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Test: Pioneer DDJ-1000, DJ-Controller

1. Februar 2018

Ein Controller statt einem CDJ & DJM-Setup?

Pioneer DDJ-1000

Pioneer DDJ-1000

„Well, that escalated quickliy“ – oder auch: Gerade noch zur NAMM Show präsentiert, wenige Tage später schon hier auf dem Tisch zum Testen. Der Pioneer DDJ-1000 könnte als (noch) handlicher Controller ein ziemlich perfektes Gerät sein für DJs, die mit Controller unterwegs sind und auf die Pioneer DJ hauseigene Software Rekordbox vertrauen. „Noch“ handlich nenne ich, weil es da derweil Controller gibt, die im Case verpackt eine Person kaum noch mehr als 20 Meter tragen kann.

Das aber ist definitiv noch nicht die Besonderheit am Pioneer DDJ-1000, der den neuen Controller so interessant macht und abhebt von den bisherigen Controllern für Rekordbox wie einen DDJ-RB, DDJ-RX, DDJ-RZ oder DDJ-RR. Wie man schon feststellt, es gibt schon so einige Modelle.

Der Pioneer DDJ-1000 jedoch ist anders. Zwar ausgelegt auch die Software Rekordbox und damit wie die anderen Controller auch und auch mit einem 4-Kanal Mixer mittig auf gleicher Ebene wie ein DDJ-RX oder ein DDJ-RZ, grenzt er sich dennoch ab.

Wird der DDJ-1000 ein Nachfolger, vielleicht zum DDJ-RX? Auch wenn er preislich mit 1199,- Euro UVP im ähnlichen Bereich liegt, wird der DDJ-1000 dennoch kein Nachfolger. Funktionsunterschiede gibt es zu allen Modellen.

Der Pioneer DDJ-1000 hat eine andere Zielgruppe. Ausgelegt ist dieser sowohl auf mobile DJs, die volle 4 Kanäle wünschen samt Effekten im Mixer sowie die Möglichkeit zum Anschluss von externen Zuspielern. Dazu gibt es natürlich die Steuerung von Rekordbox als Software. Vor allem aber bietet der DDJ-1000 die Jog-Wheels, die die Clubstandard Media-Player wie CDJ-2000NXS2, CDJ-2000Nexus, CDJ-900Nexus oder auch ein XDJ-1000MK2 besitzen.

Damit wird der Pioneer DDJ-1000 auch interessant für alle DJs, die im Club mit den eben genannten Media-Playern spielen, denen aber das Budget oder der Kaufwille für ein CDJ-DJM-CDJ- oder XDJ-DJM-XDJ-Setup fehlt.

Der DDJ-1000 löst das Problem dahingehend, dass der DDJ-1000 den vollen Mixer samt Effekte bietet und in den Decks ein Layout ähnlich der CDJ- und XDJ-Player. Man könnte also zuhause mit der Rekordbox-Software spielen, die Librarys aus Rekordbox auf USB-Speichermedien synchronisieren und im Club oder in der Bar mit den dort stehenden Playern spielen. Dabei bleibt von der Haptik nahezu alles ähnlich.

Pioneer DDJ-1000 – ein erster Blick

Der Pioneer DDJ-1000 ist vor allem eines: ein MIDI-Controller für die DJ-Software Rekordbox mit je einem großen Control-Deck pro Seite und mittig einem 4-Kanal DJ-Mixer.

Mit 70 cm Breite und 36 cm Tiefe bei rund 6 kg Gewicht ist der DDJ-1000 ohne Frage noch ein Controller, der im Case oder passender Tasche transportiert werden kann.

Im klassischen Layout befinden sich oben Decks und Mixer. Rückseitig befinden sich Anschlüsse, die ohne Frage immer schon viel über ein Gerät verraten. So ist der DDJ-1000 kein reiner MIDI-Controller, sondern kommt natürlich mit einem verbauten Interface (24 Bit, 44,1 kHz). Demnach findet sich natürlich eine USB-Schnittstelle, jedoch nicht nur eine, sondern zwei. Eine duale USB-Soundkarte also, die einen Anschluss von zwei Computern parallel erlaubt.

