Test: Euphonix, AVID MC Transport Controller

9. Dezember 2009

Griffiger Controller für DAW-Transport

Den Namen Euphonix hat die kalifornische Mischpult-Schmiede in den späten 80er Jahren als Anspielung auf das englische Adjektiv „euphonic“ (wohlklingend) gewählt. Keine Frage, der Name war seither im High End Bereich Garant für edelste, aber leider nicht immer erschwingliche Produkte, die durch ihren Sound dem Namen alle Ehre machen. Mit der Einführung der Artist Serie, die auf dem hauseigenen „EuCon“ Protokoll basiert, ging man den Weg, der für eine Firma aus dem Silicon Valley eigentlich klar vorgezeichnet zu sein schien, den sich aber bis dato kein anderer der großen Mischpulthersteller gewagt hat: Mit MC Mix und MC Control überwand man die Einschränkungen des über 20 Jahre alten MIDI Protokolls und baute DAW Fernsteuerungen, die erstmals besser in die Software integriert und gleichzeitig mechanisch und optisch eine bessere Lösung als alles bisher Angebotene sein sollten. Ein mutiger Schritt, denn die Implementation des Protokolls liegt zumindest teilweise in der Hand der großen DAW-Hersteller. Im Falle von Steinbergs Mutterkonzern Yamaha könnte man von einem „schlafenden Riesen“ mit potenziellen Interessen im selben Marktsegment sprechen. Glücklicherweise, soviel wissen wir nach dem euphorixschen Testergebnis des MC Mixauf Amazona, ist der große Wurf tatsächlich zumindest für Apple User gelungen. Leider bietet auch das MC Transport noch immer keine Treiber für Windows PCs an. Einziger weiterer Kritikpunkt der Redaktion damals war das Fehlen von leichtzugänglichen Transportfunktionen. Diese Lücke soll nun das neue Gerät schließen.

Der erste Eindruck des MC Transport

Im Gegensatz zu MC Mix und MC Control ist das MC Transport bis auf 9 Köpfe nicht silbern sondern schwarz. Klappt man die gummierten Füße ein, rutscht das Gerät auf glatten Oberflächen. Die Hartplastikwangen, die sich zur Verbindung mit anderen Geräten der Artist Serie entfernen lassen, wirken zu breit und leider auch etwas billig. Der Druckpunkt der silbernen Knöpfe ist weich, die restlichen Knöpfe vermitteln ein härteres Bedienungsgefühl. Sowohl das Jog Rad als auch der gummierte Shuttlering allerdings lassen keine Wünsche offen. Das Rad ist leichtgängig, ohne klapperig zu wirken, und der Ring bietet über eine Gegenkraft angenehme Rückmeldung über die Einstellposition und springt nach Benutzung automatisch wieder auf die Ursprungsposition zurück. Hinter einer getönten Plexiglasscheibe ist ein auch bei Tageslicht gut lesbares Display untergebracht. In den Zehnerblock sind 6 zusätzliche Tasten integriert.

Die 7 Tasten, die einen Halbkreis oberhalb des Shuttlerings bilden, sind ebenso wie die silbernen Tasten beleuchtet, um eine Statusrückmeldung bieten zu können. Insgesamt wirkt das Gerät trotz der erwähnten Abstriche wertig und macht auch im Betrieb einen robusten Eindruck. Das mehrsprachige Handbuch ist sehr knapp gehalten und beinhaltet nur die Aufstellung und Installation, die sehr viel interessantere Konfiguration wird nicht behandelt, lässt sich aber ohnehin mit etwas Interesse an der Materie auch so bewerkstelligen.

