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Test: Harley Benton HB-35 Plus, E-Gitarre

1. Oktober 2019

Günstige Semiakustik im Lemon-Look

Harley Benton HB-35 Plus Lemon

Harley Benton HB-35 Plus Lemon

Nachdem wir in letzter Zeit bei Instrumenten der Musikhaus Thomann Hausmarke Harley Benton unseren Fokus überwiegend auf Solidbody-Gitarren gerichtet haben, steht nun mal der Test einer echten Semiakustik an. Die Harley Benton HB-35 Plus E-Gitarre spricht mit ihrer Konstruktion die Freunde des warmen Tons an und vielleicht auch ein wenig die, die schon immer mal mit einer Semiakustik im ES-Style liebäugeln, bei den geforderten Preisen des Originals von Gibson jedoch das Weite suchen. Der Vergleich drängt sich natürlich unweigerlich bei einem Instrument dieser Kategorie auf. Eines ist klar: Niemand sollte bei einem Preis von rund 200,- Euro für die HB-35 Plus eine Qualität erwarten, die der einer USA-Gibson auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Ob es dennoch für einen smoothen Sound reicht und wie sich die Harley Benton HB-35 Plus sonst noch so schlägt, ist Thema des nun folgenden Reviews.

Harley Benton HB-35 Plus – Facts & Features

Bei der Harley Benton HB-35 Plus haben wir es mit einer Semiakustikgitarre klassischer Bauart zu tun: In einen hohlen Korpus aus Ahorn wurde ein Sustain-Block aus Mahagoni eingeleimt, der zum einen der Konstruktion die notwendige Stabilität verleiht und zum anderen die Hardware in Form der Tonabnehmer, der Brücke und des Tailpieces aufnimmt. Korrekterweise sollte man erwähnen, dass die Hölzer der Gitarre nur aus laminiertem Ahorn bestehen und nicht etwa aus massiven Teilen. Das muss aber nichts heißen, mir sind schon Instrumente unter die Augen bzw. Ohren gekommen, die trotz (oder gerade wegen) ihrer laminierten Bauteile einen sehr guten Eindruck hinterließen.

In jedem Fall aber wirkt das AAAA Riegelahornfurnier der HB35 Plus sehr hochwertig, zusätzlich aufgepeppt durch das helle Lemon-Finish, in dem unser Testinstrument ausgeliefert wird. Erhältlich ist die Gitarre in zwei weiteren Farben, in „Cherry“ sowie dem Klassiker „Vintage Burst“. Sogar eine Linkshänderversion ist erhältlich, die kostet aber stolze 10,- Euro mehr.

Harley Benton HB-35 Plus Modelle

Die Harley Benton HB-35 Plus in Cherry und Vintage Sunburst

Der aufmerksame Rundumblick zeigt hinsichtlich der Verarbeitung des Korpus keinerlei Schwächen, sogar die Rückseite weist eine gleichmäßige Konturierung auf und glänzt mit ihrer hochdeckenden Lackierung. Abgesehen von der Kopfplatte besitzt die Gitarre an jeder Ecke und Kante ein cremefarbenes Binding, sogar die Innenseiten der F-Löcher wurden davon nicht ausgenommen. Die Farbe „Creme“ bestimmt auch den Großteil der übrigen Parts, die aus Kunststoff gefertigt wurden, darunter fallen das Pickguard, die Rahmen der beiden Tonabnehmer sowie die Kappe des Dreiwege-Kippschalters. Ausgenommen davon wurden die vier Potiknöpfe, die in einem dunklen Goldton glühen. Ihnen kommen mehrere Funktionen zu, doch zur Elektronik der Harley Benton HB-35 Plus E-Gitarre kommen wieder später noch.

Harley Benton HB-35 Plus – ran an den Hals!

Der Hals besteht zum einen aus Ahorn und zum anderen aus drei Teilen, die an Kopfplatte und Halsfuß mit dem Mittelstück zusammengefügt wurden. Sein Profil ist nichts für zarte Hände, hier sollte man schon gut zupacken können. Erfreulicherweise erweist sich die Lackierung der Gitarre nicht als Spaßbremse in Form von Ankleben der Greifhand an der Halsrückseite, hier scheint dem Hersteller ein guter Mix aus Schutz für das Holz bzw. die Oberfläche und Praxistauglichkeit zugleich gelungen zu sein. Gut gelungen ist auch die Bundierung auf dem leicht rötlich schimmernden Pau Ferro Griffbrett, alle Drähte wurden sauber eingesetzt und an ihren Seiten und den Oberflächen ausreichend bearbeitet. Etwas billig hingegen wirken die eingesetzten Block-Inlays aus Perlmutt und auch hier steht wieder ein dickes Binding auf dem Programm, das die Ränder des Griffbretts und der Bundkanten sauber umschließt.

