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Feature: Was ist der legendäre Plexi Sound?

Legende und Mythos, der berühmteste Gitarrenverstärker aller Zeiten!

27. August 2023

Marshall Plexi Feature

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Er gilt als die größte Legende, die der E-Gitarrensound jemals hervor gebracht hat, der sagenumwobene „Plexi“-Sound. Jeder Musiker, der noch die Freude hatte mit analogen Amps zu arbeiten und alle Preset-Freunde der Simulation/Profiling-Abteilung werden den Namen schon einmal gehört oder gelesen haben. Jeder Fachmann hingegen wird die Stirn in Falten legen, da es DEN Plexi-Sound überhaupt nicht gibt und er auch in keiner Weise festgelegt ist wie zum Beispiel ein Twin Reverb oder Rectifier. Dieses Feature soll mit ein paar Mythen und Missverständnissen aufräumen, die sich in den letzten sechs Dekaden angehäuft haben und immer wieder falsch wiedergegeben werden. Warum also haben Gitarristen vom Schlag eines Jimi Hendrix, Jeff Beck oder Jimmy Page sich mit diesem Boliden identifiziert?

Was ist ein Plexi?

Wir machen einen Zeitsprung in die frühen Sechziger nach Großbritannien. Rockmusik in den verschiedensten Spielarten explodierte geradezu in dieser Zeit in UK und stellte die örtlichen Musiker vor ein großes Problem. Die Publikumsströme zu den Konzerten wurden immer größer, die Hallen ebenso, aber es gab so gut wie kein Equipment, das besagte Hallen beschallen konnte. Die britischen Musiker hatten eine Auswahl an kleinen Comboverstärkern, die bis maximal 15 – 20 W gingen und auch diese bei Volllast eine kurze Zeit durchhielten, um dann in die ewigen Jagdgründe einzugehen. Firmen wie VOX oder Selmer standen gerade erst in den Startlöchern und waren noch nicht in der Lage, die Nachfrage auch nur ansatzweise zu decken.

Der einzige Hersteller weltweit, der seinerzeit über stabile Amps verfügte, die auch schon einmal bis 100 W Leistung erzeugen konnten, saß auf der anderen Seite des großen Teichs und lautete auf den Namen Fender. Allerdings gab es seiner Zeit keinerlei Importfirmen, die die händeringend gesuchten Verstärker nach Europa schifften, zudem machten die unterschiedlichen Netzspannungen zwischen USA und UK dem privaten Import einen Strich durch die Rechnung.

Jim Marshall, der als gelernter Schlagzeuger und Elektriker ein Musikgeschäft in London eröffnete, schaffte es, erstmals einen kleinen Grundstock an Verstärkern zu besorgen, aber die Nachfrage konnte immer noch nicht gedeckt werden. So kam es, dass Jim Marshall ein paar Ingenieure anheuerte, die dann den ’59 Fender Bassman bis auf ein paar wenige Abwandlungen 1:1 kopierten und unter dem Namen JTM 45 auf den Markt brachten. Der Amp wurde faktisch über Nacht zum Standard in allen britischen Clubs und brachte Marshall einen ungeheuren Popularitätsschub.

Kurze Zeit später fragte Pete Townshend von THE WHO bei Jim Marshall nach einem lauteren Amp an, da die knapp 45 W des JTM 45 ihm nicht ausreichten. Man male sich bitte kurz einmal aus, welche Lautstärken damals auf der Bühne geherrscht haben, wenn 45 W Vollröhre als zu leise galten. Der Grund ist schnell erklärt. P.A.-Systeme, wie sie heute bis zum Abwinken angeboten werden, gab es damals schlicht und ergreifend nicht. Man war froh, wenn man mit aberwitzigen Konstruktionen den Gesang über eine „Gesangsanlage“ verstärkt bekam, mit viel Glück fand man auch noch 2 Kanäle für die Kick und ein Overhead-Mikrofon, aber das war es dann auch. Monitorboxen? Was ist das? Gitarre und Bass? Straight von der Bühne in die Halle. Nicht umsonst waren und sind nahezu alle Musiker dieser Zeit teilweise oder völlig taub.

