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Test: Mooer GTRS Guitars Standard 800, E-Gitarre

22. Mai 2022

Smart-Electric im Vintage-Look

Mooer GTRS Guitars Standard 800

Mooer GTRS Guitars Standard 800

Nun ist sie also da, die erste elektrische Gitarre aus dem Hause Mooer. Nun werden sich sicher einige unserer Leser fragen, was zur Hölle denn ein chinesischer Effektgerätehersteller mit elektrischen Gitarren zu tun hat? Doch schon einiges, könnte man dem entgegnen, denn Mooer pflanzt seiner brandneuen Entwicklung ein digitales Soundsystem ein, das mittels Bluetooth und einer eigenen App vom Handy/Tablet aus gesteuert wird und damit einen externen Effektprozessor oder Preamp ersetzen soll. Für die Konstruktion der Gitarre wiederum holte man sich einige Fachleute an Bord mit der Aufgabe, eine solide Strat-Kopie für kleines Geld zu entwickeln, die auch ohne digitale Klangerzeugung einen ausgewogenen und vielseitigen Klang produzieren kann. Herausgekommen ist die Mooer GTRS Guitars Standard 800, deren Möglichkeiten wir uns im folgenden Review genauer betrachten werden.

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Mooer GTRS Guitars Standard 800 – Specs & Features

Bevor wir uns das digitale Innenleben der GTRS Guitars Standard 800 vornehmen, schauen wir zunächst auf das eigentliche Instrument, das uns in der Farbe „Sonic Blue“ zum Test zur Verfügung gestellt wurde. Neben diesem Finish ist das Instrument noch in fünf weiteren Farben erhältlich, die mit einem deutlichen Vintage-Touch die Dekaden der 50er- bis 70er-Jahre abdecken. Bis auf minimale Abweichungen kann man die Form des Korpus, der aus amerikanischer Linde gefertigt wurde, als typischen Strat-Body bezeichnen. Das gilt zumindest von vorne betrachtet, auf der Rückseite im Bereich des Hals-Korpus-Übergangs wurde aber spürbar Hand angelegt, um der Greifhand eine bessere Position beim Bespielen der oberen Lagen des Halses zu ermöglichen. Geblieben ist wie beim berühmten Vorbild die allseits bekannte wie beliebte „Bierbauchfräsung und auch der Deckel für das Vibratofach sitzt dort, wo man ihn in aller Regel erwartet.

Mooer GTRS Guitars Standard 800 Hals Korpus

Bearbeiteter Hals-Korpus-Übergang an der GTRS Guitars Standard 800

Roasted Maple Neck mit Palisandergriffbrett

Eingeschraubt wurde ein Hals aus wärmebehandeltem Ahorn, im Fachjargon auch als „Roasted Maple“ bezeichnet. Schön zu sehen, dass auch im unteren Preissegment dieses Feature mittlerweile angekommen ist. Ob dieses Verfahren nun den Klang beeinflusst, sei mal dahingestellt, in jedem Fall aber passt die dunkle Färbung des Holzes wunderbar in das Vintage-Design, mit der uns Mooer ihre Hightech-Gitarre schmackhaft machen möchte. Der Hals besteht aus einem Stück und besitzt eine durchaus schöne Maserung, zudem wurde die Halsrückseite nur mit einer dünnen Satinlackschicht versehen, was der Greifhand zusammen mit dem schlanken C-Profil ein natürliches wie bequemes Spielgefühl ermöglicht.

Aufgeleimt wurde ein Griffbrett aus Palisander mit einem 12″ Radius und 22 Bünden, die sauber eingesetzt, abgerichtet und auf ihren Oberflächen ausreichend poliert wurden. Ein ähnlich gutes Bild gibt auch der 42 mm breite Sattel ab, der sauber in seiner Position fixiert wurde. Bei der Länge der Mensur hält sich die GTRS Guitars Standard 800 mit 648 mm ganz nah am Original.

