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Test: Positive Grid BIAS Delay Pro Effektpedal

13. Oktober 2021

Effektpedal in Studioqualität

Positive Grid BIAS Delay Pedal ist das dritte Pedal der Firma, die mit ihrem BIAS-Konzept die Entwicklung der Musikeffekte auf eine neue Stufe hob. Bei BIAS geht es darum, seinen eigenen Effekt, den Amp mit virtuellen Mikrofonabgriff, Verzerrung, Modulation, oder Delay aus virtuellen Hardware-Komponenten zusammenstellen und nicht nur einfach Hunderte vorgefertigter Emulationen vorgesetzt zu bekommen. So gibt es neben BIAS Amp (V2) auch BIAS Pedal, deren Presets in der BIAS FX ((V2) Software weiterverwendet und zu einer beliebig langen Kette aus Effekten zusammengestellt werden können, für MacOS, Windows und iOS-Geräte. Ein eigenes kleines Biotop.
Über die BIAS FX und AMP Software berichteten wir schon 2015, als diese auf dem iPad ihr Debüt feierten und danach auf die Desktops übertragen wurden.

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Seitdem haben Positive Grid ihre Algorithmen auch in Hardware-DSPs gegossen. Die Pedale BIAS Distortion (Test hier lang) und BIAS Modulation (Test hier lang) wurde auf AMAZONA.de ja schon für die Gitarrera-Liga getestet und für „sehr gut“ befunden. Nun folgt, quasi als Abschluss der Trilogie, der Test des BIAS Delay Pro Pedals für Synthie-Liebhaber. Keine Gitarren, sorry.

Auspacken

Unboxing

Das Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal kommt in einer der edelsten Verpackungen, die mir je untergekommen sind. Der seidenmatte, schwarze Karton enthält eine Ober- und eine Unterschale aus demselben Material, die das Pedal sehr gut vor Transportschäden schützen. Zudem sind in den Taschen der Unterschale noch die Beigaben für das Pedal enthalten. Das sind eine Kurzanleitung, eine Karte mit einem Code für die Bias Pedal Delay Desktop-Software, die mit meinem kostenlosen Konto bei Positive Grid freigeschaltet wird. Die entsprechende Version für BIAS Pedal für iOS muss eigenständig zugekauft werden und läuft nur auf dem iPad.

Weiterhin liegt ein, wie in den anderen Tests schon angemerkt, viel zu kurzes „Micro-USB auf USB-A“-Kabel bei sowie das Netzteil, das mit 9 V, 2 A übermäßig groß ausgelegt wurde, denn laut Handbuch benötigt das Pedal nur 270 mA als Mindeststrom. Oder man dachte dabei an die Verwendung eines Stromverteilers zum Betreiben mehrere Pedale. Zuletzt befinden sich auch noch vier Gummifüße im Karton, wenn das Pedal auf den Tisch kommen soll und nicht auf ein Pedalboard.

Positive Grid BIAS Delay Pro Rückseite

Das Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal hat eine Gehäusegröße von ca. 23 x 14,5 x 4,2 cm, wobei noch mal 2,2 cm für die Reglerkappen oben drauf kommen. Nicht nur das Gewicht von 1,2 kg vermittelt Hochwertigkeit, denn auch die Verarbeitung ist erstklassig. Das Metallgehäuse steht ohne Verzerrungen fest auf dem Tisch, mit einer gebürsteten Aluminiumapplikation für die Beschriftung. Die Reglerkappen sind ebenso aus Vollaluminium und alle Potis, Bedienelemente und Klinkenbuchsen sind am Gehäuse verschraubt.
Nur der Druck-Encoder hat ein wenig Spiel, aber das sieht in den meisten Videos zu den BIAS-Pedalen definitiv wackliger aus als es ist. Alle Regler haben einen eher leichtgängigen Drehwiderstand.
Jedoch, möchte ich noch loswerden, dass mir Größe und das Design der Potikappen so gar nicht gefallen mag. Auch nicht ganz nach meinem Geschmack sind auch die drei A,B,C-Taster, die einen sehr leichtgängigen Weg und einen sehr tief gelegenen harten Schaltpunkt haben, im Gegensatz zum TAP-Taster, der einen höheren Federwiderstand hat und so reagiert, wie man es wohl von den meisten Pedalen gewohnt ist. Zuerst dachte ich schon, die ABC-Taster seien kaputt, aber nein, das „Kippschalterverhalten“ gehört wohl so.

