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Test: ESP E-II RZK-I Burnt FL, E-Gitarre

Verbrannt, verstümmelt und vernarbt!

21. Mai 2024

Bei der ESP E-II RZK-I Burnt FL handelt es sich um eine Signature E-Gitarre, welche für den Rammstein Gitarristen Richard Kruspe von dem asiatischen Hersteller gebaut wird.

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Die Konzeption der ESP E-II RZK-I Burnt FL

Nun, wenn man aktuell den Bandnamen Rammstein hört, wird man mit allem möglichen konfrontiert, wobei der geringste Anteil der Berichterstattung in diesem Fall auf ihre Musik zurückzuführen ist. Wer was, wie und wo gemacht hat, hat in einem Musikmagazin ohnehin nichts verloren, aber zumindest Gitarrist Richard Kruspe scheint relativ unbeschadet aus dem ganzen Schlamassel hervorzugehen. Insofern kann man sich bei ihm tatsächlich mehr auf den musikalischen Aspekt konzentrieren, als sich den Schlammschlachten, welche in den Medien plakativ vorgetragen werden, anzuschließen.

Kruspe arbeitet schon seit vielen Jahren mit der Firma ESP zusammen, wobei seine beiden Signature-Modelle der E-II Serie angehören und allesamt in Japan gefertigt werden. Nachdem ich die Gitarre ausgepackt hatte, überkam mich ein Gedankensturm. Ich hatte diese Gitarrenform schon irgendwo einmal gesehen, konnte mich aber beim besten Willen nicht erinnern, wo das war. Nach ein paar Stunden Überlegung erinnerte ich mich, dass ich Johnny Ramone von der Punkband The Ramones mit einer ähnlichen Gitarre schon einmal gesehen habe, beziehungsweise in diesem Fall dem Original.

Es handelt sich um eine Mosrite Ventures II Gitarre, welche mit der charakteristischen Form, bei der das untere Holzhorn etwas länger ist als das obere, ziemlich einmalig dasteht. Ich bin mir relativ sicher, dass dies kein Versehen ist, sondern Richard Kruspe genau diese Gitarrenform genommen hat, da sie zum einen ästhetisch ist, zum anderen aber doch so eigenständig, dass es nicht die hunderttausendste Kopie der berühmten Strat, Paula oder sonstige Formen ist.

ESP E-II RZK-I Burnt FL schräg von vorne

ESP E-II RZK-I Burnt FL, Profil

Die Optik

Bevor wir jedoch in die technischen Details gehen, muss man sich zwangsweise kurz der Optik des Instrumentes widmen. Dass bei einer provokativen Band wie Rammstein man nicht mit einer Sunburst-Lackierung mit 5-facher Ahorndecke rechnen kann, ist wohl relativ klar. Was ESP hier allerdings optisch abzieht, ist schon ein Alleinstellungsmerkmal. Nicht nur dass die provokative Mischung aus angedeutetem Stacheldraht mit blutigen Narben und verbrannter Oberfläche einen eindeutigen Eindruck hinterlässt, das Ganze ist auch dreidimensional angelegt, sodass die blutigen Narben tatsächlich fühlbar sind, wenn man mit dem Finger darüber gleitet.

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ESP E-II RZK-I Fluence
ESP E-II RZK-I Fluence
Kundenbewertung:
(2)

Ich für meinen Teil denke, das Instrument ist sehr passend für eine Band dieses Genres. Ob das Instrument allerdings in einer Coverband hiermit in irgendeiner Form zum Einsatz kommt, bleibt fraglich. Für eine Rammstein-Tributband ist allerdings diese Gitarre ein absolutes Muss.

Schon in einer gewissen Weise witzig finde ich hingegen das Verwenden eines durchsichtigen Pickguards. Man halte sich kurz vor Augen, das ganze Instrument ist nur darauf getrimmt, verbrannt, verstümmelt, verkratzt oder vernarbt auszusehen, wird dann aber mit einem Pickguard geschützt, dass das Plektrum keine Kratzer in die Lackierung macht. Allerdings muss man sagen, sollte man die Gitarre als Kunstwerk betrachten, ist die Verwendung des Pickguards schon wieder nachvollziehbar.

