Test: Faderfox Generation 3, DJ3, DL3, DX3, FT3, FX3

14. Oktober 2010

Multifunktion-Controller für DJ´s und...

Der erste Faderfox erschien im Jahr 2004 und wurde aus einem Bedürfnis heraus geboren, dem Bedürfnis nach Kontrolle über die zu der Zeit erschienenen Programme wie Ableton Live oder NI Traktor. Der Wechsel von Medien wie CD oder Vinyl auf digitale Software war ein beachtlicher Schritt, doch wie sollte man diese steuern, ohne die Maus oder Tastatur zu nutzen?

Seit dieser Zeit hat sich der Macher und Gründer von Faderfox, Mathias Fuchs, es zur Aufgabe gemacht, Software ergonomisch mit Steuereinheiten bedienen zu können und entwarf seinen eigenen Controller. Der Funktionsumfang war zu Beginn natürlich geringer. Traktor beispielsweise kam in einer seiner ersten Versionen lediglich mit Filter und den grundlegenden Bedienelementen wie Kanalzüge, Crossfader und Equalizern daher. Durch die wachsende Rechenleistung der Notebooks konnte entsprechend die Software mit mehr Funktionen ausgestattet werden, und der Wunsch nach noch mehr Funktionskontrolle belebte eine weitere Generationen.

Die Voraussetzung an die erste Generation war, dass sie in Kleinserie gebaut werden konnte und auf die Software zugeschnitten wurde. Das Design der Oberfläche war also ein großes Thema, platzsparend sollte er zudem sein. Die ersten Füchse erblickten somit die Welt und wurden ab dem Jahr 2006 von der zweiten Baureihe abgelöst. Diese wurden drei Jahre erfolgreich produziert. Die aktuelle Serie 2010 baut demnach auf sechs Jahre Erfahrung und Feedback auf. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die aktuelle dritte Generation der Füchse holt das Rudel in das 21. Jahrhundert und erfüllt endlich den Wunsch vieler Nutzer nach einer einfachen Stromversorgung und schneller Konnektivität. Eine USB-Schnittstelle liegt nahe, und diese wurde auch allen 5 Modellen spendiert. Sie benötigen weniger als 500mW/100mA. Ein USB-Slot liefert die benötigten 5 Volt. Sollen mehrere Controller gleichzeitig zum Einsatz kommen, kann dies problemlos über einen HUB realisiert werden. Batterien oder externe Stromversorgung werden nicht mehr benötigt. Damit verringert sich zugleich das Gewicht von 450g auf 350g.

Eine weitere Neuerung sind die kleineren gummierten Potis. Dadurch verbessert sich die Haptik, und zugleich ermöglicht es die Unterbringung von noch mehr Funktionen durch weitere Regler und LEDs, für die vorher kein Platz vorhanden war. Die qualitativ hochwertigen Fader, Potis und Encoder sind von ALPS. Die Ursprungsgröße sollte sich nicht verändern.

Über die 8 MIDI-Kanäle, auf denen jeder Faderfox sendet, können ca. 250 Kommandos an den Rechner gesendet werden. Über ein internes System Setup lassen sich die Kanäle schnell umschalten oder auf die Standard-Einstellungen zurücksetzen.

Viele LEDs geben Auskunft, in welchem Modus man sich befindet oder welcher Effekt gerade bedient wird. Sie sind nützlich, um den Überblick zu behalten, welche Funktionen man gerade antriggert. Wie bei den alten Modellen kann über die Shift Taste auf die Zweitbelegung eines jeden Reglers zugegriffen werden.

Das Rundumpaket umfasst natürlich den Controller, eine CD mit Software, das zum Anschluss benötigte USB-Kabel mit abgeknicktem Stecker (weiteren Platz sparen!) und ein Handbuch.

Besonders hervorzuheben ist die überarbeitete Homepage. Sie hält zusätzliche Tutorial Videos bereit und hilft dem potentiellen Interessenten bei seiner Entscheidung, welchen Fuchs er sich zulegen soll. Hervorragend ist auch der Support.