Solide Hardware mit Zweipunkt-Vibratosystem

Mooer GTRS Guitars Standard 800 Vibrato

GTRS Guitars Standard 800 Zweipunkt-Vibrato

Um einen möglichst reibungslosen Ablauf mit ebenso möglichst wenig Stimmproblemen zu gewährleisten, setzt Mooer bei der GTRS Guitars Standard 800 auf ein Vibratosystem, das auf zwei Bolzen gelagert ist. Der steckbare Vibratohebel erlaubt einen effektiven Einsatz des Systems, ohne dabei in seiner Buchse zu wackeln oder – nicht weniger nervig – nach Benutzung im Weg zu stehen. Am anderen Ende der Saiten überraschen sechs Mechaniken von guter Qualität, die nicht nur das System fast perfekt in Stimmung halten, sondern durch ihren seidenweichen Lauf ohne Aussetzer das Stimmen nicht zur Geduldsprobe werden lassen. Gerade in diesem Bereich wird ja von den Herstellern im Low-Budget-Bereich gerne der Rotstift angesetzt: An der falschen Stelle, wie ich in meinen Testartikeln ja immer wieder erwähne. Um so mehr kann die hier verbaute Hardware für ein Instrument dieser Preisklasse absolut überzeugen.

Die Elektronik – best of both worlds

Wir nähern uns bei der Betrachtung der GTRS Guitars Standard 800 so langsam der Elektronik, wobei vor dem eigentlichen „digitalen Kern“ ja noch die drei „analoge“ Pickups stehen, mit denen das Instrument als ganz normale elektrische Gitarre ihren Job verrichten kann und die auch ohne den Einsatz des digitalen Systems betrieben werden können. Um den Einsatzbereich so flexibel wie möglich zu gestalten, wurden neben zwei Singlecoils am Hals und in der Mitte ein Humbucker in Stegposition in das Pickguard eingesetzt. Ausgewählt werden die Tonabnehmer über einen soliden Fünfwegeschalter, der die üblichen Kombinationen ermöglicht: Singlecoil am Hals solo, beide Singlecoils zusammen, der mittlere alleine oder zusammen mit dem Humbucker oder eben der Doppelspuler in seiner reinen Form.

Während der Volume- und der Tone-Regler den meisten unter uns noch vertraut sind, wurde das zweite Tone-Poti  durch ein Push-Pull-Poti ersetzt, das mit einem illuminierten Ring am Rand versehen wurde und damit Auskunft über eines von vier möglichen Presets erteilt. Und damit sind wir im digitalen Kern der Gitarre angelangt.

GTRS-System mit App

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Diese vier möglichen Presets und noch viele weitere Funktionen können mittels der GTRS-App eingestellt und der Gitarre bzw. dem GTRS-Kontrollregler übermittelt werden. Die App ist sowohl für Android als auch für iOS kostenlos erhältlich und bietet neben einem tiefen Zugriff in die Klangarchitektur auch viele weitere nützliche Tools zum Üben, Lernen oder einfach nur zum Spaßhaben. Dazu zählen etwa ein Looper mit 80 Sekunden Aufnahmedauer, eine Schlagzeugbegleitung, ein digitales Akkordlexikon oder das nach wie vor unverzichtbare Stimmgerät.

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Das Wichtigste ist jedoch die Auswahl der Sounds, die in sechs Kategorien mit jeweils fünf bzw. sechs Typen wählbar sind. Mit den Stilistiken Pop, Blues, Jazz, Funk, Rock und Heavy wurde in der „Tone Library“ an alles bzw. jeden gedacht. Die Bedienung erfolgt extrem „smooth“ und ohne nennenswerte Latenz – nach erfolgreicher Kopplung mit dem Smartphone via Bluetooth sind die Klänge ohne spürbare Verzögerung mit einem kurzen Fingerdruck zum GTRS-System im Bauch der  GTRS Guitars Standard 800 transferiert. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, über eine Cloud mit anderen Usern der GTRS-Community Sounds oder selbst erstellte Loops zu tauschen.

