Test: Native Instruments Traktor Kontrol S2 MK3, DJ-Controller

4. April 2019

Traktor Kontrol geht in die dritte Runde

TRAKTOR KONTROL S2 MK3
Der Native Instruments Traktor Kontrol S2 MK3 ist der Einsteiger-Controller für die hauseigene Traktor DJ-Software. Ob das Gerät in der Kategorie Spielzeug anzusiedeln ist oder auch im Club eine gute Figur machen würde, wird unser ausführlicher Test ans Tageslicht bringen.

Das Design des Traktor Kontrol S2 MK3

Vom Design her ist der Traktor Kontrol S2 MK3 ein klassischer 2-Kanal-All-in-One-Controller und sieht vor allem aus wie ein abgespeckter Kontrol S4Mk3. Da die Jogwheels äußerlich mit denen des großen Schwestermodells identisch sind, der Controller aber ein ganzes Stück kleiner ist, dominieren beim kleinen Modell die Suchräder die Optik, was meiner Meinung nach ziemlich schick aussieht. 
Die Mixersektion liegt wie immer in der Mitte zwischen den Kanalzügen, einen eigenen Master-Bereich mit separater Pegelanzeige gibt es nicht. Wie auch bei den MK1- und MK2-Versionen verfügt das Gerät zwar nur über zwei vollwertige Mixerkanäle, kann aber über ein gemeinsames Poti die Lautstärke von Deck C und D regeln, um Samples und Loops darüber abfeuern zu können. 

Die Decks sind auch beim S2 Mk2 nun nicht mehr gespiegelt, das Clubstyle-Layout wird mittlerweile auch von den preiswerten Maschinen, egal von welchem Hersteller, präferiert. Ich mag das.

Unterhalb der Regler für Kopfhörerlautstärke und Cue-Mix sitzen vier Knöpfe, mit denen die neuen Mixer-FX aktiviert werden. Auch hier wurde wieder gegenüber dem großen Schwester-Controller abgespeckt. Wer ein bipolares Filter nutzen will, muss dafür einen der vier Mixer-FX-Slots opfern. Ebenso ist es nicht möglich, die Kanalzüge mit verschiedenen Mixer-FX zu beschicken.

 Apropos Effekte und abgespeckt: Eine der radikalsten Design-Entscheidungen rund um den kleinen Controller betrifft Traktors klassische Effektbänke. Sie wurden ersatzlos gestrichen.

Die Anschlüsse des Traktor Kontrol S2 MK3

Weniger überraschend als bei den Effektbänken ist die Konnektivität des Traktor Kontrol S2 MK3 gegenüber der großen Schwester stark reduziert. Auf externe Eingänge oder gar eine Standalone-Mixerfunktionalität muss selbstverständlich verzichtet werden. Einzig ein Mikrofon lässt sich mit dem Gerät verbinden. 
Einen Monitorausgang sucht man in dieser Geräteklasse ebenfalls vergeblich. Das Master-Signal kann über Cinch und – überraschend aber zielgruppengerecht – eine Stereoklinkenbuchse abgegriffen werden. 
Dass auch der Kopfhörer nur über Miniklinke mit dem Gerät verbunden werden kann, passt ins restliche Bild. 
Da der Traktor Kontrol S2 MK3 auch als Controller für den in Entwicklung befindlichen Nachfolger der Traktor-DJ-App für iOS dienen soll, verwundern weder der flache USB-Port, noch die beiden in die Rückseite eingelassenen Gewinde, an denen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Tablet-Ständer andocken wird.

