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Test: Fryette Power Station, Power Attenuator und Röhrenendstufe

15. Februar 2022

Das Beste der Besten!

Es waren noch nie sehr viele, aber in den letzten Jahren werden es immer weniger. Die Rede ist von den Tüftlern und Schraubern, welche der Vollröhrenszene mit großem Wissen um die Sache, einem offenen Ohr für die Musiker und einem mittlerweile riesigen Erfahrungsschatz zu einer einst riesigen Popularität verhalfen. Zu eben dieser Spezies gehört auch zweifelsohne Steven Fryette, welcher als ehemaliger Mitarbeiter von Valley Art Guitars startete und vor 33 Jahren unter der Marke VHT den ersten dreikanaligen Vollröhrenamp entwarf. Unzählige Kooperationen mit der ersten Garde der 80er E-Gitarristen (u. a. Eddy Van Halen, Steve Lukather, Larry Carlton uvm.) später änderte Fryette den Firmennamen im Jahre 2009 in Fryette Amplfication und baut seither vornehmlich Röhrenprodukte der Spitzenklasse. Zu einem seiner letzten Outputs zählt u. a. die Fryette Power Station, einem Produkt, welches so viel sei bereits im Vorfeld verraten, seines gleichen sucht.

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Fryette Power Station Test

Fryette Power Station Ansicht

Was ist die Fryette Power Station?

Die Zeichen stehen auf Veränderung. In einer Zeit, in der sich viele Gitarristen bereits mit dem minderwertigen Gequäke eines VST-Plug-ins innerhalb ihrer DAW in Sachen Gitarrensound zufrieden geben, erscheint die Soundästhetik eines hochwertigen Röhrenprodukts auf den ersten Blick als überteuertes, schweres und unnötiges Spielzeug alter Männer, welche vom Ruhm längst vergangener Helden träumen und ihrer musikalischen Jugend nachhängen. Wer sich hingegen das Ohr für den ultimativen Ton bewahrt hat, der selbst im 1:1 Vergleich einem Kemper immer überlegen ist, kommt früher oder später nicht um die Verwendung eines hochwertigen Vollröhren-Verstärkers umhin. Wer jetzt noch dem klassischen Ton eines Plexi, eines Sound City, eines AC30 oder eines Hiwatt frönt, wird das Problem kennen bzw. sein FOH wird ihn binnen Sekunden auf das Problem aufmerksam machen.

„Du bist zu laut!“ „Das muss so, sonst klingt der Amp nicht!“ Hätte ich für jede dieser oder leicht abgewandelter Konversationen zwischen verschiedenen Kollegen auch nur einen Euro erhalten, mein Geldbeutel wäre gerade in jungen Jahren übergequollen. Auch auf die Gefahr hin, erfahrene Leser etwas zu langweilen, aber die Entwicklung in Sachen Tonkultur macht eine aufs Nötigste heruntergebrochene Analyse der „Vollröhren Klangkultur“ noch einmal kurz von Nöten. Warum labern so viele Musiker vom heiligen Gral des Gitarren-/ Basstons immer im Bereich von Vollröhrenverstärkern herum und was soll der ganze Mist mit Plexi etc.? Kurzfassung:

Vollröhrenverstärker sind überwiegend analoge Klangerzeuger, welches so unlinear in der Klangerzeugung sind, dass es weh tut. Sie haben jede Menge Verschleißteile, sind groß und aufgrund ihrer Bauteile schwer und teuer, so dass sie auf den ersten Blick wie eine Ansammlung von NoGos wirken. Aber alle legendären Vollröhrenverstärker haben in ihrem Wirkungsbereich insbesondere im Crunch-Sound einen sogenannten Sweet-Spot, bei dem alle legendären Merkmale wie Dynamik, Interaktion mit der Gitarre, Obertonverhalten und Kompression zusammen wirken und bei der die Röhrenendstufe den entscheidenden klanglichen Anteil hat. Und hier kommt das Hauptproblem, nahezu jeder Vollröhren-Klassiker ist innerhalb seines Sweet-Spots für den Proberaum- oder Clubbetrieb viel zu laut. Auf einer sehr großen Open-Air-Bühne mag dies noch möglich sein, aber da nur ein Promillebereich aller Musiker diese Bühnen jemals betreten werden, fristen die großen Klassiker immer häufiger in unzähligen Proberäumen einen Denkmalstatus ohne Aussicht auf Reanimierung.

