Test: MXR, Bass Blowtorch, Verzerrer-Pedal für E-Bass

13. Mai 2008

MXR Bass Blowtorch

Verzerrer! Klar. Verzerrer für E-Gitarre! Auch klar. Ganz viele verschiedene Verzerrer für E-Gitarre als Booster, Overdrive, Distortion und Fuzz, weltweit in die tausende gehend! Logisch. Verzerrer für E-Bass…….Ähm, ja soll es auch geben….
Die etwas plumpe Einleitung zu diesem Artikel soll dem interessierten Leser einen kurzen Eindruck vermitteln, wie sich die Auswahl in Sachen Gitarrenverzerrer gegenüber Bassverzerrern verhält. Kann der ambitionierte Sechssaiter vor lauter Auswahl schon kaum noch eine Entscheidung treffen, sieht sich der Kollege aus dem Tieftonbereich dem diametralen Problem gegenüber. Zwar findet man auch in nahezu jedem Bass Multieffektgerät auch einen Fuzz versteckt, jedoch fristet der Effekt zumeist ein recht karges Dasein, meist in der Kategorie „Dreingabe“ oder aber „wir hatten noch etwas Platz auf dem Board“ angesiedelt. Richtig selbstbewusst im Stil von „shout it out loud, I am a bass distortion pedal and I am proud!“ findet man nur sehr selten einen Bodentreter. Woran liegt das? Nun, hierfür sind verschiedene Faktoren ins Feld zu führen.
Der technische Grund: ein E-Bass greift durch seinen tiefer gelagerten Frequenzbereich in andere akustische Bereiche ein. Verzerrt man einen tiefen Ton, klingt dies im Klangbild völlig anders als bei der eine Oktave höher angelegten Gitarre. Der Ton wird schnell matschig und fällt mehr durch Undurchsichtigkeit und Undifferenzierbarkeit auf als durch eine Bereicherung der Klangausbeute. Zudem kann man nicht die Konstruktion eines Gitarreneffektpedals 1:1 übernehmen. Nahezu alle Gitarrenverzerrer schneiden je nach Hersteller den Bassbereich marginal bis rigoros ab und dünnen den Sound massiv aus. Bei einer Gitarre mag dies je nach Musikbereich durchaus Sinn machen, beim Bass kommt dieser Ansatz einem Todesurteil gleich.

Der Arrangement-technische Grund: einen Bass fachgerecht im Klangbild zu platzieren, gehört zu den schwierigsten Aufgaben, welche ein Tontechniker innerhalb einer Produktion zu lösen hat. Auf dem schmalen frequenztechnischen Grad zwischen Kick, einer Down-Tuning-Gitarre und der berüchtigten und gefürchteten linken Hand eines ausgebildeten Pianisten muss man jedes Frequenzband finden und gegebenenfalls anpassen, um die schwingende Saite nicht im tontechnischen Niemandsland zu verlieren. Hier zusätzliche Ober- und Untertöne zu generieren lässt den Bass noch mehr in seiner Eindeutigkeit verlieren und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Der verkaufstechnische Aspekt: machen wir uns nichts vor, 99% aller Menschen auf diesem Planeten sind nicht einmal ansatzweise in der Lage zu hören, was ein Bassist spielt, geschweige denn, dass sie überhaupt wissen, was ein Bassist ist („der mit dem langen Gitarrenhals….“). Selbst unter Bassisten kann nur einer von dreien aus dem Stand sagen, was der Bassist gerade auf der Plattenaufnahme spielt, der Rest flüchtet sich in den Grundton. Spätestens bei ersten Slashchord ist Feierabend, wer kennt nicht die berüchtigten Coverband-Bassfiguren von „Highway To Hell“. Man kann sich vorstellen, was ein Produktmanager zu hören bekommt, wenn er bei seinem Arbeitgeber mit einer FX-Pedal für Bassisten, mehr noch, speziell für Solobassisten ankommt. Der Absatzmarkt ist sehr überschaubar. Der Chef wird Angst haben, dass er noch nicht mal die Rohstoffkosten für das Stahlgehäuse wieder rein bekommt. Wenn China übrigens weiterhin den gesamten Rohstoffmarkt weltweit aufkauft, wird das Gehäuse wahrscheinlich in ein paar Jahren das teuerste an jedem Gerät sein… Umso schöner, dass es noch einige wenige Hersteller wagen, ein Nischenprodukt zu entwickeln, in diesem Fall die Blowtorch von MXR, ein Fuzz speziell nur für Bassisten.

-- Das MXR Blowtorch --

— Das MXR Blowtorch —

Konstruktion:
Die „Lötlampe“ kommt in einem massiven Zink-Druckgussgehäuse daher, bewusst in „grobschlächtig“ mit gebürsteter Oberfläche gehalten, optisch ein gelungener erster Eindruck. In Sachen Detailverarbeitung haben sich bei der Blowtorch ein paar kleine Macken eingeschlichen. Boden- und Oberteil wollen nicht wirklich 100 Prozent passgenau zusammen kommen, so stehen den schön abgerundeten Kanten des Topteils ein paar Ecken des Bodenteils gegenüber. Nicht dass dies ein wirkliches Problem darstellt, aber es wäre etwas „smoother“ gegangen. Um eine bessere Performance zu generieren, wird die Blowtorch mit 18V betrieben, wahlweise über zwei 9V Blöcke oder einem entsprechenden Netzteil. Eine Plastikfolie, welche im Inneren die beiden 9V Blöcke gegen die Elektronik abschirmt, ist nicht gerade eine High-End-Lösung, erfüllt aber ihren Zweck. Alles Andere macht bei der Blowtorch wie bei allen MXR Produkten einen sehr massiven und haltbaren Eindruck. Einmal mehr verwendet MXR neben einem True Bypass Schalter seine phosphorizierenden Drehregler, ihres Zeichens sechs Stück an der Zahl, neckisch im Halbkreis angeordnet.

Klangbeispiele
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    ..gibt kaum nen schlechteren Basser als Billy Sheehan, einer der größten Blender seiner Zeit.

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      Dreitagebart

      Wie bitte? Sheehan spielte mit Steve Vai, David Lee Roth und anderen Größen! Ich halte ihn für einen der Besten.

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        AMAZONA Archiv

        ..spielte mit Steve Vai, David Lee Roth und anderen Größen! Mit Mr. "Ich schalt mal meine 400 Effekte und den Föhn ein"-Vai taucht ja noch ein Name auf der genauso pfuscht..unfassbar das Tony MacAlpine bei dem in der Band Rhythmusgitarre&Keys spielt- der ist technisch und musikalisch dem Vai unfassbar weit vorraus. Vai ist extremst langweillig und konventionell..und Sheehan findet seine Meister in Marcus Miller, Dave LaRue (Steve Morse Band) oder auch Stu Hamm (es gibt sooo viel bessere)..hatte Sheehan mal live mit Mr. Big gesehen und als bei seinem "Solo" sein Verzerrerpedal ausfiel ging ja mal gar nix mehr..

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      AMAZONA Archiv

      check mal die CDs von NIACIN und lass Dich eines besseren belehren

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