Die Software des MC Transport Controllers

Nachdem die EuControl Software installiert ist und das MC Transport über Ethernet gefunden hat, kann man im Prinzip mit der Fernsteuerung der gewünschten Applikation beginnen. Im Falle der hier getesteten Programme Logic 9, Pro Tools 8 und Nuendo 4 ist eine weitere Konfiguration zwar möglich, aber nicht zwingend notwendig, denn der Treiber bietet bereits Voreinstellungen, mit denen die Grundfunktionen des Geräts sofort zur Verfügung stehen. Genau wie bei den Geschwistern der Artist Serie ist auch das MC Transport dabei „application aware“. Die Tasten können für jedes Programm frei und eigenständig belegt werden. Nutzt man z.B. Nuendo hauptsächlich zum Nachbearbeiten von Tönen für Videoproduktionen und Logic Audio zum Mischen von Musikprojekten, macht es evtl. durchaus Sinn, eigene Kommandos für jede DAW zu definieren. Andersherum ist aber das MC Transport auch ein wunderbarer Gleichmacher, der über unterschiedlich definierte Tastenkommandos hinweg Shortcuts für alle verwendeten Programme auf der Oberfläche vereinheitlichen kann. Wer seinen Controller perfekt an die gewünschte Arbeitsweise anpassen will, wird sich sicher einmal die Mühe machen, die EuControl Software individuell einzustellen. Hierzu muss man die gewünschten Tastaturbefehle nicht auswendig kennen. Über eine programmabhängige Menüstruktur lassen sich die Funktionen nach Gruppen sortiert auswählen. Die so erstellten Presets schaltet der Controller im Betrieb für den Benutzer unmerklich automatisch im Hintergrund um. Gespeichert werden die Voreinstellungen pro Applikation. Leider sind keine mehrfachen Presets z.B. für unterschiedliche Benutzer speicherbar. Über den Controller lassen sich übrigens auch andere Programme steuern, so kann man den globalen Mac Finderbefehl Apfel-Tab auch durch Drücken von „Application“ und Drehen des Jograds ersetzen!

Application aware: EuCon kennt die Funktionen Ihrer DAW…hier Logic Pro 9

Apple Logic und MC Transport

Mit Logic Pro 9.02 wird der Euphonix Controller ganz im Sinne der Apple Firmenphilosophie ohne weiteres Zutun des Benutzers direkt erkannt und kann sofort verwendet werden. Die meines Erachtens einzig sinnvolle optionale Einstellung in Logic ist „Jog Auflösung abhängig von horizontalem Zoom“, die genau das tut, was sie sagt. Jog und Zoomfunktionen funktionieren gut, der Shuttlering brachte nicht die erwarteten Ergebnisse und hinterließ Logic immer im Zurückspul-Modus, ein ärgerlicher Bug, der offensichtlich nicht auf die Hardware zurückzuführen ist, denn unter Nuendo 4 und Pro Tools 8 funktionierte der Shuttlering einwandfrei. Auch die Hintergrundbeleuchtung der Tasten unterhalb des Displays gibt in Logic fehlerhafte Rückmeldungen. So meldete mir der Controller ständig, er sei im Modus zur direkten Zeit- bzw. Positionseingabe über den Ziffernblock. Doch neben diesen ärgerlichen Unannehmlichkeiten ist die Navigation über das Gerät in Logic einfach, intuitiv und vor allem sofort einsetzbar. Eine ganz besonders schöne Funktion, in Logic vorbildlich umgesetzt, ist der „assignable knob“.

Hiermit versetzt man das Jograd in einen Modus zur Steuerung des zuletzt angeklickten Parameters in Logic. Das funktioniert mit allen Logic-eigenen Plug-ins prima und sogar mit AudioUnit Plug-ins von Drittherstellern zumindest, nachdem man den virtuellen Regler einmal mit der Maus angerissen hat. Da es sich um einen Endlosdrehregler handelt, kann man so problemlos auch in bestehende Automationen eingreifen. Bedient man die Maus mit der anderen Hand, kann man so ohne Umgreifen – für mich zum ersten Mal seit der Entwicklung von DAWs wirklich konsequent umgesetzt – eine haptische Erfahrung beim Schrauben an virtuellen Knöpfen machen. Ich hatte ehrlicherweise nicht erwartet, mit dem MC Transport einen Plug-in Controller zu testen, aber genau da ist zumindest unter Logic seine für mich unerwartete riesige Stärke.

