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Test: Mooer GTRS P800, E-Gitarre mit eingebauten FX-Prozessor

Alles in einem Produkt!

4. Oktober 2022

GTRS P800 Test

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Die Firma Mooer wird den meisten Lesern als sehr erfolgreicher Hersteller von preiswerten Pedalen aller Art für den Budget-Bereich ein Begriff sein. Nicht wirklich überraschend kommt daher auch der Schritt der Firma, sich in anderen Segmenten auszudehnen, nicht ohne sich auf seine Stärken aus dem Elektronikbereich zu beziehen. Unter dem Label GTRS bietet Mooer daher nunmehr zwei Modelle an, die zusätzlich zu den regulären Funktionen einer E-Gitarre ein Multi-FX-Gerät plus Amp-Modeler verbaut haben. Uns liegt zum Test die GTRS P800 vor.

Das Konzept der GTRS P800

Ich gebe zu, wenn auf einem Verpackungskarton groß der Schriftzug „Intelligent Guitar“ prangt, schaltet in meinem Inneren erst einmal alles in den Alarmmodus. Eine Gitarre kann nicht „intelligent“ sein, der Nutzer vielleicht mehr oder minder, aber mit Sicherheit nicht mehrere Stücke Holz, etwas Draht und eine mehr oder minder komplexe Elektronik. Ich weiß, die Chinesen meinen den Ansatz garantiert anders, aber hier muss das Instrument zumindest erst einmal liefern.

Was also genau ist der Ansatz der GTRS P800? Im Prinzip ist es ganz einfach, das Instrument hat einen Amp-Modeler plus Multi-FX, das man im Normalfall als Bodenpedal verwendet, im Gehäuse der Gitarre in einer sehr kleinen Elektronikeinheit verbaut. Die Idee dahinter ist einmal mehr die Verminderung des Transportvolumens, sprich man kann bei Bedarf ein Pedal mehr zu Hause lassen und muss nur noch die Gitarre mitnehmen. Dabei kann man wählen, ob man das Instrument analog ohne jede Effekte über einen regulären Amp spielen oder ob man einen digital bearbeiteten Sound zzgl. einer Amp-/Speakersimulation in eine Full-Range-Flat-Response- (FRFR) Box schicken möchte. Des Weiteren kann man das Signal auch direkt in die P.A. oder einen Kopfhörer schicken.

Mooer GTRS Guitars Prof. 800 MG

Mooer GTRS Guitars Prof. 800 MG

Kundenbewertung:
(1)

Das Gleiche gilt natürlich auch für Demoaufnahmen, bei denen man mit den Simulationen direkt ins Interface der DAW spielen kann. Verwaltet und editiert werden die Sounds über die passende Bluetooth-App, die für iOS und Android erhältlich ist. Insgesamt besitzt das FX-Modul 11 Gitarren-Simulationen, 126 Gitarren-Effekte, eine Drum-Machine zwecks Jamen, ein Metronom, einen Tuner und einen 80 Sekunden Looper. Wahlweise können für den Live-Betrieb auch 4 Sounds über den GWF4 Wireless Footswitch geschaltet werden, der jedoch nicht im Lieferumfang enthalten ist.

Der FX-Prozessor, der in der Gitarre verbaut ist, wird von einem Akku mit Strom versorgt, der wiederum über ein Standard-Mobile-Ladegerät (5V) mittels USB-C aufgeladen wird. Das passende Ladekabel USB-A auf USB-C liegt bei. Der Akku hat eine Kapazität von 4000 mAh und soll eine Betriebsdauer von 10 Stunden ermöglichen.

GTRS P800 Test

GTRS P800 Back

Die Gitarre

Wer nun denkt, Mooer würde ausschließlich die billigsten Komponenten einer Gitarre nehmen, um lediglich das FX-Modul mit Spannungssignalen zu versorgen, sieht sich getäuscht. Die Strat Kopie verfügt in der Tat über einige hochwertige Komponenten, die auch den Preis von 969,- Euro erklären. So wurden zum Beispiel im Hardware-Bereich ein Wilkinson VS 50 II Vibrato, ein Graph Tech TUSQ Sattel nebst Locking-Mechaniken verbaut und der geschraubte Ahornhals wurde einer Röstung unterzogen, was sich in der Tat klanglich positiv bemerkbar macht, wie wir später noch sehen werden. Der Korpus wurde aus Erle gefertigt. Das Griffbrett mit seinen 22 Stainless-Steel-Medium-Bünden besteht aus Palisander und besitzt den gerne verwendeten 12“ Radius. Ebenso verwendet das Instrument erwartungsgemäß die lange Mensur mit 648 mm.

