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Test: Otamatone Classic, Deluxe, elektronisches Musikinstrument/Synthesizer

Mehr als nur ein lustiger Party-Gag?

27. September 2023

Ich bin ja immer auf der Suche nach interessanten neuen Sounds und so stieß ich vor einiger Zeit auf das Otamatone. Einige kennen dieses Instrument vielleicht schon aus dem einen oder anderen Internetvideo und zunächst dachte ich, dass das hier ein reiner Spaßartikel wird, denn ich muss gestehen, dass ich diesem „Instrument“ eigentlich zunächst nicht viel zutraute. Kurzum, ich war vor diesem Test sehr gespannt, ob es sich bei den lustig geformten Achtelnoten um ein wirkliches Instrument oder um einen Gag für gut gelaunte Partygäste handelt.

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Was mich zunächst schon mal überraschte, war der Umstand, dass das Otamatone bereits Ende der 1990er in Japan entwickelt wurde. Übersetzt bedeutet der Name dieses ungewöhnlichen Instruments, das auch als Synthesizer bezeichnet wird, entweder „Kaulquappe“ oder „Schöpfkelle“, was die Optik recht gut beschreibt, aber nicht wirklich Rückschlüsse auf den Klang zulässt.

Die äußere Erscheinung und die Funktionsweise des Otamatone

Sowohl die kleine Classic-Variante als auch die fast doppelt so große Deluxe-Version werden in grell-bunten Verpackungen geliefert, die man von japanischen Spielzeugen kennt. Durch das Sichtfenster sieht man hier allerdings keine Action-Figur, sondern die verrückten Klangerzeuger. Das Otamatone Classic ist ca. 26,5 cm lang, während die Deluxe-Variante 44 cm misst. Beide Instrumente haben die Form einer Achtelnote und der Ribbon-Controller, über den die Töne erzeugt werden, befindet sich im Notenhals.

Die Classic-Version hat ein Ribbon aus glänzendem Kunststoff, das 14 cm lang und 0,6 cm breit ist. Die Deluxe-Variante ist mit einem matten und „griffigeren“ Ribbon mit einer Länge von 23,5 cm und einer Breite von 1,4 cm ausgestattet.

Legt man einen Finger auf das Ribbon, so erklingt ein Ton. Wie bei Saiteninstrumenten, sind auch beim Otamatone die tiefen Töne in der Nähe des Instrumentenkopfes, in diesem Fall der Notenfahne und je weiter man sich in Richtung des Korpus bewegt, der in diesem Fall durch den Notenkopf, dargestellt wird, desto höher werden die gespielten Töne.

Der Notenhals besteht bei beiden Geräten aus glänzendem, sehr glatten Kunststoff. Der Hals des Otamatone Classic ist schmale 1,4 cm breit, der des Otamatone Deluxe bringt es immerhin auf eine Breite von 2,5 cm. Das Notenfähnchen am oberen Ende des Halses kann übrigens um 360° Grad gedreht werden, so dass der ambitionierte Musiker das flotte Instrument in den Spielpausen elegant an den Mikrofonständer hängen kann. Die Deluxe-Variante verfügt dann auch noch über die Besonderheit, dass man sie sich mithilfe des mitgelieferten Stoffgurts, die an zwei Ösen am Hals per Metallclip befestigt werden, ganz lässig wie ein Saxophon umhängen kann.

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Im Notenkopf ist wie ein kleines Gesicht gestaltet und verfügt dementsprechend auch über einen Mund. Dieser lässt sich durch Druck auf die Seiten öffnen und beherbergt bei beiden Varianten einen Lautsprecher. Der durch Fingerdruck aktivierte Ton erklingt zwar auch, wenn der Mund geschlossen ist, aber er wird natürlich lauter, höhenreicher und vokaler, wenn man den Mund durch das Drücken von beiden Seiten öffnet. Ähnlich einer menschlichen Mundbewegung, kann der Ton auf diese Weise ein bisschen geformt werden. Zur besseren Orientierung verfügt das „Kiefergelenk“ über kleine Markierungen in Form eines kleinen erhabenen Punkts, damit der perfekte Sitz der Finger am Mund gut gefunden wird. Ohne einen gespielten Ton hört man beim Betätigen der Mundöffnung leichte mechanische Geräusche, da durch den Druck Federn bewegt werden, die den „Kiefer“ wieder in seine Ausgangsposition bringen sollen. Der Kopf bdesteht aus Gummi und liegt bei beiden Versionen gut in der Hand.

