Test: Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic, Westerngitarre

20. Juli 2021

Es gibt ein Holz auf Hawai, es gibt ein Holz ...

Test: Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic, Westerngitarre

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic. Jeder, der in seinem Leben einmal eine Bestellung im Hause Thomann getätigt hat, kennt die Hausmarke Harley Benton. Was in seinen Anfangszeiten manchmal hinter dezent vorgehaltener Hand genannt wurde, hat sich mittlerweile aufgrund der durchgehend guten bis sehr guten Qualität zu einem DER Umsatzbringer für das Musikhaus entwickelt. OEM Verträge in nahezu allen Musiksparten sichern ein umfangreiches Angebot, und durch den Direkteinkauf werden auch noch gute Margen bei vergleichsweise geringem Ladenpreis erzielt. Wo die Marke allerdings vergleichsweise wenig in der Wahrnehmung des Musikers steht, ist der Bereich der Westerngitarre (als ob jemals ein „echter“ Kuhtreiber hätte Gitarre spielen können :-), oder anders ausgedrückt, eine vollakustische Akustikgitarre. Um diesen Aufmerksamkeitsmangel weiter zu vermindern, hat Thomann die Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic auf den Markt gebracht, welche uns zum Test vorliegt.

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic Test

Harley Benton CLD-15CE Front

Die Konstruktion der Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic

Wenn auch nicht mehr in der Häufigkeit wie vor einigen Dekaden, so ist die vorherrschende Farbe der schwingenden Decken doch meistens die klassische helle Fichte. Immer gerne genommen, da in großer Menge vorhanden, sehr leicht und damit sehr schwingungsfreudig und bei entsprechendem Bracing auch stabil genug, um den Zugkräften der Saiten entgegenzuwirken. Hier geht die Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic einen völlig anderen Weg. Alle verbauten Holzsorten sind bei diesem Instrument im dunkleren Ton angesiedelt. So wurde die Decke, wie die Typenbezeichnung schon vermuten lässt, aus hawaianischem Riegelkoa-Holz gefertigt, Hals, Boden und Zargen bestehen aus Mahagoni, das Griffbrett aus der mittlerweile sehr gerne genommenen Palisander-Alternative Pao Ferro. Das Griffbrett verfügt über die gerne bei Akustikgitarren verwendeten 20 Bünde, welche über normale Höhen- und Breitenabmessungen verfügen. Aufgrund dieser anderen Ausgangsmaterialien ist auf jeden Fall schon einmal im Vorfeld mit einem anderen Grundklang zu rechnen.

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic Test

Harley Benton CLD-15CE Halsfuss

Die allgemeine Verarbeitung des Instrumentes ist sehr sauber ausgeführt, nirgends konnten die bekannten Angriffspunkte von Unsauberkeiten wie verlaufene Lack- oder Leimnasen, scharfe Kanten oder ein übermäßiges Spaltmaß gefunden werden. Auch ein Blick ins Innere des Korpus überzeugt. Das Scalloed X-Bracing sitzt tadellos, Leimreste wurden komplett entfernt, das gesamte Erscheinungsbild bietet keinen Grund zur Klage. Der Übergang vom Hals zum Korpus wurde als Schwalbenschwanz ausgeführt, bei sauberer Ausführung die wohl stabilste Holz-Holz Verbindung. Als Cutaway kommt die venezianische Variante zum Einsatz, bei dem die Spitze, im Gegensatz zu der spitzen florentinischen Variante, abgerundet verläuft.

Als Mensur wurde das ungewöhnliche Maß von 643 mm gewählt, ein Maß, welches sich zwischen der langen Mensur von 648 mm und der „mittleren“ Mensur (seinerzeit von Paul Reed Smith etabliert) von ca. 635 mm befindet. Um die Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic allerdings für das Spielen im Stehen zu präparieren, muss der Käufer selber Hand anlegen oder von einem Fachmann anlegen lassen. Möchte man nicht in bester Heilsarmee Optik mit Kordel an der Kopfplatte zu Felde ziehen, bedarf es dem entsprechenden Setzen zweier Gurtpins, da auch der einzeln vorinstallierte Knopf am unteren Teil der Zarge sehr klein und nur aus Kunststoff ist. Aber Vorsicht, immer einen kurzen Vorab Check, ob das Instrument bei zwei praktisch gewählten Punkten gegebenenfalls nicht zur massiven Kopflastigkeit neigt. Im Gegensatz zur Solidbody, bei welcher der Korpus einen Großteil des Gesamtgewichts ausmacht und somit für eine völlig andere Balance sorgt, kippt der Korpus bei der Setzung der Gurtpins an der gleichen Stelle wie bei einer Massivholzgitarre deutlich schneller. Ein Loch ist schnell gebohrt, aber nur sehr aufwändig wieder optisch akzeptabel zu verschliessen.

