Test: Gallien Krueger MB108, Bassverstärker

16. März 2017

Neues aus dem Reich der Brüllwürfel

— Der Gallien Krueger MB108 —

Über mein gespaltenes Verhältnis zu Übungsverstärkern, aber auch über die erstaunlich hohe Qualität heutzutage zu günstigen Preisen erhältlicher Kleingeräte, habe ich mich bereits im Testbericht zum Blackstar Fly 3 Bass letztes Jahr ausführlich ausgelassen. Das heute vorliegende Gerät fällt allerdings in eine etwas andere Kategorie. Zum Straßenpreis von 199,- Euro bietet Gallien Krueger den MB108 an, einen 25-W-Combo mit Class-D-Technologie, also digitalem Netzteil und digitaler Endstufe. Die amerikanische Firma hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mit durchgängig hochqualitativen Verstärkern als klassischer Amp-Hersteller etabliert und auch mein Eindruck von den GK-Amps war stets positiv. Ich hatte Ende 2015, nachdem mein eigener Amp den Geist aufgegeben hatte, das Vergnügen, einige Gigs lang einen geliehnen GK 1001RB-II zu spielen, ein bi-amping-fähiges 700-W-Transistortopteil, und war vollends überzeugt von dem Gerät.

Hier also ein digitaler Übungscombo aus dem Hause Gallien Krueger, made in USA, der das kleinste Gerät einer Baureihe darstellt, welche bis zu vollwertigen 800-W-Brechern reicht. 199,- Euro sind für einen so kleinen Combo zwar nicht übertrieben, aber schon eine Hausnummer, die Erwartungen schürt – soll der Preis gerechtfertigt sein, sollte der MB108 um Klassen über den üblichen Brotkästen von Behringer, Marshall oder Harley Benton rangieren.

Facts & Features

Äußerlich präsentiert sich der Gallien Krueger MB108 als schlichter schwarzer Kasten, der mit den Maßen von 368 x 318 x 318 mm die für einen Übungscombo üblichen, handlichen Maße aufweist. Bemerkenswert ist hier, dass der Verstärker, anders als die im Segment lange Jahre typischen relativ flachen Geräte, relativ tief gebaut ist, was eine bessere Response im tieffrequenten Bereich erwarten lässt. In der Tat findet sich neben dem Speaker auch eine Bassreflexöffnung. Mit einem 8-Zoll-Keramiklautsprecher mit Aluchassis, recht dünnen Sperrholzwänden, Schaltnetzteil und digitaler Endstufe ausgerüstet kommt der MB108 auf ein Gewicht von gerade mal 8 kg. Beim Lesen der Specs war ich hier ziemlich überrascht, dass es am Ende doch so „viel“ ist, gefühlt lässt sich der Kasten mit dem kleinen Finger heben.

— Wo GK drauf steht, ist auch GK drin —

Mit schwarzem Tolex bezogen und der üblichen Stoffabdeckung auf der Speakerseite, stabil wirkenden Drehknöpfen und einem großen silbernen GK-Logo wirkt der Gallien Krueger MB108 gut verarbeitet und wertig – bis man ihn anhebt, irgendwie verbindet das Hirn mit geringem Gewicht noch immer „billig,“ was hier aber nicht der Fall zu sein scheint. Laut GK-Website sind die Verstärker der MB-Serie innen mit einer Jutedämmung versehen, um Nebengeräusche und Schwingungen zu vermeiden, was somit die leichte Konstruktion möglich macht. Interessant, genau wie die Tatsache, dass das Gerät auf dem amerikanischen Markt mit 149,- US-Dollar (ca. 120,- Euro) nur etwas mehr als halb so viel wie in Deutschland kostet …

Die Klangregelmöglichkeiten sind eher spartanisch – Gain, Bass, Mitten, Höhen, das war’s. Mastervolume? Fehlanzeige. Was soll das denn? Ein Class-D-Amp (2016), aber ohne Mastervolume (frühe 70er lassen grüßen), wer macht denn sowas? Laut Hersteller-Website ist hier irgendeine technische Magie am Start, die den Headroom optimieren soll, digital ist anscheinend alles möglich. So ganz steige ich da nicht durch, auch weil die technischen Informationen dazu relativ spärlich sind, aber es scheint zu funktionieren. Der Regler macht laut und leise, ohne dass es jemals verzerrt oder sich der Klang signifikant ändert, wie genau ist dann für den normalen Nutzer eigentlich auch egal.