Die Aufgabe des Vibratosystens der ESP E-II RZK-I Burnt FL

Eine weitere Besonderheit des Instrumentes liegt in der Verwendung der Hals-Korpus-Konstruktion. Das Instrument hat einen dreiteiligen durchgehenden Hals aus Ahorn, während die angeleimten Flügelteile aus Erle sind. Die Konstruktion an sich ist eines der berühmten Sustain-Monster, die häufig bei einem durchgehenden Hals auftreten, sprich das Schwingungsverhalten ist hervorragend und lässt den einzelnen Ton extrem lange ausschwingen.

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ESP E-II RZK-I Burnt FL Aufsicht von vorne

Interessanterweise verwendet Richard Kruspe auf seiner Gitarre dann aber ein Floyd Rose Vibrato-System, was bekanntermaßen den Sustain-Gehalt ein wenig verringert. Dennoch hat dieses Instrument auch trotz des Vibrato-Systems einen sehr starken Sustain-Anteil. Das eigentliche Ungewöhnliche ist jedoch die Tatsache, dass Richard Kruspe das Floyd Rose Vibrato-System so gut wie überhaupt nicht benutzt, er aber der festen Meinung ist, dass die Kombination des durchgehenden Halses mit einem Floyd Rose-System einen großen Teil seines Sounds ausmacht, soll heißen, das Vibrato-System ist nicht auf der Gitarre, um entsprechende Vibrati oder Dive-Bombs zu erzeugen, sondern es ist ausschließlich ein Bestandteil des Schwingungsverhaltens der Gitarre. Ich gebe zu, diesen Aspekt habe ich noch nie in meinem Leben zuvor gehört, aber wie dem auch sei, Signature ist Signature!
Mit einem Gewicht von knapp über 4 kg ist das Instrument nicht nur optisch, sondern auch gewichtstechnisch in den Bereich „Männergitarre“ einzuordnen. Überhaupt vermittelt das Instrument einen „kräftigen“ Eindruck, so dass auch eine entsprechende Handhabung keine Probleme darstellen sollte. Das als „Thin U“ bezeichnete Halsprofil bietet eine gute Masse und schafft einen guten Mittelweg zwischen „Knüppel aus dem Sack“ und Ibanez RG Profil. Das Instrument verfügt zudem über die lange Mensur von 647 mm und besitzt 24 X Jumbo-Bünde.

In Sachen Hardware kommt besagtes Floyd Rose Vibrato System zum Einsatz, einhergehend mit dem entsprechenden Klemmsattel. Bedingt dadurch haben die Tuner natürlich auch nur noch die Funktion, die Saiten auf eine gewisse Grundspannung zu bringen. So wurde in diesem Fall auf Klemmmechaniken verzichtet, welche in dieser Konstruktion auch überhaupt keinen Sinn machen würden. Stattdessen kommen sechs kleinere Versionen von Gotoh Mechaniken zum Einsatz, welche erwartungsgemäß perfekt und reibungsfrei laufen.

Ich weiß, es ist nur eine Kleinigkeit, aber ich kann mir nicht helfen, ich liebe perfekte Detaillösungen. In diesem Fall ist es die Abdeckung der 9 V Batterie auf der Rückseite des Korpus der ESP E-II RZK-I Burnt FL. Die Abdeckung, welche auf den ersten Blick den Eindruck macht, als ob sie mit zwei kleinen Kreuzschlitzschrauben gelöst werden müsste, entpuppt sich als ein Drehmechanismus, bei dem man durch das leichte Drücken auf die untere Seite des Deckels die Batterie aus dem Korpus herausdreht. Der Batteriewechsel ist dadurch extrem schnell machbar. Das Ganze ist sehr gut abgekapselt und die Detaillösung ist eine wahre Freude. So etwas kommt gefühlt immer nur aus Japan.

ESP E-II RZK-I Burnt FL Absicht von hinten

ESP E-II RZK-I Burnt FL Rueckseite

Der Sound der ESP E-II RZK-I Burnt

Wer den Gitarrensound von Rammstein beschreiben möchte, hat eigentlich nur ein Wort zur Auswahl: Gain! Dabei geht es darum, so viel Gain wie möglich auf die Gitarre drauf zu bekommen und sie dennoch möglichst durchsichtig erscheinen zu lassen. Für diese Art der Soundkreation gibt es im Bereich Tonabnehmer im Prinzip nur zwei Hersteller. Zum einen die Klassiker von EMG, die seit fast 40 Jahren den Markt über lange Zeit dominierten und der Emporkömmling Fishman, welche mit seiner Fluence-Serie vor ein paar Jahren in diesen Markt mit eingriff. Kruspe, welcher noch bis vor ein paar Jahren zu EMG gegriffen hat, arbeitet nun mir einem Signature-Setup von Fishman, bestehend aus Fishman Fluence Richard Z Signature Modern Alnico Metallic Red am Hals und Fishman Fluence Richard Z Signature Modern Ceramic Metallic Red am Steg.