Um diesem Problem Herr zu werden, haben schon viele Hersteller in der Vergangenheit versucht, Teile der Leistung eines Vollröhrenverstärkers in Wärme umzuwandeln, so dass der Amp auch in deutlich geringerer Lautstärke in seinem Sweet-Spot gefahren werden konnte. Doch das Ergebnis war bis auf sehr wenige Ausnahmen sehr ernüchternd. Die passive Bauweise dieser Attenuator/Lastwiderstände beraubte die Amps zumeist jeglicher Dynamik und lies alles, was im Original groß und mächtig klang, dünn und kraftlos erklingen. Und HIER kommen wir nun endlich zu unserem Testgerät, der Fryette Power Station, die einen völlig anderen Ansatz geht, um den Klang des Verstärkers bis hinunter auf Zimmerlautstärke zu retten.

Fryette Power Station Test

Fryette Power Station, Front

Was kann die Fryette Power Station? Nun, sie hat primär drei Einsatzmöglichkeiten:

1.) Sie ermöglicht es jegliche Art von Vollröhren-Amp (bis 200 Watt Ausgangsleistung, keinen Ampeg SVT verwenden!) in seinen Sweet-Spot zu fahren und ihn dann bei Bedarf stufenlos bis auf Zimmerlautstärke herunterzufahren. Dabei wird die Fryette Power Station zwischen Amp und Cabinet positioniert.

2.) Sie fungiert als normale Endstufe und kann einen Preamp, ein Effektpedal oder einen kleinen Verstärker auf bis zu 100 Watt verstärken.

3.) Sie arbeitet als serieller FX-Loop, der nicht wie üblich hinter der Vorstufe, sondern hinter der Endstufe angesetzt ist und somit eine deutlich höhere Dynamik im Sound ermöglicht.

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Die Besonderheit der Fryette Power Station ist die Verwendung einer eigenständigen Röhrenendstufe, welche über 2 Stück 6550 Röhren verfügt. Um nun Punkt 1.) umzusetzen, wird das Signal zunächst auf einen Minimalpegel heruntergefahren, um dann wieder über die interne Röhrenendstufe stufenlos hoch gefahren zu werden. Dabei hat man die Möglichkeit, den Sound seines Verstärkers bei Bedarf über zwei Mini-Switches im Voicing und 2 Regler im Höhen- und Bassbereich anzugleichen. Über zwei Schieberegler auf der Rückseite werden alle gängigen Impedanzkombinationen zwischen Amp und Lautsprecher angeboten.

Wo kann man die Power Station nun alles einsetzen?

Nun, fangen wir zunächst mit dem offensichtlichsten Einsatzbereich an, der Live-Show. Wer die bisweilen berechtigten, genervten Ansagen des FOH satt hat, kann nun jeglichen Klopper-Amp mit zur Show bringen und auf einen angemessen Pegel herunterfahren. Der nächste Einsatzbereich ist in einem un- oder nur rudimentär gedämmten Homestudio zu sehen, bei dem man auf Nachbarn oder Mitbewohner Rücksicht nehmen muss. Der luxuriöseste Ansatz ist natürlich, seinen Plexi zu einem Bedroom-Amp umzurüsten und bei vollem Ton in Zimmerlautstärke zu jammen.

Auf der anderen Seite, wer schon immer seinen 1, 5 oder 10 Watt Amp auf eine größere Bühne mitnehmen wollte, weil er den Sound so liebt, welcher aber ob der Räumlichkeiten völlig über dem Limit gefahren werden müsste, hat hier nun die Möglichkeit, den Junior-Ton auf eine Open-Air-Bühne zu übertragen. Und zu guter Letzt, Vollröhrenamps, welche ohne FX-Loop auskommen müssen und doch einmal gerne einen Raumeffekt wie Delay oder Reverb in ihrem Repertoire hätten, haben nun den Luxus, das Signal hinter (!) ihrer Endstufe abgreifen zu können und somit den ultimativen Ton in ihr Pedal zu führen.

Ach ja, die Fryette Power Station gibt es in zwei Ausführungen, in der PS-2A Ausführung (1 Kanal) und der 100 Ausführung, bei der man mittels eines externen Fußschalters zwischen zwei Lautstärken und Presence/Depth-Einstellungen wählen kann. Dies bedeutet im Live-Betrieb, dass man für einen Solo-Part kurzzeitig die Lautstärke anheben kann und sich nicht auf den FOH verlassen muss.

Klingt alles sehr vielversprechend, aber wie ist nun der finale Ton?

Fryette Power Station Test

Fryette Power Station, Rückseite

Die Fryette Power Station in der Praxis

Mit knapp 7 kg ist die Fryette Power Station im Vergleich zu anderen Vollröhren-Endstufen noch recht leicht, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass man beim Transport schon ordentlich hinlangen muss. Erwartungsgemäß wird das Produkt sowohl durch den Attenuator-Betrieb, als auch durch die interne Endstufe sehr warm, so dass sie nicht in irgendein Rack verbaut werden sollte. Erwartungsgemäß hat Steven Fryette mitgedacht und die vier Gummifüße nicht nur so platziert, dass sie selbst auf dem vergleichsweise wenig tiefen Gehäuse eines klassischen Marshalls Platz finden, sondern auch extra hohe Versionen verwendet, welche die Power Station oberhalb des Tragegriffs platzieren.

