einsetzbar. Zudem gibt es die neue Engine PLAY und steht als Version 3 für alle Kunden kostenlos zum Download bereit.

Bläser sind generell seit über 20 Jahren das Problemkind aller Hersteller und Musiker. Kein Sound ist so schnell zu entlarven wie Blechbläser aus der Dose, im wahrsten Sinne des Wortes. Das ist nun fast Vergangenheit, wie man an dem ersten Beispiel hier hören kann.

Klare Ansage oder?

Aber fangen wir von vorne an.

Installation

Die Diamond-Version wird auf einer 500 GB großen Festplatte ausgeliefert. Zur Installation der Library und Software muss nur die Festplatte in einen Schnellwechselrahmen eingebaut oder an eine Hard-Drive Dockingstation für den Transfer (z.B. DeLOCK, Sharkoon, Freecom etc.) angeschlossen werden. Danach einfach das Installationsprogramm ausführen. Fertig. Ich persönlich empfehle den Umzug auf eine andere Platte und bewahre die originale Festplatte von EastWest lieber als Backup auf. Nach der Installation auf der Browserseite von PLAY den Link zum Ordner auswählen. Gestartet wird das Produkt als Standalone-Version oder als VST-Plug-in in einem der üblichen Host, wie beispielsweise Cubase oder Logic.

Play hat zwei Oberflächen. Eine Browser- und eine Playerseite. Diese verhält sich grafisch wie ein Chamäleon. Je nach Library ändert sich das Enginedesign. Dieser Grafikswitch ist keine doofe Spielerei, sondern macht durchaus Sinn und ist hilfreich, wenn man zwischen verschiedenen Librarys wechselt. Man sieht immer, an welchem Sound aktuell gearbeitet wird. Und auf der virtuellen Tastatur liegt immer der aktuelle Sound, der laut MIDI-Kanal angewählt wurde. Zum Vergleich: Bei Kontakt liegt auf der Tastatur immer der Sound von MIDI-Kanal 1. Nervt, weil man ständig blättern, umklicken, suchen und sich ständig neu orientieren muss. In PLAY hingegen ist alles sehr übersichtlich, wie in einem aufgeräumten modernen Cockpit. Bedienung läuft entsprechend intuitiv, ohne auf eine Bedienungsanleitung zurückgreifen zu müssen.

Bedienung

Hier ein kleiner Tipp vorab: EastWest hat einen eigenen YouTube-Channel und sehr hilfreiche Tutorials zur Engine und zu den Librarys online gestellt: www.youtube.com/user/EWQLTutorials oder auf www.soundsonline.com/Hollywood-Brass

Nick Phoenix (einer der Producer) führt nett und wirklich leicht verständlich durch die Videos.

Zurück zu PLAY: Auf der Browserseite stehen links unten alle verfügbaren Librarys. Hier wählt man zunächst Hollywood Brass. Dann erscheinen in der zweiten Spalte die elf Bläser-Ordner und deren Unterordner mit den jeweiligen Artikulationen. Einen beliebigen Sound anklicken, und das Laden beginnt. Am Fortschrittsbalken sieht man, wie lange der Ladeprozess noch dauert. Gott sei Dank, nicht so lange wie bei Hollywood Strings. Zur Verteidigung sollte ich aber erwähnen, dass diese Stringslibrary und seine Patches um einiges größer sind (320GB Gesamtvolumen sprechen eine deutliche Sprache). Da darf das auf einem älteren System schon ein wenig dauern.

Hollywood Brass in Play Engine

Hollywood Brass in Play Engine

Hollywood Brass enthält alle Blechinstrumente, die fester Bestandteil eines typischen Symphonieorchesters sind. Im Detail: Solo Trumpet, 2 Trumpets, 3 Trumpets, Solo French Horn, 2 French Horns, 6 French Horns, Solo Trombone, 2 Tenor + 1 Bass Trombone, Solo Tuba, Solo Cimbasso und eine Low Brass Section bestehend aus: 2 Tenor Bones, 1 Bass trombone, 1 Tuba und 1 Cimbasso. Cimbasso ist übrigens eine Kontrabass-Ventilposaune. Der Cimbasso hat zwar ungefähr den Umfang einer Basstuba, passt klanglich aber besser zu den Posaunen.