Nachdem Jim Marshall auf Townshends Drängen den JTM 45 in seiner Leistung auf 100 Watt verdoppelt hatte, kam als nächstes Modell der Ur-Plexi in Form des Marshall Superlead 100 im Jahr 1967 auf den Markt. Er hatte die Reserven, auch in hohen Lautstärken noch clean zu klingen. „Clean klingen? Marshall und clean, was soll das denn?“ werden sich die ersten unter den Lesern fragen. Nun, wie bereits erwähnt, ging es in dieser Zeit vornehmlich darum, große Hallen beschallen zu können, ohne dass der Sound einbricht. An High-Gain, wie er heute verwendet wird, war selbst in den kühnsten Träumen nicht zu denken und da Künstler wie Jimi Hendrix fast überwiegend einen cleanen, eventuell leicht angecrunchten Sound bevorzugten, zeichnete den Plexi genau dieses Feature aus. Schon witzig, wenn man bedenkt, dass der cleane Sound wohl an letzter Stelle steht, wenn es um klassische Marshall Sounds geht.

Marshall Plexi Feature

Marshall 1992 Baujahr 1976

Woher kommt die Bezeichnung „Plexi“?

Wie gesagt, die Bezeichnung Plexi ist eine Wortschöpfung, welche seiner Zeit von den Kunden ins Leben gerufen wurde. Es ist einfach die Beschreibung der Tatsache, dass das Bedienfeld des Verstärkers aus optischen Gründen mit einer Plexiglasscheibe hinterlegt ist, nichts anderes. Im Prinzip kein Problem, wäre da nicht die Tatsache, dass es Unmengen von Marshall Verstärkern mit unterschiedlichen klanglichen Ansprüchen gab, die allesamt ein mit Plexiglas unterlegtes Bedienfeld hatten. Es gab Orgelverstärker, Bassverstärker, Gitarrenverstärker, ja sogar Plexi-Gesangsanlagen hatte Marshall im Programm.

Im Laufe der Dekaden hat man sich darauf geeinigt, dass ein Non-Master Marshall mit 50 oder 100 W als „Plexi“ bezeichnet wird, selbst wenn er ab 1969 gar keine Plexiglasscheibe mehr in seiner Ausstattung hatte. So gesehen zählen dazu die Modelle 1959, 1987, 1992 einige Bluesbreaker Combos und natürlich die Reissue-Modelle, die Marshall in regelmäßigen Abständen immer wieder auflegt.

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Marshall Plexi Feature

SoundCity Master One Hundred

Was ist der „Plexi“-Sound?

Um es direkt zu Anfang zu sagen, der „Plexi- Sound in all seinen Schattierungen ist weit entfernt von dem, was wir „Lead“ oder gar „High-Gain“ nennen. Es ist allerdings auch nicht das „Super-Clean“, wie es moderne Mehrkanaler anbieten. Streng genommen sind es die unterschiedlichen Stufen von Crunch, die Marshall mit diesen Modellen bietet, abhängig von der Gitarre und den verbauten Pickups. Ich rede bewusst vom Spielen des Amps OHNE zusätzliche Pedale, da diesee den Klang des Amps natürlich sehr stark erweitern, seinen Sound allerdings auch komplett verändern. Es sei allerdings auch erwähnt, dass alle Plexis aufgrund ihrer spartanischen Konstruktion ganz hervorragend mit Booster-, Overdrive- und Distortion-Pedalen aller Art harmonieren. Dies allerdings weiter auszuführen, würde den Rahmen dieses Specials sprengen. Einige Klangbeispiele findest du unter diesem Link.

Auch wenn ein typischer Plexi als Einkanaler gesehen wird, so muss man den Amp streng genommen als Zweikanaler sehen, der nochmals zwei unterschiedliche Eingänge mit unterschiedlichen Klangansätzen pro Kanal bietet, daher auch die vier Eingänge. (Fußschalter in 1967? Was ist das?) Während Eingang 1 des jeweiligen Kanals der deutlich heißere Eingang war, bietet Eingang 2 auch in sehr hohen Lautstärken einen immer noch vergleichsweise cleanen Sound. Wohlgemerkt, die Lautstärke zum Beispiel auf 12 Uhr ist infernalisch und lässt sich maximal auf großen Open-Air-Konzerten wirklich ausfahren.