Mooer GTRS Guitars Standard 800 GTRS-App Soundbanks

GTRS-App Soundbänke

Mooer GTRS Guitars Standard 800 – Praxis-Check

Analoger Klang/Handling

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Für eine E-Gitarre in dieser Preisklasse klingt die GTRS Guitars Standard 800 bereits ohne den Einsatz des GTRS-Systems nicht nur mehr als ordentlich, sie lässt sich ebenso ab Werk vorzüglich bespielen. Der Sound der Pickups kann als typisch Strat bezeichnet werden – von warm und glasig bis drahtig und bissig überzeugen die Singlecoils, für alles Grobere steht der Humbucker am Steg bereit, der auch bei hoher Verzerrung mit einem transparenten und frischen Klangbild positiv auffällt. Dabei erzeugen alle drei Tonabnehmer einen Hauch von cremigem Vintage-Flair und überraschen mit einem erstaunlich niedrigen Rauschen. Sollte das GTRS-System also wider Erwarten mal nicht funktionieren, steht hier in zweiter Reihe in jedem Fall eine überzeugende Alternative bereit.

GTRS-System

Das GTRS-System bietet einen ebenso überraschend guten Sound, der viel Licht und nur wenig Schatten enthält. Die Presets klingen „durch die Bank weg“ gut und können detailreich eingestellt werden, sodass man in jeder Situation, sei es nun beim Recording direkt in den Mixer, in ein Interface oder aber beim Live-Einsatz mit einem Amp den Klang schnell und unkompliziert den Gegebenheiten anpassen kann. Die vier von der Gitarre über das GTRS-Kontroll-Poti abrufbaren Presets dürften vermutlich nicht allen genügen, dafür gibt es aber Abhilfe in Form eines kabellosen Fußschalters. Der GTRS Wireless Footswitch GWF4 ermöglicht den Zugriff auf mehr Presets und besitzt darüber hinaus noch eine Tap-Tempo-Funktion für ausgewählte Presets mit Delay-Effekten. Wer die Gitarre also überwiegend live einsetzen möchte, der sollte die Investition von knapp 50,- Euro nicht scheuen.

Mooer GTRS Guitars Standard 800 Klangbeispiele

Für die analogen Sound-Clips habe ich die Standard 800 mit einem Mesa/Boogie Studio 22+ Combo verwendet, vor dem ein AKG C3000 Mikrofon platziert wurde. Die digitalen Sounds wurden mit der Gitarre direkt aus dem Klinkenausgang in ein UAD-Interface erstellt.

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Fazit

Einstieg gelungen, kann man nur sagen! Mit der GTRS Guitars Standard 800 gelingt dem chinesischen Hersteller Mooer ein gelungener Einstieg in den Markt, den ich ehrlich gesagt so nicht erwartet hätte. Bereits ohne digitale Unterstützung bietet das Instrument einen für diese Preisklasse überraschend erwachsenen Klang, eine sehr gute Bespielbarkeit sowie ein zuverlässig funktionierendes Vibratosystem, das nicht bei jeder kleinsten Bewegung die Stimmung ruiniert. Das GTRS-System im Innern der Gitarre birgt dazu ein hohes Potenzial für einen enorm flexiblen Einsatz zwischen Studio und Bühne und erweist sich zudem mit seinen nützlichen Werkzeugen als wertvoller Helfer beim Jammen, Üben oder einfach nur um Spaß zu haben. Unterm Strich bleibt mir daher aufgrund des Gebotenen und nicht zuletzt auch aufgrund des günstigen Preises nichts anderes übrig, als der Mooer GTRS Guitars Standard 800 unser begehrtes Best-Buy-Prädikat zu verleihen!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • solide Hardware, stimmstabiles Vibrato
  • gute Bespielbarkeit
  • enorme Klangmöglichkeiten mit dem GTRS-System
  • unkomplizierte und intuitive Bedienung der GTRS-App
  • robuster Gigbag im Lieferumfang
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • -

Preis

  • 549,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Trichter

    Für live Einsätze würde ich noch einen Wechselakku empfehlen. Der scheint auch speziell für das System entwickelt worden zu sein, konnte auf die schnelle aber keinen Preis finden.
    Und funktioniert die Gitarre ohne Akku noch wie eine normale E-Gitarre oder geht das Signal immer durch den Soundprozessor?