Zu dieser Library werden zusätzlich neue Reverbs geliefert, aus dem separat erhältlichen „Convolution Reverb Quantum Leap SPACES“ (Edel: Hamburg Brass). Diese erscheinen automatisch in der Reverb-Liste auf der Playerseite.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Franky1986

    Hallo Selcuk,
    Ich habe schon die Gold Edition gekauft und der Klang wie auch das Verhalten der Samples sind wirklich einmalig. Dass das Minus-Feld aber vollkommen leer geblieben ist, halte ich jedoch für etwas zu viel an Wertschätzung, denn die Systemanforderungen der Library übersteigt alles, was momentan auf dem Markt angeboten wird. Ich selber komponiere auf einem Mac Pro mit 2x 2,4 GHz Quad-Core Intel Xenon bei 8 GB Arbeitsspeicher und die Systemauslastung ist trotz allem enorm. Selbst bei nur einer Mikrofonposition, ist nach 4 Legatopaches kaum noch Platz für weitere Instrumente. Und obwohl ich die Samples über eine Solid-State-Drive öffne, sind die Ladezeiten der Patches ausreichend, um währenddessen nochmals E-Mails zu checken oder einen Kaffe zu kochen. Wer EWQL HB zusammen mit den Hollywood-Strings oder einer vergleichbaren (hoffentlich weniger aufwendigen) Library nutzen möchte und nicht gerade einen weiteren sehr schnellen PC zum Parallelschalten zur Verfügung hat, wird um das Einfrieren der Midi-Spuren und einige Frustmomente kaum herumkommen. Dennoch ein schöner Test. Und viele Grüße aus München!

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      Hi Leute,
      also dass Eure Systeme in die Knie gehen kann ich nicht nachvollziehen. Ich hab die Library auf einem alten Dual Core Prozessor mit 4GB RAM getestet. Und ich konnte ohne Probleme 2-3 Patches laden ohne derweil einen Kaffee holen zu müssen und auch ohne Gestotter. Ich kann zu einem Library-Test nicht auch noch einen Benchmark-Test hinzufühen. Das sprengt irgendwann unseren Rahmen hier. Mein Testsystem ist von Audiozapp und vier Jahre alt. Dass natürlich irfgendwann nach vier Patches Schluß ist kann man sich denken, erst recht wenn Ihr noch Hollywood Strings dazupackt. Ich empfehle dringend die Engine und Library-Updates. Das half bei mir sehr oft!

      Zu dem Vorwurf dass ich im April noch die Vienna Library zum Besten gekürt habe, kann ich nur sagen: Das ist so formuliert einfach nur unfair! Ich habe damals ein sehr gutes Produkt bewertet und dazu stehe ich. Aber das ist ein halbes Jahr her und es ist absolut legitim dass es jetzt von einem -für mich- besseren Produkt getoppt wurde. Denke dass diese Vorgehensweise völlig Okay ist.

      Hoffe trotzdem dass Ihr mit der Library viel Spaß habt.
      Beste Grüße, S. Torun

      • Profilbild
        Paul Tunyogi-Csapo  

        Hallo allesamt,
        die CPU Auslastung ist mit der Play Engine 3 wesentlich geringer als zuvor.
        Eine große Verbesserung wie ich finde.
        Die Frustmomente dürften seltener ausftreten.:-)

  2. Profilbild
    tompisa

    Lieber Selcuk

    vor kurzer Zeit (im April also) war noch die Vienna Library das Beste der Welt in Deinem Test, nunmehr ist es die Hollywood Edition. Ja, was denn nun ?

    Die Systemanforderungen sind übrigens extrem und ich mit meinem Mac Pro 8 core und 14 Gig RAM usw habe nach 3 lächerlichen Spuren Hollywood Brass auf 24/96 nichts mehr, ausser Stottern der Audio Engine. Die Cores werden nicht aufgeteilt, d.h. wohl keine Multiprozessor Unterstützung.

    nun ja…ein paar Minus Punkte gäbe es also durchaus.

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