Die Kandidaten

Faderfox DJ3

Faderfox DJ3

Faderfox DJ3

Der DJ3 ist aufgeteilt in drei Regionen. Die oberste Sektion ist für eine gute Übersichtlichkeit V-förmig angeordnet. Man erkennt an Hand der LEDs, welche Effekte oder Decks in Traktor gesteuert werden. Auch an globale Funktionen von Traktor wie Master-Volume, Monitor-Volume oder der Playlist Tree wurde gedacht, die man über den Global Button erreicht. Die Effekt-Slots 1 & 3 lassen über den linken Button ändern, der rechte gibt den Zugriff auf Effekt-Slot 2 & 4 frei. Sie können aktiviert/deaktiviert werden, indem man gemäß der Anordnung der Buttons in Traktor das linke Poti drückt. Dry/Wet sowie die einzelnen Parameter der Filter lassen sich über die Endlosregler einstellen. Grundsätzlich sind diese auch als Taster vorgesehen. In der Mitte sitzen die zwei Fader zur Volume-Kontrolle des rechten oder linken Kanals, darunter mischpulttypisch ein Crossfader.

Die Drehpotis mit Anschlagsbeschränkung am äußeren Rand regeln die Sektionen des Equalizers (Low, Mid, High) und geben auch Zugriff auf das Filter. Bei verwendeter Shift Taste wird alternativ zum Filter auch die Key Correction angesprochen. Die CUE Tasten schicken den gewählten Track zum Kopfhörerausgang oder killen alternativ das Filter.

Zur Kontrolle der Decks ist die untere Zeile mit zwölf Buttons ausgestattet. Sie starten z.B. das Deck, weisen ihm einen der vier Effekt-Kanäle zu, springen zwischen CUE-Punkten vor und zurück und bieten die Option SYNC mit optischer Rückmeldung an. Die linke Seite arbeitet mit Deck A & C, die rechte analog dazu mit B & D.

Faderfox DL3

Faderfox DL3

Faderfox DL3

Dieser Fuchs ist neu im Sortiment und bietet für Loop Junkies einige Neuerung. Das Grundprinzip stammt vom DX2, er wurde aber mit Hauptaugenmerk auf die Loop-Steuerung konzipiert. Ich beginne oben bei den zwei Reihen à 4 Potis und 5 Buttons. Sie sind funktionales Abbild des Effekt-Slots. Durch die neue zweite Reihe ist es im Gegensatz zum Vorgänger möglich, zwei Effekte gleichzeitig zu nutzen. Zentral liegen der Regler zur Tracksuche und die zugehörigen Loop Buttons. Durch Shift können auch die Decks 3 & 4 versorgt werden. Für die Freunde des Loops zeigen 22 LEDs die aktuell gewählte Loop-Länge an. Ob der Loop aktiv ist, wird darunter zurückgemeldet. Die Tasten Move Fwd und Move Bwd verschieben den Loop in der eingestellten Schrittweite. Im unteren Bereich ist wieder die Steuerung für die in den Decks geladenen Songs. Sie regeln die gängigen Transport-Aktionen.

Faderfox DX3

Faderfox DX3

Faderfox DX3

Der wohl erfolgreichste und bist dato gängigste Controller für DJs war der DX2, sozusagen der Klassiker unter den Füchsen. Von Design-kosmetischen Veränderungen blieb aber auch er nicht verschont. Und das ist gut so.

Die letzte Version ermöglichte es, nur zwei FX-Slots anzusteuern und dies nicht gleichzeitig. Dank der zweizeiligen Poti-Anordnung und der gleichen Technik des DL3 sind mit ihm 4 Slots – davon 2 gleichzeitig – zu bearbeiten. Die Filter- und Listbrowse- mit Load-Funktion sowie die Player Controller sind identisch mit den zuletzt vorgestellten DL3.

Im Mittelfeld wird es schon spannender, denn hier befindet sich eine neue Multifunktionstechnik. Die Pfeiltasten triggern die unterschiedlichen Kontrollmöglichkeiten von oben nach unten durch. Hierzu gehören im Standard Template für Traktor CUE, Pitch und Loop-Size. Vorkonfiguriert ist weiterhin Seek, Key und Loop-Move. Die gängigsten Parameter für einen laufenden Track wie das Suchen, Pitchen oder eine Key Correction lassen sich so schnell und platzsparend bewerkstelligen.

Faderfox FX3

Faderfox FX3

Faderfox FX3

Als Spezialist für Effekte ist der FX3 neu entwickelt worden. Er bietet die typischen vier Rotary Fader und die zu den Effekt-Slots passenden On/Off Buttons an. Vier Reihen ermöglichen, alle Traktor-eigenen Effekt-Slots zu selben Zeit zu steuern. Praktisch ist dies aufgrund der fehlenden Hände nicht möglich. Es erspart aber das Wechseln zwischen den Effekten und Filtern. Ein gespeichertes Preset kann on-the-fly abgerufen werden. Clever ist zudem die am unteren Rand angebrachte Load-Funktion. Der DJ kann durch seine Listen navigieren und Tracks in alle Player laden. Der FX3 wird zum Effekt-Monster und macht seinem Namen alle Ehre.

