Test: KApro Librarys für Korg Kronos

12. November 2014

Pimp your Kronos

Komplexe Sound-Sample-Sets von Drittanbietern für aktuelle Synthesizer sind eine Rarität geworden. Nur bei KORG wird das weiterhin gehegt und gepflegt – und das ist gut so. Erschreckend sind dabei nur die Preis von bis zu 200,- Euro für ein Set. Allerdings beinhalten auch diese Sets zwischen 1 und 2 GB an Sampling-Material in komprimierten Dateien. So gesehen relativieren sich die hohen Kosten wieder.

Nun aber zum Eingemachten. Entscheidend ist ja schließlich nicht der Preis in Euro pro MB, sondern der musikalische Gegenwert.

Nachdem Kurt Ader den einstigen OASYS SOUND Lieferanten KARO verlassen hat, gründete er mit Peter Jung und Guido H. Bruck seine eigene Soundschmiede mit dem Namen KApro und setzt dabei auf ein Team talentierter Programmierer.

Na, dann schaun wir uns die neuen KApro-Produkte einmal an – und los geht’s:

EXs73 Analog_Dreams_Cover_v1

KORG KRONOS „ANALOG DREAMS“

ANALOG DREAMS ist eine wahre Fundgrube aus Analogsounds, die nicht dem Null-Acht-Fünfzehn-Klischee entsprechen, sondern immer versuchen, etwas „anders“ zu klingen als das, was man in Sample-Librarys sonst als „analog“ versteht.

Für meinen Geschmack wurde hier aber auch das ein oder andere Mal über das Ziel hinaus geschossen. Zu viel Effekte, zu viel Klangschichtungen, zu viel Wave-Sequenzen – einfach zu viel Kronos. Vielleicht bin ich hier etwas zu viel „alte Schule“, aber ich hätte mir gewünscht, mehr von dem Grundklang der gesammelten Vintage-Synthesizer zu hören.

Alles klingt fett, ohne Zweifel, aber eben doch nach KRONOS oder besser gesagt digital. Wer außergewöhnliche Synth-Sounds sucht, wird hier super bedient. Wer es pur analog mag, der wird hier eher enttäuscht sein.

EXs72 Modular_Dreams_Cover_v3

KORG KRONOS „MODULAR DREAMS“

Kein Geringerer als Bernd Michael Land, vielen bekannter unter dem Pseudonym ALIENS PROJECT – und auf AMAZONA.de bereits dreimal interviewt – hat den Großteil dieses Soundset zu verantworten. Wie klingt es, wenn ein Soundtüftler erster Güte seiner Leidenschaft nachgeht, Alienklänge für einen Digitalsynthesizer zu machen? Die Antwort: abgefahren!

Modular-Klänge à la Vince Clarke sind es aber leider nicht geworden. Und auch hier stellt sich die Frage, warum man den umfangreichen analogen Synth-Park von Bernie seiner Authentizität beraubt hat. Die Klänge sind sensationell – keine Frage. Soundscapes vom Feinsten, die der Kreativität Flügel verleihen, aber analog oder gar modular klingt das alles nicht mehr. Das Set hat auf jeden Fall DREI STERNE verdient, aber gewünscht hätte ich mir mehr ein Analog-Sample-Set wie es einst Vince Clarke mit „Lucky Bastard“ auf den Markt gebracht hat.

EXs38 Talking_Synths_and_Computers_Cover_v2b

KORG KRONOS „TALKING SYNTHS & COMPUTERS“

Was bitte haben sich denn die KApro-Macher dabei gedacht? Ein komplettes Set, in dem wertvoller Sample-Speicher verschwendet wird mit Vocoder-Sprüchen, die z.B. sagen „Herzlich willkommen zum Workshop von KApro“ oder „Ich möchte euch gerne meine neuen Klangkreationen vorstellen“. Das ist „Music Non-Stop“ als Vocoder-Sample gerade noch ein Highlight, wenn auch nicht sehr einfallsreich.

