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Test: Native Instruments Kontrol S4 MK3

29. November 2018

Bis die Jog-Wheels vibrieren ...

Native Instruments Traktor Kontrol S4 MK3

Native Instruments Traktor Kontrol S4 MK3

Jahrelang war es sehr still um Traktor, den DJ-Brand von Native Instruments. Seit einiger Zeit scheint das Schiff aber wieder Fahrt aufgenommen zu haben. Nach der Veröffentlichung der lange ersehnten Version 3 von Traktor Pro und dem Einsteiger-Controller S2 MK3 folgt jetzt die Neuauflage des beliebtesten All-in-one-Controllers, dem Native Instruments Kontrol S4 MK3 – nun der Version 3.

Native Instruments hat viel versprochen und a
llen Bemühungen, die Zukunft des Deejaying zu definieren zum Trotz: Der meistverkaufte und beliebteste DJ-Controller von NI war immer der Kontrol S4 mit seinem traditionell anmutenden Layout. Zwei Decks mit Joghweels und Pitchfadern, dazwischen ein 4-Kanal Mixer, am oberen Ende zwei Effekt-Slots. Ich kann mir keinen DJ vorstellen, der, egal von welchem System er kommt, nicht auf Anhieb mit dem Native Instruments Kontrol S4 MK3 klarkommen würde. Dies gilt für die MK3 ganz genauso wie für die alten Modelle, obwohl sich gerade beim Layout einiges zum Vorgänger geändert hat.

Native Instruments Traktor Kontrol S4 MK3

Native Instruments Traktor Kontrol S4 MK3

Sieht nicht nach viel aus, aber die MK3 ist die entscheidenden Zentimeter zu groß, um uns Handgepäck (oder die alten Taschen) zu passen

Der S4 ist ein gutes Stück gewachsen. Im Vergleich mit manchen Pioneer Schaltzentralen immer noch kompakt, übertrifft der Controller mit seinem Flächenverbrauch von 55 x 33 cm die alte S4 in der Breite um circa 4 und in der Tiefe immerhin um 1 cm. Klingt nicht nach viel, dürfte aber in der Praxis „Bye-bye Handgepäck“ bedeuten. Der Controller ist auch ein gutes Kilogramm schwerer geworden und bringt jetzt ca. 4,5 kg auf die Waage. Da die alte Tasche eh nicht mehr passt, wünsche ich mir für den Transport des Gerätes etwas, das mir persönlich am Markt schon sehr lange fehlt: Ich hätte gerne einen Equipment-Rucksack von Deuter, Vaude oder einem der anderen traditionsreichen Hersteller von Wanderrucksäcken. Die schaffen es nämlich, ergonomische Tragekonstruktionen zu bauen, mit denen sich auch mehr als 10 kg bequem auf dem Rücken tragen lassen.

Bye bye symmetrisches Layout

Obwohl – wie schon erwähnt – die Nähe zu den alten Modellen erhalten blieb, gibt es beim Layout sehr große Veränderungen. Am stärksten ins Auge fallen natürlich die deutlich größer gewordenen Jog-Wheels, über die noch ausführlicher die Rede sein wird. Die folgenschwere Designentscheidung des Geräts: Der Wechsel vom symmetrischen Design zu einer Bauweise, die mehr an Einzelgeräte erinnert. Soll heißen, die Decks sind nicht mehr gespiegelt. Darüber gab es im Vorfeld einigen Unmut in den sozialen Netzwerken zu lesen. Ja, es stimmt: Man kommt sehr leicht an den Pitchfader des linken Decks, wenn man den Mixer bedient. Ist mir auch am ersten Abend mit dem Gerät zweimal passiert. Aber hey, daran kann man sich schnell gewöhnen und ansonsten hat das Layout in meinen Augen nur Vorzüge. Beim Mixer ist es ähnlich. Wo bisher die All-in-one-Controller einen sehr rudimentären und mittig platzierten Masterbereich hatten, prangen Masterpegelanzeige, Master-, Booth- und Kopfhörerpegelregler nun rechts von den Kanalzügen und damit dort, wo sie auch bei den meisten Mixern zu finden sind. Symmetrie ist eh überbewertet. Die Auflösung der LED-Ketten genügt auch professionellen Ansprüchen, was man von den früheren NI-Controllern nicht immer behaupten konnte.

Native Instruments Traktor Kontrol S4 MK3

Fein aufgelöst und aussagekräftig: Die LED-Ketten genügen professionellen Ansprüchen

Die zweite große Änderung am Layout des Native Instruments Kontrol S4 MK3 betrifft das Aufgeben der gewohnten Anordnung der Transportfunktionen zu Gunsten übereinander montierter PLAY- und CUE-Buttons. Das erinnert trotz der quadratischen Taster sehr stark an Pioneers Design. Ich find’s aber prima, dass die beiden wichtigsten Tasten jetzt prominenter sind. Die Tasten haben einen definierten Druckpunkt, könnten sich aber wertiger anfühlen. 
Acht Cue-Punkte in zwei Reihen à vier sind wohl inzwischen Standard, so auch hier. Die Taster sind ein gutes Stück kleiner als die von S8, S5 oder D2, aber immer noch groß genug geraten. Irgendwo muss der Platz für die Wheels herkommen. 
Zwischen den Jog-Wheels und den Transportfunktionen befindet sich noch die Loopsection.

Native Instruments Traktor Kontrol S4 MK3

Bemerkenswert: Obwohl alle NI-Controller (außer S2 und S4) an der Stelle einen einzelnen Encoder haben, der bei Druck Loops an- und ausschaltet, mittels Drehen die Loop-Länge einstellt und via SHIFT Loopmove bzw. Beatjump steuert, gönnt NI uns wieder zwei Encoder und damit eine Bedienung ohne Shift-Ebene. Ich merke, dass es mir in der Praxis echt schwer fällt, den tief im Rückenmark sitzenden Workflow mit Shift wieder zu vergessen, feiere diese Designentscheidung aber dennoch hart. Eine (für mich zumindest) so wichtige Funktion wie Beatjump/Loopmove selbst bei einem so großen Controller wie der S8 hinter einer Shift-Ebene zu verstecken, hatte sich mir nie erschlossen. Ob mit oder zweiten Encoder oder SHIFT-Ebene, die Loop-Steuerung gehört zu den Dingen, die bei Traktor und den Controllern vorbildlich gelöst sind. 


Was ich ebenso super gelöst finde, ist die Deckumschaltung. Mit ihr wechseln diverse Bedienelemente wie zum Beispiel die LED-Ringe um die Wheels und die Umschalter für die verschiedenen Modi der Jogs von blau zu orange, was eine wirklich deutliche Visualisierung des aktiven Decks darstellt. Sehr gut. Überhaupt empfinde ich die um die Jogwheels umlaufenden blauen oder orangefarbigen Lichter, wenn das Deck spielt, ebenfalls als sehr hilfreich. Wer noch nie das laufende Deck gestoppt hat, kann das evtl. nicht so nachvollziehen, für meine Schussligkeit ist so etwas ideal.

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