Rein und raus geht es per XLR, große Klinke oder Cinch. Von links nach rechts schaut es so aus: Der Master 1 ist als XLR-Ausgang zu finden. Früher wurde viel geschrieben, dass man das Modell damit „clubtauglich“ macht. Ich nenne es einfach Standard. Ob das Gerät an einer kleinen PA oder an Monitoren zu Hause angeschlossen wird, der Großteil der Verkabelungen wird über XLR laufen. Somit ist ein XLR-Ausgang das einzig sinnvolle. Das andere sinnvolle ist ein Master 2 Ausgang als Cinch. So wie hier zu finden. So kann der Controller ohne Adapter an der Stereoanlage angeschlossen werden – oder ein Aufnahmegerät findet hier seinen Platz (einen Rec-Out gibt es nämlich nicht).

Eher „clubtauglich“ macht den Controller der Ausgang für das Monitoring als 6,3 mm Klinkenbuchse.

Rein geht es mittig auf vier Kanälen. Der Pioneer DDJ-1000 ist also nicht nur Controller mit Interface, sondern kann auch für Zuspieler als standalone 4-Kanal Mixer genutzt werden. Vier Kanäle, vier Inputs als Cinch-Buchsen. Alle vier Kanäle können für Line-Zuspieler genutzt werden, die Kanäle 1 und 4 können auch dank verbautem Preamp für Plattenspieler genutzt werden. Ein kleiner Schiebeschalter auf der Rückseite neben den Eingängen erlaubt das Umstellen.

Last but not least ein Input, den ich niemals nutze, der jedoch häufig nachgefragt wird: ein Mikrofoneingang – zugegeben sogar zwei, XLR und 6,3 mm Klinke. Auch das wird häufig nachgefragt. Gerade bei DJs, die klassisch auf Veranstaltungen spielen, ist ein Mikrofoneingang oft unerlässlich. Gern gesehen auch zwei, wenn neben dem Mikro für den DJ noch ein Funk-Mikro für Gastgeber, Redner etc. angeschlossen werden soll. Der Pioneer DDJ-1000 bietet die Möglichkeit.

Vorderseitig findet sich das, was bisher vermisst wurde, der Kopfhörerausgang. Dieser kann wahlweise als 6,3 mm Klinke oder 3,5 mm Klinke genutzt werden.

Soweit zu hinten und vorne, schauen wir mal auf die Oberseite.

Der mittig platzierte Mixer verfügt über vier volle Kanäle mit Quellenauswahl (USB A/Line oder Phono/USB B), Gain und einem 3-Band-EQ. Linefader sind nicht besonders zu erwähnen, sicher aber die pro Kanal existierende Auswahl zur Zuweisung des Crossfaders. Dieser ist wie bei den meisten Pioneer DJ Mixern derweil ein Magvel-Fader, sehr leichtläufig und durabel.

Pioneer DDJ-1000

Magvell-Fader – zuweisbar auf jeden Kanal

Jeder Kanal verfügt zu dem über einen Color Regler, bipolar. DJM-Kenner wissen nun schon Bescheid. Dieses Poti gehört natürlich zu der Sound Color FX Einheit, die derweil Standard in allen größeren (und derweil teils auch kleineren) DJM-Mixern ist.

Sound Color FX sind nicht die einzigen Effekte, auch Beat FX sind an Bord. Diese finden sich rechts samt kleinem Display, Zuweisung zu den Kanälen, Level/Depth Poti und An/Aus-Schalter. Wie man es von einem DJM kennt.

Bereits erwähnt wurden die beiden Mikrofoneingänge. Selbstverständlich gibt es dafür auch eine Kontrollmöglichkeit. Klassisch oben links angeordnet gibt es hier separate Level-Regler für beide Eingänge, eine Klangregelung (2 Bänder, Hi und Low) sowie einen On/Off-Schalter und eine Talk-Over-Funktion.

