Test: LD Systems WS1G8, Drahtlosanlage

7. August 2015

Den freien Raum nutzen

Doppelfunkstrecke mit zwei Handsendern

Doppelfunkstrecke mit zwei Handsendern

1,8 GHz

Noch immer scheint es unter Musikern und Beschallern Unsicherheiten zu geben, wenn über die Nutzung von Funkstrecken geredet wird. In der Online-Ausgabe der Zeitung ZEIT war am 19. Juni dieses Jahres zu lesen, dass die Bundesnetzagentur weitere Mobilfunkfrequenzen für fünf Milliarden Euro an potente Anbieter verkauft hat. Was ist richtig, was ist falsch, worauf habe ich jetzt wieder zu achten? Das sind Fragen, die man sich dann schnell stellt. Und es sieht so aus, als ob dieses Thema bei manchem Anwender für Schulterzucken oder Kopfschütteln sorgt. Tatsächlich sollte man sich auch unbedingt vor der Anschaffung einer Drahtlosanlage informieren, will man nicht in eine Falle tappen. LD Systems WS1G8 bietet schon jetzt eine zukunftssichere Lösung. Das True Diversity Funkmikrofon-System kann in vielen europäischen Ländern lizenzfrei betrieben werden. Gesendet wird in einem Frequenzbereich von 1785 bis 1800 MHz. Hier ist störungsfreier Betrieb gewährleistet, da der 1,8 GHz-Bereich durch die digitale Dividende und Neuzuordnung der Frequenzen für Funksysteme der Audioübertragung vorbehalten ist. Im Gegensatz dazu tummeln sich im beliebten 2,4-GHz-Band auch WLAN, WiFi und Bluetooth, also andere drahtlose Geräte. Deshalb könnte es hier durch eine Vielzahl von Anwendern eher zu Störungen kommen. LD Systems WS1G8 ist ein professionelles Funksystem mit 192 UHF-Kanälen und Doppelempfänger im 19-Zoll-Format auf einer Höheneinheit mit zwei Handsendern (dynamische Kapseln). Hier treten also zwei Funkstrecken und zwei Handsender gemeinsam an.

Hinweise, in welchen Ländern das System bisher lizenzfrei eingesetzt werden kann, finden sich auf der Website von LD Systems (Link am Ende).

Sehr praktischer Transportkoffer

Sehr praktischer Transportkoffer

Die erste freudige Überraschung erlebt der Autor dieser Zeilen bereits nach dem Auspacken. Denn es entpuppt sich eine Transportbox aus stabilem ABS-Kunststoff. Ein wenig erinnert sie an den Koffer meiner Schlagbohrmaschine, und vom Gewicht könnte das ebenfalls hinkommen.

Ganze 5,8 Kilogramm zeigt die Waage an. Diese fast zwölf Pfund kommen nicht nur durch den sauber verarbeiteten Doppel-Empfänger im massiven Stahlblechgehäuse zustande. Auch die beiden Handsender sowie ein komplettes 19-Zoll Einbauset mit allen Zubehörteilen für die abgesetzte Antennenmontage, zwei Antennen, Anschlusskabel und das passende Netzteil tragen letztendlich zum Gesamtgewicht bei. Vier AA-Batterien gehören ebenfalls dazu – da kann es ja sofort losgehen. Die mehrsprachige Bedienungsanleitung ist ein regelrechtes Buch mit 136 Seiten und lädt zum Informieren ein, wenngleich die Anlage mit wenigen Handgriffen recht einfach zu bedienen ist. Der Transportkoffer misst rund 540 x 370 x 135 mm (B x H x T) und er lässt sich bequem öffnen, schließen und natürlich auch gut tragen.

Der Inhalt verteilt sich auf zwei Ebenen

Der Inhalt verteilt sich auf zwei Ebenen

Zwillinge

Das hervorragend verarbeitete 19-Zoll-Gehäuse aus stabilem Stahlblech beherbergt zwei identische Empfangseinheiten. Vor dem ersten Testeinsatz müssen zunächst noch die beiden Antennen auf der Rückseite eingeschraubt (TNC-Anschlüsse) werden. Und die Batterien sitzen nun auch in den Handsendern. Als Ausgänge bieten die Empfänger getrennte XLR-Buchsen. Aber auch ein gemeinsamer XLR-Ausgang ist vorhanden sowie auch noch ein gemeinsamer Klinkenausgang für unsymmetrische Signalführung. Hier lässt sich dann zum Beispiel das mitgelieferte Klinkenkabel einstecken. Ich bevorzuge eher die symmetrische Signalführung und fische mir das passende XLR-Kabel aus meinem Kabelfundus heraus.

Ausgangsvarianten

Ausgangsoptionen

Der Doppelempfänger mit externem Kabelnetzteil wird auf der Vorderseite eingeschaltet, ein regelbarer Kopfhörerausgang mit großer Klinkenbuchse lässt direkte Kontrolle am Gerät zu. Nach dem Einschalten strahlen die Displays der Empfänger in leuchtendem Orange und mit großen Ziffern, die sich auch im hellen Umfeld sehr gut ablesen lassen. Auch an den Handsendern sind die Displays farbig beleuchtet, wenn auch nur kurzzeitig, um die Batterien zu schonen.