Faderfox FT3

Faderfox FT3

Faderfox FT3

Volle Kontrolle voraus! Steuermann an Bord ist der FT3. Ähnlich dem DJ3 wird im oberen Bereich zwischen einer Kontrollübernahme der vier Effekt Slots, dem Deck oder globalen Einstellmöglichkeiten unterschieden. Die zugehören Parameter wie z.B. für „Global“ sind Tree (Trackliste scrollen), Master- und Monitor-Volume und der Monitor-Mix. Dafür stehen vier endlose Rasterpotis bereit. Die Lautstärke eines jeden Decks bestimmen die vier Fader und der Crossfader.

Sehr übersichtlich gelungen sind die Play- und Sync-Optionen für die entsprechenden Player. Zudem ist immer ersichtlich, welches Deck gerade spielt.

Die Select Taster über den Kanalzügen gehören zu dem jeweiligen Deck und schalten es für den Faderfox scharf. Denn durch das Aktivieren geben die rechts sitzenden endlosen Drehknöpfe ihre Funktion preis. Primär steuern die den Equalizer sowie den Filter des gewählten Kanals. Ein Druck auf den EQ-Regler wirkt wie ein „unkill“ und schaltet auf mittlere Stellposition (0%) in Traktor. Hier wäre ein Kill ebenfalls denkbar, das man problemlos selbst im Mapping einstellen kann.

Mit Shift im Anschlag und Drücken der Encoder können diese vier Regler aber noch mehr. Sie wählen damit den zum Deck zugehörigen Effekt Slot aus. Raffiniert durchdacht.

Erster Eindruck und Bedienbarkeit

Der erste Schritt zur Inbetriebnahme – die Verkabelung- gestaltet sich dank USB in der neuen Generation sehr einfach. Anschließen, fertig! Da die Serie für die aktuelle Traktor Pro Version konzipiert wurde, liegen die entsprechenden TSI Dateien mit den Controller Mappings auf der CD dabei oder können von der Homepage geladen werden. Nach erfolgtem Import und Zuweisung der Ports im Controller Manager übernehmen sie sofort die vorprogrammierten Funktionen.

Einen Fuchs, der programmtechnisch fremdgeht, ist noch im Paket. Der FT3  bringt zusätzlich eine Ableton Live Template mit. Auch hier sind die Mappings bereits implementiert. Zu beachten ist, dass hier ein Faderfox internes Preset existiert. Es kann im System Modus aktiviert werden, so wie das von Traktor.

Am deutlichsten fallen die neuen gummierten Potis auf. Sie sind griffig und vor allem kleiner. Ein unabsichtliches Verstellen des Nachbarreglers ist umgangen, und sie greifen sich gut. Breitere Finger sollten keine Schwierigkeiten mehr machen. Die Nut an den Potis, welche die Stellung kenntlich macht, ist sehr gut spürbar. Das hilft in dunklen Räumen oder Clubs ungemein. Ergänzend für die drückbaren Endlosregler kann gesagt werden, dass der Druckpunkt nicht zu weich und somit spürbar für den Nutzer ist. Versehentlichem Abschalten, stoppen oder ähnlichen peinlichen Situationen wird vorgebeugt.

Bei allem Modellen hat sich die Belegung und doppelte Nutzung der Buttons technisch erhöht. Das birgt Vor- und Nachteile.

Nachteil: Es ist wichtig, seinen Controller genau zu kennen, um zu wissen, welche Parameter man gerade steuert und wo sich die Shift-Funktion gerade befindet, die man sucht.

Vorteil: Durch das Feedback mit den LEDs wird das nicht tragisch und bleibt überschaubar. Und auf der gleichen Fläche gibt es mehr Bedienfunktionen als je zuvor.

Welcher Faderfox ist der Richtige?

Für eine komplette funktionelle Übernahme von Traktor unter Einsatz des internes Mixers ist der DJ3 zu empfehlen. Sowohl der Transport (Cue, Play) als auch die EQs können adäquat und schnell und gesteuert werden. Für ein Standard-Setup mit zwei Decks ist der DJ3 der richtige Fuchs. Gut geeignet für Heim-DJs ohne Mischpult und die sich mit der Materie vertraut machen wollen oder einfach keinen Platz in der Wohnung haben.