Aber es gibt auch ein paar Lichtblicke. Einiges an Zirps und Goinks aus der Computer-FX-Abteilung sind wirklich ausgefallen und sorgen für Abwechslung im rhythmischen Gebälk. Die sonstigen Sounds Bässe, Leads etc., quasi die Add-Ons zu den Vocoder-Voices und Computer Noises, sind handwerklich wunderbar programmiert, bieten aber kaum Überraschungen und sollten bereits durch die umfangreiche Korg Werkslibrary abgedeckt sein.

Für all jene, die mal einen Vocoder-Talk als Gimmick einspielen möchten – und selbst kein Plug-in für Vocoder-Sounds ihr Eigen nennen (gibt’s das?), die haben wahrscheinlich ihre Freude an diesem Set.

EXs39 Symphonic_Dream_1_Plucked_Strings_&_Mallets_COVER_v3

KORG KRONOS „SYMPHONIC DREAMS 1“

Mit der Reproduktion akustischer Orchester-Instrumente für den KORG Kronos hat KApro eine kleine Perle abgeliefert. Der Querschnitt ist sowohl in seiner Vielfalt als auch in seiner Qualität hoch zu loben und behandelt vor allem gezupfte Streicher und geschlagene Instrumente wie z.B. Marimbas und Glocken.

Die Instrumente wurden alle sehr sauber aufgenommen, gemappt und wundervoll im Korg Kronos nachbearbeitet. Vor allem hat man sich offensichtlich bei KApro wirklich Gedanken darüber gemacht, wo die Schwächen der Kronos Werkslibrary liegen und hat hier nachgebessert.

EXs78 Dynosaur_1_COVER_v2

KORG KRONOS „DYNOSAUR 1“

Dieses Set ist eine Reminiszenz an den Oberheim Xpander und Oberheim Matrix-12. Von all den analogen Soundsets, die KApro im Programm hat, klingt dieses noch am ehesten analog, auch wenn mir bei zu vielen Sounds der Einsatz von Kronos-Effekten zu heftig ist und den brachialen Charakter der Originale schlechtweg zukleistert. Wer sich die Mühe macht, all die Hallfahnen und Effekte zu entfernen, wird seine wahre Freude an diesem Set haben.

Trotzdem bleibt aber auch dann noch die Tatsache bestehen, dass ich den Oberheim Matrix-Sound beim besten Willen nicht wieder erkennen kann. Nochmals: Die Sounds sind toll, aber irgendwie kommt bei mir kein Oberheim-Feeling auf.

EXs19 KApro's Private Collection Cover_v4

Fazit

Ohne Zweifel, KApro – und vor allem Kurt Ader selbst – sind wahre KORG-Jünger und kennen den KORG KRONOS in- und auswendig. Entsprechend geschickt werden bei KApro die Librarys produziert und programmiert. Dies ist ganz sicher keine Stangenware. Ich bin damals begeistert von Kurts OASYS Librarys gewesen und bin es auch heute von den KRONOS Librarys.

Kritik muss ich aber leider auch üben. Ich finde ich, die Liebe zum KRONOS darf nicht so weit gehen, dass die Identität der analogen Klanglieferanten fast gänzlich verloren geht. Das mag den Sounds zum Großteil keinen Abbruch tun, aber wenn ich eine Library kaufe, auf der MODULAR steht, will ich, dass aus den Audioausgängen des KRONOS auch MODULAR rauskommt!

KRONOS Liebhaber, die ihre Workstation mit neuem, hochwertigen Klangmaterial füttern wollen, sind bei KApro in besten Händen!!! Ein Blick in die umfangreiche KApro Sammlung lohnt sich – und dank Demo-Modus kann man ja in den eigenen vier Wänden die Sets wunderbar und risikofrei ausprobieren.