Zur Dreiband-Klangregelung steht im Handbuch Folgendes:

„Standard tone controls and graphic equalizers give you plenty of variation, but they don’t provide what the instrument really needs. The fact is, graphic equalizers are intended for room equalization. „

— Bedienfeld des MB108 mit Dreiband-EQ —

Aja, bitte, von mir aus. Auf mich wirken solche Aussagen etwas arrogant, selbstverständlich ist es sinnvoll, einen grafischen Equalizer einzubauen, wenn auch vielleicht nicht immer notwendig. An der Aussage ist natürlich irgendwo was Wahres dran, und mit dem MB108 will man mit Sicherheit eher keine größeren Räume beschallen. Trotzdem sind, gerade bei Nutzung günstiger oder auch einfach nur absurder Instrumente, grafische EQs ein nützliches Werkzeug, zum Beispiel eventuelle Eigenheiten des Instruments auszugleichen. Wie auch immer, natürlich erwarte ich nicht ernsthaft einen 12-Band-EQ an einem 25-W-Übungscombo, drei Regler dürften ausreichen, lediglich der Ton der Aussage lässt mich leicht die Augen verdrehen. Am Ende soll ich die Jungs von Gallien Krueger aber auch nicht heiraten, sondern ihr Equipment soll funktionieren und gut klingen, und meiner Erfahrung nach tut es das in der Regel.

Die Regler greifen auf die Bänder um 50 Hz (Bass), 500 Hz (Mitten) und 8 kHz zu – klingt sinnvoll. Eigentlich bevorzuge ich tatsächlich Vierband-Equalizer mit separatem Zugriff auf Hochmitten („Fender-Klack“) und Tiefmitten (Punch), aber gerade in diesem Kontext muss das nicht unbedingt notwendig sein, es wird sich zeigen. Ich schiele hier gerade schon auf einen möglichen Einsatz des Gallien Krueger MB108 als Recording-Tool – ein durchaus valider Einsatzbereich kleiner, gut klingender Combos. Wobei der MB108 sich das Prädikat „gut klingend“ ja auch noch verdienen muss, und man auch problemlos noch einen externen Equalizer vorschleifen könnte.

Neben dem Equalizerfeld stehen ein Aux-Eingang und ein Kopfhörerausgang bereit – Standard für einen Übungsamp. Um den daneben befindlichen Einschaltknopf leuchtet im eingeschalteten Zustand ein blauer Ring auf. Die ersten 5 Sekunden nach dem Einschalten ist das Gerät stummgeschaltet, laut Handbuch eine „Five Seconds Warm-up Phase“ – Jungs, ernsthaft? Ein Class-D-Amp benötigt konstruktionsbedingt kein „Warm-up,“ die Schaltung dient natürlich zum Vermeiden eines Einschaltknacks und damit zum Schutz des Speakers. Warum schreibt man so einen Unfug in die Bedienungsanleitung? Fünf Sekunden sind auch reichlich lang, aber stören tut das natürlich nicht, also rein objektiv gesehen alles gut.

Zwischenfazit zum Gallien Krueger MB108

Für 199,- Euro legt Gallien Krueger einen kleinen, leichten Übungsamp vor, der auf den ersten Blick völlig unspektakulär wirkt. Außer der Tatsache, dass in der Bedienungsanleitung an zwei Stellen einfach Bockmist steht, gibt es nichts zu meckern, und auf den zweiten Blick lässt sich auch noch eine Bassreflexöffnung erkennen, die bei kleinen Combos nicht unbedingt Standard ist. Also, auf zum Praxistest!

— Rückseitig gibt es viel zu lesen, aber außer dem Stromanschluss nichts weiter zu entdecken —

In der Praxis mit dem Gallien Krueger MB108

Abends um 22 Uhr in Darmstadt, Herr Schierhorn schließt seinen Bass an das gerade eingetroffene Testgerät an, dreht den Gain-(Volume-Whatever)-Regler auf ca. 8 Uhr und legt los. Jesus, Maria und Joseph, Laut mit einem großen „L“! Jedenfalls für zehn Uhr abends in einer Mietwohnung und den Regler gefühlte 2 mm aufgedreht. Also mit ganz viel Fingerspitzengefühl etwas zurück, auf Zimmerlautstärke. Hier soll dann doch irgendwie mein Gitarrist recht behalten – auf die Info, dass ich einen 25-W-Amp zum Test bekommen hatte, reagierte der mit „Wer braucht denn so was, das ist doch zu laut für daheim und zu schwach für die Band!“