Die GTRS P800 gibt es in mehreren Farben, uns lag die Ausführung in „Tiffany Blue“ zum Test vor, die sich stark an den Fender Vintage Lackierungen der Fünfziger und Sechziger orientiert. Inwieweit das cremefarbene Schlagbrett zu dieser Farbgebung passt, das den Vintage-Charakter in seiner Hochglanzoptik nicht wirklich trifft, bleibt in der Wertung jedem selbst überlassen. Als Pickups kommen Noname-Pickups aus eigener Fertigung in HSS mit den Bezeichnungen GTRS SCN-1N (Hals), GTRS SCN-1M (Mitte) und GTRS HM-1B AlNiCo V (Steg) zum Einsatz. Sehr schön auch die Zubehör Ausstattung, die neben allen nötigen Sechskantschlüsseln auch ein hochwertiges Gigbag in Tweed-Optik umfasst.

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GTRS P800 Test

GTRS P800 Headstock

Die Elektronik

Dreh- und Angelpunkt des GTRS Effektmoduls ist neben der Bluetooth-Verwaltung der sogenannte „Super Knob“, der aufgrund seiner Abmessungen und der Farbgebung ein wenig so aussieht, als hätte man den Tone-Regler der Gitarre ersetzen müssen und nur noch der Volume-Regler von Omas Röhrenradio ließ sich auf die Schnelle auftreiben. Der ist als Push-Regler ausgeführt und schaltet sowohl das FX-Modul ein, als auch die 4 speicherbaren Sounds auf der Gitarre um. Zusätzlich ist er auch gleichzeitig ein Volume-Regler für den Pegel des ausgegebenen Signals.

Das Signal wird ebenfalls über die Klinkenbuchse der Gitarre ausgegeben, es ist also tunlichst darauf zu achten, dass der Super Knob im analogen Betrieb deaktiviert ist, da sonst der reguläre Gitarrensound in Sphären abdriftet, die mit jedem noch so negativen Adjektiv nicht in Worte zu fassen wäre. Die Sounds können mittels der App wie bei allen gängigen Modelern mittels Effekten und Amp-Simulationen verbogen werden, bis der Arzt kommt. Auch die Klangcharakteristik des Gitarren- und Tonabnehmertyps soll geändert werden können, über dessen klangliches Ergebnis wir aber besser den Mantel des Schweigens hüllen. Mittels Elektronik aus einer Strat mit allen klassischen Hölzern und PU-Konstellation per Druckknopf eine Les Paul mit ebensolcher Konstellation machen. Ja nee, is klar.

GTRS P800 Test

GTRS P800 Neck

Die GTRS P800 in der Praxis

Trocken gespielt startet die GTRS P800 mit einem sehr guten Eindruck. Die Verarbeitung ist gut, die Hardware hochwertig und insbesondere der geröstete Hals überzeugt mit einem sehr guten Schwingungs- und Sustain-Verhalten, wie man es auch von anderen gerösteten Hälsen her kennt. Die Bespielbarkeit des vom Werk aus sehr gut eingestellten Instruments ist bespielhaft, nichts, was aus haptischer Sicht einen Kritikpunkt wert wäre. Doch dann macht Moeer aus meiner Sicht einen großen Fehler.

Aufgrund der sehr guten Holz/Hardware_Komponenten hätte die GTRS P800 das Zeug zu einer guten Standard-Gitarre, die bei der Elektronik im Bypass-Mode über eine analoge Standard-Verstärkerkonstellation ein gutes Klangbild erzeugen kann. Allerdings scheint dieser Ansatz bei Moeer nicht gewollt zu sein, denn wer sich die Grundklänge der Pickups anhört, die ich als Beispiel direkt ohne Amp in die Konsole gespielt habe, hört bei allen Pickup-Konstellationen trotz geöffneter Tonblende einen sehr dumpfen Grundsound, der keine gute Basis für einen hochwertigen Verstärkersound offeriert.

Dieses Klangbild ändert sich bei der Verwendung der Modelersounds umgehend, so dass es den Anschein hat, dass die gesamte Konstruktion der GTRS P800 nahezu ausschließlich für den Modeler-Betrieb ausgelegt ist. In meinen Augen verschwendet Moeer mit diesem Ansatz einen Einsatzbereich, der trotz ständigem Vormarsch von Emulation und Simulationen auch im Live-Bereich immer noch den Großteil der Live-Verstärkung einer E-Gitarre ausmacht.

Klanglich kann man meines Erachtens die Modeler-Sounds der GTRS P800 im Mittelfeld der aktuellen klanglichen Möglichkeiten ansetzen. Cleane Sounds werden erwartungsgemäß sehr geschmackvoll getroffen, da diese auch ohne Amp-/ Speaker-Simulationen sehr gut funktionieren, im Bereich der Verstärker-Sounds überzeugt mich der Klang des Systems jedoch nicht wirklich. Hier gibt es meines Erachtens noch Luft nach oben, wobei ich mir aber auch sicher bin, dass Moeer mit den entsprechenden Software-Updates die Klangqualität verbessern kann.