Ganz interessant ist, dass sich darunter drei weitere Potis befinden. Wenn ich nun sage, dass keines davon der Resonanzregler für die Sound-Color FX ist, wird der DJM-Profi erkennen, dass hier nun eigentlich ein Regler zuviel ist.
Klar, zwei der Regler sind für den Kopfhörerausgang. Level ist der eine, Cue-/Mix der zweite.

Der dritte Regler ist der Level-Regler für den Sampler, der nun auch haptisch auf der Oberfläche zu finden ist, samt Cue-Taste zum Vorhören. Die Mini-Sampler-Sektion findet sich nun unter den Sound Color FX.

Die Decks verfügen wie bereits erwähnt über das große Jog-Wheel, bekannt von den CDJ- und XDJ-Playern. Dazu Play- und Cue-Taste, Track-Search, eine Sektion für manuelle Loops. Loop-In und Loop-Out, zwei Tasten, die per Shift-Taste auch zum Verdoppeln oder Halbieren der Loop-Länge genutzt werden können. Dazu gibt es eine breite 4 Beat-Loop/Exit-Taste.

Zum Suchen in Playlisten und zum Laden der Tracks gibt es einen Push-Encoder sowie Tasten zum Navigieren zwischen Playlisten und Tracks.

Pitch-Fader sowie Sync/ Master-Taste, Master-Tempo, Key-Sync und Key-Reset-Tasten befinden sich rechtsseitig. Weiterhin finden sich eine Quantize-, Slip und Slip-Reverse-Taste. Per Shift-Taste lässt sich für das Jog-Wheel per Slip-Taste zwischen dem Vinyl-Mode und dem „CD“-Mode umstellen, so wie er früher genannt wurde.

Die Decks sind gleich gestaltet, die Funktionen sind also nicht gespiegelt. Eine kleine Taste links oberhalb des Jog-Wheels lässt die Bedienfunktion von Deck 1 und 2 zu Deck 3 und 4 wechseln.

Der Pioneer DDJ-1000 in der Praxis

Nachdem ausführlich In- und Outputs erklärt worden sind, brauche ich nicht groß zu beschreiben, wie man das Gerät verkabelt – oder? Einzig und allein sei kurz erwähnt, dass das gute Gerät wie zu erwarten nicht USB-powered ist, sondern ein externes Netzteil mitgeliefert wird.

Angeschlossen an Strom und Laptop kann es losgehen. Zu erst einmal nutze ich die Chance, auf die aktuelle Rekordbox-Version 5.1.1 upzugraden. Danach werde ich direkt aufgefordert, den 1,7 MB großen Treiber für den DDJ-1000 zu installieren. Ruckzuck erledigt und los geht der Spaß.

Ein Blick in die Settings zeigt, dass der Pioneer DDJ-1000 dort schon als Audiointerface gewählt ist.
Dann poppt die Info auf, dass der DDJ-1000 nicht auf der aktuellsten Firmware-Version ist. Ein Link zur Download-Seite wird angezeigt und schnell ist die neue Firmware heruntergeladen. Aktuell ist das Version 1.03. Wer das Firmware Update noch nie gemacht hat, lädt am besten auch die Anleitung dazu herunter. Das Update geht schnell und kinderleicht.

Hat man das erledigt, kann der Test eigentlich starten. Plug and Play funktioniert, sofort ist der Controller einsatzbereit, die Software lässt sich steuern. Kurz erwähnt: Eine Rekordbox DJ Lizenz ist im Lieferumfang enthalten. Es muss also keine Software im Monatsabo oder Kauf erworben werden.

Das Design ist gewohnt und somit ist der Workflow auch bekannt. Überraschungen gibt es zunächst keine, weder positiv, noch negativ.

Auffällig sind natürlich die großen Jog-Wheels, die optisch denen vom XDJ-1000MK2 oder den aktuellen CDJ-Modellen gleichen. Dies ist jedoch nicht nur optisch der Fall, sondern auch haptisch. Außenring und Cover-Plate sind separat nutzbar. Heißt, man kann das Jog-Wheel im Vinyl-Mode mit druckempfindlicher Oberfläche spielen oder im „CD“-Mode, in dem Außenring und Cover-Plate haptisch zusammengehören.
Ein Pluspunkt ist, dass man die mechanische Sensibilität des Jog-Wheels einstellen kann. Dies ist ein Punkt, der häufig bei einem CDJ-900Nexus oder einem XDJ-1000MK2 als fehlend kritisiert wurde.