Also dann, Vintage-Amp an, Sweet-Spot rein und dann stufenlos runterfahren. Das Soundergebnis ist atemberaubend! So einen Attenuator habe ich in meinem Leben noch nicht gehört und ich hatte wahrlich viele im Test oder im Einsatz. Es gibt faktisch KEINEN klanglichen Unterschied zum lauten Original. Auch die Dynamik des persönlichen Spiels wird mit übernommen und perfekt abgebildet. Wenn man jetzt in den Krümeln sucht, könnte man mit ganz viel Aufmerksamkeit u. U. das Fehlen der „Pappzerre“ eines kleine Lautsprechers, der in den Grenzbereich gefahren wird, feststellen, aber unter regulären Bedingungen bietet die Fryette Power Station einen Klang, den kein anderes Produkt dieser Produktklasse bietet. Was Steven Fryette hier konzipiert und gebaut hat, ist eine handwerkliche Spitzenleistung, welche ihresgleichen sucht. Einzigartig, einmalig, herausragend!

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Fazit

Mit der Fryette Power Station hat Steven Fryette sich in jederlei Hinsicht selbst übertroffen. Der aktive, regelbare Power-Attenuator in Kombination mit einer intern verbauten Röhrenendstufe bildet klanglich eine eigene Liga für sich, bei der die Konkurrenz nicht einmal auf die Plätze, sondern komplett aus dem Stadion verwiesen wird.

Kein anderer Lastwiderstand entpuppt sich als so flexibel in Kombination mit einem identischen Ton, selbst bei minimalen Lautstärken. In der Tat handelt es sich um eines der besten Produkte, welche mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Einfach nur großartig!

Ein Muss für jeden Vollröhrenverstärker User, unbedingt antesten!

Plus

  • Sound, Sound, Sound
  • Konzeption
  • Verarbeitung

Preis

  • Fryette Power Station 100: 1.199,- Euro
  • Fryette Power Station PS-2A: 995,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Joe Dalton

    Sehr gutes Konzept, alleine der Effekt-Loop ist schon ein starkes Kaufargument: Super für Vintage Amps ohne Loop, oder für meinen Mesa Boogie, dessen Effekt-Weg sich so gar nicht mit einigen meiner Pedale verträgt. Dazu der Luxus in jeder Umgebung mit gleichem Sound die Lautstärke anpassen zu können, ohne dass die Klangqualität leidet.

    Bin schon schwer in Versuchung, hier zu investieren…

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich habe den Vorläufer der 2A schon jahrelang … auch mit dem kleinen Schalter für Amps großer Leistung.

    Einfach Klasse.

    Marshall JTM45 + Power Station … und dann kannste halt jeden Hall/Delay Effekt Deiner Wahl einschleifen.

    Die Power Station eignet sich aber als Röhren Endstufe auch, um über den Line-In einen Modeller über ne regulär Gitarrenbox zu betreiben.

    Was ich besonders cool finde ist die Flexibilität in der Eingangs- und Ausgangsimpedanz.

  3. Profilbild
    Gunnar

    Ich habe den Ox und die Fryette: Der Klang der Fryette ist besser UND lässt sich stufenlos regeln (der Ox ist für den Heimgebrauch zu grob gerastert, also zu leise/laut).

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Genau wie bei mir ….
      Der Ox komprimiert allerspätestens bei der 3. Rasterstellung und verfälscht den Sound …. kein guter Attenuator im Vergleich zur Power Station.
      … meine Meinung/Erfahrung

  4. Profilbild
    Niki

    Oh je…. dieser Artikel verleiht mich gerade dazu 2,5k in mein gitarren setup zu investieren…. Ich war doch heute erst glücklich am spielen und dachte ich brauche nichts. Hmm…. Ich muss erstmal ne Nacht drüber schlafen.
    Trotzdem, vielen Dank Axel für den Artikel.

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Axel, es gibt was neues von Fryette ….. Fryette Power Load IR …. anscheinend ohne Röhre aber mit umfangreichen, flexiblen analogen UND digitalen Speakersimulationen.

  6. Profilbild
    monoman

    Vielen Dank, Axel. Ich habe heute die Fryette Powerstation erhalten und bin sprachlos. Mein Plexi lebt jetzt endlich. Da ich nur im Wohnzimmer spiele und hellhörige Wände habe, habe ich mich mit einer Grossmann Isobox beholfen. Doch mit der jetzigen Kombi (Grossmann+Fryette) kann ich jetzt endlich in die Sättigung fahren. Vielleicht klappt es ja jetzt mit der Nachbarin 😉

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