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Test: Leaf Audio DIY-Dronesynth

2. Februar 2022

4-fach VCO Drone als DIY Projekt für 89,- Euro?

Heute zäumen wir das Pferd einmal von hinten auf. Leaf Audio bietet ein Dronesynth-Komplettkit zum Selbstbau für knapp 90,- Euro an. Das gelaserte Holzgehäuse ist auch noch inklusive! Ja, kann denn das sein? Weihnachten war doch erst!

Leaf Audio DronesynthLeafAudio Dronesynth Rückseite

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LeafAudio ist eine deutsche Manufaktur für Eurorack-Module und DIY-Workshops zum Bau von extravaganten experimentellen Instrumenten und Pedalen, unter anderem die Microphonic Soundbox, die dem einen oder anderen bestimmt schon einmal auf diversen Websites unter die Augen gekommen ist. Von was redet der Kerl überhaupt? Es geht hier doch um eine Drone!

Was ist überhaupt ein Dronesynth?

Der Name als solches kommt aus der Science-Fiction und bezeichnet das Geräusch, das ein Flugobjekt macht, während es an einem vorbeizieht: Also das Geräusch einer vorbeifliegenden Drone (nicht die Quadcopter heutzutage!). Da sich hier jeder einen anderen Sound vorstellt bzw. der Fantasie freien Lauf lassen kann, wird in der Regel ein Klang beschrieben, der permanent erklingt und sich mehr oder weniger langsam verändert. Bezeichnend ist ebenfalls, ein über einen langen Zeitraum schwebender Klang, der geräuschartige Elemente wie auch harmonische Strukturen beinhalten kann. Meist werden verschiedene Oszillatoren gegeneinander oder miteinander verstimmt. Zumindest ist das meine Interpretation. Sollte ich falsch liegen, bin ich für Hinweise im Kommentarfeld dankbar.

Das Konzept der LeafAudio Dronesynth

Die Drone bietet zwei Kanäle mit jeweils zwei Oszillatoren, die gemischt werden können. Welcher Oszillator wie viel Anteil am Gesamtsound hat, entscheidet ein Crossfader in jedem Kanal. Zu guter Letzt geht das Summensignal durch ein Lowpass- oder Highpassfilter, um den Gesamtklang anzupassen. Wobei dieses Filter eher einem HiFi-Baustein für die Absenkung der Höhen wie auch der Bässe gleicht. Soweit, so gut! Gehen wir nun mal ins Detail und schauen uns an, was man von so einem D(o)i(t)y(ourself)-Projekt erwarten kann.

LeafAudio Dronesynth Frontseite

Lieferumfang

In DIY-Kreisen wird so ein Bausatz, bei dem alles enthalten ist, was man benötigt, um ein fertiges Gerät zu erhalten, als KIT bezeichnet. So ist es auch hier. Bis auf die 9 V Blockbatterie ist alles enthalten.

  • CAD ausgelaserte Holzgehäuseteile inkl. Beschriftung
  • die Hauptplatine und die Platine für die Ein- und Ausgänge
  • sämtliche elektronische Komponenten (ICs, Widerstände, Kondensatoren usw.)
  • Klinkenbuchsen, Potikappen und alle mechanischen Bauteile
  • Verbindungskabel
LeafAudio Dronysynth fast fertig

Nach dem Löten und Basteln muss man nur noch zusammenbauen!

Was man noch zusätzlich benötigt, ist Holzkleber, eine kleine Zwickzange, eine normale Zange, Schraubenzieher, Lötkolben und Lötzinn. Eine gute Beleuchtung, gute Augen, etwas mehr Geduld sowie Spaß beim Basteln sollten in jedem Haushalt vorhanden sein.

LeafAudio Dronesynth geöffnet

Nun ist die Drone kurz vor der Fertigstellung

Soll ich es wagen? Schwierigkeitsfaktor!