Pioneer DDJ-1000

Ultimatives Feature, die großen Jog-Wheels

Noch auffälliger dabei sind noch die Displays, die sich in jedem Jog-Wheel befinden.

Diese Displays liefern einiges an notwendigen Informationen über den Controllern, zum Beispiel, welches Deck gerade ausgewählt ist (jeweils ob 1 oder 3, 2 oder 4) und Informationen über den laufenden Track.

So befindet sich mittig eine Übersicht der Wellenform mitsamt eingeblendeten Hot Cues. Darüber kann man das Tempo ablesen, den Pitch-Wert und die eingestellte Pitchrange sowie die Tonart des Tracks. Ganz oben eingeblendet befindet sich in klein das „Plattencover“/Art-Work. Unten befindet sich eine Anzeige für die Loop-Länge sowie Sync- und Master-Setting wie auch für die Zeit.

Das Display liefert zwar hinsichtlich von Wellenform, Loop und Hot-Cues nur eine grobe Übersicht, jedoch genügend, um eine gute Übersicht zu haben, wo man im Track sich befindet oder wo die nächsten Cue-Punkte sitzen.
Die anderen Informationen hingegen lassen sich perfekt ablesen und ersparen so einen Blick zum Laptop. Das ist zum einen praktisch, sieht vielleicht aber gegenüber Zuhörern auch ein wenig schöner aus.

Über dem Display sitzt eine kleine Sektion für Loops. Manuelle Loops können hier per In- und Out-Punkt gesetzt werden, ebenso gibt es eine breite Taste zum sofortigen Setzen von 4-Beat Loops.
Zusätzlich gibt es einen Slip-Mode sowie Reverse und Slip-Reverse.

Pioneer DDJ-1000

Auch manuelle Loops setzen ist möglich

Slip, kurz erklärt, bedeutet, dass der Track im Hintergrund weiterläuft und nach Beendigung von Loop oder Reverse man wieder in den Track an der Position einsteigt, an der man ohne seine Interaktion normalerweise nun wäre.

Rechts befinden sich wie bereits erwähnt Push-Encoder für das Suchen in Playlisten oder der Library. Praktisch ist, dass hier per Knopfdruck zwischen der normalen Ansicht von großen Track-Decks und der Library darunter umgeschaltet werden kann auf eine nahezu Vollansicht der Tracklisten. Per Shift-Taste können Tracks hier auch getagt werden oder es können „Related Tracks“ angezeigt werden.
Wie man schon merkt, spielt die Shift-Taste am Gerät eine nicht unwichtige Rolle. Vielleicht auch deswegen hätte ich mir gewünscht, dass diese nicht klein und rund ist, sondern vielleicht ein wenig größer und beleuchtet.

Die duale USB-Soundkarte bietet übrigens die Möglichkeit, mit einem Partner back2back zu spielen oder aber für Übergänge zwischen zwei Sets ohne Pause. Zwei Rechner am Gerät angeschlossen, die Auswahl findet direkt im Kanalzug statt.

Performance Pads und Effekte am Pioneer DDJ-1000

Ein Feature, welches ein CDJ- oder XDJ-Player (bisher) nicht bietet, der DDJ-100 allerdings, sind die acht Performance-Pads pro Deck. Gummiert und farbig codiert sind die Pads nutzbar für Hot Cues und Keyboard, Pad FX1 und Pad FX2, Beat Jump und Beat Loop sowie Sampler und Key Shift.

Pioneer DDJ-1000

8 Performance Pads pro Seite – erweiterbar dank zweier Bänke

Hot Cues lassen sich acht Stück auf den Pads setzten – in Bank 1 wohlgemerkt. Mit der Page-Funktion wechselt man nicht nur für Hot Cues auf die zweite Bank, die „mehr“ bietet. Insgesamt lassen sich also 16 Hot Cue Punkte setzen.

