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Test: Larry Carlton L7 TBL, E-Gitarre

12. Oktober 2021

Die Paula mit dem guten Namen

Larry Carlton L7 TBL

Larry Carlton L7 TBL

Bereits 2016 sorgte der indonesische Hersteller Sire Guitars mit einem extrem günstigen Signature-Modell der Basslegende Marcus Miller für Aufsehen in der Tiefton-Gemeinde. Nun sind die sechs Saiten an der Reihe und für die Entwicklung der L7 TBL holte man sich mit Larry Carlton kurzerhand eine weitere Legende mit ins Boot. Herausgekommen ist eine erschwingliche E-Gitarre im LP-Style, die den Namen des Künstlers trägt und alle Anforderungen besitzen soll, die Carlton an seine Instrumente stellt. Der Preis ist auch hier wieder heiß, denn die Larry Carlton L7 TBL geht für gerade einmal 549,- Euro über den Ladentisch, was sie für Einsteiger mit gehobenen Ansprüchen genau so interessant macht wie für den Profi, der mit einem zuverlässigen Ersatzinstrument im Paula-Style liebäugelt. Mal schauen, ob die Larry Carlton L7 TBL ein ähnliches Pfund abliefert wie ihr legendäres Vorbild.

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Larry Carlton L7 TBL – Facts & Features

Auf den ersten Blick erscheint die Form des aus Mahagoni hergestellten Korpus nahezu identisch mit dem der klassischen Paula, beim genaueren Betrachten fallen dann aber doch mehr oder minder starke Unterschiede ins Auge. Neben Kleinigkeiten, wie etwa der etwas kräftiger ausgeprägten Spitze des Cutaways, sind diese Unterschiede vor allem auf der Rückseite erkennbar. Dort wurde im Bereich des Hals-Korpus-Übergangs angesetzt und eine homogen gerundete Fräsung in das Holz gesetzt, die sich bis auf die Rückseite des Cutaways erstreckt und somit der Greifhand eine optimale Bespielbarkeit in den oberen Lagen des Halses ermöglichen soll.

Doch werfen wir wieder einen Blick zurück auf die Vorderseite und sehen dort zuerst einmal eine beeindruckend schön gemaserte Riegelahorndecke in einem „Transparent Blue Burst Finish“. Das könnte man zumindest meinen, dermaßen gut ist diese Illusion aus einem Ahornfurnier gelungen. Dennoch sitzt auf dem Korpus ein Stück massives Ahorn oben drauf, wohl aber nicht ein solch schönes, wie es das Furnier on top uns suggerieren möchte. Abgerundet wird der Blick auf die Decke von einem cremefarbenen Binding, das die Ränder sauber umschließt. Die Farbe Creme ist überhaupt die Kolorierung der Wahl bei den Kunststoffteilen an dieser Gitarre, so wurden das Pickguard, die Rahmen der beiden Humbucker, das Binding am Hals genau so in diese Farbe getaucht wie auch die Kappe des Pickup-Schalters oder die beiden Abdeckungen auf der Rückseite. Das Ganze bringt dann doch ordentlich Gewicht auf die Waage, in diesem Punkt steht die Larry Carlton L7 TBL ihrem berühmten Vorbild in nichts nach.

Mahagoni Hals mit Ebenholzgriffbrett

Ebenfalls aus Mahagoni besteht der eingeleimte Hals und während der gesamte Korpus mit einer hochglänzenden Lackschicht überzogen wurde, blieb die Halsrückseite zum Glück davon verschont. Die an dieser Stelle nur satinierte Oberfläche sorgt zusammen mit den abgerundeten Kanten des 12″ gewölbten Griffbretts sowie dem recht schlanken C-Profil für eine angenehme Bespielbarkeit ohne besonderen Widerstand. Dazu tragen natürlich auch die sauber eingesetzten und auf ihren Oberflächen ausreichend polierten Bundstäbchen bei, von denen es 22 an der Zahl gibt.

Zur Orientierung dienen klassische Trapez-Inlays, wie man sie an bzw. auf einer Gitarre dieses Typs auch einfach sehen möchte. Bei der Länge der Mensur hält man sich an das bewährte Format des Originals, wenn auch hier mit einem Hauch weniger, genauer gesagt mit 627 mm – im Vergleich zur „klassischen Les Paul mit ihren 628 mm.

Die Hardware

Auch bei der Befestigung der Saiten setzt Sire bei der Larry-Carlton-Paula auf Tradition und damit auf das Zusammenspiel eines Steges (TOM-Bridge) aus Metall mit einem Tailpiece, das aus Aluminium gefertigt wurde. Beide Teile wurden mit einer dicken Chromschicht versehen und sauber in die Decke eingesetzt, sie führen die Saiten über einen Knochensattel hinauf zu den Klemmmechaniken, die aus eigener Herstellung von Sire stammen. Die Tuner arbeiten makellos und frei von jeglichem Spiel und bieten zudem ein gutes Gegengewicht zum Korpus, was dem Instrument trotz seines hohen Gewichts eine doch recht ausgeglichene Balance verschafft. Dennoch sollte man gewarnt sein: Eine Paula ist nun mal eine Paula und die wiegt eben!