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic Test

Harley Benton CLD-15CE Headstock

Als Griffbretteinlagen wurden sogenannte „Snowflakes“ aus Acryl genommen, welche aber nur mit sehr viel Phantasie als Schneeflocken durchgehen und genausogut mittelalterliche Ritterkreuze darstellen könnten. Auf der Rückseite der Kopfplatte befindet sich die vorgeschriebene Pflichtangabe „Made In China“ in Form eines Aufklebers, welcher sich, wohl nicht ganz ohne Hintergedanken, aber sehr leicht und ohne jede Kleberückstände entfernen lässt. Die verbauten No Name Mechaniken sind ein wenig schwergängig, bieten aber dennoch einen gleichmäßigen Regelweg und erledigen ihren Job einwandfrei. Erwartungsgemäß passen die Bronze Saiten von Daddario aufgrund ihres rot-braunen Farbtons optisch sehr gut zu dem allgemeinen Erscheinungsbild der Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic. Die Gitarre ist nicht Hochglanz lackiert, sondern die Lackierung wurde in Natur matt ausgeführt. Um den einzelnen Korpusbauteilen optisch noch eine dezente Abgrenzung zu ermöglichen, wurde ein schwarzes Binding eingesetzt, welches auf der Deckenseite zusätzlich einen weißen „Lidstrich“ erhalten hat. Die Rosette ist bzgl. ihrer optischen Verzierung recht einfach gehalten und besteht lediglich aus 2 Kreisen, von denen einer eine breitere Linienführung besitzt, der andere mit 2 feinen Strichen auskommt.

Als Preamp für das Instrument kommt der Fishman Presys II Preamp zum Einsatz, eine günstigere Variante des Presys+, welcher im Gegensatz zu der Vierband-Klangregelung-Variante des großen Bruders nur über eine Zweiband Variante in Form von Höhen und Bässen verfügt. Der Vorteil des Presys II sind jedoch sehr geringen Abmessungen, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die 9V Batterie, welche die nötige Betriebsspannung liefert, auf einer kleinen Grundplatte platziert wurde, welche auch die Kabelbuchse beinhaltet und einer E-Gitarre gleich am unteren Außenteil der Zarge montiert wurde. Auch der Presys II Preamp verfügt über einen Phasenschalter, um eventuellen Phasenauslöschungen, wie sie zum Beispiel beim Monitoring über Wedge etc. entstehen können, entgegenzuwirken.

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic Test

Harley Benton CLD-15CE Preamp

In der Praxis

Erwartungsgemäß ist bei dieser Holzauswahl der klangliche Grundton des Instruments anders zu platzieren, als wie es allgemein hin von einer Westerngitarre erwartet wird. So erwartet den User schon bei den ersten Tönen ein sehr „spritziger“ Grundton, will heißen das Instrument verfügt einen etwas härteren Ton als die große Konkurrenz der Fichtendecken-Konkurrenten, einhergehend mit einem sehr schnellen Attackverhalten. Der Vorteil dieses Klangcharakters ist die höhere Durchsetzungsfähigkeit innerhalb des Bandkontextes, sofern man überhaupt im Kontext einer Band spielt. Der Nachteil ist eine reduzierte „Tiefe“ des Tons, die es sowohl dem Spieler als auch dem Hörer erleichtert, in den Ton einzutauchen. Diese Soundbeschreibung ist nicht als Wertung zu verstehen, sie dient lediglich als Orientierung. Inwieweit dieser Grundton der Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic die Präferenz des Kunden trifft, muss jeder für sich selber entscheiden.

In Sachen Bespielbarkeit hinterlässt das Instrument ebenfalls einen guten Eindruck, nicht zuletzt dadurch, dass die Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic werkseitig sehr gut eingestellt wurde. Die Saitenlage ist vergleichsweise niedrig, aber dennoch hoch genug, um entsprechende Fortissimo Passagen ohne Scheppern und Schnarren zu überstehen. Durch die kompensierte Stegeinlage ist auch die Oktavreinheit vergleichsweise gut aufgestellt, wenngleich man natürlich immer ein wenig ein Ohr / Auge zudrücken muss, wenn man sich in das Akkordspiel jenseits des neunten Bundes begibt.

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic Test

Harley Benton CLD-15CE Rueckseite

Im Prinzip ist es nur die Kombination Sonicore Pickup mit Fishman Presys II Preamp, welche daran erinnert, in welcher Preiskategorie wir uns noch befinden. Der Preamp ist in der Tat leicht zu bedienen und äußerst übersichtlich aufgebaut, aber klanglich wirkt er im direkten Vergleich zu höherwertigen Produkten etwas „flach“, will heissen, die Übertragung des Gitarrentons ist leicht steril und bringt die Dynamik des Instruments nicht ganz so zur Geltung, wie es der rein akustische Bereich bietet. Für den Live-Bereich ist das Ganze mit entsprechender Peripherie wie Kompressor und EQ noch gut zu optimieren, im Studiobereich hingegen würde ich auf jeden Fall mit einer hochwertigen Mikrofonierung arbeiten.

Aufgrund der Tatsache, dass der Preamp nur eine Zweiband Klangregelung hat, lässt sich gerade im so wichtigen Hochtonbereich nicht ganz so fein zeichnen, wie man es sich wünscht. Natürlich ist es schöner, einen separaten Presence Regler zu haben, aber dies ist dann auch schon wieder die nächsthöhere Preisstufe. Ich empfehle daher, bei der Abnahme der Gitarre mit einem zusätzlichen semi- oder vollparametrischen EQ noch mal den Hochtonbereich des Instruments zu bearbeiten, es lohnt sich.

Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic Test

Harley Benton CLD-15CE

Fazit

Mit der Harley Benton CLD-15CE Flame Koa Exotic hat Thomann eine optisch hochwertige und klanglich gute Westerngitarre in der 500 € Liga in ihrem Portfolio. Das Instrument ist tadellos verarbeitet, besitzt einen spritzigen Grundklang und bietet viel Qualität fürs Geld. Wer mit der spartanischen Klangregelung des Fishman Presys II Preamp leben kann, sollte das Instrument auf jeden Fall einmal in die engere Wahl nehmen.

Plus

  • Bespielbarkeit
  • Akustischer Klang
  • Optik

Preis

  • 565 €
Klangbeispiele
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