Die Rückseite mit diversen Anschlussmöglichkeiten

Die Haptik des DJ-Controllers

Was als erstes ins Auge fällt, wenn man den Controller ansieht, ist die optische Nähe zum Traktor Kontrol S4 MK3. Diese Nähe besteht tatsächlich und führt andererseits doch in die Irre. Um das zu erklären, muss ich ein wenig weiter ausholen: Zu Zeiten der Mark1- bzw. Mark2-Modelle waren die S2- und S4-Modelle Teile der gleichen Serie. Bedienungselemente, Gehäuse und Verarbeitungsqualität waren identisch. Der S2 konnte nur zwei Kanäle steuern, weil unter anderem alle Bedienungselemente für die Kanäle 3 und 4 fehlten und das Audiointerface des S2 verfügte nur über einen Eingang für ein Mikrofon, wo der S4 ein Mikrofon und zwei Hochpegelgeräte oder sogar Plattenspieler akzeptierte. S2 und S4 waren Geräte aus der gleichen Serie, die unterschiedlich gut ausgestattet waren. Das ist heute substantiell anders. Auch wenn der Traktor Kontrol S2 MK3 aussieht wie eine abgespeckte Variante des ist S4 MK3, gehören die zwei Controller kaum in vergleichbare Geräteklassen. Ja, CUE- bzw. PLAY-Taster, die Loop- und Browse-Encoder sowie alle andern Taster sind die gleichen wie beim S4 MK3 und fühlen sich sehr gut an. Die wesentlich neuralgischeren Fader und Potis jedoch entstammen eher aus der gleichen Schule wie die des Hercules Inpulse 300, den ich neulich zum Testen hier hatte. Die Kanal-Fader laufen schwer und bieten dem Benutzer keinen konsistenten Widerstand an, die Potis hingegen sind viel zu leichtgängig mit kaum spürbarer Mittenrasterung. 
Der Crossfader wiederum ist leichtgängig, fühlt sich aber nicht an, als wäre er intensiveren Scratch-Sessions gewachsen. Ein wenig enttäuschend finde ich auch die Tempo-Fader. Sie sind arg wackelig geraten und mit ihren 4 cm Länge sogar kürzer als der Crossfader.
Wo beim S4MK3 alle Fader genau dieselben leisen Schleifgeräusche machen und bis auf den schön leichtgängigen Crossfader dem Nutzer auch alle denselben Widerstand entgegensetzen, fühlt sich beim S2Mk3 jeder Fader anders an und das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass mir das Gerät nicht viel Vertrauen einflößt.

Jogwheels für Vinyl-Feeling?

Ein Sonderfall sind die Jogwheels. Dass der kleine Bruder diesbezüglich nicht die Ausstattung des S4 MK3 mitbekommen würde, war klar. Dennoch sind die Wheels rein äußerlich betrachtet zunächst einmal identisch mit denen des Platzhirschen. Material und Durchmesser sind genau gleich und der Hauptgrund, warum der Traktor Kontrol S2 MK3 auf den ersten Block wesentlich erwachsener rüberkommt als zum Beispiel der dagegen wie ein Spielzeug wirkende Inpuls 300 von Hercules, dessen Joqwheels sich schon bei leichtem seitlichen Druck beängstigend tief ins Gehäuse drücken lassen. Ganz anders beim Gerät von NI: Auf den ersten Blick lässt sich hier kein Unterschied zum wesentlich teureren großen Bruder feststellen. Die Unterschiede treten erst zu Tage, wenn man die Geräte anwirft. Dann merkt man sofort, dass die Räder des S2MK3 wesentlich weniger Schwungmasse haben. Weder sind sie von einem Motor angetrieben, noch können sie haptisches Feedback geben, wie das der S4 beim Scrollen über Cue-Punkte hinweg tut. Auf die umlaufenden Lichtbänder muss der S2-Nutzer ebenso verzichten wie auf den einstellbaren Widerstand beim S4.

