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Test: Harley Benton SC-DLX Gotoh, E-Gitarre

4. Januar 2022

Black Beauty für kleines Geld

Reicht das Budget nicht für ein Original vom Hersteller mit dem großen G, bietet sich mit den extrem günstigen Harley Benton Produkten oft eine hervorragende Alternative. Die schwarze Paula aus der Deluxe-Serie, die rabenschwarz und hochglänzend lackiert wurde, wäre alternativ auch noch in den Farbvarianten Daphne Blue, Shell Pink oder Pelham Blue zu erstehen. Der Look  unserer schwarzen Beauty ist recht klassisch gehalten. Im Vergleich zum Vorbild sind hier jedoch auch kleine Veränderungen festzustellen. Der extrem moderate Preis für dieses Instrument lässt sich selbstverständlich nur durch seine Fertigung in Fernost (Indonesien) erklären. Aber selbst bei genauer Begutachtung kommt man nicht umher, der Verarbeitung eine einwandfreie Qualität zu bescheinigen. Der erste Eindruck nach dem „Unboxing“ war extrem positiv. Gehen wir ins Detail und schauen, ob dieser Eindruck bestehen bleibt.

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Harley Benton SC-DLX Gotoh Black – Facts & Features

Die Gitarre kommt sicher verpackt im Karton ins Haus, bei dem geringen Preis des Instruments ist verständlicherweise kein Koffer bzw. Gigbag inkludiert. Nach dem Auspacken bemerkt man sofort, dass der Korpus der Gitarre gewichtsreduziert wurde, da das Instrument deutlich leichter als eine gewöhnlich bleischwere Les Paul aus dem Hause Gibson ist. Die Werksbesaitung (.010 – .046) passt optimal für Gitarren mit 628 mm Mensur. Optisch und ausstattungstechnisch bemerken wir einige kleinere Veränderungen: Der zweite Klangregler, den man gewöhnlich bei einer SC mit zwei Pickups antrifft, wurde eingespart, was ich begrüße, denn dieser ist quasi überflüssig. Beide Tonabnehmer besitzen jeweils einen Lautstärkeregler. Das Design ist zwar klassisch gehalten (insbesondere was die rabenschwarze und hochglänzende Lackierung betrifft, die einwandfrei aufgebracht wurde und absolut keine Schwächen zeigt), wir finden gleichfalls eine „Bierbauchfräsung“ (wie man diese beispielsweise von einer Stratocaster kennt), die das Gewicht der Gitarre mit ihren 3,7 kg nochmals angenehm reduziert. Auch ein Schlagbrett finden wir nicht, was der Optik der Gitarre gut tut. Der Hals-Korpus-Übergang wurde ergonomisch geformt, was das Bespielen der hohen Lagen mühelos macht. Die Hardware wurde vergoldet und harmoniert gut mit dem schwarzen Lack.

Korpus

Um den schwarzen Korpus wurde ein 7-lagiges Korpusbinding angebracht, das man gleichermaßen von einer Les Paul Custom etc. kennt. Angenehm ist, dass man hier kein spitzes Cutaway antrifft, sondern die Korpusform bis auf die „Bierbauchfräsung“ und die etwas abgerundete „linke Schulter“ ziemlich exakt dem Original entspricht. Von weitem betrachtet, muss man hier genau hinschauen, um die Harley Benton SC-DLX von einer Gibson zu unterscheiden, da auch die Kopfplattenform, die Trapezeinlagen und das Binding große Ähnlichkeit mit dem Vorbild aufweisen. Das angenehme Gewicht der Gitarre (ca. 3,7 kg) wird durch eine Gewichtsreduzierung erreicht. Bevor die Decke aufgebracht wurde, wurden Löcher in den Nyatohkorpus gebohrt, was das Gewicht spürbar reduziert. Man kennt dies auch von Gibson Les Pauls. Beim Thema Gewichtsreduzierung durch das Bohren von Löcher oder „Tonkammern“ in den Korpus scheiden sich die Geister. Es gibt viele Gitarristen, die dies kategorisch ablehnen, der Rücken freut sich jedoch darüber. Ich finde, eine Gitarre, die ein Gewicht oberhalb der 3,9 kg Marke aufweist, für eine längere Liveshow inakzeptabel. Beim Einsatz im Studio sieht dies wiederum anders aus.

