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Test: Miroslav Vitous, String Ensembles 2.0, Orchester-Soundlibrary

Mit einer Menge musikalischem und technischem KnowHow kann es auch so klingen. Dazu bedarf es aber entsprechender Arbeit. 

Die Aufnahmen der Violinen und Violas klingen ohne Hall schon erstaunlich gut. Was mir aber am besten gefiel, waren die Cello- und Bässepatches: sehr erdig und weich. Allerdings klingt alles ein wenig nüchtern, und man hat den Eindruck, dass sämtlicher Raum und Nebengeräusche der Musiker wegeditiert wurden. Das ist auch der Teufelskreis dieser Librarys. Einerseits soll sie fett und groß klingen, damit man gleich zu Anfang inspiriert wird, andererseits will man die Samples dann doch wieder trocken, damit man sie später besser in seine eigene Produktion bzw. Hall einbetten kann. Trotzdem: Es ist zwar schön, wenn man ultrasaubere Samples hat, aber lebendig ist das trotzdem nicht. Viele Librarys haben diverse Nebengeräusche, wie das mit Bögen erzeugten FretNoises oder das Absetzen. Dazu hört man – bei aller Trockenheit – noch ein wenig vom Raum.

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Beim Durchhören fiel mir auf, dass es kein natürliches Panning nach Sitzordnung gibt, außer(!) in den Orchester Setups, so zumindest mein Eindruck. Alles pfeift direkt aus der Mitte. Die Sitzordnung ist es aber, was ein authentisches Orchester ausmacht. Als kleines Beispiel an der Uhr: 1st Violins auf 9Uhr, 2nd Violins auf 10Uhr, Violas auf 1Uhr, Bässe (obwohl mittig) auf 2Uhr und Cellis auf 3Uhr. Stellt man sein Panning dieser fünf MIDI-Spuren so ein, klingt es schon ohne jeglichen Hall sehr breit und echt. So programmiert zumindest die Konkurrenz, beispielsweise EastWest. Bei MV Strings muss man jedoch selbst Hand anlegen. Eine gute Orientierungshilfe für Anfänger, wie man professionell das Panning einstellt, seht ihr hier ganz gut.

Orchesteraufstellung

Orchesteraufstellung

Ich habe hier einmal ganz kurz zwei Demos eingespielt. Das erste sind die nackten vier Spuren (Bässe, Cellis, Violas und Violins), so wie sie aus der Engine kommen. Lediglich bei den Volumes habe ich kurz Hand angelegt, denn das klingt unerträglich, wenn alle gleich laut spielen.

Und das zweite Beispiel nun mit Panning, Volumefahrten und Hall aus der Kathedrale.

Das mag vielleicht nicht so auffallen, aber in fünf Minuten, wie es sein sollte, war diese Skizze hier leider nicht erledigt. Ich musste am EQ, Proportionen, Panning und Hall gut herum schrauben, bis ich das in etwa so hatte. Macht natürlich Spaß, außer man muss arbeiten und will schnell etwas in Szene setzen. Dann hilft nur noch die Vorstellungskraft und Erfahrung, wie das klingen wird „nach“ der Kompositions- und Arrangementarbeit. Das ist O.K., aber eben nicht unbedingt inspirierend.

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Hingegen der Artikulationsreichtum ist beeindruckend, wenn auch mittlerweile Standard. Es fehlt hier an fast nichts. Jede der vier Hauptgruppen (Violins 1st&2nd, Violas, Cellis, Basses) verfügt über mehrere Dutzend Patches wie Sustain, Legato, Staccato, Pizzicato, Sforzando, Tremolos etc. Selbst einen 1st Chair Support gibt es. Mit Zeitangaben, wie lange das Sample dauert. Nette Idee. Die Legati sind ebenso sehr schön spielbar, egal ob langsam, medium oder schnell, sie passen zur Geschwindigkeit, in der man spielt. Für richtig schnelle Passagen und Runs gibt es zusätzliche Legato Detaches.

Was ich sehr schön finde, ist der Ordner mit den Pads, den es bei Violins, Violas und Cellis gibt. „Pads“ mag ein wenig nach Keyboard klingen. In Wirklichkeit meint man damit lediglich spielbare Ensembles für die Harmoniebasis, verfügbar in großen und kleinen Ensembles. Und wiederum stehen hier diverse Artikulationen zur Auswahl. Klingt klasse, und innerhalb weniger Minuten hat man ein schönes Bett aus Streichern gebaut.