Der Lautsprecher in der kleinen Variante hat einen Durchmesser von etwa 2 cm, während der Lautsprecher des Otamatone Deluxe mit etwa 3 cm Durchmesser ein kleines bisschen größer ist. Unterhalb dieses Lautsprechers befindet sich die gesamte Elektronik des Instruments. Diese wird über Batterien mit Strom versorgt. Das Otamoatone Classic benötigt 3 AAA-Batterien, das Otamatone Deluxe 3 AA-Batterien. Diese werden jeweils mitgeliefert und können in ein kleines Fach auf der Rückseite des Kopfes eingesetzt werden. Hierfür benötigt man einen kleinen bzw. größeren Schraubenzieher und ich benötigte zusätzlich das fachkundige Auge meiner Frau, denn zunächst scheiterte ich bei dem Versuch, die Batterien richtig herum einzusetzen. Wer den Kopf aber einmal herumdreht, kann ganz wunderbar die Zeichnung im Inneren erkennen, die eine grafische Darstellung der Anordnung der Batterien für ganz aufgeregte Nutzer bereithält.

Der Otamatone Classic wird über einen kleinen Schiebeschalter auf der Rückseite des Kopfes angeschaltet und hat zwei schaltbare Lautstärken. Darunter befindet sich ein weiterer Schiebeschalter, mit dem man zwischen drei Tonhöhen wählen kann. Bei dem von uns getesteten gelben Modell ist die Beschriftung weiß und lässt sich recht schwierig ablesen, aber die beiden Schalter erklären sich im Grunde fast von selbst. Die Deluxe-Variante in unserem Test ist schwarz mit weißer Beschriftung, was die Ablesbarkeit hervorragend macht.

Die Verarbeitung beider Instrumente ist gut und es gibt hier nichts zu beanstanden. Trotzdem denke ich, dass die Deluxe-Version den harten Alltag auf der Bühne aber gegebenenfalls etwas länger übersteht. Die Halterungen dieser Variante sind sogar so angebracht, dass sie sich drehen lassen und der Gurt auch bei einer wilden Performance nie im Weg ist.

Wie der Name schon vermuten lässt, hat das Otamatone Deluxe ein bisschen mehr zu bieten als die Classic-Version. Ein schaltbarer Drehregler aktiviert das Instrument und bietet die Möglichkeit, die Lautstärke stufenlos einzustellen. Eine kleine rote LED oberhalb des Lautstärkepotis zeigt an, ob das Otamatone eingeschaltet ist. Über einen Dreifach-Schiebeschalter können auch hier die Tonhöhen Low, Mid und Hi ausgewählt werden. Neben dem Batteriebetrieb ist es beim Otamatone Deluxe auch möglich, es über die DC-Netzteilbuchse mit 5 V und 500 mA zu betrieben. Und ein in meinen Augen ganz besonderer Clou ist die 3,5 mm TRS-Klinken-Kopfhörerbuchse. Hier können dann also, wenn die Familie, Freunde, Nachbarn oder Menschen auf der Straße die Klänge der lustigen Noten nicht mehr ertragen können, Kopfhörer angeschlossen werden. Was diesen Anschluss aber sehr viel interessanter macht, ist der Umstand, dass man hierüber externe Geräte wie Effekte und Aufnahmegeräte anschließen kann.

So, dann wollen wir die beiden Kaulquappen mal singen lassen.

Wie klingt die Otamatone Classic in der Praxis?

Ich beginne meinen Test mit der Classic-Version. Nach dem Anschalten halte ich den Kopf des Otamatone in der linken Hand und spiele den Ribbon-Controller mit den Fingern der rechten Hand. Der Ribbon-Controller benötigt bei diesem Modell ein wenig Druck, damit der Ton erzeugt wird, der Hals gibt aber genug Stabilität, um über die gesamte Länge des Ribbons einen guten Druck aufbauen zu können. Einzelne Töne lassen sich gut steuern, indem man den Druck erhöht und dann wieder vermindert. Besonders gut funktionieren natürlich Slide-Bewegungen über das Ribbon. Dadurch können stufenlose Tonhöhenveränderungen erzeugt werden.

Der Lautsprecher des Otamatone Classic

Der Klang des Otamatone Classic erinnert an einen rudimentären Mono-Synthesizer oder ein Theremin. In den ganz tiefen Frequenzen im Low-Modus kann es schon etwas knarzig werden und die ganz hohen Töne im Hi-Modus erinnern an einen Pfeifenton. Wer klanglich erstmal auf Nummer sicher gehen will, ist im Mid-Modus goldrichtig. Dieser umfasst knapp drei Oktaven und kommt den Tonhöhen einer menschlichen Gesangsstimme am nächsten. Die Abstände der Töne ähneln denen bei einer Geige. In den tiefen Lagen liegen die Töne etwas weiter auseinander, je höher man spielt, umso geringer ist der Abstand zwischen den Tönen.