Nuendo und MC Transport

Steinbergs Nuendo war die erste DAW, die das EuCon Protokoll unterstützte. Daher kann man eine gute Einbindung des Fernsteuerungsgerätes erwarten. Leider steht vor der ersten Benutzung mit Nuendo nicht nur die Installation der Euphonix Software, sondern auch die Freischaltung der Unterstützung des EuCon Protokolls auf dem Nuendo Dongle. Aus meiner Sicht sind per Dongle geschützte Treiber für ein Gerät in dieser Preisklasse absurd. Ist diese Hürde aber genommen und das EuCon Protokoll darüber hinaus unter „Geräte->Fernbedienungsgeräte“ angewählt, zeigt sich das MC Transport von seiner besten Seite. Alle Funktionen lassen sich per Jograd bedienen, soweit es Sinn macht: So kann man Clips, ihren Inhalt oder die Anfänge und Enden verschieben, Fades setzten oder sogar die Lautstärke einstellen – Features, die man sonst nur vom wesentlich teureren WK Audio ID oder Edit Controller kennt. Der Shuttlering lässt sehr intuitives Scrubben in verschiedenen Geschwindigkeiten über einzelne oder alle Spuren des Projekts zu. Hier übertrifft das kleine Gerät sogar die eben erwähnten, extra für Nuendo konzipierten, Fernbedienungen. Auf zwei Funktionen, die in Logic wirklich Spaß machen, muss man aber in Nuendo 4 leider verzichten. So kann man die Auflösung des Jograds leider nicht an die des Bildschirms koppeln, um bei hohen Vergrößerungsstufen noch sinnvoll navigieren zu können und in der Projektübersicht dennoch schnell voranzukommen. Auf Sampleebene herangezoomt machen ca. 8 Sekunden Vorspulen für eine Umdrehung einfach keinen Sinn. Des weiteren ist die „assignable knob“ Funktion in Nuendo leider fast ein Garant für den Absturz der EuCon Software. Zwar ist Nuendo so stabil, den Absturz nicht mitzumachen und sogar nach dem Neustart von EuCon automatisch die Verbindung wieder herzustellen, dennoch ist es schade, gerade auf dieses Highlight aufgrund von drohenden Abstürzen verzichten zu müssen.

Tastenbelegung für Nuendo 4

Pro Tools und MC Transport

Da sich Digidesign entschlossen hat, das EuCon Protokoll nicht nativ zu unterstützen, muss man den etwas steinigen Umweg über die HUI Emulation gehen. Unter Pro Tools LE 8.0.3 auf einem System mit dem von Digidesign noch nicht offiziell validierten Snow Leopard 10.6.1 konnte man aber dennoch recht komfortabel arbeiten. Jog und Shuttle werden abhängig von der Vergrößerung sehr flüssig unterstützt. Der horizontale Zoom klappte prima, vertikaler Zoom hingegen gar nicht. Das Fehlermeldungsgeräusch ohne Warnhinweis oder Dialog des Macs war bei der Ursachenforschung da nicht gerade hilfreich. Auf der Shift Ebene des Zehnerblocks liegen per Werkseinstellung unverständlicherweise etwas versteckt die sehr gut funktionierenden Slip, Trim und Move Kommandos. Der „assignable knob“ funktioniert in Pro Tools leider nicht.

Fazit

Euphonix schickt mit dem MC Transport den ersten hochwertigen Jog/Shuttlecontroller ins Rennen um das Projekt- und Heimstudio. Die Hardware der entscheidenden Komponenten ist hochwertig, und dennoch ist das Gerät zu einem sehr attraktiven Preis zu haben. Softwareseitig besteht noch Bedarf zur Nachbesserung oder Erweiterung, teilweise auch seitens der DAW Hersteller. Da sich die Artist Serie aber schon zu einem Verkaufsschlager und neuem quasi Standard gemausert hat und das EuCon Protokoll im Vergleich zu MIDI schon jetzt viel weiter entwickelt ist, kann man davon ausgehen, dass die meisten bedeutenden DAW-Hersteller die Implementation noch weiter vorantreiben werden. Eventuell wird hier mit dem z.B. für Nuendo bald anstehenden Update auf Version 5 bereits einiges gelöst. MC Transport bietet auf jeden Fall schon heute eine wirkliche Bereicherung für den Produktionsalltag und das in Zusammenhang mit allen drei getesteten DAWs.

Plus

  • assignable Knob in Logic Pro 9
  • einziges qualitativ hochwertiges Jog/Shuttlerad in dieser Preisklasse

Minus

  • Implementation in DAWs könnte teilweise noch besser sein

Preis

  • UVP: 499,- Euro
  • Straßenpreis: 399,- Euro
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