Marshall 1987X
Marshall 1987X
Kundenbewertung:
(16)

Die beiden Kanäle des Amps unterscheiden sich massiv bzgl. ihrer Klangcharakteristik. Kanal 1 des Amps ist der klassische Lead-Kanal und hat mehr Höhen und Präsenzen, während Kanal 2 deutlich höhenärmer mit einem höheren Bassanteil daher kommt. Was relativ früh aufkam und der Schaltung der damaligen Zeit geschuldet war, ist die Tatsache, dass man beide Kanäle mittels eines kurzen Patch-Kabels miteinander verbinden und dann mittels der beiden Lautstärkeregler mischen kann. Insbesondere Kanal 2 profitiert davon, da er meines Erachtens in seiner Solofunktion klanglich absolut nicht funktioniert, ist er doch viel zu muffig und ausdruckslos.

Eine Besonderheit des klassischen Plexi-Sounds ist der Fakt, dass er über jede Menge Höhen verfügt, die aber nicht „wehtun“. Viele moderne Amps lassen einen die Augen zusammenkneifen, sobald man sich am Treble- oder Presence-Regler zu schaffen macht, dies ist bei Marshall nicht der Fall. Die Klangregelung des Amps ist ohnehin mit voller Absicht vergleichsweise ineffektiv ausgelegt. Legendär ist der Ausspruch von Jim Marshall, angesprochen auf die Klangregelung: „Dies ist Absicht, damit man keinen schlechten Sound einstellen kann“, wohlwissend, dass seine Kundschaft im „Swinging London“ weiß Gott andere Interessen im Kopf hatten als die perfekte Einstellung eines Gitarren-Amps.

Ich habe drei Amps aufgenommen, die in den Bereich „Plexi“ aufgenommen werden können, ein Modell 1959, das vor knapp 30 Jahren (wenn auch sehr gut, aber leider) von Manfred Reckmeyer getunet wurde, ein unbehandeltes Modell 1992, das die Bass-Amp-Ausführung darstellt, im Prinzip aber mit dem 1959 nahezu identisch ist und einen neuen Soundcity Master One Hundred, der vom Ansatz her dem Plexi sehr nahekommt, aber dennoch eine eigenständige Soundkultur vertritt. Alle Amps wurden ohne jegliche Pedale aufgenommen, als Gitarre wurde eine Fender Strat Anniversary von 1979 genommen, die mit einem EMG-Set bestückt wurde. Die Klangbeispiele wurden ohne Loadboxen oder sonstige Speaker-Simulationen klassisch analog mit einem Marshall Fullstack mit Celestion G12 75T Speakern aufgenommen.

Marshall Plexi Feature

Marshall Cabinets

Bei dem getunten 1959 habe ich nur die „ungetunte“ Einstellung genommen, allerdings hört man schon heraus, dass in den Innereien des Amps Änderungen vorgenommen wurden. Der Sound ist stabiler als bei den Vintage-Verstärkern, aber es fehlt etwas die Frische zum Original.

Der 1992er bietet klanglich faktisch eine identische Kopie des 1959 Superlead mit einem etwas stabileren Bassbereich, weshalb dieser auch fast komplett herausgedreht wurde.

Der SoundCity schafft es sehr nah an einen klassischen Marshall heran, bietet aber eine deutlich größere Klangbreite als die typischen Non-Master Marshalls. Für mich eine herausragende Alternative, die im Gegensatz zu manchem Marshall Produkt aktuell erhältlich ist und die über die gleiche Historie wie Marshall verfügt.

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Fazit

Um es auf den Punkt zu bringen, einen Plexi auf der Bühne in seinem Sweetspot ohne entsprechende Maßnahmen zu betreiben, grenzt an Körperverletzung, wenngleich der Sound seinesgleichen sucht. Nichts, wirklich gar nichts ist mit dieser Wucht und dieser Bühnenpräsenz zu vergleichen, erst recht nicht Simulationen oder Profiles, die sich mit dem Trademark schmücken. Benutzt man aber zum Beispiel einen High-End-Lastwiderstand wie die Fryette Power Station, schafft man es sogar, den legendären Sound in praxisgerechten Lautstärkenbahnen zu halten und dennoch keinerlei Soundeinbußen hinnehmen zu müssen. Ein Amp für die Ewigkeit!