Die Ein- und Ausgangsbuchsen sind in L/R-Stereo ausgeführt und im Gegensatz zur iOS-App, die nur einen Mono-Downmix am Eingang verarbeitet, ist das Pedal auch tatsächlich stereo. Im Bypass-Modus des Pedals kommt das Signal, das 100 % links bzw. rechts reinkommt, auch nur links bzw. rechts wieder raus. Bei aktivem Pedal kommt, dem räumlichen Effekt geschuldet, ein entsprechendes Panorama-Stereo-Signal heraus.
Auch wenn nur ein Monokabel in die linke Buchse gesteckt ist, wird das Ausgangssignal in Stereo ausgegeben. Einen reinen Mono-Betrieb gibt es nicht, aber das Pedal Mono zu betreiben, wäre wirklich eine Sünde.

Positive Grid BIAS Delay Pro

Die Eingänge des Pedals sind mit einer Impedanz von 1 MOhm in erster Linie für Instrumente ausgelegt, haben aber auch mit Line-Verbindungen (10 kOhm) keine Probleme. Die Ausgänge liefern ausschließlich unsymmetrische Line-Pegel. Umschalter zwischen Hi-Z- und Line-Betrieb, wie z. B. bei den Pedalen von Eventide, gibt es leider nicht. Das hätte dem schon vorhandenen Luxus noch das Sahnehäubchen aufgesetzt, auch wenn das Pedal, wie die allermeisten seiner Kollegen, keinen Netzschalter zu bieten hat.
Wird das Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal bei gehaltenem A-Fußschalter an den Strom angeschlossen, schaltet es in den True-Bypass. Dasselbe mit dem B-Schalter, wechselt es zurück in de Buffered-Bypass, der als Standard eingestellt ist. Das lässt sich aber auch bequemer in der Software einstellen.

Die USB-Micro-Buchse auf der Rückseite ist ein wenig im Gehäuse versenkt, was der Langlebigkeit sicher zugute kommt und hier ist auch der Bluetooth-Wireless-Taster, mit dem sich das Pedal mit einem iPad verbinden und von dort mit der Positive Grid BIAS Pedal-Software fernsteuern lässt. Aber das alles ist reine Geschmackssache!

Anschließen

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS Firmware-Update

Ich also unsymmetrische Strippen vom Pedal zum Audiointerface und schließe das Pedal an das Netzteil an und hole es mit den Fußschaltern erst einmal das Pedal aus dem Bypass-Modus.
Durch kurzes Drücken des Encoders wird zwischen zwei Bänken mit je zehn Presets umgeschaltet, was durch rotes oder blaues Leuchten des LED-Rings angezeigt wird. Gespeichert werden die aktuellen Einstellungen im gerade aktiven Preset per langem Drücken des Encoders. Es ist nicht möglich, Einstellungen auf einem anderen Preset-Platz zu speichern, als dem gerade aktiven.

Prinzipiell kann das Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal auch ganz ohne Computer betrieben werden. Dann ist man halt auf die 20 voreingestellten Effekte beschränkt und es lassen sich nur die Parametervariationen abspeichern. Also so gut, wie die meisten anderen Pedale. Aber sind wir mal ehrlich: Wer an der Software-Anbindung kein Interesse hat und am Experimentieren und virtuellen Schrauben ebenso, sollte sich besser ein anderes Pedal zulegen. Damit ist man dann deutlich besser aufgehoben.

Positive Grid BIAS Delay Pro Software-Upgrade

Jetzt also mit dem iPad per Bluetooth verbinden. Über die Menü-Option „Connect“ verbindet sich das Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal problemlos und führt auch gleich (falls notwendig) ein Firmware-Update des Pedals durch.

Es gibt auf iOS über USB keine Fernsteuerungsoption mit der Pedal-App. Jedoch meldet sich das Delay-Pedal über USB als 1×1-MIDI-Interface an und kann so auch gemäß den im PDF-Handbuch aufgeführten MIDI-Kommandos vom iPad aus gelenkt werden.

Positive Grid BIAS Delay Pro Desktop USB-Verbindung

Für die Verbindung mit dem MacOS/Windows wird das USB-Kabel benötigt und die Standalone-App von Bias Pedal! Die Plug-in-Version hat keine Remote-Funktion und es gibt auch keine Bluetooth-Verbindung zum Rechner.