Wichtige Informationen im Blick

Wichtige Informationen im Blick

Plug-and-play heißt es nun, denn die Werkseinstellungen sind bereits so konfiguriert, dass es direkt passt: Jeder Handsender ist bereits einem Empfänger zugeordnet. Zur ersten Kontrolle schließe ich zunächst einen Kopfhörer an. Der Signalpegel ist hier leider recht gering, selbst bei voll aufgedrehtem Lautstärkeregler und bei voll aufgezogenen Pegeln (bis maximal 63) der Empfangseinheiten. Im laufenden Betrieb informieren die Displays über Frequenz, Squelch und Volume. Zwei nebenstehende LED-Ketten weisen auf die Stärke der RF-Signale (Funk) hin und es wird auch angezeigt, welche der beiden Antennen (A oder B) gerade im Einsatz ist. Die siebenstufigen LED-Ketten für Audiosignale (AF) warnen vor Übersteuerung. Bis 0 dBV ist es hier grün, bei +3 dBV leuchtet zusätzlich die orange LED und bei +6 dBV oder darüber ist dann auch noch die rote LED sichtbar.

Regelbarer Kopfhörerausgang

Regelbarer Kopfhörerausgang

Funkstärke und Audio Signalstärke sind ablesbar

Funkstärke und Audiosignalstärke sind ablesbar

Vier Soft-Tasten zur einfachen Bedienung

Vier Soft-Tasten zur einfachen Bedienung

Jeweils vier Soft-Tasten lassen die Einstellungen pro Empfänger ändern: Set wechselt in die Menüpunkte, die Pfeile nach oben und unten dienen der Lautstärkeeinstellung oder dem Ändern von Parametern in den jeweiligen Untermenüs und die ASC-Taste sorgt für Frequenzsynchronisation mit dem Sender über Infrarot. Ich möchte nun die Einstellungen ändern und wähle eine andere Gruppe (von 1 bis 16 möglich). Automatisch führt mich das Gerät zum nächsten Menüpunkt, der Kanalwahl. Je Gruppe stehen zwölf Kanäle zur Verfügung. Auf diese Weise kommen dann übrigens auch die 192 UHF-Kanäle zustande. Als nächstes muss noch die Rauschsperre (Squelch) eingestellt werden. Hier sind drei Optionen möglich: niedrig, mittel, hoch. Jetzt noch ASC getippt und Sender und Empfänger synchronisieren sich ganz von selbst – fertig.

Rückseitige Ansicht

Noch einfacher ist der automatische Kanalsuchlauf. Hier stellt sich nach kurzer Zeit ein Interferenz-freier Kanal ganz von allein ein. Es brauchen dann nur noch Handsender und Empfänger mit ASC synchronisiert werden. Der Umgang mit dem System ist wirklich kinderleicht. Auch unerfahrene Anwender kommen auf Anhieb mit den notwendigen Einstellungen klar. Als übertragbaren Frequenzbereich gibt der Hersteller 50 Hz bis 16 kHz an.

Handsender

Handsender mit Sichtfeld

Handsender

Das Mikro (Beschreibung gilt für beide) fühlt sich dank einer samtartigen Oberfläche gut an. Es liegt ausgewogen in der Hand. Unter dem kräftigen Korb aus Metall sitzt eine dynamische Kapsel mit Nierencharakteristik. Wird der untere Teil (Kunststoff) des Handsenders abgeschraubt, kommt das Batteriefach zum Vorschein. Hier findet sich auch der Gain-Regler für die Ausgangsstärke. Kommt das Signal zu stark oder zu schwach im Empfänger an, kann mit einem kleinen Schraubendreher (nicht im Lieferumfang) nachjustiert werden. Über den geräuschlosen Schiebeschalter wird der Handsender in Betrieb genommen. Kurzzeitig ist dann das Display orange beleuchtet. Es zeigt die Batteriestärke sowie Gruppe und Kanal an. Verdunkelt sich das Display wieder, sind die Einstellungen vor allem bei geringem Umgebungslicht nicht so gut zu erkennen. Daher ist es eine gute Idee, bei jedem Einschalten den Batteriezustand zu überprüfen. Daran wird allerdings auch im Display des aktiven Empfängers erinnert. Blinkt dort die Anzeige „LOW BATT“, wird es Zeit, die Stromlieferanten auszutauschen. Mit guten Batterien oder Akkus verspricht LD Systems eine Betriebsdauer von bis zu 13 Stunden. Mikrofonklemmen werden leider nicht mitgeliefert.

Zwei AA-Baterien oder entsprechende Akkus finden hier Platz

Zwei AA-Batterien oder entsprechende Akkus finden hier Platz

Rackeinbau

Soll der Doppelempfänger im Rack betrieben werden, lassen sich die Antennen wahlweise auf die Vorderseite legen. Entsprechendes Einbaumaterial wie Rackohren und die passenden Verlängerungen liegen bei. Falls die Antennen nach dem Einbau doch lieber auf der Rückseite bleiben sollen, lassen sich die vorderen Bohrungen an den beiden Aluminiumwinkeln mit kleinen Stopfen verschließen, was auf jeden Fall der Optik zugute kommt.