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Elektronik & Pickups

Bei den Tonabnehmern und der Schaltung treffen wir ebenfalls auf nichts Neues oder gar Revolutionäres. Zwei identische AlNiCo 5 Humbucker mit Chromabdeckung und aus eigener Fertigung wurden am Hals und am Steg in die Decke eingesetzt. Sie werden wie erwartet angesteuert von einem Dreiwegeschalter und besitzen je einen Regler für Lautstärke und Tonblende. Der Schalter hinterlässt einen guten Eindruck und auch die Regler geben keinen Anlass zur Kritik, jedoch arbeiten sie nicht besonders linear in ihrem Verlauf auf der Achse, was bei Instrumenten dieser Preisklasse jedoch nichts Ungewöhnliches ist. Eine Singlecoil-Schaltung gibt es beim Original nicht und gibt es hier auch nicht, demnach existieren auch keine Push-Pull-Potis oder irgendwo ein gut versteckter Mini-Switch.

Das Anheben der Regler könnte sich ohnehin als eine knifflige Angelegenheit darstellen, denn die dort aufgestecken Plastikknöpfe sind spiegelglatt an den Seiten – selbst bei normaler Nutzung könnte sich bei schweißnassen Händen ein präzises Einstellen als schwieriger wie erwartet zeigen. Schade eigentlich, denn dabei bieten sie doch mit ihrer honiggelben Farbe einen schönen Kontrast zur Decke in ihrem Blue-Burst-Finish.

Larry Carlton L7 TBL Regler Potis

Schön anzuschauende aber leider griffschwache Potiknöpfe

Larry Carlton L7 TBL – Praxis-Check

Akustischer Grundsound / Handling

Bei einer Vollmahagonikonstruktion in diesem Design hat man natürlich bestimmte Erwartungen an den Grundklang eines Instruments. Das Original ist bekannt und beliebt vor allem für sein ausgesprochen kräftiges Sustain, ganz so kräftig kommt es bei unserer Larry Carlton L7 TBL aber leider nicht rüber. Von „toter Masse“ zu reden, würde vielleicht über das Ziel hinaus schießen, es sind aber doch deutliche Unterschiede sowohl im Sustain-Verhalten als auch bei der Tonentfaltung generell im Vergleich zu einer guten Paula zu bemerken. Es wirkt nicht ganz so frisch, dynamisch und offen, wie man es in aller Regel erwartet. Dafür aber streicht der Hals mit seiner nur satinierten Rückseite, den abgerundeten Griffbrettkanten und dem schlanken C-Profil wieder Pluspunkte ein: Die Bespielbarkeit ab Werk bzw. die unseres Testinstruments kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Gewöhnungsbedürftig erscheint jedoch, wie zu erwarten war, das hohe Gewicht, auch wenn das Instrument gut ausbalanciert auf dem Schoß ruht oder am Gurt einpendelt.

Elektrischer Sound

Auch bei den Pickups sollte man das Klangbild der legendären PAFs besser nicht als Referenz nehmen.  Die beiden Humbucker wirken trotz ihres hohen Outputs etwas „körnig“ und nicht sauber aufgelöst in ihrem Klangbild, sind dafür aber echt arm an Nebengeräuschen und resistent gegen Übersteuerungen, also Pfeifen. Allzu große Sprünge sollte man allerdings mit den Volume-Potis vermeiden, denn schon bei nur geringer Zurücknahme der Lautstärkeregler verliert das Signal doch deutlich an Kraft und muss Einbußen im Frequenzbild hinnehmen. Voll aufgeregelt erhält man aber gute Paula-Sounds mit immerhin kräftigen Bässen, einem potenten Mittenbild und daher einem garantiert guten Durchsetzungsvermögen innerhalb eines Bandgefüges.

Larry Carlton L7 TBL – Klangbeispiele

Für die nun folgenden Klangbeispiele habe ich die Larry Carlton L7 TBL in den Eingang meines Mesa/Boogie Studio 22+ Combos eingeklinkt. Vor dem Combo wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, mit dem die Tracks in Logic Audio aufgenommen wurden.

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Fazit

Wenn man sich den günstigen Preis vor Augen führt, dann kann der Test der Larry Carlton L7 TBL nur mit einer guten Beurteilung enden. Das Instrument bietet hinsichtlich der Verarbeitung keine nennenswerten Schwächen, lässt sich gut bespielen und liefert einen Klang, der zwar nicht unbedingt vom Hocker reißt, aber dennoch für vieles im Bereich von Blues bis Rock ausreicht.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • gute Bespielbarkeit
  • schöne Optik

Minus

  • Klang nicht immer überzeugend

Preis

  • 549,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    roseblood11  

    Wenn es bei einem Instrument dieser Preisklasse klangliche Abstriche gibt, würde ich mir Aussagen dazu wünschen, woran es liegt. Mal einen teureren Steg und Saitenhalter und gute Saiten drauf setzen, oder auch andere Pickups rein. Gut, letzteres ist vielleicht zu aufwändig, aber man könnte sie zumindest durchmessen und evtl vom Hersteller die genaueren Daten abfragen. Wer den DC-Widerstand kennt und weiß, dass es sich um AlNiCo-5 Magnete handelt, hat eine Klangvorstellung, die präziser ist, als die Aussage, das Klangbild sei „nicht sauber aufgelöst“. Was soll das überhaupt heißen, wie soll ein passiver PU das physikalisch machen? Wenn man diese Gitarre mit einer solideren Brücke und evtl Pickups von Creamery etc nachrüstet, ist sie immernoch nicht teuer und vielleicht für manchen die Axt fürs Leben.
    Ist bekannt, wo in Indonsien die produzieren? Evtl bei Samick?

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