    Zum üben ohne Kabelsalat ist das aber sicher Topp. Einfach Kopfhörer rein bzw. Lautsprecher anschließen und loslegen.

    • Profilbild
      Stephan Güte RED

      Die Klampfe funktioniert auch mit entnommenem Akku :) Mir macht das Teil einen Bombenspaß, echt mehr als ordentlich für die Kohle!

  2. Profilbild
    Markus Galla RED

    Vielleicht habe ich es auch nur überlesen: Hat die Gitarre keinen Kopfhörerausgang? Das wäre für mich eine konzeptionelle Schwäche, denn gerade in diesem Bereich wäre sie ja perfekt: Ohne Amp jederzeit und überall spielen und üben zu können. Deshalb verkaufen sich die kleinen „Plugs“ von Fender, Vox und anderen so gut. Ich habe früher auch das Nobels Soundstudio und den Rockman geliebt. Diese Gitarre wäre aufgrund der guten Grundqualitäten perfekt für unterwegs, für Einsteiger oder als Zweitinstrument geeignet. Oder auch für Onlineunterricht aus dem Hotelzimmer oder zu Hause.

    • Profilbild
      Trichter

      Hab gerade doch nochmal Google angeworfen. :D

      Scheinbar kann man direkt einen Kopfhörer an die Gitarre anschließen und sogar via Bluetooth backing tracks vom Handy an die Gitarre schicken, die dann zum Ausgangssignal dazu gemischt werden.

  3. Profilbild
    Markus Galla RED

    Wenn man das mal weiterdenkt, wäre mit einer kleinen Modifikation, die man sicher selbst durchführen kann, noch mehr möglich: Austausch der Klinkenbuchse gegen eine TRS-Buchse und auflegen des analogen Pickup-Signals und des Signals der integrierten Effekte. So könnte man über ein TRS-Kabel mit Split auf der einen Seite und einem AB-Fußschalter wahlweise über den Amp, mit den integrierten Effekten oder beiden Signalen zusammen spielen. Oder ein Reamping Signal aufzeichnen und, und, und. Das dürfte für jeden zu machen sein, der schon mal einen Lötkolben in der Hand hatte. Eventuell müsste man dann das Pickup-Signal vor dem Volume-Poti abgreifen oder das Push-Pull Poti durch ein normales ersetzen. Oder der Hersteller liest mit und bietet V2 gleich so an.

  4. Profilbild
    Eibensang

    Erstaunlich! Zwar haut mich der Sound jetzt nirgends so ganz vom Hocker – scheint aber so Pi mal Daumen durchaus diskutabel. Von Mooer habe ich jedenfalls schon Schlechteres gehört. (Von dieser Firma fand bisher nur ein kleines Noise Gate auf mein Bodenbrett.)

    Sehr innovatives Konzept zu einem anständigen Preis: nicht überzogen für das Gebotene und nicht so billig, dass es nur zur ANG (allerletzten Notgitarre) reichte. Wenn sie so gut in der Hand liegt wie beschrieben!

    Mir fehlte jetzt fast nur noch eine Version mit Maple Neck …

  5. Profilbild
    VerMona74

    Guten Abend,
    Vielen Dank für den interessanten Test. Hat viel verlockendes..
    Eine Frage hätte ich. Wie sieht es mit Latenzen aus? Klar, im regulären Amp Betrieb sicher 0 aber wenn das signal dann weiterverarbeitet wird? Würde es in einem Band Kontext klappen oder eher nur zum üben?
    Liebe Grüße V.

  6. Profilbild
    Basti80

    Reizt mich doch sehr. Ich spiele sowieso mit dem Gedanken mir etwas in Richtung Strat(-kopie) anzuschaffen, da ich bisher tatsächlich nur über Gitarren mit Humbucker verfüge. Warum dann also nicht dieses, durchaus interessante und experimentelle Teil?

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