Test: JHS Pedals The Bonsai, Gitarren Verzerrerpedal

15. Juli 2018

Äußerst flexibles Gewächs!

JHS Pedals The Bonsai titel

Der Ibanez Tube Screamer ist wahrscheinlich der bekannteste Verzerrer bzw. Overdrive-Pedal der Welt. Dieser hat im Laufe seiner nunmehr etwa 40-jährigen Existenz einige Updates und Modifikationen erfahren. Die Idee von dem amerikanischen Hersteller JHS Pedals, einen Tube Screamer mit quasi allen sinnvollen, teilweise nur minimalen Varianten in einem Pedal zu bauen, ist sehr interessant. Mit dem JHS Pedals The Bonsai erwirbt man quasi neun verschieden Tube Screamer. Das Original, der Ibanez Tube Screamer TS808, generiert bzw. verarbeitet beispielsweise wenig Bässe. Das hat einige Gitarristen gestört, worauf sie mittels eines Austauschs eines Kondensators den Frequenzgang nach unten erweiterten. Andere Varianten fügen weiter LEDs hinzu, um mehr Verzerrung zu erreichen.

JHS Pedals The Bonsai Gitarren Verzerrerpedal

Auch der TS9 erfreute sich großer Beliebtheit. Pedalgurus, wie Robert Keeley, der viele Modifikationen für diverse Pedale anbietet, verbesserte das Pedal auf seine Weise, indem er einige Kondensatoren gegen hochwertigere Typen (Scheibenkondensatoren im Picofarad-Bereich gegen Filmkondensatoren oder auch sogenannte Silver Micas etc.) austauschte und deren Werte auf seine persönlichen Bedürfnisse abstimmte (mehr Bass, weniger Höhen etc.). Die Anleitungen zu den entsprechenden Modifikationen findet man im Netz. Das JHS Pedals The Bonsai Pedal besitzt gleich satte 9 Tube Screamer Modi (fünf klassische TS-Schaltkreise und zwei populäre Mods).

JHS Pedals The Bonsai Front

—  JHS Pedals The Bonsai —

JHS Pedals The Bonsai – Facts & Features

Die Elektronik des Pedals ist in einem soliden Metallgehäuse untergebracht. Die Lackierung des JHS Pedals The Bonsai Pedals ist farblich, wie sollte es auch anders sein, in Hellgrün gehalten und wurde sauber ausgeführt. Die Stromversorgung erfolgt erwartungsgemäß über ein 9-Volt-Netzteil (2,1 mm x 5,5 mm Hohlstecker, Minuspol innen), das nicht im Lieferumfang enthalten ist. Die Stromaufnahme beträgt bei einem Overdrivepedal à la Tube Screamer nur einige (10-20) Milliampere. Ein Betrieb mit einem 9-Volt-Block ist nicht möglich, da der Platz im Gehäuse schlicht dafür nicht ausreicht.

Die Verarbeitung des JHS Pedals The Bonsai Pedals macht einen sehr guten Eindruck. Natürlich haben wir auch jeweils einen 6,3 mm Monoklinken-Ein-/Ausgang, einen Metallschalter und eine grüne Status-LED. Das Pedal arbeitet wie der originale Tube Screamer von Ibanez und seine Abkömmlinge voll analog und besitzt True-Bypass. Viele alte Tube Screamer aus den 80ern waren ja noch nicht damit ausgerüstet, sondern verwendeten einen gepufferten Bypass.

JHS Pedals The Bonsai left

— Den Klassiker flexibel gemacht —

Der Bonsai wurde mit satten neun (!) Tube Screamer Varianten ausgestattet. Diese wären im Einzelnen:

OD-1 / TS-808 / TS-9 / MSL (Power or L Serie) / TS-10 /Exar OD-1 / TS-7 / Keeley Mod Plus / JHS Strong Mod. Wie man sieht, hat JHS Pedals selbst auch eine Variante kreiert, die wir uns später auch anhören werden.