Plus

  • wunderbar programmiert und auf den KORG Kronos abgestimmt
  • vielseitige Klangchreationen vor allem bei MODULAR DREAMS

Minus

  • bei den Analog-Sets fehlt der analoge Klangcharakter
  • keine Belegung der Chord-Pads

Preis

  • KApro Analog Dreams: 199,- Euro
  • KApro Modular Dreams: 199,- Euro
  • KApro Talking Synths: 149,- Euro
  • KApro Symphonic Dreams 1: 149,- Euro
  • KApro Dynosaur 1: 89,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    AQ  AHU

    Hatte erst vor kurzem Gelegenheit einen Kronos anzuspielen. Erster Eindruck extrem gut. Zweitens, warum soll ich jetzt bei einem solchen Topteil noch jede Menge Geld für zusätzliche Lybraries ausgeben? Was Korg da anbietet, kostet zusammen mehr als der Kronos selber. Drittens, bei den Preisen kann man sich ja locker einen Analogen Syth dazukaufen, das scheint mir die günstigere Variante zu sein. Beinahe 800 Euros kosten die KApro Pakete zusammen, da kann ich ja für den halben Preis von Komplete Ultimate 8 auf 10 updaten. Ja, sind immer noch 399.- aber die geb ich jetzt mit einem viel besseren Gewissen aus.
    Ach ja, guter Test :-)

    • Profilbild
      Bernd-Michael Land  

      Die Preise finde ich eigentlich für diese Librarys angemessen, denn das ist wirklich enorm viel Arbeit, besonders wenn man mit sehr alten Synthesizern arbeitet.
      Ich habe ja die EXs72 „Modular Dreams“ erstellt und kann daher nur für diese sprechen.
      Den meisten ist leider nicht bewusst, wieviel Zeit dafür aufgewendet werden muss. Insgesamt haben wir nur für diese eine Library gut 800 Arbeitsstunden aufgewendet.
      Da kann sich jeder schnell ausrechnen, wie gering der Stundensatz dann ist, denn solche Unmengen kann man davon ja auch nicht verkaufen. Die Kosten für das Studio und die Instandhaltung der ganzen alten Maschinen möchte ich gar nicht mit einrechnen.
      Mit dieser Library sind wir auch ganz bewust neue Wegegegangen und das die Sounds „anders“ klingen war pure Absicht, denn die üblichen Standardsamples gibt es doch quasi an jeder Ecke.
      Viel Spaß damit!

  2. Profilbild
    klangwelt67

    Controller: Sind alle belgt! Vielleicht sollte man im Globalmenue nachsehen ob aktiviert. Was den Preis angeht so sollte man doch ersteinmal überlegen wo der sicherlich herkommt! 1. analoge Sounds EX73/72 Also ersteinmal kann ich nicht nachvollziehen, was er da gehört hat. Matrix 12 ein muss ! Ich selbst bekomme Gänsehaut beim Sound z.B. Butterweich ! Die analogen Sounds total abgefahren !! EX72 MODULAR DREAMS Eine total abgefahrene Klaglandschaft! Einzigartig!! So etwas gibt es sonst niergens wo. Nicht analog ? Vielleicht waren die Ohren einwenig verstopft. EX38 … für die jungen Leute, EXS 19 Private Collection, Hammer EXS 39 + 45 Orchestra 1+2. Ein muss eine Detailgetreue vom aller aller feinsten! Programms klingen hier wie Combis. Abgesehen davon das die Polophonie nicht beschnitten wird. Mein Fazit: Man sollte sich mal überlegen warum das Workstation Flaggschiff jedes Jahr den Musikaward bekommt! Und wenn auf der Seite von Korg.de geht, wundert man sich nach diesen Test. Das dort gerade die Sounds von KApro (Kurt Ader) Inside sind. Vielleicht sollte man in Ruhe noch mal die ganzen Sounds anhören.

    • Profilbild
      Tyrell  RED 1

      Lieber Klangwelt – warum anonym? ;-)
      Mit den Controllern muss ich leider auf meine Kappe nehmen. Die entsprechenden Passagen wurden von mir geändert. Was allerdings den analogen Soundcharakter angeht, muss ich leider standhaft bleiben. Die Sounds sind zum Großteil wirklich toll – und auch der von Dir angesprochene „Butterweich“ ist wunderbar, aber: Der Oberheim-Matrix-Charakter ist irgendwo zwischen Sampling und Klangschichtung auf der Strecke geblieben. Ich habe hier am Expander dutzende von Pass und Streichersounds zum Gegencheck – und der klingt einfach KOMPLETT anders. Thats it ;-)

  3. Profilbild
    defrigge  

    Ich stimme Tyrell zu.