Wie gesagt, zu laut für 10 Uhr nachts, aber dafür gibt es einen Kopfhörerausgang. Der klingt besser als mein kleiner, mieser Nobels Kopfhörerverstärker und auch besser als der des kürzlich getesteten Blackstar Fly. Kein wabbliges Geeiere auf der tiefen Saite, dafür wie üblich etwas zu wenig Bass und etwas zu viel Höhen aufgrund fehlender Speaker Response, aber nichts, was sich mit etwas Drehen am EQ nicht in den Griff kriegen lässt. Brauchbar!

— Blick durch die Bassreflexöffnung in die Jutedämmung —

Natürlich ist der Gallien Krueger MB108 nicht per se zu laut für daheim – aber die erzielbare Lautstärke ist auf jeden Fall deutlich oberhalb des in diesem Kontext Verträglichen, das Einstellen einer adäquaten Lautstärke zum Üben erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Vor allem aber habe ich mich beim Testen des Geräts wiederholt dabei erwischt, entweder am EQ am Amp oder an der Aktivelektronik am Bass die Bässe etwas zurückzunehmen. Der MB108 liefert bei moderater Lautstärke, einen Basspunch ab, der doch angesichts der Größe und vor allem des Gewichts verblüffend ist.  Die tiefe Konstruktion samt Bassreflexöffnung scheint sich auszuzahlen!

Wie klingt denn der Gallien Krueger MB108 jetzt aber? Nun, „neutral“ trifft’s eigentlich ziemlich gut. So dürfte in folgendem Soundbeispiel mit neutralen Einstellungen jeder den unverfärbten Klang eines Precision Bass heraushören:

Mit den gleichen Einstellungen ein eher gemütliches Plektrum-Riff.

Slappen mit Preci und neutralen Amp-Settings fällt für manche sicher schon unter die Rubrik „dünnes Eis,“ aber ich muss sagen, dass ich die Kombi für oldschooligere Disco-Funkgeschichten à la Larry Graham ganz gerne mag. Auch das bringt der MB108 gut rüber.

Ein bisschen „thumpy“ klingt das naturgemäß schon – also müssen für einen etwas moderneren Slapsound ein wenig mehr Bässe und Höhen her und dafür etwas Mitten weg. Ein moderater Eingriff am EQ des Amps hilft direkt weiter.

Der Unterschied ist deutlich hörbar, vor allem durch den noch fetteren Basssschub, mit modernen Slapsounds hat das aber immer noch nicht viel zu tun… Fehler des Amps oder „Vintage-Sound,“ wie man das so gerne schimpft, wenn irgendwas keine Höhen liefert? Definitiv nicht, da steht einfach der Preci mit relativ dicken, gut eingespielten Stahlsaiten im Weg, für sowas gibt es anderes Werkzeug, mehr dazu später. Der Preci mag dagegen lieber etwas zugedrehte Höhen – ausnahmsweise mal am Amp – und einen leichten Kick in den Mitten und Bässen und knorzt dann schön vor sich hin.

Wie dem geneigten Hörer aufgefallen sein mag, sind fast alle Hörbeispiele ziemlich bassig. Das liegt nicht an der Aufnahme, der Gallien Krueger MB108 ist bassig, vor allem bei niedrigeren Lautstärken, wie man sie zu Hause zu nutzen pflegt. Man kann es damit auch locker übertreiben, bei Vollausschlag geht er dann doch recht schnell in die Knie – aber mit subbassigen Reggaesounds macht man sich daheim sowieso keine Freunde  und für die Größe des Geräts ist es verblüffend, dass man da überhaupt hin kommt!

Meine Damen und Herren, sie wissen nun, wie ein Precision Bass klingt, bitte gehen sie Heim, es gibt hier nichts weiter zu sehen und zu hören.

Moment, es geht nicht um den Bass, sondern um den Amp – und der soll ja auch Signale anderer Instrumente verarbeiten können. Der Gallien Krueger MB108 klingt bis auf den leichten Bassboost ziemlich neutral, das erwähnte ich bereits. Also mal ein ganz anderes Instrument angeschlossen, meinen Frankenstein Flying V, Shortscale mit Delano-Steghumbucker und aktiver Glockenklang-Elektronik, ein Instrument, das mit dem Preci nichts gemein hat, außer dass es auch mit vier Saiten bespannt ist. Gleiches Riff, gleiche neutrale Einstellungen wie in Beispiel 1.