Harley Benton HB-35 Plus Fretboard

Pau Ferro Griffbrett mit Block-Inlays

Harley Benton HB-35 Plus – Hardware & Elektrik

Die vier Regler auf der Decke steuern die beiden eingesetzten Roswell Pickups in Lautstärke, Ton und erweitern deren Funktionalität zusätzlich durch eine Singlecoil-Option, die durch Anheben der Volume-Potis aktiviert wird. Beim Namen Roswell ziehen sich bei mir immer etwas die Augenbrauen nach oben, denn in meinen vergangenen Tests von Instrumenten der Marke Harley Benton stellten sich gerade diese Tonabnehmer immer als Schwachpunkt in ansonsten für diese Preisklasse positiv hervorstechenden Instrumente heraus.

Ein Problem zeigt sich jedoch, noch bevor überhaupt ein Ton erklingt, denn die Knöpfe sind mit ihrer glänzenden Oberfläche zwar schön anzuschauen, in der Praxis durch ihre extrem glatten Oberflächen jedoch nicht immer zuverlässig zu bedienen. Insbesondere beim Anheben der Volume-Potis zum Aktivieren des Coil-Splittings muss man im Falle eines Falles schon zweimal hingreifen. Wenn es dann aber knackt, dann richtig! Die Regler hinterlassen einen unerwartet guten Eindruck, nichts wackelt oder schabt und auch der Dreiwegeschalter könnte locker an einer dreimal so teuren Gitarre montiert sein!

Eine ToM-Bridge sowie ein Tailpiece gehören zu einer echten Semiakustik einfach dazu, entsprechendes finden wir auch hier vor. Und dazu hochwertig verchromt: Die Zeiten, in denen Fernostgitarren an diesem Punkt durch Billigverfahren bei der Beschichtung auffielen, scheinen Gott sei dank vorbei zu sein. Diese Chromschicht hier sollte aggressivem Handschweiß eine Zeit lang problemlos widerstehen können.

Verchromt sind auch die Mechaniken an der Kopfplatte, deren Funktion man für ein Instrument dieser Preisklasse als absolut befriedigend einstufen kann. Sicherlich hakelt es hier und dort mal etwas, im Großen und Ganzen kann man aber mit diesen Mechaniken leben – oder sie kurzerhand für nicht viel Geld gegen einen Satz höherwertiger Modelle austauschen. Alles kein Hexenwerk und vor allem kein Grund, die Harley Benton HB-35 Plus E-Gitarre nicht lieb zu gewinnen.

Harley Benton HB-35 Plus – in der Praxis!

Die Vollahornkonstruktion mit dem Mahagoniblock im Innern verspricht nicht nur einiges, sondern setzt es auch in der Praxis um und beschert der Harley Benton HB-35 Plus einen überaus brillanten und höhenbetonten Grundsound, der auch in Sachen Sustain überraschend potent wirkt. Ebenfalls überrascht die gute Bespielbarkeit des eher als wuchtig einzustufenden Halses, mit dem unser Testinstrument ausgeliefert wurde. Die Saitenlage war angenehm flach und trotzdem frei von Scheppern, Knarzen oder Krachen, zudem war das Instrument perfekt in der Oktavreinheit eingestellt und zeigte sich daher in allen Positionen auf dem Griffbrett absolut sauber intoniert.

Meine anfängliche Skepsis bezüglich der beiden Roswell-Pickups bewahrheitete sich leider während der Testdauer, denn den durchaus guten Grundsound der Gitarre wissen die beiden Doppelspuler nicht besonders gut in elektrische Impulse umzusetzen. Sie klingen beide eher dünn und zeigen sich wenig transparent in ihrem Klang, was sich besonders bei angezerrten Sounds bemerkbar macht, bei denen schon recht früh ein matschiger Sound entsteht. Ja sicher, auch eine Semiakustik kann man mal ein Solo mit etwas mehr Gain abfeuern und es wurden sogar schon Gitarristen in Alternative-Bands gesichtet, die sich mit einer Semihollow bei 99 % High-Gain-Sound sehr wohl fühlen.

Bei den Cleansounds ist es nicht viel besser, auch wenn die Singlecoil-Option etwas darüber hinweg tröstet. Es mangelt auch hier an Transparenz, Wärme und der gewissen Portion Charakter, den die Harley Benton HB-35 Plus mit ihrem Grundsound durchaus bereitstellt.

Harley Benton HB-35 Plus – die Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele wurden benutzt: Orange Micro Dark Gitarrenverstärker mit angeschlossener Celestion 1×12″ Vintage 30 Box, AKG C3000 Mikrofon, Logic Audio.

Fazit

Auch die HB-35 Plus Lemon zeigt erneut, dass die Instrumente der Thomann-Hausmarke Harley Benton mittlerweile einen Standard erreicht haben, der der Konkurrenz in diesem Niedrigpreisbereich die Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte. Die Verarbeitung der HB-35 Plus Lemon ist nicht nur für diese Preisklasse als erstklassig einzustufen, einzig und allein ihr etwas müder Sound, was hauptsächlich auf die beiden Roswell-Pickups zurückzuführen ist, verdirbt ihr letztendlich die Bewertung „Sehr gut“.

Plus

  • Verarbeitung
  • Optik
  • gute Bespielbarkeit
  • hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Klang mit nur wenig Charakter

Preis

  • Ladenpreis: 209,- Euro
Klangbeispiele
Forum

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