Dies gilt auch für die Effektsteuerung und Loops zum Beispiel. Jeweils 16 Effekte pro Pad-FX sind voreingestellt und können natürlich nach Belieben geändert oder verschoben werden.
Per Shift-Taste wiederum erreicht man auch die Pad-FX2 und damit 16 weitere Effekte auf zwei Bänken.

Effekte gibt es unterschiedliche mit unterschiedlichen Parametern. Slip-Loops, Delay, Filter LFO, Reverb, Pitch, Crush, Noise, Trans oder Echo. Dies ist ein Thema von Rekordbox und wird daher an dieser Stelle einmal nicht weiter beleuchtet.

Ebensolches gilt für Keyboard oder Key Shift. Keyboard erlaubt Hot Cues, verändert in der Tonhöhe zu spielen, Key-Shift erlaubt die Tonhöhenveränderung des gesamten Tracks per Auswahl über die Pads. Auch hier lassen sich per Page-Taste die Bänke verändern und die Auswahl vergrößern.

Pioneer DDJ-1000

Farbig codierte Pads – in diesem Fall gesetzte Hot Cues

Beat Jump und Beat-Loop sitzen auf einem Pad, Beat Loop ist per Shift-Taste zu erreichen. Die Längen für die Loops beginnen bei 1/64 Beat und enden bei 512 Beats.
Beat Jump erlaubt Sprünge von 1 Beat bis 128 Beats, jeweils vor oder zurück.

Praktisch finde ich bei der Auswahl der Funktionen, dass die Bank dieselbe bleibt. Wenn man zum Beispiel Beat Loop ausgewählt hat, in der Zwischenzeit zum Beispiel bei den Pad-FX war und zu den Loops zurückkehrt, landet man nicht automatisch bei Bank 1, sondern der zuletzt ausgewählten.
Auch wenn die Bänke farblich durch die Pads codiert sind, würde ich mir ehrlich gesagt hierzu eine Anzeige im Display wünschen. Ein gesetzter Loop in der falschen Bank bedeutet dann zum Beispiel ein 1/64 Beat Loop, statt eines 4 Beat Loops.
Auch muss ich sagen, verstehe ich nicht, warum Beat Jump auf Ebene 1 ist und Beat Loops über die Shift-Taste ausgewählt werden müssen. In meinen Augen die falsche Prio, nutze ich doch Loops regelmäßig. Böse ausgedrückt hingegen sind Beat-Jumps für DJs, die nicht bis 4 zählen können, oder die dicken weißen Linien mit dem roten Rechteck oben nicht erkennen. Ok, mir ist klar, dass man Beat-Jumps auch sinnvoll nutzen kann, zum Beispiel, wenn das Beat-Grid falsch sitzt. Klar, man könnte aufs Gehör vertrauen oder anständig vorarbeiten. Ok, ok, ok, das war jetzt Seitenhieb Nummer 2. Ich höre schon auf.
Ihr wisst, was ich meine: Loops sind wichtig als Beat-Jumps. In meinen Augen zumindest.

Klassische Effekte dahingehend besitzt der DDJ-1000 am Mixer. Vier Sound Color FX befinden sich hier, Dub Echo, Pitch, Noise und natürlich ein Filter. Die Potis in jedem Kanal sind wie erwähnt bipolar mit Mittenrasterung.

Dazu kommen die Beat FX: Low Cut Echo, Echo, Delay, Spiral, Reverb, Trans, Enigma Jet, Flanger, Phaser, Pitch, Slip Roll, Roll und Mobius in Sägezahn oder Dreieckschwingung. Die beiden Mobius-Effekte, Enigma-Jet und Low Cut Echo sind die vier neuen Effekte.