Da sind sie, die Höhen – und zwar so viele, wie sie der Bass bzw. seine Elektrik liefert. Auch wenn’s nach wie vor untenrum ordentlich grummelt, ist der Gallien Krueger MB108 keinesfalls eine Dumpfbrumme, sondern gibt klar und fast unverfälscht das wieder, womit er gefüttert wird.

Der V ist nun schon von bösen Zungen als „Stanley-Clarke-Bass für Arme“ bezeichnet worden. (Stanley Clarke präferiert für seinen recht höhenreichen Sound bekanntlich ebenfalls aktive Shortscale-Instrumente, allerdings der Marke Alembic, bei denen der Einstiegspreis irgendwo bei 7.000,- Euro liegt.) Was liegt also näher, als mit meiner eher rustikalen Slaptechnik auch mal den Stanley Clarke für Arme zu geben? Der MB108 hindert mich daran jedenfalls nicht, noch etwas mehr Höhen, etwas Mitten raus, und los geht’s.

Das geht schon sehr deutlich in Richtung moderner Sounds, schön! Mit den gleichen Einstellungen geht natürlich auch Sanfteres und der Gallien Krueger MB108 zeigt sich auch mit Doublestops und Akkorden keineswegs überfordert. Jedenfalls weniger als ich und deutlich weniger als der, bei aller Liebe und 10 gemeinsamen Bühnenjahren, doch tatsächlich nicht allzu hochwertige Bass.

Kann man den MB108 überfordern? Höchstens, indem man ihn zu weit aufdreht, dann bricht das Bassfundament etwas weg und die Mitten und Höhen werden dominanter. Durch die Bassreflexkonstruktion hält sich das aber auch bei Lautstärken, die durchaus für eine Akustikband oder softeren Jazz reichen, deutlich in Grenzen und wird erst darüber wirklich hässlich.

Was für Gemeinheiten kann man so einem Amp noch zumuten? Effekte zum Beispiel. Das Thema wird bei Übungsamps gerne mal ausgespart, ist aber gar nicht unwichtig. Und gerade wenn man sich im Bereich von experimenteller oder progressiver Musik bewegt, findet man sich schnell dabei wieder, daheim zu sitzen und Sounds zu basteln. Nur blöd, wenn am Übungsamp dann die Zerren plötzlich furchtbar klingen oder der Kasten einfach in die Knie geht. Beides tritt hier nicht ein, ein kurzer Check quer übers Effektboard lässt keine zuvor unbekannten Schwächen zu Tage treten. Mit dem absoluten Elchtest-Sound – Wah, Oktave drüber, Oktave drunter und Big Muff parallel – beende ich den Test als sehr zufriedener Mann.

Fazit

Mit dem Gallien Krueger MB108 bekommt man einen kompakten, leichten Übungscombo, der zu Hause ausgewogen wiedergibt, was man spielt und somit klar seinem angedachten Zweck gerecht wird. Durch die sehr neutrale, wenn überhaupt etwas bassige Auslegung, hängt der Wohlklang des Verstärkers maßgeblich von Bass und Spieler ab, was den MB108 zu einer guten Wahl für den heimischen Übungstrieb macht. Mit seiner Bassreflexkonstruktion produziert der Gallien Krueger MB108 auch genug Lautstärke und Bass, um sich bei leiseren Sessions durchzusetzen.

Aufgrund seiner eher abgespeckten Klangregelung stellt er nicht ganz das ultimative Recordingtool dar, ist aber durch seine saubere Wiedergabe, in Kombination mit einem geeigneten Instrument, für diesen Zweck durchaus geeignet. Hier gibt es rundum nichts zu meckern, viel mehr sollte jeder, der noch nach einem adäquaten Übungsverstärker sucht, den Gallien Krueger MB108 in Betracht ziehen. Note sehr gut, Operation gelungen!

Plus

  • sehr gute Basswiedergabe für die Größe
  • neutraler Grundsound, saubere Wiedergabe
  • Verarbeitung
  • niedriges Gewicht

Minus

  • spartanische Klangregelung

Preis

  • Ladenpreis: 199,- Euro
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