Interface 3

Interface 3

Edit

Je besser die Samples klingen, desto weniger muss man Hand anlegen im Prinzip. Ist es doch mal nötig, gibt es hier die Möglichkeit über Quick und ProEdit. Hier kann man alles von Releasetime, Pitch, Dynamic Range bis zu diversen Filtern editieren. Tempo-synchronisierte LFOs, die Verwendung jeglicher externen MIDI-Controller, Randomizer und flexible, freie Envelopes. Unterstützt wird sogar der Import von Drittanbieter VST Effekt Plug-ins und VST Instrument Plug-ins.

Für mich ein sehr wichtiger Punkt ist die Steuerung der Lautstärken und Panoramas über meinen Host (Cubase). Da ich hier auf der linken Seite meinen „Inspektor“ habe, benötige ich nicht noch eine zusätzliche Ebene (in diesem Falle Engine) für simple Sachen wie Panning, Volume etc. Da es aber der Hersteller jedem recht machen will, gibt es auch hier eine sehr schöne und vor allem einfache Lösung: Auf der Quick- und Pro Edit-Ebene der Engine einfach auf den entsprechenden Regler mit der Maus „rechtsklicken“ und „MIDI learn“ oder „Host learn“ anwählen. Schon folgt die Engine eurem Host.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ChrisScore

    Der Test ist ja schön und gut, aber das Wichtigste – der Vergleich mit den alten Vitous-Samples – fehlt leider völlig. Diese waren seinerzeit sensationell und werden auch heute noch von vielen (meiner) Kollegen benutzt. Selten als alleinige Stringlibrary, aber in manchen Fällen passt nichts besser als der seidene, warme Klang der Violinen…oder auch zum Andicken anderer Streicher. Da braucht es nicht immer Hollywood-Pathos für Athmosphäre. Überhaupt hatte Vitous es auf geniale Weise geschafft, trotz damaligem Speichermangel Samples mit Charakter herzustellen…sein Acoustic-Piano mit 16MB klingt m.E. immer noch besser als 80 % der neuesten Sample-Generation (bes. im Mix).
    Mich hätte also interessiert, ob es sich bei den Samples um den gleichen Sound der alten Aufnahmen handelt, und wenn ja, welche Verbesserungen zu erwarten sind etc.

    • Profilbild
      Selcuk Torun  AHU

      Danke für deine Tipps, Chris. Zu deinem Vergleichswunsch mit alten Librarys muss ich sagen, dass ich das natürlich verstehe, aber es wurde genug über MV geschrieben. Man kann nicht aus jedem Test eine Buchbesprechung machen. Ich konzentrierte mich ausschließlich auf diese Library. Weil viele User auch der Ansicht sind, dass es nervt, wenn ein Testbericht aussieht wie ein Manual. Einige hören auch nur die Demos, lesen nur das Fazit oder wollen lieber selbst Hand anlegen und testen. Zudem gibt es noch die verlinkten Hersteller-Seiten die meist üppig informieren.
      LG

      • Profilbild
        ChrisScore

        Hi Selcuk, „Buchbesprechung“ find ich gut ;P
        Ich glaube, ich habe aus einer kleinen Enttäuschung heraus kommentiert…denn ich habe hier bei Amazona sehr wohl schon ausführliche, und – was mir besonders gefällt – ehrliche Berichte gelesen. Ich bin kein Pedant, der jede Artikulation im einzelnen vorgeführt bekommen muss…im Gegenteil. Aber der angesprochene Vergleich mit den alten Samples bzw. deren Klang wären in dem Fall, zumindest für mich, das Wichtigste gewesen. Klar, das kann ich vielleicht auch woanders nachlesen…
        Kritik ist hoffentlich immer konstruktiv….und ich finde es generell schade, wenn sich Fachmagazine den Ansprüchen der User unterwerfen, statt ihre eigenen Vorstellungen von Qualität und Inhalt umzusetzen…(damit ist nicht Amazona gemeint…das nur zum Argument der User)
        Das klingt fast, als wär ich schon 65…dabei bin ich erst 35 :D
        Viele Grüße,
        Chris

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