Um in deinem Setup vier Decks unter eine Haube zu bekommen, lohnt sich natürlich der FT3. Er ermöglicht, alle Player gleichzeitig unter Kontrolle zu bringen. Dies gilt auch für Play, Sync und die Wahl der Effekt-Slots. Der interne Mischer kommt natürlich zum Einsatz.

DJs, die mit Ableton Live auflegen, werden mit dem vorgefertigten Template zufrieden sein. Es enthält vier Audiospuren sowie folgende Effekte: Beat Repeat, Flanger, Vinyl Distortion, einen Equalizer und Auto Filter. Als Grundlage zum Starten optimal.

Ableton FT3 Template

Ableton FT3 Template

Nach den Spezialisten für interne Mischer kommen wir nun zu denen, die für die Bedienung von Traktor geeignet sind, aber einen externes Mischpult benötigen, beispielsweise für den Einsatz im Club.

Da waren es nur noch: Faderfox DX3 und DL3.

Vergleich: DL3 & DX3

Vergleich: DL3 & DX3

Beide bieten eine komfortable Listensuchfunktion, schnellen Zugriff auf die Effekte (gleichzeitig zwei, maximal vier) und beherrschen die Standard-Playfunktionen der Decks. Vorzugsweise drehen sich Timecode-Vinyls auf den Tellern.

Sie unterschieden sich im zentralen Mittelfeld von ihrer Hauptfunktion. Mit dem Klassiker DX3 bekommt der DJ Zugriff auf alle Track-Optionen wie Seek, Cue und Loop. Er ist der Allrounder.

Anwender, die Loop Fanatiker sind und gerne die maximale Kontrolle über diese haben, sind wohl dem DL3 nicht abgeneigt. Der DL3 ist für die Nutzung mit Timecode-Vinyls optimal, da die fehlenden Funktionen wie Seek und Pitch dann natürlich nicht am Controller benötigt werden.

Die Mischung macht’s

Nachdem ich nun alle Controller vorgestellt habe, sollte der Leser nun einen guten Überblick über die gesamte Serie bekommen haben. Aber das Setup, das man für richtig hält, sollte selbst nach eigenen Bedürfnissen zusammen gestellt werden.

Ich möchte einige mögliche und sinnvolle Kombinationen an dieser Stelle nennen:

FT3 & FX3: Volle Kontrolle über 4 Player Decks und 4 Effekt Slots

Volle Deck und FX Kontrolle

Volle Deck und FX Kontrolle

2x DJ3: Mit dieser Kombination lassen sich auch 4 Player mit allen EQs gleichzeitig ansteuern.

DJ3 & DX3/DL3: Klassisches Setup für den internen Traktor Mischer inklusive Effekt Steuerung

Fazit

Die Neuerungen haben der gesamten Serie gut getan und sie noch sympathischer gemacht. USB und noch mehr Funktionen sind das wohl schlagendste Argument. Als DJ kann man Sie als treue und schnell eingepackte Begleiter bezeichnen und sind nun eine echter Alternative zu den aktuell auf dem Markt befindlichen Controllern anderer Hersteller.

Schön ist auch die neue und ungewohnte Vielfalt der kleinen Racker. Der DJ kann sein individuelles Wunschsetup zusammenstellen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn das nötige Kleingeld stimmt, denn ein Faderfox kostet 250,- Euro. Nicht gerade wenig, vor allem wenn man sich überlegt, einen zweiten anzuschaffen. Wer aber einen Schützling von Mathias Fuchs mal in der Hand hatte und ihn benutzen konnte, weiß die Qualität zu schätzen. Vor allem nach dem USB Generationssprung. Viele haben danach verlangt, und ihr Bitten wurde umgesetzt. Ein sehr schönes Beispiel für die Kundentreue und die Kommunikation zwischen Hersteller und Anwender.

Wer auf der Suche nach einem neuen Controller für Traktor oder andere MIDI-fähige Programme ist, sollte auf keinen Fall an dem aktuellen Faderfox Rudel vorbei gehen und ihnen eine Chance einräumen.

Plus

  • kompakte Größe
  • gute Verarbeitung
  • Support
  • gut durchdachtes Mapping

Minus

  • nicht billig

Preis

  • UVP: 250,- Euro
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