Ich bin im Schlussurteil hin und her gerissen zwischen einem sehr interessanten Ansatz mit sehr guten Hardware-Komponenten an der Gitarre auf der einen und einem für mich persönlich nicht zu Ende gedachten Konzept mit eher mittelmäßigen Zerrsounds auf der anderen Seite. Ich habe mich daher entschlossen, für die hochwertige Konstruktion der Gitarre ein „Sehr Gut“ und für die soundliche Ausbeute ein „Befriedigend“ zu vergeben, macht zusammen immer noch ein stabiles „Gut“.

GTRS P800 Test

GTRS P800

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Fazit

Mit der der GTRS P800 wagt sich Moeer in die nächste Stufe der Effektverwaltung, indem sie ihren Modeler-Systemen das passende Instrument gleich mitliefern. Die Gitarre an sich besitzt durch ihre durchweg sehr gute Komponenten wie zum Beispiel einen gerösteten Ahornhals oder ein Wilkinson Vibratosystem eine sehr gute Basis für einen guten analogen Amp-Sound. Leider lässt Moeer diesen Aspekt innerhalb des klanglichen Ansatzes außer Acht und konzentriert sich nahezu ausschließlich auf die Sound-Verwaltung mittels ihres neuen GTRS Prozessors, der als Neuerung in der Gitarre verbaut wurde.

Der Transportaufwand schwindet dadurch immens und wem die Modeler-Sounds zusagen, sollte das Konzept auf jeden Fall einmal antesten.

Plus

  • Komponenten Gitarre
  • Schwingungsverhalten
  • Verarbeitung

Minus

  • analoger Klang

Preis

  • 969,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Antwort: Für einen leuchtenden Knopf.
    Frage: Für was bekommt man im Jahr 2022 für eine Strat-Kopie einen Designpreis?

  2. Profilbild
    Eibensang

    Rösthals schön und gut, aber für mich passt hier nix zusammen: Der Hals nicht zum Korpusfinish und der Zauberknopf zu nix vom Rest – und von den Sounds überzeugt mich keiner. Zumindest nicht, fast tausend Öcken dafür auszugeben. Clean und crunch finde ich hier sogar besonders grauslig: so etwa auf Pocket-Pod-Niveau. Sozusagen was für die 2010-Nostalgiefraktion (augenroll). Und ja: Zerre so unsexy wie Maggi in der Suppe.

    So praktisch die Alles-in-einem-Idee anmutet, so unangenehm ist oder wäre mir die Vorstellung, das Instrument zwangsweise mit einer fest eingebauten Simulation verheiratet zu wissen. Die müsste – für den Preis – dann schon Helix-Niveau haben. Aber reichte mir das forever? Ich spiele auch gern über Röhre. Und blank klingt die teure Krücke offenbar mau.

    Gut allein der Test! Das Bemühen um Fairness schimmert schwitzfeucht durch die Zeilen. Ich litt mit, haha!

  3. Profilbild
    CDRowell

    Wow… Ich dachte die 4-you4-Ort-Zeiten wären vorbei…🤭

    Also auch hier nicht die eierlegende Wollmilchsau, wie man sie sich wünscht… 😖

    • Profilbild
      Xevantris

      Die Idee ist trotzdem gut und solange Firmen es immer wieder probieren steigt die Chance, dass vielleicht mal ein Volltreffer dabei ist. 😅

      • Profilbild
        Nvelope

        Ich schließe mich Xevantris an: Dem Herrn sei’s getrommelt und gepfiffen, dass endlich Gitarren auf den Markt kommen, die dem Spieler die das Kreuz belastende Beuge zum Schnürsenkel und das Knöpfe-drehen auf dem ja zumeist dunklen Boden ersparen … etwas, was Keyboarder und Drummer noch nie verstanden haben, seit diese alle zusammen in einer Band spielen!
        Auch wenn es erst Anfänge dieser ‚integrierten‘ Lösung sind – folglich nicht perfekt und jedem Klampfe Spielenden nicht gerecht werdend – sind dies neue Ansätze … endlich!
        Es wird sicher irgendwann modulare Lösungen geben – also Gitarren mit mehreren Slots, in welche dann die bevorzugtesten Effekt-Module eingeschoben und genutzt werden können (dabei erinnere ich mich an die von Behringer mal gezeigte Idee, ihre Effekte auch als EuroRack-Module zu bauen … auch wenn diese für eine Gitarre dann doch zu groß sind); zudem sind moderne Module oft deutlich kleiner – die Größe eines Effektgerätes bestimmt weitestgehend die Anzahl der Bedienungsknöpfe. An Bedienungselementen ‚reiche‘ Effektmodule können dann ja auch mal 2 oder 3 Slots belegen . . .
        Ich begrüße auf jeden Fall die Grundidee, die MOOER hier gegangen ist… der Weg ist mag noch weit sein – aber er wird mehr und mehr gegangen werden!

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