Für absolute Anfänger ist dieses Dronesynth-KIT nicht unbedingt geeignet. Es sollten gewisse Vorkenntnisse in Form von einem bis zwei DIY Projekten oder ein bisschen Background zu elektronischen Bauteilen vorhanden sein. Zwingend notwendig ist ein Lötkolben, der etwas mehr Hitze liefern kann als die üblichen Sieben-Euro-Lötkolben aus der Ramschecke, denn die Platine benötigt etwas mehr Power, um den Lötzinn aufzunehmen. Die Beschriftung der Platine ist mit Nummerncodes versehen, die den verpackten, beschrifteten Komponenten entsprechen. So lässt sich alles zuordnen. Man sollte sich aber schon mit der Polarität bestimmter Elemente auskennen, um diese in der richtigen Position aufzulöten. Dazu kommt noch, dass Kondensatoren waagerecht, also liegend im 90 Grad Winkel, positioniert werden müssen, denn sonst ragen die Potiachsen nicht aus dem Gehäuse heraus. Was ich damit sagen will ist, dass das Bestücken relativ simpel ist, wenn man schon irgendein elektronisches Projekt aus dem musikalischen Umfeld bewältigt hat. Schwer ist es in keinster Weise. Als Erstprojekt ist dies nur mit fachkundiger Anleitung möglich. Wie auch bei allen anderen DIY-Projekten gibt es weder Support, einen Reparaturservice oder bestimmte Garantieleistungen. Das ist aber in dieser Szene so üblich und erscheint auch nur logisch.

Innere Werte und Anschlüsse

LeafAudio Dronesynth Platine

Die Menge an Bauteilen ist übersichtlich. So sieht das fertige Board aus.

 

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LeafAudio Dronesynth Cmos

Dieses Bauteil ist für die 4 Oszillatoren zuständig

Ein CMOS40106B Hex Schmitt-Trigger Inverters liefert die 4 VCOs. Ein recht simples IC-Konstrukt, das mit Zuhilfenahme von anderen Bauteilen rechteckige Schwingungsformen liefert. Die Frequenz reicht vom niederfrequenten Knacken bis zu sehr schrillen hohen Klängen. Es wird also ein großer Bereich unter Zuhilfenahme der vier Frequenzregler angeboten. Alle 4 VCOs sind identisch aufgebaut und klingen dementsprechend gleich. Mit einem Schalter lassen sich zwei der VCOs (also ein Kanal) synchronisieren, um FM-artige Klänge und Phasenverschiebungen zu erzeugen.

LeafAudio Dronesynth Audio LM1036N

Hier im LM1036N sitzt die Verstärkung und die Möglichkeiten des EQs

Als Klanggestaltungselement am Ende der Signalkette sitzt ein Hifi-EQ-Baustein, der entweder die Höhen oder die Bässe absenkt. Auf der Rückseite befindet sich ein VCA-CV-Eingang, der den permanent spielenden Klang unterbricht und es ermöglicht, eine Hüllkurve von einem externen Gerät einzuspeisen, um den Dronesynth rhythmisch spielen zu können.
Zwei 6,35 mm Monoklinkenausgänge zieren ebenso die Rückseite, die jeweils Kanal A und Kanal B ausgeben. Ob man diese nun als Stereo-Paar oder als einzelne Mono-Kanäle nutzt, bleibt einem selbst überlassen. Neben dem internen 9 V Batteriefach ist es auch möglich, ein 9 V Netzteil an der Drone anzuschließen. Ein passender Wahlschalter befindet sich ebenfalls auf der Rückseite.

Die Minute der Wahrheit

Alle Platinen sind bestückt, die internen Kabel zwischen dem Ein- und Ausgangsplatine angeschlossen, alle Buchsen verschraubt, das Gehäuse ebenfalls geklebt und getrocknet und alles passt perfekt in das Gehäuse und lässt sich verschrauben. Auch die Potikappen sind auf die D-Schaft-Potis aufgesteckt. Ein bisschen Logik und Sorgfalt müssen bei solch einem Projekt schon sein. Für den Bau sollte man gut zwei kurze entspannte Abende einplanen. Ganz wichtig ist, dass kein elektronisches Bauteil übrigbleibt. Dann kommt die Minute der Wahrheit! Die Batterie wird eingebaut und der Einschalter getätigt. Wenn alles korrekt ist, leuchtet die rote LED auf der Frontplatte und es klingt aus beiden Audioausgängen. Das Werk ist vollbracht, das Dronesynth Projekt ist fertig! Es muss nichts kalibriert werden. Die Drone sollte von Haus aus seine volle Funktion entfalten können.

LeafAudio Dronesynth Versuchsaufbau

Mein Versuchsaufbau mit externem Effektprozessor

Echte Drone oder Spielzeug?