Otamatone Classic Pink
Otamatone Classic Pink
Kundenbewertung:
(32)

Das Otamatone spielt sich gut und man kann nach kurzer Zeit bereits die ersten Erfolge erzielen. Da die Tonhöhen keine Markierungen haben, benötigt man ein gutes Gehör oder kann es mit Hilfe dieses Instruments durchaus auch sein Gehör trainieren. Wem das zu schwierig ist, der könnte natürlich an der Seite des Halses kleine Hilfsmarkierungen anbringen.

Mit dem Mund wird nun der Ton geformt. Das erfordert etwas Übung, damit die Mundbewegungen zum gespielten Ton passen, aber der Klang lässt sich sehr gut mit einem Wah-Effekt oder einem Trompetendämpfer vergleichen. Aufgrund der Größe des Otamatone Classic ist der Klang natürlich immer in den Bässen bedämpft und es kommen, je nach gespielter Tonhöhe, mittige Sounds und höhenlastige Klänge aus dem kleinen Gummimund. Wählt man die maximale Laustärke, so wird dieser Wah-Effekt noch prägnanter und klarer. Die leisere Einstellung ist deutlich schonender für das Verhältnis zu den Nachbarn.

Bei Klangbeispiel 2 ist beim Anhören mit Kopfhörern unbedingt Vorsicht geboten!!!

Richtig klasse ist, dass man mit etwas Übung ein wunderbares Vibrato spielen kann. In hohen Tonlagen singt das Otamatone dann richtig und man kann gezielt zwischen schnellem und langsamem Vibrato variieren.

Das Spielen mit dem Otamatone macht, nicht nur aufgrund der Optik, richtig Spaß und man findet immer wieder neue Songs, die man nachspielen möchte. Die Dauer unserer heimischen „Welcher-Song-ist das?“-Spiele wurde nur durch ein Erreichen der akustischen Schmerzgrenze begrenzt. Ein Manko der Classic-Variante ist allerdings, dass sich die Töne manchmal nur schwierig halten lassen und bei ungeübten Fingern hier und da abreißen. Daher greife ich dann erst einmal zur Deluxe-Version.

Das Otamatone Deluxe im Test

Das Otamatone Deluxe wirkt alleine schon aufgrund seiner Optik und der Möglichkeit, es mit einem Gurt umzuhängen, sehr viel erwachsener. Und wie es zu erwarten ist, hat der Klang ein volleres Spektrum. Jeder Ton klingt klarer und in gewisser Weise flüssiger. Das Ribbon des Otamatone Deluxe lässt sich wirklich gut spielen. Man kann sich wirklich schnell orientieren und gleitet von einem Ton zum nächsten.

Das Material des Ribbons ist hier perfekt gewählt und fühlt sich gut an; es rutscht, ohne zu stoppen. Die Töne sind leichter zu halten und die Range umfasst ungefähr drei Oktaven. Im Low-Modus sind also noch tiefere Töne möglich und auch die Töne des Hi-Modus sind noch höher als bei der Classic-Variante. Auch bei diesem Modell bietet aber der Mid-Modus die für mich besten Töne.

Otamatone Deluxe Black
Otamatone Deluxe Black
Kundenbewertung:
(45)

Der etwas größere Kopf verbessert den Wah-Effekt nochmals und es spielt sich wie ein richtiges Instrument. Durch den etwas größeren Lautsprecher und den größeren Kopf ist das Otamatone Deluxe auch etwas lauter und kann sich in einer Akustik-Band gut durchsetzen. Der Netzteilanschluss ist praktisch, wenn man keine Batterien parat hat. Ansonsten würde ich das zusätzliche Kabel aber eher als hinderlich empfinden. Aber: Ein Kabel am Line-Out lohnt sich jedoch enorm. Es klingt beeindruckend, wenn man den erzeugten Sound mit einem Hall-Effekt versieht. Und die Möglichkeit, das Otamatone direkt aufzunehmen, ist natürlich richtig praktisch. Leider muss man dann auf die Wah-Funktion des Mundes verzichten, aber man kann diesen dann ja durch ein Wah-Pedal in der Signalkette einfügen. In Spielpausen kann man das Otamatone lässig an der Schulter hängen lassen, um dann im richtigen Part im Song wieder loszuspielen.