Alle Effekte können einem Kanal zugewiesen werden, dem Sampler wie auch dem Mikrofoneingang. Achtung: Die Anordnung der Effekte am Regler ist nicht in der Reihenfolge 1, 2, 3 und 4, sondern 3, 1, 2 und 4, ebenso wie die Bezeichnung der Kanäle auch.
Damit bricht Pioneer DJ mit der normalen Anordnung von 1, 2, 3, 4, was mir persönlich zu sehr Controller und zu wenig DJM ist. Damit sollte man klarkommen, in Bezug auf die Zielrichtung aber finde ich es ein wenig unsinnig. Es widerspricht dem Ziel, dass der Pioneer DDJ-1000 das kleine Setup als Pendant zu CDJ und DJM zuhause sein soll. Auch sollte mehr Unabhängigkeit vom Laptop dazu führen, dass man Kanäle auf dem Mixer und noch mehr die Zuweisung der Effekte nicht wie die Decks in der Software nicht über 3, 1, 2, 4 oder entsprechend Traktor zumeist ja C, A, B, D anordnet, sondern einfach in der normalen Reihenfolge. Selbst wenn auf Kanal 1 das Deck 3 läuft, kann man immer noch die Hardware-seitige Effektzuweisung auch Hardware-seitig hinsichtlich der Kanalzüge machen.

Ein kleiner Blick auf die neuen Effekte. Das Low Cut Echo erklärt sich von selbst. Mangels Frequenzauswahl, wie z. B. derweil am DJM-900NXS2, hat Pioneer DJ das Echo direkt mit einem Low Cut versehen.
Enigma-Jet ist ein Flanger-Effekt mit Tonhöhenveränderung entsprechend der Beat-synchronisierten Timing-Einstellungen. Die Auswahl hierzu erfolgt über die kleinen Pfeiltasten unterhalb des Displays, während in diesem die Werte abgelesen werden können.

Mobius als Saw oder Triangle, also Sägezahl oder Dreieckschwingung, sind entsprechend der Auswahl erzeugte Töne eines Oszillators im Mittel- und Hochtonbereich, die dem Signal des ausgewählten Kanals zugemischt werden und die sich anhören, als würde die Tonhöhe steigen oder fallen.

Ähnlich dem Noise-Effekt in den Sound Color FX können diese beiden Effekte auch alleinig auf einem Kanal genutzt werden, so dass nur der Osziallor-Sound zu hören ist und solo auf einem Kanal anliegt. Das Zufahren zum Master-Sound ist somit über den Fader möglich und bietet so die Möglichkeit, Up- oder Downlifter zu kreieren.

Qualität und Haptik des DJ-Controllers

Wie zu erwarten liefert Pioneer DJ in gewohnter Qualität ab. Die Oberfläche des Mixers ist aus Kunststoff, hochglänzend, spiegelnd und dankbar über jeden Fingerabdruck. Die Oberflächen der Decks sind aus gebürstetem Aluminium. Das Gehäuse selbst komplett aus Kunststoff, ebenso Frontblende und Rückseite.

Die Potikappen sind gummiert mit Ausnahme Color-FX Potis. Mit Ausnahme der Pads sind alle Tasten aus Kunststoff und verfügen über einen angenehmen, Pioneer-klassischen Druckpunkt.

Der Crossfader ist sehr leichtläufig, hier hat Pioneer DJ ja einen Magvell-Fader verbaut. Ausgelegt auf über 10 Millionen Bewegungen wird sich jeder Scratch-Liebhaber freuen.

Ein Augenmerk sind natürlich die Jog-Wheels, mit denen der Pioneer DDJ-1000 der erste MIDI-Controller wird, der die Jog-Wheels der CDJs und des XDJ-1000MK2 besitzt. Sie sind im selben Stil produziert, besitzen dieselbe Größe, einen gummierten Außenring und die druckempfindliche Cover-Plate. Rein haptisch gibt es keinen erkennbaren Unterschied zu den Jog-Wheels der aktuellen großen Media-Player.

Fazit

Ein neuer DJ-Controller für die hauseigene DJ-Software Rekordbox? 1199,- Euro ist der Preis, damit liegt der Pioneer DDJ-1000 auf einem ähnlichen Preisniveau wie ein Pioneer DDJ-RX (UVP 1049,- Euro), der jedoch von den Funktionen her gesehen etwas unterschiedlich ist (keine Beat-FX, dafür Effektsteuerung in den Decks Software-intern).