Hier gleich mal eine fette Rüge an Positive Grid: Eine Bedienoberfläche von 820 x 630 Pixel ist Vorsteinzeit!
Auf dem Desktop sollte das Pedal angeschlossen werden, bevor die Software geöffnet wird, dann klappt die Verbindung wunderbar. Alle Editiervorgänge, die am Pedal oder in der Software gemacht werden, synchronisieren sich unverzüglich mit dem Gegenpart.

Ohne BIAS-Software meldet sich das Pedal über USB ebenfalls als 1×1-MIDI-Interface am Rechner an. Sollte man mehrere BIAS-Pedale besitzen, lässt sich immer nur eines auf einmal per Software-Plattform fernsteuern.

Bedienung

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS Remote Bank 1 & 2

Die Bedienung des Positive Grid BIAS Delay Pro Pedals ist an sich selbsterklärend und ich gehe daher gleich zur Besprechung der Bias Pedal Standalone-Software über.

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Die interne Signalkette, besteht aus Delay-Modul, Modulationsmodul, Power-Modul und zwei  EQs, die frei in der Signalkette eingefügt werden können. Ich werde hier nur auf die wichtigsten Elemente eingehen.

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS EQ

In der Delay-Stage lassen sich vier verschiedene Delay-Algorithmen auswählen: TAPE, STANDARD, PINGPONG und REVERSE plus Sättigung, gefolgt von der Modulation-Stage mit den Effekten CHORUS, FLANGER, PHASER und TREMOLO plus ein REVERB und Kompressor. Die beiden Module können auch einzeln aktiv geschaltet sein, was also acht verschiedene Grundeffekte ergibt und die Eckpfeiler der Klangmöglichkeiten des Pedals darstellen. Alle weiteren Einstellungen fügen dann „nur noch“ Klangfarben zu diesen Themen hinzu, die dafür aber umso umfangreicher sind.

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS Delay-Stage

So besitzt die Delay-Stage auch Sättigung und interne Dry-/Wet-Parameter und auch einen Infinite-Taster für Endlos-Feedbacks.
Die Modulation-Stage bietet zusätzlich noch einen Ducking-Kompressor und vier LFO-Formen sowie ein einfaches Reverb.

Eine Anmerkung: Das Design der Pedale ist für deren Bedienung von keinerlei Bedeutung. Es bleiben immer nur die sechs Parameter MIX (Delay-Anteil), FEEDBACK und TIME aus der Delay-Stage und MOD (-Mod-Mixanteil), DEPTH und RATE aus der Modulation-Stage sowie der Reverb-Anteil am Pedal verfügbar. Die Design-Optionen können aber dennoch sehr nützlich für den schnellen, übersichtlichen Wiedererkennungswert der erstellten Pedale sein.

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS Mod-Stage

Ziemlich blöd beim Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal ist, dass in der Software zwar Millisekunden als Delay-Maßeinheit eingestellt werden können, am Pedal aber nur die Maßeinheiten Note, Punktierte und Triolen. Sollte ein Preset also Millisekunden als Maßeinheit haben und verstellt man den NOTE-Schalter, dann ist eine Rückkehr zur Millisekunden-Maßeinheit nicht möglich und das Preset muss erst erneut aufgerufen werden, um zu Millisekunden für den TIME-Regler zurückzukehren.
Möchte man am Pedal selbst eine unsynchronisierte Delay-Maßeinheit einstellen, lässt sich das nur über den TAP-Fußschalter bewerkstelligen. Die maximale Delay-Zeit beträgt im Übrigen 3000 ms.

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS Power-Modul

Das Power-Modul verfügt über einen weiteren Kompressor mit drei Schnelligkeitseinstellungen, Gain und einem Kompressionsverhältnis bis 8:1. Hier ist auch die „Betriebsspannung“, die zwischen 6, 9, 12 und 18 V einstellbar ist. Hört sich interessant an, ist aber eigentlich nur der Threshold-Grenze für den Kompressor. Je höher die „Spannung“, desto höher die Grenze, die zwischen -45 und -15 dB liegt. Hätte man auch gleich so schreiben können, aber wahrscheinlich wollte man mal wieder die Gitarristen nicht „überfordern“.

Die frei positionierbaren EQ bieten die Modellen Studio EQ (vierbandig), parametrischer EQ (sechsbandig) und graphischer EQ (achtbandig) zur Auswahl.
Mit diesen ganzen Bausteinen lässt sich der Klangfarbe des Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal schon mächtig verbiegen. Es bleiben aber trotzdem immer dieselben acht Grundeffekte.