Hier ist beim ersten Klangbeispiel Vorsicht geboten, wenn du es mit Kopfhörern anhören solltest.

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Fazit

Ich war wirklich überrascht, als ich feststellen musste, dass das Otamatone, zumindest in der Deluxe-Variante, ein echtes Instrument ist und jenseits der urkomischen „Welcher-Song-ist-das?“-Spiele sehe ich tatsächlich auch mehrere Einsatzmöglichkeiten für diesen besonderen Klangerzeuger. Offensichtlich ist natürlich der Nutzen für die Gehörbildung, denn mit keinem anderen Instrument, außer vielleicht einer Geige, kann das Ohr besser geschult werden. Aber auch als Soloinstrument in einer Band kann das Otamatone eine Besonderheit sein. Ich könnte mir schon die eine oder andere Metal-Band vorstellen, die anstelle von Gitarrensoli das Otamatone singen lässt. Das wäre auf jeden Fall mal etwas Originelles.

Wer das Otamatone in einer Band einsetzen möchte, sollte also auf die Deluxe-Variante zurückgreifen, sowohl aufgrund des Klangs als auch des Line-Out-Anschlusses. Zum Üben und Spaß haben reicht aber das Otamatone Classic absolut aus. 29,- Euro für die kleine Version ein absolutes Schnäppchen und auch die 69,- Euro für das Otamatone Deluxe sind wirklich nicht teuer. Daher ist diese Besonderheit für Einsteiger und Profimusiker eine Überlegung wert. Wie wäre es, wenn man das Otamatone Deluxe über einen Verzerrer in sein Gitarren-Rig spielt? Oder mit zwei Geräten ein Duett performen würde? Auch für das Erstellen spannender Samples eignet sich das Otamatone hervorragend. Die Einsatzmöglichkeiten sind schier grenzenlos.

Das Otamatone macht bestimmt jedem Musiker Spaß, ist ein lustiges Geschenk und die ersten Erfolge feiert man schnell. Ich glaube, ich werde nach diesem Test mal draußen auf der Straße etwas damit herumspielen und bin auf die Reaktionen gespannt.

Plus

  • extremer Spaßfaktor
  • perfekt für außergewöhnliche Samples
  • Audio-Ausgang (in der Deluxe-Version)
  • Optik
  • gut geeignet für die Gehörbildung

Minus

  • in der Classic-Version eher ein Party-Gag
  • in der Classic-Version sind die Töne bisweilen schwerer zu spielen

Preis

  • 79,- Euro in der Deluxe-Version
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    anitsch

    Schöner Bericht, vielen Dank. Grade, weil der Spaß Faktor bei dem Ding so hoch ist, glaube ich, dass man das Otamatone auch bei „richtiger“ Musik einsetzten kann. Eigentlich kann man ja alles, was halbwegs planbare Töne produziert, auch bei der Musikproduktion einsetzen. Wenn es dann auch noch Spaß macht, dann funktioniert es doppelt gut. Ich würde gerne wissen, wie viele Erstnutzer versuchen, das „Living on a prayer“ Talkbox Intro mit dem Otamatone nachzumachen.

    • Profilbild
      DelayDude RED

      @anitsch Hi anitsch,

      oh, ja, das Ding macht auch echt Spaß und ich denke, dass man gerade die größere Version wirklich auch für „echte“ Sound-Experimente nutzen kann. Auf das „Living on a prayer“ Talkbox Intro wäre ich allerdings auch super gespannt🤟

  2. Profilbild
    targon

    Schön, dass das Otamatone hier Erwähnung findet.
    Ich habe die DeLuxe-Variante bereits seit längerer Zeit. Nein, wirklich spielen kann ich nicht. Dafür fehlt mir die Geduld. Aber von Zeit zu Zeit einfach sich damit die Zeit vertreiben, nicht nur bei Parties, ein großer Spaß.
    Es gab auch mal eine Variante Namens Techno. Da konnte man es direkt mit einem iPad verbinden und dort mit Effekten frei experimentieren.

    Unter dem „Firmennamen Maywa Denki“, die Erfinder des Otamatone, findet man im Netz viele tolle Dinge. Von dort kommen auch weitere Instrumente. Und ihre Shows sind so kreativ. Mit ihrer gespielten Ernsthaftigkeit köstlich lustig. Sucht mal danach. Eine absolute Empfehlung.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich bin ehrlich, das Ding schreckt mich ab🤣🤣🤣🤣

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