Eins noch zum Abschluss, die berühmte „englische Einstellung“, also alle Regler auf 10, ist völliger Blödsinn, der Amp klingt in dieser Einstellung viel zu gepresst und undynamisch. Wenn überhaupt, kann man den Amp in dieser Einstellung nur mit einer Gitarre betreiben, die extrem wenig Output hat, also vielleicht eine Vintage-Strat, bei der schon die Hälfte der Magnet-Moleküle umgekippt sind oder eventuell eine alte Danelectro.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    chardt

    Ich bin ja hauptsächlich Bassist und spiele die Sechssaitige nur so „nebenbei“ zu Hause – aber auch dafür muss es eben manchmal der Plexi-Sound sein. Natürlich ist ein 100-Watt-Bolide in der Mietswohnung nicht praktikabel, also muss der Sound anderweitig her. Meine Lösungen:
    – Wampler Plexi-Drive. Ja, der ist so gut. Der HB British TrueTone ist mit Voice auf 12:00 nicht schlecht, aber der Wampler überzeugt noch mehr. (Ich hab dann noch das AMT Vox-Pedal als „Vorstufe“ und die AMT 1,5 Watt-Endstufe dahinter -> Celestion 12″-Box und fertig. Alternativ sollte es jede der derzeit angebotenen Mini-Endstufen tun.)
    – H&K Cream Machine: Die eingebaute 1-Watt-Endstufe reicht mit einem Celestion 12″ für satte Zimmerlautstärke aus. Mit Original-Röhre war der Sound schön Plexi, seit einem – leider fällig gewordenen – Röhrentausch hat sich der Klang Richtung JCM 800 verschoben (also bissiger / spitzer / schärfer als ich eigentlich will) – wer will, kann hier sicher durch Experimentieren mit verschiedenen Röhren noch was rausholen.
    – Ich hab mir mal einen Ibanez TSA 15 gegönnt. (Treibt ebenfalls einen Celestion 12″ an.) Der normale Klang ist nicht so mein Ding, aber dann habe ich mal den HB Ultimate Drive davor geschaltet, und das klingt schon recht marshallig. Wer also schon einen Röhrenamp hat, der kann ja mal etwas OCD-artiges davorschalten.

  2. Profilbild
    harrymudd AHU

    Und wieder ein Artikel, der sich mit dem Plexi beschäftigt und verspricht, dem Mythos auf die Spur zu kommen.
    Und keiner der Amps in den Soundbeispielen ist ein Plexi. Peinlich.
    Laut Literatur gelten die Modelle 1959 und 1987( und da nicht alle) als Plexis.
    Der 1992 ist als Bassamp eher ein JTM ohne Röhrengleichrichter.
    Ein getunter 1959 ist wohl auch kein echter Plexi mehr.
    Und der Sound City ist eher ein Hiwatt als Marshall.

    • Profilbild
      chardt

      @harrymudd „Laut Literatur“
      Tipp: Du könntest natürlich auch noch den Artikel lesen.

    • Profilbild
      RainerJTM

      @harrymudd Ist mir auch aufgefallen …. Hat mich aber nicht gestört.
      Vielleicht wollte der Axel uns nebenbei einfach seine Plexi-like Sammlung präsentieren.

      Oder Axel 😉?

      • Profilbild
        Axel Ritt RED

        @RainerJTM Nein, nicht wirklich. Mein Auftrag war es einen Plexi Artikel zu schreiben nebst passenden Soundbeispielen.
        Ich habe selber 1959 Modelle gespielt und kenne den Sound recht gut, so dass ich auch beurteilen kann wie nah der Sound der anderen Amps am Original ist.
        Eine Aufnahme über eine Lastwiederstand / Speakersimulatuion z. B. hätte den Sound deutlich mehr verändert als die Gleichrichtung im 1992. Oder aber die Wahl einer anderen Mikrofonkonstellation.
        In meinem gesamten Umfeld war es nicht möglich, einen alten 1959 / 1987 für den Test zu bekommen, ob man In diesem Zusammenhang von „peinlich“ sprechen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.

        • Profilbild
          harrymudd AHU

          @Axel Ritt Nicht böde sein – ich bin nur genervt wenn in der Überschrift etwas anngekündigt wird und dann stellt sich das IMHO nur als Kompromiss heraus.
          Du als Profi kennst den 1959/1987, klar, aber andere kennen den Sound nicht und wollen gerne mal das Original unverfälscht hören.
          Sonst könnte man ja auch einfach einen Kemper-Plexi nehmen…ok, ich hör schon auf und bitte nicht hauen🙂

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