Harley Benton SC-DLX upside

Sexy, auch ohne Schlagbrett

Hals

Der Mahagonihals besitzt einen Double Action Trussrod und wurde auf der Rückseite gleichfalls hochglänzend schwarz lackiert. Das Palisandergriffbrett wurde perfekt aufgeleimt und mit 22 Edelstahlbünden (Blacksmith Medium Jumbo)  versehen. Verarbeitungstechnisch hat man hier erfreulicherweise ganze Arbeit geleistet. Auch die Trapez-Griffbretteinlagen wurden perfekt eingesetzt. Das Halsprofil wird vom Hersteller mit „Modern C“ umschrieben. Konkret heißt dies, der Hals ist weder extrem zierlich noch ein Baseballschläger. Auch die Kopfplatte erhielt ein 7-lagiges Binding. Die „Sollbruchstelle“ in Höhe des Sattels, die beim Umfallen einer Gitarre mit abgewinkelter Kopfplatte gerne mal zu deren Totalschaden führt, wurde verstärkt. Das sieht vielleicht nicht immer schön aus, aber man kennt das auch von vielen anderen Herstellern, da sich dieses Feature bewährt hat.

Harley Benton SC-DLX, Kopf

Kopfplatte mit Binding und vergoldeten Mechaniken

Der Griffbrettradius von 305 mm (12″) entspricht dem Vorbild, was sich in einer sehr guten Bespielbarkeit und der Möglichkeit, die Saiten ohne besonderen Kraftaufwand zu ziehen, positiv bemerkbar macht. Der verbaute Graphtech Tusq Sattel unterstützt die ohnehin schon gute Stimmstabilität des Instruments. Auch die Sattelbreite von 43 mm entspricht den Maßen des Vorbilds.

Elektrik & Hardware

Die Harley Benton SC-DLX wurde mit zwei Tonabnehmern (Tesla VR-2 AlNiCo 5 Humbucker) mit vergoldeten Kappen bestückt. Wie wir später noch feststellen dürfen, leisten diese einen absolut überzeugenden Job. Der Klangregler mit Push/Pull-Funktion für Coil-Split kann bei Bedarf für einen dünneren Klang sorgen, wenn man einmal einer Stratocaster oder Telecaster ähnlicheKlangvarianten einsetzen möchte. Natürlich ist auch ein 3-Wege-Schalter (Toggle-Switch) vorhanden. Auch der vergoldete Tune-o-Matic-Steg kommt aus dem Hause Gotoh. Die vergoldeten Gotoh Kluson Mechaniken sprechen wunderbar an und sorgen für eine gute Stimmstabilität. Die Elektrikfachabdeckung auf der Korpusrückseite schließt plan mit dem Boden ab und fällt entsprechend kleiner aus, da hier nur ein Master-Klangregler montiert wurde.

Handling

Die Harley Benton SC-DLX fühlt sich spontan sehr gut an, die Verarbeitung stimmt absolut. Der Hals liegt sehr gut in den Fingern, die Edelstahlbünde wurden einwandfrei eingelassen, abgerichtet und poliert. Das Gewicht ist für eine SC mit Ahorndecke erfreulich gering. Der Übergang von Hals zum Korpus gestaltet ein leichtes Erreichen und Bespielen der hohen Lagen. Die Form des Halsfußes verläuft hier etwas schräger und somit parallel zum Korpus. Man kann also auf dem Weg in die hohen Lagen nicht an einer Korpuskante „hängenbleiben“.

Harley Benton SC-DLX, schräg

Klassisch mit zeitgemäßer Ausstattung

Als angenehm empfinde ich auch die Abwesenheit des zweiten Klangreglers, der in der Praxis letztlich überflüssig ist. Auch das Gewicht stimmt, die Gitarre wiegt ca. 3.7 kg. Eine Kopflastigkeit ist dennoch nicht auszumachen, das Instrument liegt vollkommen ausgewogen auf den Knien zu liegen.

Der Hals liegt traumhaft in den Händen, hier haben die Entwickler wirklich geschmackvoll gearbeitet. Die Lackierung ist trotz ihrer Hochglanzvariante beim Spielen nicht „klebrig“. Saitenlage und Bundreinheit des Instruments waren ab Werk erfreulicherweise bereits gut eingestellt, was heutzutage eher die Ausnahme als die Regel ist.

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Sound der Harley Benton SC-DLX

Die Gitarre resoniert bereits „trocken gespielt“ sehr angenehm. Die Hohlräume im Korpus machen den trockenen Sound vergleichsweise geringfügig lauter. Hören wir uns die schwarze Paula nun an. Wir beginnen mit cleanen Sounds und hören beide Pickups parallel geschaltet, was bei Rockabilly- und funky Sounds immer gut kommt:

Den Tonabnehmern kann man eine gute Qualität bescheinigen, Tesla baut wirklich mehr als ordentliche Tonabnehmer, die in diesem Falle sehr ähnlich einem PAF, also nicht extrem heiß oder gar „überzüchtet“ klingen.