Stünden auch einem wesentlich teureren Controller gut zu Gesicht: Die Jogwheels

Kleine Unterschiede zum großen Bruder gibt es auch bei den Pads, bilde ich mir zumindest ein. Das Klickgeräusch ist ein wenig anders. Dass ich mir nicht einmal ganz sicher bin, spricht allerdings eine deutliche Sprache: Die Pads sind für ein Gerät dieser Preisklasse extrem wertig. 
Wenn man den Blick mal vom S4 abwendet und den S2 losgelöst betrachtet, erhält man durchaus ein Gerät, das gut in der Hand liegt und nicht den Eindruck macht, sofort kaputtzugehen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Fader und Potis im Vergleich mit dem S4 nicht gar so offensichtlich in einer anderen Liga spielen. Andererseits ist eben der Preisunterschied zwischen S2 MK3 und S4 MK3 auch um ein ganzes Stück größer als der zwischen den Vorgängern. 
Langer Rede kurzer Sinn: Die optische Ähnlichkeit und die Gemeinsamkeiten bei den Bedienungselementen täuschen leicht darüber hinweg, dass wir es mit vollkommen unterschiedlichen Geräteklassen zu tun haben. Hier der preiswerte Einsteigercontroller, dort eine professionelle Maschine, die sich in kaum einem Punkt vor einem Pioneer-Club-Setup verstecken muss.

Die Effekte am Traktor DJ-Controller

Wie oben schon kurz erwähnt, ist dem Redesign des kleinen All-in-one-Controllers von NI die Steuerung von Traktors klassischen Effektbänken zum Opfer gefallen. 
Ich denke, dass diese Entscheidung durchaus zielgruppengerecht ist, ja ich würde sogar soweit gehen, dass die Mixer FX für 90 % aller Traktor-Nutzer ausreichen.

Die zentral angebrachten Knöpfe für die Mixer FX

Club-tauglicher Sound?

So ein Klangvergleich ist immer schwierig, besonders wenn er fair und aussagekräftig werden soll. Ich habe mich dafür entschieden, den S2Mk3 gegen den Kontrol Z1 aus dem gleichen Hause antreten zu lassen. Über meine Adam Monitore konnte ich kaum einen Klangunterschied ausmachen. Der Z1 hat vielleicht minimal mehr Schub untenherum, aber ich würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass ein Blindtest oder ein Vergleich auf einer großen PA das gleiche Ergebnis brächte. Was ich aber sagen kann: Wenn der S2MK3 vergleichbar gut wie der Z1 klingt, wird er auch im Club nicht untergehen. Oder anders gesagt: Der Klang bewegt sich im normalen Rahmen der Interfaces von NI und dürfte für fast jeden Zweck gut genug sein.

 Was mich ein wenig überrascht hat, ist allerdings der Umstand, dass die Soundkarte im S2 weniger Maximalpegel ausgibt als die des betagten Z1. Angesichts der vielen Beschwerden, die in NIs Foren dazu zu finden sind, hätte ich da etwas mehr erwartet. Aber auch hier soll wohl verständlicherweise der Abstand zum großen Schwestermodell gewahrt werden, das deutlich mehr Druck entwickelt.

Fazit

Der Native Instruments Traktor Kontrol S2 MK3 ist ein hervorragender Einsteiger-Controller zu einem attraktiven Preis, gar keine Frage, aber die Diskrepanz zwischen der Wertigkeit von Tastern und Jogwheels auf der einen und Fadern bzw. Drehreglern auf der anderen Seite hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Während Taster, die Encoder für Loops oder Browsing und die Jogwheels professionell und sehr wertig rüberkommen, vermitteln Fader und Drehregler eher das Gefühl, Spielzeug in der Hand zu haben. 

Abgesehen davon ist das Gerät ein hervorragender Einstieg ins DJing und in meinen Augen der perfekte Zweitcontroller fürs Handgepäck oder das Havarie-Setup zu einem sehr attraktiven Preis.
Ein abschließendes Fazit zum Gerät kann aber erst dann erfolgen, wenn die Traktor DJ2 die mobile DJ-App von NI veröffentlicht ist, deren natürlicher Partner der Traktor Kontrol S2 MK3 augenscheinlich ist.

Plus

  • attraktiver Preis
  • große und wertige Jogwheels
  • guter Klang
  • zukünftige Integration mit Traktor DJ2

Minus

  • fehlende Bedienungselemente für Traktors Effektbänke
  • wackelige Fader und Drehregler

Preis

  • Ladenpreis: 259,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    tobiasLtge

    Eventuell habe ich es auch überlesen, der S2 MK3 ist laut Herstellerwebseite leider nur mit Windows 10 kompatibel.

    Jetzt muss ich ersteinmal schauen ob mein alter Win 7 Laptop das noch packt.

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