Regler des JHS Pedals The Bonsai

Wie zu erwarten, finden wir die drei klassischen Regler, die man vom Tube Screamer (und den meisten anderen Overdrive-Pedalen) kennt, vor: Volume, Drive und Tone. Die eigentliche Neuheit ist der Drehregler zum Wählen der neun oben bereits erwähnten TS-Modi, der den Bonsai überhaupt erst so flexibel macht.

JHS Pedals The Bonsai- Sound und Praxis

Wie wir gleich noch hören werden, wird der Sound der Vorbilder detailgetreu hergestellt. Da dies nicht etwa mithilfe von Modeling, sondern rein analog durch das Hinzu- bzw. Abschalten einiger elektronischer Komponenten erfolgt, wird der Klang der neun Vorbilder exakt kopiert. Sämtliche Schaltungen diverser Variationen und Modifikationen des Tube Screamers sind ja längst hinreichend bekannt und werden schaltungstechnisch einfach exakt reproduziert.

JHS Pedals The Bonsai top 2

— Neun Tube Screamer Modelle in einem Pedal —

Um einen optimalen Vergleich der verschiedenen Modelle zu gewährleisten, habe ich einige kurze Passagen, die sowohl Akkorde als auch Solopassagen enthalten, in einen Looper gespielt und anschließend einige Modelle mit dem Drehregler angewählt. Bei allen Hörbeispielen sind die Positionen der Regler identisch. Maximale Verzerrung und Tonregler auf 12.00 h.

Hören wir zunächst den Urvater des Ibanez Tube Screamers (genau genommen wurde das Prinzip des Diodenclippings beim Boss OD-1 abgeschaut), das Pedal, mit dem alles begann, den Ibanez TS 808 von 1997. Der Verstärker ist klar eingestellt:

TS-808 – 1979:

 

Den Sound haben wir natürlich im Ohr, da wir ihn bereits unzählige Male gehört haben, wenig Gain mit ausgeprägten Mitten und wenig Bass.

Nun die TS9-Variante von 1982. Der Sound des TS9 ist fast identisch mit dem des TS 808, er besitzt jedoch geringfügig mehr Bässe und Mitten:

 

Es geht weiter mit dem TS-10 – 1986. Dieses Modell ist ein leichtes Upgrade des TS9 für die späten 80er Jahre und etwas cleaner. Seitdem John Mayer den TS-10 in seinen Effektfuhrpark integrierte, sind die Preise für einen originalen Ibanez TS-10 in den Himmel geschossen.

 

Nun folgt der TS-7 + Modus – 1999
Diese Version bietet die höchste Verzerrung des Bonsais und mehr Bässe:

 

Keeley Mod Plus – 2002. Diese klassische Modifikation von Robert Keeley verleiht dem Tube Screamer (TS 808) weichere Mitten und Höhen sowie eine etwas stärkere Basswiedergabe:

 

JHS Strong Mod – 2008. Schließlich hören wir eine Modifikation aus eigenem Hause, die JHS seit 2008 vornimmt. Diese ist etwas klarer mit ausgeprägteren Höhen und mehr Bässen verglichen mit dem TS 808:

 

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Stratocaster SSH – JHS Pedals The Bonsai – Peavey Classic MH, etwas Hall – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher (Klon) – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic.

Fazit

The Bonsai war ein genialer Schachzug des Herstellers JHS Pedals. Diese Idee bzw. deren Umsetzung war eigentlich längst fällig. So ist der Gitarrist mit dem JHS Pedals The Bonsai in der Lage, quasi alle relevanten bzw. bekannten Tube Screamer Varianten originalgetreu herzustellen, und zwar komplett analog und exakt den Vorbildern entsprechend. Entweder man kennt seine Lieblingsvariation bereits oder man kann in Ruhe ausprobieren und den Typ finden, der perfekt ins eigene Konzept passt. Mit einer kleinen Bewegung des Drehschalters hat man spontan alle Modelle am Start, was sich gerade auch live und im Studio bewährt. Das Pedal ist auf den ersten Blick kein Schnäppchen, in Anbetracht dessen Flexibilität ist der Preis aber voll und ganz gerechtfertigt.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Konzept
  • Flexibilität

Preis

  • Ladenpreis: 259,- Euro
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