Ausgelegt ist der Pioneer DDJ-1000 für mobile DJs, den Einsatz in kleineren Bars oder aber als Alternative zum großen Setup aus DJM und CDJs oder XDJs für den Club-DJ. Dabei bietet er den klassischen Aufbau eines DJM samt 4 Kanälen, Soundcolor und Beat FX sowie Decks, die denen eines CDJs oder XDJs sehr ähneln – inklusive der großen Jog-Wheels.

Eine Alternative zum Pioneer XDJ-RX2, der ein ähnliches Konzept fährt, ist er nicht nur hinsichtlich des Preises, sondern auch hinsichtlich der Größe und folgend der Mobilität. Auch bietet der XDJ-RX2 nur zwei Kanäle, andere Jog-Wheels und weniger Effekte, heißt also, weniger DJM.

Der Pioneer DDJ-1000 ist also nicht nur Controller, sondern auch Club-Setup-Ersatz für den Einsatz zuhause. Beide Jobs erledigt der Controller sehr gut. Funktionell ist das Modell natürlich mit der Pioneer eigenen Software Rekordbox perfekt abgestimmt und spielt diesen Trumpf bereits bei der Installation aus. Selbiges erwartet den Nutzer in der Praxis und man kann davon ausgehen, dass weitere Updates der Software Rekordbox auch volle Unterstützung für den Controller liefern werden.

Für einen Preis von rund 1200,- Euro ist der Pioneer DDJ-1000 ein ziemlich gutes Produkt entsprechend der Zielsetzung, Club-/ Bar-DJs als Kunden zu gewinnen, die daheim mit der Software spielen und die Playlisten auf dem USB-Speichermedien in den Club mitnehmen möchten.

Plus

  • CDJ/XDJ-gleiche Jog-Wheels
  • Jog-Wheels hins. der mechanischen Sensibilität einstellbar
  • Displays in den Jog-Wheels
  • Mixer auch standalone nutzbar
  • duale Soundkarte

Minus

  • Shift-Taste klein und unbeleuchtet (dennoch wichtig)
  • Kanal-Auswahl in der Effekt-Sektion nicht in der Reihenfolge der Kanäle (3/1/2/4)

Preis

  • Ladenpreis: 1199,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    TobiMiller

    Sehr schöner Bericht.
    Ich möchte von Timecode Vinyls weg und auf Player mit Jogwheels wechseln. Ich finde den DDJ-1000 sehr gelungen. Trotzdem gibt es als Konkurrenz den MCX8000 von Denon, welcher sogar Standalone ist. Macht der für mich Zuhause überhaupt Sinn, wenn ich im Club eh immer einen Pioneer Player stehen habe? Würde man den MCX eher einem Alleinunterhalter empfehlen und den Pioneer einem DJ der für den Club üben möchte?

    Es ist natürlich cool ohne Laptop aufzulegen doch kann man dort ohne vorgefertigtes Set gut navigieren und stundenlang auflegen?

    Grüße

    • Profilbild
      miro momo

      Da in fast allen Clubs ein CDJ/DJM-Setup steht macht es wohl wenig Sinn den Denon MCX für zuhause zu holen; würde ich so wie du sagtest dann schon dem Mobile DJ empfehlen.

      Wenn dir das mit dem Stick zu unübersichtlich ist, kannst du auch die CDJ direkt von deinem Laptop speisen. ;)

  2. Profilbild
    Rob Pasec

    Toller Bericht, danke an das Amazona Team bzw. an den Autor Bolle.. In der Tat scheint es aktuell der gefragteste Controller auf dem Markt zu sein. Bin echt mal gespannt wie lange die Jungs von VirtualDJ brauchen, bis der auch mit deren Software läuft ….

  3. Profilbild
    Bloom  

    Ich kann es kaum erwarten, das wie angekündigt der Controller auch mit VirtualDJ Pro unterstützt wird!

    • Profilbild
      Bloom  

      Ich hatte nun die Chance den Controller zusammen mit VirtualDJ Pro zu testen und muß sagen, ich bin begeistert. Da hat sich sowohl Pioneer als auch VDJ mal richtig übertroffen!!!!

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