Der Hals-Pickup bietet sich gut für bluesige und jazzige Klänge an:

Hier darf man eine gewisse Ausgewogenheit und Spritzigkeit  im Klang feststellen. Wollte man jazziger klingen, nimmt man einfach den Klangregler der Gitarre oder des Amps zu Hilfe.

Nun hören wir den Steg-Pickup mit klarem Sound, man beachte das gute Sustain in der Endphase des Klangbeispiels. Der Klang hat Durchsetzungskraft, ohne scharf oder schrill zu sein.

Wir prüfen nun den verzerrten Sound auf dem Bridge-Pickup. Hierbei wurde der zweite Kanal meines Peavey Classic Mini-Heads für etwas „Rock ’n‘ Roll Crunch“ bemüht, der Gain-Regler stand hier auf gerade einmal 11 h. Der Sound ist angenehm fett, ohne matschig zu werden. Auch hier wird der typische Les Paul Klang recht gut „genagelt“ und kommt klanglich in die Nähe einer originalen Paula, wobei die schiere Masse eines Originals natürlich für einen noch fetteren Klang sorgt:

Schließlich hören wir einige bluesige Linien auf dem Hals-Pickup. Wir erhalten einen schön cremigen Sound:

Klanglich wird hier richtig viel geboten, da muss sich die Konkurrenz warm anziehen, zumal auch das Design und die Verarbeitung der schwarzen Paula absolut überzeugen und der moderate Preis sicherlich auch ein Kriterium zum Kauf dieser Gitarre beitragen dürften.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Harley Benton SC-DLX – Peavey Classic 20 MH – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Hall bzw. Delay hinzugefügt).

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Fazit

Die Harley Benton SC-DLX kann voll überzeugen und macht einfach Spaß. Die Verarbeitung, das Handling und der Sound stimmen, da auch die Tesla Tonabnehmer einen wirklich guten Job machen. Für diesen Preis findet man wohl kaum bessere Les Paul Kopien, wobei hier im Gegensatz zum Original auch einige modernere Ausstattungsmerkmale zu finden sind. Das Design empfinde ich als absolut gelungen, da die Gitarre Schönheit und Wertigkeit ausstrahlt und dies bei einem angenehm moderaten Preis. Unbedingt antesten!

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Edelstahlbünde
  • Coil-Split
  • Optik
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis

  • 349,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Xevantris  

    Ist die Gitarre besser als eine Original Les Paul? Zumindest liest sich der Artikel genau so!

    Zweifelsohne sind günstige Gitarren in ihrer Qualität deutlich besser als früher. Eure Artikel zu vielen Produkten der Hausmarke Harley Benton wirken allerdings relativ wohlwollend geschrieben. Ich würde mir hier entweder eine objektivere Berichterstattung mit kritischerer Betrachtung oder eine Markierung als „Werbung“ wünschen.

    Auch Tests anderer Hausmarken großer Musikhäuser, würden zur Objektivität beitragen.

    Ich hoffe, die Kritik wird konstruktiv angenommen.

    Liebe Grüße und weiterhin einen guten Start ins Jahr 2022.

    • Profilbild
      Johannes Krayer  RED

      Hallo Xevantris,

      Danke für Deine konstruktive Kritik, mancheiner hätten diese sicherlich „böswilliger“ bzw. provokanter formuliert, als Autor erlebt man gelegentlich auch mal einen Shitstorm, obwohl ich bis dato davon verschont wurde.

      Obwohl ich nicht ausnahmslos alle Artikel von Harley Benton mit der Bewertung sehr gut versehen würde, muss ich in diesem Falle tatsächlich sagen, dass mich diese schwarze Paula wirklich überzeugt hat, weil sie im Gegensatz zu weiteren Instrumenen des Herstellers HB absolut keine Schwächen zeigte. Außerdem ist ihr Design in meinen Augen das Schönste unter allen HB Gitarren, da mir persönlich die Korpus- bzw. Kopfplattenformen der HB´s nicht immer geschmacklich zusagen und auch die Verarbeitung und das Handling perfekt war. Das findet man leider auch nicht so regelmäßig.
      Beste Grüße und ein gesundes neues Jahr!

  2. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Mir als eingefleischter Nicht-Gitarrist ist auch sofort das Design ins Auge gestochen. Gerade wenn man nicht gerade auf Sunburst steht, ist diese Klampfe der Ideale Begleiter zum schwarzen Anzug. Schlicht und elegant. Wenn ihr dann noch ordentliche Qualität in Spielbarkeit und Sound attestiert wird, sind 350 Tacken echt ein überzeugendes Argument.

    Auch die SG-Kopien auf dem Foto sind totschick.

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