    Analog Dreams klingt überwiegend nicht sehr nach Moog, Oberheim, Arp, Prophet oder anderen bekannten Vertretern der Analog-Zunft, genau wie schon früher die entsprechenden KARO-Libraries.

    Zwei weitere Dinge sind mir negtiv aufgefallen:
    – Die Neigung zu überproportionaler Effektsoße findet sich leider fast durchgängig in KA-Libraries, seit KARO-Zeiten bis heute. Es finden sich auch schöne und gut programmierte Sounds in diesen Libraries! Ohne diese positiven Beispiele wäre ich wahrscheinlich gar nicht zum gelegentlichen Käufer geworden. Aber ich bin nach dem Kauf oder Demo-Test jeweils nur sehr bruchstückhaft mit Sounds fündig geworden, die ich für unmittelbar praktisch einsetzbar halte.
    – Das KA-Team hat eine deutlich erkennbare Vorliebe für alles, was im Kronos unter die Kategorie „Motion-Synth“ fällt. Aber ein wabernder Flächensound oder stark modulierter Lead-Synth ist nicht automatisch ein Live-taiglicher oder aufnahmewürdiger Sound, bloß weil es sich irgendwie irre gemacht anhört.

    Alles in allem wäre mein Urteil eher noch etwas kritischer ausgefallen als das von Tyrell, was den pseudo-analogen und wenig alltagsrelevanten Charakter des meisten Materials in diesen Libraries betrifft.

    • Profilbild
      Bernd-Michael Land  

      Naja, es ist doch sehr einfach im Kronos die Effekte abzuschalten oder diese zu minimieren, als sie komplett neu erstellen und an den Sound anzupassen.
      Viele User nutzen überwiegend die fertigen Presets (auch wenn es niemand zugeben möchte…) und so kann man doch eher zeigen, was mit den Klängen alles möglich ist.

  4. Profilbild
    Marc

    „Wer es pur analog mag, der wird hier eher enttäuscht sein“ halte ich für völligen Quatsch. Ich bin in der Situation solches beurteilen zu können… Persönlich finde ich die Libraries sehr gelungen, wen die Effekte stören, kann sie abdrehen und es Furztrocken haben. Zum Glück kann man die Libraries 30 Tage Demohören indem man die Demodatei vom Korg-Shop auf seinem Kronos installiert, und sich seine eigene Meinung bilden :-)

    • Profilbild
      Max Lorenz  RED

      Mir geht es genau so mit Deiner Meinung, einfach nur „Quatsch“. Aber wie Du schon sagst, jeder Kronos-Besitzer kann sich ein Demo runterladen und wird – wenn er gut Ohren hat – feststellen, dass die Sounds so verfremdet wurden, dass der analoge Charakter verloren gegangen ist. Peter hat auch gerade die BITR-Vintage Sounds von Klaus-Peter Rasuch getestet. Set 1 und 2 davon besitze ich selbst – und da ist einfach ein himmelweiter Unterschied zu KaPro. Nicht von der Qualität, da geben sich beide nciht viel, sondern vom Gefühl an einem Analogen zu sitzen.

  5. Profilbild
    Marc

    Tja Freunde, wie gut daß Geschmäcker verschieden sind ! Trotzdem würde ich als Autor Aussagen wie „…wird hier eher enttäuscht sein“ lassen, für mich hat sowas immer den Beigeschmack von „Ich mag den Hersteller nicht“

    • Profilbild
      Tyrell  RED 1

      Blödsinn. Zwei der Artikel habe volle Punktzahl erhalten – und die letzten Tests zu (damals Karo) ebenfalls!!!! Solche Unterstellungen sind nur Provokation und dienen niemandem. Du solltest die Meinungsfreiheit von Autoren lieber zu schätzen wissen. Auf AMAZONA.de dürfen und sollen Autoren ihre Meinungen unzensiert veröffentlichen – und das hat für Dich einen Beigeschmack? Wo lebst Du denn?

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.