Zur Praxis

Um jegliche unnötige Beeinflussung der Signale auszuschließen, wird die LD Systems WS1G8 direkt mit einer leistungsstarken Aktivbox verkabelt. Hier bevorzuge ich wie erwähnt die symmetrische Verbindung über XLR-Kabel. Der Output ist recht hoch, schließlich stehen die Regler noch von der Funktionsprüfung des Kopfhörerausgangs auf dem Maximalwert von 63. Warum hier diese Zahlen auftauchen, ist mir nicht klar. Vielleicht wären Prozentangaben an dieser Stelle sinnvoller? Oder schlicht und einfach die Ziffern von 10 bis 100.

Dynamische Kapsel

Dynamische Kapsel im Handsender

Der Klang der Mikrofonkapseln ist recht ausgewogen – klar, brillant, mit einem deutlichen Nahbesprechungseffekt. Die Handgeräusche sind gut gedämpft, sodass hier keinerlei Störungen zu erwarten sind. Werden beide Handsender parallel betrieben, gibt es ebenfalls keine Probleme. Interessant zu sehen ist, wie die Anzeigen der augenblicklich zum Empfang verwendeten Antennen immer wieder zwischen A und B hin und her springen. Die Sendeleistungen sind gut. Angaben über Entfernungen hierfür macht der Hersteller verständlicherweise nicht, was auch immer ein schwieriges Unterfangen ist, denn jede Situation stellt sich schließlich anders dar. Bei meinen Testläufen konnte ich ohne Probleme durch verschiedenen Zimmer gehen (mehrere Wände zwischen Sender und Empfänger) und habe keinerlei Drop-Outs feststellen können. Der Ein/Aus-Schalter an den Handsendern verrichtet seine Arbeit vollkommen geräuschlos. Die Funkstrecken arbeiten sehr ordentlich. Störungen durch Einstreuungen von anderen Funksignalen waren nicht festzustellen. Auch das Wechseln der Frequenzen brachte keinerlei Einschränkungen.

Info-Display am Handsender

Info-Display am Handsender

Fazit

LD Systems WS1G8 ist ein verlässliches Drahtlossystem mit guten klanglichen Eigenschaften. Der 1,8 GHz Sendebereich ist nicht so überfüllt wie die 2,4 GHz Alternative und auch in vielen europäischen Ländern lizenzfrei zu nutzen. Damit ist die Anschaffung dieser Funkstrecke auf jeden Fall zukunftssicher. Auch ungeübte Anwender kommen mit der Bedienung sofort zurecht. Die große Auswahl an nutzbaren UHF-Kanälen garantiert ungestörten Betrieb auch in kritischen Situationen. Vielleicht legt LD Systems in Zukunft auch noch zwei passende Mikrofonklemmen dazu. Als Gesamtergebnis geht ein „sehr gut“ nach Neu-Anspach (Hessen), dem Firmensitz der Adam Hall Eigenmarke LD Systems.

Plus

  • 1,8 GHz-Band
  • lizenzfrei und zukunftssicher
  • 192 UHF-Kanäle
  • sehr gute Verarbeitung
  • einfache Bedienung
  • gute klangliche Eigenschaften
  • Rack-Einbauset
  • sehr gut ablesbare Displays (Empfänger)
  • stabile Transportbox
  • Mikrofone mit geringen Handgeräuschen

Minus

  • keine Mikroklemmen
  • Kopfhörerverstärkung zu gering

Preis

  • Ladenpreis: 499,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Ja, die Digitale Dividende ist leider ein leidiges Thema. Ob nun die LTE Mittenlücken im 800 MHz und im 1.8 GHz Bereich oder 2.4 GHz – Störungen sind mittlerweile überall zu erwarten. Die Zeiten, in denen durch vernünftiges Frequenz-Management selbst große Installationen durchführbar waren, sind wohl endgültig vorbei. Zum Thema LTE und Funk zitiere ich mal Jürgen Schörer, Applications Engineer bei Shure:

    „LTE gibt es bei 800 MHz und bei 1,8 GHz. Je höher die Frequenz desto geringer die Reichweite. Bzw. Je höher die Frequenz desto mehr Sendemasten werden benötigt. Deswegen wird in ländlichen Gebieten LTE eher bei 800 MHz betrieben – und in Ballungszentren – wo eh schon reichlich Sendemasten vorhanden sind – eher bei 1,8 GHz. Die (anmelde-freien) Funksysteme liegen in der LTE Mittenlücke. Störungen durch LTE sind nur von nahe gelegenen Endgeräten zu erwarten. Fakt: die eventuelle Störungsquelle ist bei 800 und bei 1,8 GHz die gleiche. Wenn ich mich nun eher in ländlichen Gebieten aufhalte ist ein Funksystem mit 1,8 GHz störungssicherer, aber in Ballungszentren ein Funksystem bei der 800 MHz Mittenlücke. Nun ist es an dir zu entscheiden ob du ein 1,8 GHz Funksystem vorziehen willst.“

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