Positive Grid BIAS Delay Pro iOS Remote Speichern

Alle Kommunikation zwischen Software und Pedal erfolgt im Übrigen über MIDI-CCs und SysEx-Strings. Über die einfachen MIDI-CCs lassen sich folgenden Funktionen steuern:
Preset-Auswahl (20).

  • MIX
  • FEEDBACK
  • TIME
  • NOTE
  • MOD
  • DEPTH
  • RATE
  • REVERB
  • A Footswitch
  • B Footswitch
  • C Footswitch
  • Tap Tempo Footswitch
  • TAP Footswitch Long Press
  • Expression Pedal

Für SysEx-Befehte muss dann Hexler TouchOSC oder eine ähnlich mächtige MIDI-Software her.

Klang

Positive Grid BIAS Delay Pro Frequenz

Bei den anderen Tests der BIAS Pedal-Serie wurde bemerkt, dass es zwischen den Presets erhebliche Lautstärkeunterschiede gibt. Das ist auch hier den Fall und bei den enormen Klangformungsmöglichkeiten des Pedals auch nicht weiter verwunderlich. Um dem einigermaßen entgegenzuwirken, lässt sich z. B. mit dem EQ am Ende die Lautstärke in allen Presets anpassen. Das ist zwar Arbeit, aber wie ich zuvor geschrieben habe, sollte diejenigen, die keine Lust am Basteln haben, besser ein anderes Pedal wählen.
Wichtig zu erwähnen ist auch das völlig knacksfreie Umschalten zwischen den Presets. Nur beim Starten der Desktop-Software im Remote-Modus gibt es immer einem hörbaren leichten Bump.

Positive Grid BIAS Delay Pro Harmonics

Ansonsten stellt sich natürlich die Frage, ob es einen Unterschied zwischen Hard- und Software gibt. Wie das Klangbeispiel „Drum1“ belegt, gibt es einen, aber meiner Meinung nach recht minimalen Unterschied. Das Pedal wirkt tendenziell etwas punchiger und bassiger, was davon aber dem elektrischen Design des Pedal geschuldet ist, bleibt dahingestellt, aber der Fingerabdruck ist unverkennbar.

Wenn beide Mix-Regler auf Dry sind, lässt sich das Pedal auch als alleiniger einfacher Halleffekt einsetzen, dessen Hallfahne noch mit den EQs nachbearbeitet werden kann.

Die Stimme im Beispiel ist von Opa Jott „Kartoeffelchenscheiben“, Mondlicht.

Auch hat das Pedal einen völlig neutralen und umfassenden Frequenzgang, was ja bei „Gitarrenpedalen“, die meist eher mittig gestimmt sind, zu Problemen führen kann, wenn ein Synthesizer oder Synthie-Drums mit vollem Frequenzumfang zum Einsatz kommen. Hier zeigt das BIAS Pedal Delay Pro, was es kann und entzückt mit Algorithmen erster Güte, wie die Klangbeispiele hoffentlich vermitteln.

Die Klangbeispiele wurde alle auf -6dB normalisiert und die Lautstärkeunterschiede zwischen den Presets auszugleichen. Die Beispiele sind bis auf die Reverbs alle 100 % wet.

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Fazit

Das Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal ist wirklich eine Wucht, zumal die aktuellen Preise sehr stark gefallen sind und so die Pro-Version für um die 250 Euro zu haben ist und das kleinere Twin für um die 200 Euro.

Was Klang, Verarbeitung und Möglichkeiten angeht, kann ich mich dem Urteil meiner Kollegen nur anschließen. Es gibt es zu diesem Preis kaum etwas Vergleichbares, zumal die enthaltene BIAS-Delay Software (normal ca. 99 Euro) ein echter Mehrwert ist und dieses Urteil würde ich selbst für den damaligen Einführungspreis von ca. 400 Euro noch so stehen lassen.

Plus

  • Klang
  • Verarbeitung
  • Editiermöglichkeiten
  • iOS und Desktop-Anbindung

Minus

  • zu kleine Bedienoberfläche der Desktop-Software
  • Millisekunden-Modus nicht am Pedal einstellbar

Preis

  • Positive Grid Bias Delay Twin: 189,- Euro
  • Positive Grid BIAS Delay Pro Pedal: 249,- Euro
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Klangbeispiele
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