Beide Pickups verfügen, wie bei Fishman üblich, über zwei Voicing-Schaltungen, welche man über das Ziehen des Volume-Reglers anwählt. Ansonsten gibt es an Regeltechnik noch einen Dreiwege-Schalter. Das war’s. Ein Tone-Regler wäre bei Rammstein auch wahrlich deplatziert.

Trocken gespielt hinterlässt das Instrument erwartungsgemäß einen sehr guten Eindruck. Das Schwimmungsverhalten ist hervorragend, insbesondere da ESP im Floyd Raw System einen Stabilizer eingebaut hat, mit dem sich auch Double-Bendings umsetzen lassen, ohne dass einem das Tuning aufgrund des Seitenziehens komplett aus dem Ruder läuft. Leider hat auch die ESP E-II RZK-I Burnt FL das Problem des sogenannten Hallspiralen-Effektes, sprich die beiden Federn, die in dem Instrument eingezogen sind, verhalten sich wie die Hallspirale eines Kombo-Verstärkers. Die Federn schwingen mit und lassen den akzentuierten Sound der Gitarre etwas verschwimmen. Hier würde eine Lage Schaumstoff bereits Wunder wirken, würde ich auf jeden Fall jedem empfehlen, der irgendetwas mit Palm-Muting spielen möchte. Und wenn man Rammstein-Songs spielt, spielt man faktisch nichts ohne Palm-Muting.

Erwartungsgemäß ist der Sound der ESP E-II RZK-I Burnt FL primär für High-Gain und noch mehr High-Gain ausgelegt. Das erkennt man unter anderem an der Tatsache, dass es selbst bei minimaler Gain-Einstellung im Clean-Bereich faktisch nicht möglich ist, aus der Gitarre einen echten Clean-Sound herauszuholen, vorausgesetzt man verwendet nicht eine Art Kompressor, um den Eingangsimpuls am Amp so gering wie möglich zu halten. Geht es jedoch um verzerrte Sounds, kann das Instrument seine absolute Stärke ausspielen. Der Sound bleibt in der Kombination Holz-Tonabnehmer selbst bei höchstem Verzerrungsgrad vergleichsweise durchsichtig und bietet aufgrund der verwendeten Komponenten ein sehr gutes Schwingungsverhalten.

ESP E-II RZK-I Burnt FL im Studio

ESP E-II RZK-I Burnt FL im Einsatz

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Fazit

Mit der ESP E-II RZK-I Burnt FL hat der asiatische Hersteller optisch und akustisch ein kompromissloses Instrument in seinem Portfolio. Für jede Rammstein Tribute-Band ein Muss, für jede Hard’n’Heavy-Band eine Option.

Von der Verarbeitung her top, von der Optik her polarisierend, eben genauso wie es das Rammstein Image vorschreibt.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Haptik

Preis

  • 3.399,- Euro
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ESP E-II RZK-I Fluence
ESP E-II RZK-I Fluence
Kundenbewertung:
(2)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Kh143

    Kling für mich in weiten Teilen schlüssig, Design ist auch ziemlich cool, vielleicht für manche etwas sehr gewöhnugsbedürftig, aber trotzdem, der pickguard ist albern… auch Kunst als solche darf durch Nutzung noch individueller werden. Leider ist der Preis etwas hoch…

  2. Profilbild
    Ark

    Eine faszinierende Gitarre. Der Kontrast zwischen Pickups und Body Farbe ist sehr ansprechend, aber mit den großen Inlays im Fretboard werde ich nicht warm. der Preis von über 3000€ tut allerdings schon weh.

  3. Profilbild
    shewoelfin

    Die Gitarre sieht wirklich geil aus, und der Sound ist auch schön voll. Der Preis ist schon gerechtfertigt obwohl ich finde, es gibt auch in deutlich niedrigeren Preiskategorien so nen satten Sound. Trotzdem geil!

  4. Profilbild
    Muzl

    „Wer was, wie und wo gemacht hat, hat in einem Musikmagazin ohnehin nichts verloren […]“
    Nicht? Ich dachte, es ginge in einem Musikmagazin eben um Musik und diejenigen, die sie machen.

    Und: Was soll denn eine „Männergitarre“ sein?

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