Aus den Lautsprechern dröhnt es fett und wuchtig! Die einzelnen VCOs müssen rein nach Gefallen, Gehör und Geschmack eingestellt werden, Markierungen gibt es nicht. Chaos und Geräusch können nuanciert eingestellt werden. Das weitere Klanggeschehen mit Worten zu beschreiben, ist nicht sehr sinnvoll, daher verweise ich auf die Klangbeispiele und das Youtube Video. Der Dronekasten liefert eine grundsolide Basis für weitere Nachbearbeitungen. Nichts anderes will der Dronesynth sein. Dank der beiden Ausgänge kann man jeweils verschiedene Effektgeräte dahinterschalten, um den Kosmos rund um das Thema Drone zu erweitern. Dann wird es richtig spannend. Die Tuning-Möglichkeit pro VCO gelingt in den tiefen und mittleren Bereichen sehr gut und feinfühlig, wobei in den oberen Oktaven die Klangerzeugung dann nicht mehr gezielt einstellbar ist und in Quietschen abdriftet. Langsame Verläufe setzen die Potis gut um. Hier gibt es nichts zu beanstanden. Das einfache Filter am Ende der Klangerzeugung ist eine sinnvolle Ergänzung, um atmosphärisches Material abzufedern oder anzuheben. Die Anbindung in rhythmische Umgebung gelingt ebenso perfekt mit dem VCA-Eingang.

LeafAudio Dronesynth Frontboard

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Fazit

Wer schon immer mit solch einem DIY-Projekt geliebäugelt, es aber nie gewagt hat, so etwas umzusetzen, dem sei der Dronesynth von LeafAudio ans Herz gelegt. Jedoch vorausgesetzt ist, dass der Einsatzzweck einer Drone relativ eng gesteckt ist und dem persönlichen Klanggeschmack oder dem eigenen experimentellen Ansatz entspricht. Der Preis ist für so ein Komplettpaket mehr als günstig und bietet auch Gestaltungsmöglichkeiten durch die zwei Kanäle und die Sync-Funktionen als ein reiner Oszillator-Generator. Ob schräge oder harmonische Klangteppiche, diese Drone eignet sich für alle Varianten. Spaß am Zusammenbau hat man allemal. Wer Lust auf Bastelei hat, sollte bei der Auflage von nur 50 Stück schnell zuschlagen. Ästhetisch und schick sieht das Kistchen auch noch aus!

Plus

  • vier„stimmige“ Drone
  • tolles, relativ einfaches DIY-Projekt
  • wird als komplettes KIT geliefert
  • Sync-Funktion für beide Kanäle
  • VCA-Eingang
  • günstiger Preis
  • nur 50 Exemplare

Minus

  • nur eine Schwingungsform für alle vier „Stimmen“ (Rechteck)
  • Fortgeschrittene Lötkenntnisse werden benötigt (nur ein Hinweis; kein negativer Punkt!)
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Forum
  1. Profilbild
    mfk

    @Autor:
    Danke für den netten Artikel!
    Immer wieder schön, neue Projekte präsentiert zu bekommen.

    Zwei Hinweise:
    -Über Crossfader verfügt das Produkt nicht.
    -Doepfer gewährt durchaus Garantie auf ihren DIY-Synth.

  2. Profilbild
    Linus AHU

    Klingt nach nem interessanten Bastel-Projekt.
    Danke für den interessanten Artikel und den Tipp 👍🏻👍🏻

  3. Profilbild
    Klang X

    Wenn ich das richtig interpretiere, dann ist die Stückzahl wegen Chipmangel/-ausverkauf begrenzt.

    „…We managed to get 35 more of the Drone Synth’s VCA chips, then they are not available anymore. For this last run we are designing a wooden box now (march 2019) in the same style as our Soundbox. After 6 years we want to offer the Drone Synth a worthy farewell…“

    • Profilbild
      [P]-HEAD (S.Bernhardt) RED

      Hallo Klang X, das hat mit Chipmagnel nichts zu tun. Dieser Chip wird einfach nicht mehr hergestellt und ist ausgelaufen. Das ist ein ehemaliger Hifi Chip gewesen, der auch eine EQ Regelung eingebaut hatte. Das wird verständlicherweise aufgrund des Schwundes von altherkömmlichen Stereo-Anlagen nicht mehr benötigt. Daher dieses „Drama“.

  4. Profilbild
    Spamn

    Ohhhh man, ich hoffe wir werden nächstes Jahr dank Überproduktion alle an Chips ersticken

  5. Profilbild
    Dirk E. aka Xsample RED

    Sehr cooles DIY-Projekt. Danke für den tollen Test! Ich konnte nicht widerstehen und habe gleich mal den Bestellbutton bemüht. Ich freue mich schon, die kleine Kiste in Betrieb nehmen zu können. :)

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